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Die Wahrheit · 1903-05-01 · Heft 17 (1.5.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 17 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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«Leite 8 Sie Wahrheit. •■■r Nr. 17. Ich, Gott, verabscheue den Hochmut Jakobs und seine Paläste hasse ich. (ib. VI. 8.) Wehe demjenigen, der sein Haus baut mit Uugerechtig feit* und seine Gemächer mit Unrecht, der da spricht: ich werde mir ein ausgedehntes Haus bauen mit geräumigen Gemächern, mit Zedern und mit' Farben bemalt. So sprach Jeremias, 22. 13, zum König Jajakim. Daß sie auch großartige, zweckentsprechende Festungen und andere Vertheidigungswerke — selbstverständlich ohne fremde Hilfe — aufführten, dies ist unter Anderem schon daraus mit Sicherheit zu folgern, indem sie Jerusalem gegen das Kuegsheer der Chaldäer-Weltmacht anderthalb Jahre, und gegen die Römer drei Jahre heldenmütig verteidigten, und wäre Einigkeit unter ihnen gewesen, so hätten sie natürlicherweise noch länger Stand gehalten oder gar gesiegt. Nachfolgende biblische Mittheilung kann diese Behauptung uoch mehr erhärten: Und der König Usia baute zu Jerusalem Türme am Eckthore und am Thalthore und an andern Ecken und befestigte sie. Und er machte zu Jerusalem Brustwchre künstlich, die. auf den Türmen und Ecken sein sollen, zu schießen mit Pfeilen und großen Steinen, und sein Name drang sehr weit, daß ihm wunderbar geholfen ward, bis er mächtig wurde. (II. Chrou. 26. 9. und 15.) Auf dem Gebiete der Excavationcu habeu die Juden -Hervorragendes geleistet. Hieher gehören die Anlegung kunstvoller Brunnen, Cysternen, Wasserleitungen, der Bau von Grabgewölben und künstlichen Höhlen und schließlich auch der Bergbau. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Uachrichten. Wie«. (Sonnenthal-Vorlesung.) Die Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums beendet Montag, den 4. Mai, ihrer diesjährigen Vortrags-Cyclus mit eine Vorlesung des k. und k. Hosschauspielers und Ober-Regisseurs Adolph Ritter von Sonnenthal: „Henoch," Gedichte von Heinrich Graf Coudenhove, „Lieder des Ghetto" von Morris Rosenseld, „Die Schweigern,," Novelle von Dr. Leopold Kompert. Der Eintritt zu dieser im 'Festsaale des Etablissements Ronacher staltfindenden Veranstaltung ist nur gegen Karten gestattet, die für Mitglieder der Gesellschaft Don- -nerstag, den 80. April und Freitag, den 1. Mai im Bureau, (Jüdisches Museum), I. Krugcrstrasse 8, Mezzanin, von 2—6 Uhr Nachmittags behoben werden können. Nichtmitglieder können die eventuell erübrigten Karten Sonntag, den 3. Mai zu oberwähnter Zeit im Museum in Empfang nehmen. Die«. (Jsraelitisch-theolog.sche Lehranstalt in Wien.) In Folge -Ablebens des bisherigen Präsidenten Moritz Karpeles fanden in der am 23. d. M. stattgesundenen Kuriatoriums-Sitzung folgende Ergänzungs- Wahlen statt. Es wurden für die restliche Functionsdauer bis Ende 1905 einstimmig gewählt: Herr Moriz Edler von Kuffner zum Präsidenten Herr Theodor Ritter von Taussig zum I. Vize-Präsidenten, Herr Dr. Adolf Stein zum Controlor, Herr Emil Karpeles zum Mitglieds des Kuratoriums und zum Kaffier. Wien. (Kranken-Unterstützungs-Verein Livias-Chen.) Der Unterzeichnete Vorstand gibt hiemit bekannt, daß Herr Rabbiner 'ibr. A. Kamnika an jeden Samstag nachmitags 'präcis Uhr im Vereinsbethaus II. Ob. Donaustrasse 89 