Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 16 (24.4.1903)
- Date
- 1903-04-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7. N». 16 Die Wahrheit. Auskünfte vor. Das Vertreter-Kollegium schlage also nach eingehendsten, wiederholten Beratungen und nach genauester Prüfung aller in Betracht kommenden Momente die Herren Rabbiner Dr. E. David aus Düsseldorf, Dr. D. Feuchtwaug aus Nikolsburg und Dr. M. Grunwald aus Hamburg zur Berufung als Gemeinderabbiner vor. — Der Referent bespricht sodann eingehendderen Studiengang, die bisherige Wirksamkeit und die wissenschaftliche Betätigung jedes einzelnen der genannten drei Herren, bringt zur Kentnis, daß bezüglich zweier der genannten Kandidaten von hochachtbarer gelehrter Seite Bedenken angeregt wurden, daß diese jedoch von autoritativer Seite ihre Widerlegung gefunden haben. Er resümiert sohin, daß die drei genannten Kandidaten alle zur Anstellung als Gemeinde-Rabbiner erforderlichen gesetzlichen und statutarischen Quallifikationen, sowohl in Bezug ans die allgemeine Bildung, als auch hinsichtlich der teologischeu Befähigung zweifellos besitzen. Die Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft bei zweien der Genannten sei eine selbstverständliche Voraussetzung für die Bestellung. < Als Grundlage für die seitens des Präsidiums gepflogenen Vorbesprechungen mit den genannten drei Herren dienten die vom Vertreter-Kollegium ausgearbeiteten Instruktionen, in welchen die Pflichten des zu Berufenden präzisiert sind. Hervorgehoben müsse werden, daß auf Grund dieser Instruktionen dem Vorstande das jederzeitige freie Dispositionsrecht hinsichtlich des Amtssitzes und der Verwendung der Rabbiner zustche, ebenso wie eine Anwartschaft oder ein Rachsolgrecht auf irgend eine bestimmte Stelle nicht besteht. Bei der Beinessuug der Bezüge wurde seinerseits ans die Amtsdauer und die bisherigen Stellungen der zu Berufenden Rücksicht genommen, anderseits darauf, daß dieselben einzelne Der in den Instruktionen vorgesehenen, mit dem Rabbinate nicht unbedingt in direktem Zusammenhänge stehenden Agenden ohne Anspruch aus eine besonderes Entgelt zu übernehmen verpflichtet sind, so beispielsweise die Inspektion an Mittelschulen, die Abhaltung von öffentlichen Vorträgen auch außerhalb des Gotteshauses u. dgl. Referent empfiehlt sohin die Annahme der 'Anträge des Vertreter-Kollegiums. — Anknüpfend an dieses Referat bemerkt der Präsident, daß selbstverständlich bisher keinerlei biubeube Unterhandlungen mit den Vorgeschlagenen gepflogen wurden, sondern daß mit denselben nur über jene Bedingungen konferiert wurde, auf Grund welcher dem Plenum die Berufung in Antrag gebracht ^wird.— Nach mehr als zweieinhalbstündiger Debatte, an welcher sich beteiligten die Herren: kais. Rat Wilhelm Pollak, Professor Dr. Ehrmann, S. Kauders, Ritter von Taussig, kais. Rat I. Weil, Dr. M. Spitzer, H. Teltscher, Vize-Präsident Dr. Kohn, Hofrat S. Taussig, Emannel Hoffmann, Dr. A. Berger, S. Rosner und Dr. M. Steiner, und nach Beantwortung einiger im Laufe . der Debatte gestellten Anfragen durch den Präsidenten wird! nach den Schlußworten des Referenten zur Abstimmung ge-! schritten. Bei derselben werden die Anträge des Vertreter-Kollegiums auf Berufung der Herren Dr. E. David, Dr. D. Feuchtwaug und Dr. M. Grunwald zu Gemeinderabbinern mit einer die statutengemäß erforderliche Zahl weit übersteigenden Majorität angenommen. Nach erfolgter Abstimmung widmet der Referent noch Worte der Anerkennung für alle jene Herren, welche sich der Mühe unterzogen hatten, die Probepredigten hier abzuhalten und hebt hervor, daß unter diesen besonders einige