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Die Wahrheit · 1903-05-01 · Heft 17 (1.5.1903) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 17 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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•- Clii»1orei<-Zeitnng. Nr. 17. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 23. Jahr- Ire geehrten «Herren Kantoren, rv.Lche trotz mehrfacher Mahnungen den restlichen Abonnementsbetrag nicht zusmden, werden erfncht, die ihnen am 1. Mai zugehenden Uostaufträge, welche nicht unbedeutende Spesen verursachen, bestimmt einlö'sen zu wossen. Die Administration. Zur Peusionöversicherung der Lultustieamten. Ueber die vom Curatorium des israelirischeu Laudesmassefündes gegebene und in vorletzter Nummer gemeldete Anregung, betreffs Pensionsversicherung der jüdischen Cultusbeamten in Mähren, wird ans Brünn folgendes berichtet: „Dem Vorsitzenden, Negierungsrat Dr. Spitzer, gebührt das große Vel dienst, der Initiator einer Institution gewesen zu sein, deren engilnge Schaffung dem Fonde zur Ehre, den Beteiligten zum Nutzen gereichen muß. Der Vorsitzende trat mit einem die Sicherstellung von Versorgungsgenüssen für die Bediensteten der Cultusgemeinden betreffenden Anträge vor die Versammlung, und der Beifall, mit dem seine Anregungen und Darlegungen ausgenommen wurden, war wohlverdient. Die Regelung der Peusiousversicherung auf autonomem Wege hätte der projektierten staatlichen Versicherung gegenüber mannigfache Vorteile. Während im letzteren Falle die von den Bediensteten bereits vollstrccklen Diensijahre nicht angerechnet werden, somit auch die älteren Bediensteten erst eine 10jährige Karrenzzei't zurücklegen müssen, um peusioüsberechtigt zu werden, würde bei der autonomen Versicherung eine Anrechnung der zurückgelegten Dienstzeit erfolgen. Ferner stellt sich die jährliche Prämie bei der beantragten Versicherung, dem gemeinsamen Beitritte zu einer autorisierten Versicherungsanstalt, ans rund 12% der versicherten Bezüge, also geringer als bei der staatlichen Versicherung. Nicht nur die Bediensteten würden bei einer autonomen Versicherung ersparen, auch für die Gemeinden bedeutet sie eine Entlastung, da die Cultusgemeinden infolge der obligatorischen Pensionsversichernng mit einer Mehrbelastung von 131/2— 14% der Bezüge ihrer Anstalten ohnehin rechnen müssen und beim Eingreifen des Landrsmassafondes Beiträge von %—1% der versicherten Bezüge ersparen. Der Ne.ferent stellt daher den vom Cnrator Dr. Hilf namens des Curatoriums befürworteten Antrag, das Curatorium möge zum Zwecke der Regelung und autonomen Sicherstellung der Versorgungsgenüsse der Cnltusbediensteten mit den Vorständen sämmtlicher Cultusgemeinden Verhandlungen einleiten, über ihren Erfolg in einer aä I100 einzuberufenden Delegiertenversammlung Bericht erstatten, sowie die notwendigen Anträge stellen. Es erfolgte unter lebhaftem Beisalle die einstimmige Annahme des Antrages. Es ist zu erwarten, daß die Schaffensfreude der Delegierten anhält und sie dem Beschlüsse, der vorläufig platonisches Wohlwollen für die Gemeindebediensteten verrät, bald die Tat folgen lassen. Das Curatorium hat die Ehrenpflicht übernommen, das von Dr. Spitzer mit edlem Eiker begonnene Werk zu Ende zu führen und zu beweisen, daß im Landesmassasond eine fruchtbare sozialpolitische Tätigkeit möglich und mißverstandene öffentliche Mildthätigkeit nicht sein ausschließliches Wirkungsgebiet ist." Es ist jetzt an der Zeit, für die vom Curatorium des mähr. Landesmaffasondes für die mährischen Cultusgemeinden gegebene Anregung auch die übrigen Cultusgemeinden Oesterreich-Ungarns zu erwärmen. Der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereins, dem ja das Verdienst nicht abgesprochen werden kann, vor Jahren schon eine damals leider erfolglos verlaufene Anregung zur Pensions-Versicherung der Cultusbeamten unter Heranziehung der Cultusgemeinden gegeben zu haben, wird, betreffs der Cantoren eine diesbezügliche Action einleiten, und es wäre dringend zu wünschen, daß die gesammte Berufsgenossenschaft durch Anschluß an diesen Verein das moralische Gewicht der einznleitenden Schritte erhöhe. Durch einmütiges Zusammenwirken kann viel erreicht werden, und jeder der sich fernhält^ schädigt