Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 17 (1.5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit. Seite 7. Nr. 17 sichern muß. Die Glaubensgenossen Lazarus' allüberall werden in dankbarer Erinnerung bewahren, was der Verblichene für die Ehre ihres Glaubens, ihrer sittlichen Anschauungen, ihres Schrifttumes geleistet, und wir, die im Namen von Hunderten österreichischer Cultusgemeinden sprechen dürfen, fühlen uns gedrängt, dies an seinem Grabe zu bekennen und Ihnen, hochverehrte Frau, die an der. Seite des edlen Verblichenen von der Begeisterung für seine Ideale ergriffen, seine Mitkämpferin für Wahrheit, Recht und. Menschlichkeit waren, unseres aufrichtigen Beileides, unserer innigen Sympathien zu versichern. Allgemeiner HesterreichifH-IsraeMischer Ztnnd . Das P rä f t b i ic nt: Dr. G u st a v K ohn. v Dr. Al sred Stern. Jüdische Toynbee-Halte in Wien. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wenn man der jüdischen Bevölkerung Wiens noch über dieses so wohlthätig wirkende Institut berichten würde. Und doch scheint es, als bekunde man mehr Interesse an den nichtjüdischen Volksvildungsanstalteu als üii der jüdischen Volksuniversität, wie die Toyllbee-Halle einmal — ich weiß nicht mehr voll wem — genannt wurde. Während jenen reichliche Geldmittel zur Verfügung gestellt werden, arbeitet die jüdische Toynbee-Halle mit einem Defizit. In seinen letzten Sitzungen hatte sich der Vorstand sehr ernst mit dieser Lebensfrage beschäftigt, und wenn es auch den vereinten Bemühungen gelungen ist, den Fehlbetrag von 1700 Kronen nahezu gänzlich zu decken, so verhehlte sich der Vorstand keinen Augenblick, daß das alte Wiener Erbübel, Indisferentismus genannt, auch die Toynbee-Halle leicht zu Falle bringen könne, wenn nicht außerordentliche Anstrengungen gemacht würden, sie auf eine solide finanzielle Basis zn stellen. Ein ad hoc gewähltes Actions-Comite hat die Aufgabe übernommen — und wird schon in allernächster Zeit damit hervortreten — die weitesten jüdischen Kreise für die T.- H. zu interessiren. Es handelt sich dabei in erster Linie um die Gewinnung von Vereinsmitgliederu, die sich durch eine Reihe von Jahren zur Leistung eines bestimmten Jahresbeitrages verpflichten. Sodann um einmalige größere Spenden behufs Capitalisirung eines Grundfonds, der als Bansoud j für ein eigenes Heim zu dienen habe. Endlich aber soll auch an die Gründung einer Bibliothek, eines Lehrzimmers ndgl. geschritten werden, um jenen, die für den Vortrag kein Interesse empfunden, Gelegenheit zu geistiger Anregung zu gewähren. Es darf der Hoffnung wohl Raum gegeben werden, daß der Appell nicht ungehött verhallen wird. .Wien nennt sich mit Stolz die größte jüdische Gemeinde der Welt und — noblesse oblige! H. B—v. Die Juden und der Talmud. XVII. Von den Leistungen der Inden auf dem Gebiete der bildenden Künste. Zu diesen gehören: die Zeichenknnst, die Bilduerei, die Malerei, die Baukunst. Die Zeichenkunst mußten die Judeu schon bei Anfertigung der Stislshütte, wie auch bei Erbauung des salomonischen Tempels und der Privatbauteu des Königs Salomo im hohen Grade verstanden und ausgeübt haben. Der Zeichner, der die Abrisse zu den Werken der Kunst anfcrtigl, heißt in der Bibel choseheb-Sinukünstler, weil er beim Zeichnen nachsinuen muß. Der Abriß, als „Vorbild" des anzufertigenden Werkes Heißt ta^nith-Modell von tenuuoh- Vernunst. Diese Wörter werden bei Anfertigung des Stiftszeltes genannt. (Exod. 35, 31—35.) Die Bildneret kam zumeist tu Arbeiten voll Holz, Metall und Kunstgeweben zur Verzierung der Stiftshütte, der Cherubsgestalten, der Kunstwebereien und Büderftickereien des Vorhanges vor dem Allerheiligsten, wie auch bei Anfertigung der Rinder- und Löwengestalten und im salomonischen Tempel zur Anwendung. Ueberdies bezeugen die gesetzetzeswidrigen Götzenbilder Michas (Richter, 18), wie auch die menschenähnlichen Therophim der Michat (I. S. 13. 