p-jo vortragen wird und ladet daher Mitglieder und Nichtmitglieder höflichst ein, sich zahlreich und pünktlich zu den Vorträgen einzufinden. Der Vorstand. Wie«. Der Vorstand des Brigittenauer Tempelvereines hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, den durch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes rehabilitirten Obercantor I. Oesterreicher wieder in seine Functionen einzusetzen. Letzterer wird demgemäß Freitag, den 1. Mai beim Abendgottesdienste nach längerer Unterbrechung wieder fungieren. Dem bisherigen Obercantor L. Edelmann wurde für seine ausgezeichneten Leistungen die besondere Anerkennung des Vorstandes ausgesprochen und dem Bedauern über das Scheiden des beliebten Funktionärs Ausdruck gegeben. Wie«. Sonntag den 26. ds. Mts. fand im Stadttempel die Trauung des Fräulein Rosa Menkes, Tochtes des II. Cantors H. Menkes, mit Herrn Adolf Halpern statt. 31 an bemerkte unter den Gästen die Herren Vicepräsidenten Tr. Alf. Stern und Dr. Gustav Kohn, Baurat Theodor Ritter v. Taussig, Bethausvorsteher Stiaßny, kais. Rat Dr. Lieben, I. Cantor Schiller, Obercantor Bauer, die Cantoren Smotritzky, Edelmann, Weißmann und Weinstein. Der Brautvater versah die cantrrale Funktion in sehr würdiger Weise. Den Trauungsakt vollzog Dberrabbiner Dr. Güdemann. ZSndapest. Vorige Woche interpellirte ein Anhänger/ der Volks Partei im ungarischen Reichstage die Regierung, warum sie gestattet, daß die Juden die Patronatsrechte ausüben und an den Pfarrerwahlen sich betheiligen. Schnürst raks , ist Geza Polonhi, der seit einigen Tagen wieder im Reichstage sitzt, dem Interpellanten beige''prungen, denn auf seine Anordnung wurde diese eingebracht und er hat eine regelrechte Antisemitendebatte herausbeschwören wollen. Allein die ungarische Regierung hat jetzt etwas Besseres zu thun als sich ein solches Vergnügen zu erlauben, darum schüttete Polonhi die Schale seines Zornes gegen den Abgeordneten Joseph. Veszi aus, der als Abgeordneter des HI. Bezirkes die hauptstädtischen Repräsentanten ersuchte, für den Pfarrer Saagmüller zu stimmen, den die ganze katholische Bevölkerung in Altofen zum Pfarrer wünscht. Polonhi wüthete in seiner giftigen Rede stets gegen die Juden. Die Lutheraner und Kalviner ließ er stets ungeschoren, daraus ersieht man, daß er nur die Leidenschaft gegen die Juden aufstacheln wollte, nud die Maulwurfsarkeit in dieser aufgeregten Zeit hätte üble Folgen, wenn die Regierung diesem Maulhelden geantwortet hätte. . Vor! tag. WagY'Kanizsa. Am 27. d. M. wurde Herr Samuel Goldmann, Cantor der hiesigen ist. Cultusgemeinde, mit der von der hohen un» garischen Regierung für vierzigjährige Dienstzeit creirten Verdienst- Medaille feierlichst decoriert. ZLudapest. Wir sind in der angenehmen Lage, den geschätzten Lesern dieser Wochenschrift eine erfreuliche Mitteilung zn machen. Der gelegentlich der Rabbinerversammlung gewählte Ausschuß tagt gegenwärtig allhier und einzelne Unternehmungen, die der Ausschuß verfolgte um im Interesse des Judentums zu wirken, sind ihm Gottlob gelungen N2D^. Erstens hat der königl. ung. Finanzminister, den jüdischen Trafikanten es gestattet, daß sie nicht verhalten sind, ihre Handlungen an allen jüdischen Feier- und Festtagen offen zu halten, sondern sie haben blos dafür zu sorgen, daß nächst ihren Handlungen eine Stätte angebracht sei, wo die Bevölkerung ihren Bedarf an Tabak und Zigarren kaufen