seine eigenen Interessen und die der Gesammtheit. Litteratur. Gesammelte Schriften von Aavöiner Samson Rafael Kirsch. Während einer mehr als ein halbes Jahrhundert umfassenden hervorragenden literarischen Wirksamkeit auf den maningsachsten Gebieten der jüdischen Wissenschaft hat S. R. Hirsch eine Reihe größerer Werke veröffentlicht, die seine Haltung zu den großen Fragen der Zeit insbesondere aber zu den Kämpfen zwischen der Ortodoxie und den fortschrittlichen Anschauungen stxiren. Das Verständniß für die eigenartige, bedeutende Gestalt Hirsch's, für die Stellung, die er in der Geschichte des Juden» Ihums einnimmt, würde aber ein uuvollständiges fein, wenn seine kleineren, zumeist in der von ihm begründeten Zeitschrift „Jeschurun" veröffentlichten Abhandlungen unberücksichtigt blieben. In diesen nach dem Umiange geringen, aber nach ihrem Inhalte oft höchst bemerkenswerthen Arbeiten — wir machen besonders aus die Abhandlungen „Der Jude und seine Zeit" „Die jüdischenZeremonialgefetze" „Jüdisches Gemeindewesen" „Die Natur und die Bibel in der Hand der materialistischen Weltanschaung" „Aus der Mappe eines wandernden Indersaufmerksam — lernt man den geistigen Werdegang Hirsch's genau kennen und gewinnt ein klares Urtheil über seine religiöse und wissenschaftliche Ueberzeugung, die das volle Interesse für die Individualität dieses Autors auch bei jenen zu erregen geeignet ist, die auf wesentlich verschiedenem, ja auch ganz entgegengesetztem Standpunkte stehen. Denn Hirsch war eine Individualität, eine Persönlichkeit von ganz eigener geistiger Structuv und das zeigt sich nicht nnr in der Art, wie er die Prinzipien der strengsten Ortodoxie vertritt, sondern auch in der Sprache, die er sich selbst geschaffen, die das Gepräge seines Wesens trägt und die selbst in seinen Antipoden die Meinung wachrufen muß, daß sie hier einem Manne gegenüberstehen, der von der Heiligkeit der Sache durchdrungen ist. der er sein Leben gewidmet. Es ist daher sehr erfreulich, daß der Verlag von I. Kaufmann (Frankfurt a. Main) diese kleinen Schriften Hirsch's, die im Buchhandel zum Theile überhaupt nicht mehr zu erhalten sind, gesammelt herauszugeben sich entschlossen hat. Die geradezu vornehme Ausstattung, in welcher der erste mit einem sehr beachtenswerthen Vorwort des Herausgebers, Justizrath Dr. N. Hirsch, versehene Band erschienen ist, ist der würdige, Rahmen für den werthvollen Inhalt und gereicht auch dem Verlage zur Ehre. Man darf dem Erscheinen der ferneren angekündigten Bände, welche eine wahre Bereicherung unseres Schristthumes bilden werden, mit hohem Interesse entgegensehen. Es fehlt heutzutage nicht an musikalischen Zeitschriften. Als solche hat sich auch die in erster Reihe stehende „Zleue Mirfikzeitung" (Verlag von Carl Grüninger in Stuttgart) in Musikerkreisen längst Anerkennung und Geltung verschafft. Ihre ungewöhnliche Verbreitung und volkstümliche Beliebtheit verdankt sie dabei aber noch dem besondern Umstande, daß sie als „illustriertes Familienblatt" auch der gesammten gebildeten Welt überhaupt, wo nur immer Liebe zur Tonkunst und Interesse für das musikalische Leben herrscht, Belehrung in gemeinverständlicher Form zu bieten versteht. So gibt es denn in der Tat kein anderes Blatt, welches in gleicher Weise wie die „ Reue Musik'Zeitung' den Bedürsnißen des Musikfreundes und den Ansprüchen des Fachmannes 511 genügen vermöchte. Auch das soeben vollendete Quartal dieser Zeitschrift (das erste ihres XXIV. Jahrgangs) steht den früheren an reichem und interessantem Inhalt aller Art keineswegs nach. Hervorgehoben seien beispielsweise folgende Aufsätze aus der Feder hervorragender Schriftsteller: Die Sonate der Zukunft, persönliche Erinnerungen an Brahms, ein Oraterienentwurf von Goethe, die Musik in Rußland, I. Dalcroze und seine Kinderlieder, Urtheile bedeutender Männer über Mozarts Don Giovanni, Die Musik des Urwaldes, Händels Alexanderfest, ein neuer Klavierfpielappart, Bachs Orgelwerke in Klavierbearbeitugen, zu Richard Wagners 20. Todestage, das böhmische Streichquartett; außerdem eingehende biographische Artikel (nebst Porträts) über I. F. Reichardt, Edward Elgar, Isidor Duncan,s Hans Pfitzner, M. Klementi, M. E. Bossi u. a,

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