16) und die goldenen Kälber Jerobeams (I. K. 12. 28.) ihre Kenntnis von der Kunstbildnerei. Schon in den Vorhängen und Teppichen der Stiftshütte waren Figuren eingewebt. (Exod. 38—39.) Aber vom Privatgebrauche der Malerei hört man erst in der chaldäischen Periode 580 v. (s. Ezechiel, 23, 14.. Jerem. 22, 14), mehr noch nach dem 1. Exil und besonders unter der Herrschaft Herodes. Ueberhaupt wurden Zeichenkunst. Bildnerei und Malerei aus ängstlicher Furcht gegen das 2. Gebot, „kein Götzenbild zu machen", von den Juden verhältnismäßig wenig gepflegt. Aber seit mehreren Dezennien bekunden die Juden auch hierin wie auf anderen Kunstgebieten ihre große Meisterschaft. Die Baukunst fand bei den Juden schon in den ältesten Zeiten große Pflege. Zuerst bekundeten sie dies durch ihren monumentalen Bau des salomonischen Tempels. Die Zurichtung dauerte 3 Jahre, wobei 80.000 Steinhauer und 70.000 Lastträger beschäftigt waren. Der Ban dauerte 7'/, Jahre. Es wird hiebei wiederholt berichtet, daß die Phönizier hiezu blos Zedern und Zypressenbäume vom Libanon lieferten. (I. Kön. 5. 16—26). Dasselbe geschah auch beim Baue seines Hofpalastes, der 13 Jahre dauerte. (Jb. 7. 14. Die Großartigkeit dieser 2 kolossalen Prachtbauten ist zu ersehen aus l. Kön. 7—8.) Auch zum Bau des 2. Tempels (516 v.) lieferten die Phönizier blos Zedern vom Libanon, aber der prachtvolle Bau wurde nur von den Juden aufgeführt. (Esra, III. 7. und Nechemja, II. 8.) Herodns (150 v.) hat seinen überaus prachtvollen vollen Tempel (Tr. Suk. 51), deffen Ausbau sammt den Nebengebäuden 8 Jahre dauerte, gewiß nicht von den Heiden (Griechen), sondern nur von den Judeu aufführeu lasten, und dies schon aus dem Grunde, weil er durch diesen Bau die Gunst der Juden zu erwerben strebte, was aber, wenn er ihn durch Heiden hätte aufbauen lasten, uicht zu hoffen war. Der Talmud. B. Batra 3—4, berichtet hierüber folgendes: Herodns ließ nach Besiegung Autigonus, des letzten Königs aus der Hasmonäerfamilie, viele Volkslehrer, Pharisäer, gewesene Anhänger des Autigonus, tobten und den Baba ben Buta, einen der vorzüglichen Schüler der Schule Schammais, Gegner des Herodus, (Gittin. 57.) blenden und mehrere seiner Verwandten tödten. Später besuchte ihn Herodus incoguito in Begleitung einer zweiten Person, die den Geblendeten bewegen sollte, über Herodus und seine Regierung zu fluchen; aber vergeblich, denn er berief sich auf die diesbezüglichen biblischen Verbote: Dem Fürsten in deinem Volke sollst du nicht fluchen. (Pred. S. 10. 20.) Als Herodns diese loyale Gesinnung wahrnahm, sprach er: Wenn ich gewußt hätte, daß die Weisen Israels so fromm sind, dann hätte ich sie nicht getödtet. Hierauf fragte er: Wodurch kann ich meine Sünde sühnen und die Gunst des Volkes erlangen? Darauf antwortete Ben Buta: Du hast durch Tödtung vieler Gelehrten Israels Licht — seine Lehre — ausgelöscht, so zünde cs durch den Bau und Erweiterung seines Tempels — seines zweiten Weltlichtes — wieder an! Und das that Herodns auch. Der Oniastenipel (160 v.) mußte nur von den Juden gebaut werden, sonst wäre er gleich zu Anfang mißcreditirt worden und er hätte mit dem in Jerusalem bestandenen Tempel nicht concurireu können. Die weithin berühmt gewesene Synagoge zu Alexandrien konnte gleichfalls nur von den Juden erbaut werden, wie dies übrigens schon an früherer Stelle nachgcwiesen wurde. Daß die Judeu auch Privat-Knnstbauten bewohnten, ist aus mehreren Strafreden der Profeten gegen diejenigen, die sie mit Unrechtem Gute erbauten und das Volk bedrückten, genügend zu ersehen. Und ich — Gott — schlage Winterauf Sommerhaus und es schwinden die Elfenbeinhäuser, und viele Häuser werden verwüstet werden. (Amos. III. 15).