kann. Ferner hat die hohe Regierung die Zusicherung ausgesprochen, gelegentlich der Eröffnung der Kinderasyle darauf bedacht zu sein, daß die aufzunehmenden Judenkinder einen geregelten Religions unterricht genießen sollen. Die Arbeiten des Ausschußes sind noch nicht beendet und wir werden gelegentlich auf dieselben nochmals zurückkommen. Voiitas. Zaka-Egerszeg. Wir Juden danken dem Allmächtigen jeden Tag, daß'der Allbarmherzige in seiner unendlichen Güte es veranlaßt, daß die Zeiten sich ändern. Diese Wahrnehmung hat sich auch in unserem Orte vollzogen, die es verdient, daß sie in einem jüdischen Blatte regtstrirt werden soll. In unserem Or!e fanden vor zwanzig Jahren, während des Prozesses der falschen Blutbeschuldigung zu Tisza-Eszlar Judenplünderungen statt. Finstere Gesellen, die im Trüben ihr Handwerk treiben, hetzten die Menge, die stets für Alles zu haben ist, gegen die jüdische Bevölkerung auf. Der Geist der Unduldsamkeit ist leichter anzufachen, als die Aussaat des Friedens zu pflegen und zu beschützen, die bethörte Menge schenkte der Zügellosigkeit Gehör und die Ausschreitungen gegen die Juden waren an der Tagesordnung. Die jüdische Bevölkerung bemühte sich, nach den verübten Gräueltaten den Geist der Versöhnung, eine uns angekorne Tugend, zur Geltung zu bringen, dadurch hat im Laufe der Zeiten eine Umwandlung im Schooße der christlichen Bevölkerung zu unseren Gunsten platzgegriffen. Gelegentlich der letzten Richterwahl, die am 19. April hier stattgefunden, wurde der israelitische Gemeindepräses, Herr Leopold Korein, einstimmig zum Ortsrichter gewählt. Es kann unsere Aufgabe nicht sein, in diesen Blättern über die Umwandlung der Gesinnung der hiesigen Bevölkerung im Allgemeinen zu berichten, die angeführte Tatsache beweist, daß die Juden es verstehen, das Vertrauen ihrer christlichen Mitbürger zu gewinnen und bestrebt sind, sich desselben verdient zu machen. Hungaricus. Warosvasarheky. In manchen, frommen Judengemeinden wird noch heute in strittigen Fällen die Entscheidung des „Bezdin angerufen. Ein solcher Fall ereignete sich jüngst in Marosvasarhely. Zwei jüdische Eierhändler kamen dahin überein, daß ihre strittige Diffe.enz, d'e sich auf 1760 Kronen belief, durch das „Bezdin" ausgetragen werde. Beide Theile übergaben dem „Bezdin" ein unausgesülltes Wechselblanket mit dem Aufträge, die Kommission möge den obwaltenden Streitfall entscheiden, den Wechsel der verlierenden Partei aus die festzustellende Summe ausfüllen und denselben dann der obsiegenden Partei übergeben. Dies geschah denn auch, nachdem der eine Theil in Eid genommen worden. Die fachfällige Partei erhob, als der Gegner den - Wechsel einklagte, vor Gericht Einwendungen. Der kön. Gerichtshof in Marosvasarhelh gab dem Klagebegehren Folge; die dortige kön. Tafel jedoch setzte — wie „Uegv. Lapja" meldet — den erstgerichtlichen Bescheid außer Kraft und wies den Kläger ab. da das „Bezdin" als eine religiöse Institution keinerlei JuriSduktionsrechte besitze und sonach nicht berechtigt sei, privatrechtliche Angelegenheiten rechtskräftig zu entscheiden. Letzteres steht nur. den durch die Gerichten organisirten Gesetze zu/— Die kön. Kurie bestätigte dieses Urtheil der zweiten Instanz. Krankfurt a. W. Herr Dr. Adolf Brüll' erhielt bei seinem Ausscheiden aus dem Lehramte den roten Adlerorden vierter Klaffe.

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