sich sehr hervorgetan haben. (Allgemeine Zustimmung.) Der Präsident erklärt sohin, die im Laufe der Sitzung gegebenen ergänzenden Anregungen betreffend die Instruktionen dem Vertreter-Kollegium zur Berücksichtigung zu überweisen und schließt die Sitzung um 3/49 Uhr abends. Die Mayesvertheilung m der Srigittenau. Unsere im großen Style Humanitär ivirkende Wiener israel. Cultnsgemeinde hat Heuer anläßlich des Pessachfestes wieder. Gelegenheit gehabt, die ärmsten der armen in Wien seßhaften Glaubensgenossen mit ungesäuerten Broden (Mazzes) zu betheilen. — Ich weiß nicht, welches Quantum Mazzes in früheren Jahren oder in anderen Bezirken zur Vertheilung gelangte, und ich habe mich^ auch diesmal nur nach einer Richtung für diese Sache iiitete)|ht, nämlich in Bezug auf den XX. Bezirk. In einem vor Kurzem von mir in diesem Blatte publicirten Aufsatz nannte ich diesen Bezirk „das Reservoir der armen jüd. Bevölkerung Wiens"; ich gestehe jedoch, daß ich mir damals noch nicht im vollen Umfange über die Größe der in diesem Bezirke unter den jüd. Bewohnern herrschenden materiellen Noth klar war, und erst aus der Thatsache der erfolgten Betheilung läßt sich — ich möchte sagen — das ganze Terrain so ziemlich überblicken. Die Zahlen, welche hieraus resultieren, sind geradezu erschreckend. In der Brigittenau allein wurden llOMetercentnev Mazzes an circa 900 jüd. Familien vertheilt. Wenn man bedenkt, daß der Maßstab 2 Kg. per Person war, so sind im ganzen 5500 jüd. Seelen in diesem Bezirke mit Mazzes beschenkt, worden. Diese Ziffern sprechen eine allzuberedte Sprache, und wenn der Lateiner sagt: „Saxa loquuntur" so können wir in diesem Falle sagen: „Au lachmu anju", dieses Brod der Armuth, an dem man nicht satt werden kann, es vernschaulicht zur Evidenz das Elend in der Wiener Jndeuschaft. Die oberen paar Hundert mögen doch nicht vergessen, daß z für sie nach dieser Richtung Pflichten bestehen : „nobloEobliAs". , Bis auf das, was die israel. Cultnsgemeinde als solche un j das Armendepartement im übertragenen Wirkungskreis leistet, j geschieht in Wien für die immense Zahl armer und geradezu! bitterste Noth leidender jüd. Familien rein nichts, und haben diese auch nirgens eine Zufluchtsstätte, um Hilfe zu erflehen und zu gewärtigen. Die Kleinarbeit, welche die verschiedenen humanitären Vereine'.verrichten, ist an und für sich anerkennenswerth, als Hilfsaktion kann sie aber durchaus nicht angesehen werden. Eine solche müßte in ganz anderer Form und mit wesentlich anderen Mitteln in Scene gesetzt werden. Was leistet z. B. seit Jahren .die Fürstin Pauline Metternich auf dem Gebiere der allgemeinen Wohlthätigkeit? Ist es aber schon jemals irgend einer Persönlichkeit aus der jüdischen Aristokratie eingefallen, Ähnliches zu Gunsten der armen Juden zu arrangieren? Die Zeiten sind sehr ernst und trist, und Hilfe, ja ausgiebige Hilfe sehr nötig. — N. Ch. verschiedene Nachrichten. Zöien. („Oesterreichisch-Jsraeti tische Union".) Samstag, den 25. d. abends 8 Uhr, findet im Restanrant Khuner, I., Adlergasse Nr. 6, die 18. Generalversammlung der „Oesterreichisch-Israelischen Union" mit nachfolgender Tagesordnung statt: 1. Mitrheilungen des Vorstandes 2. Rechenschaftsbericht. 3. Cassabericht. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Anträge und Interpellationen. ZSien. (Israelitische Allianz.) Die 30. ordentliche Generalversammlung der Israelitischen Allianz zu Wien findet am 30. April 1903 um 6 Uhr Abends im Saale der israelitischen Cultnsgemeinde, 1., Seitenstettengasse 4, II. Stock, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1902. 2. Bericht über die finanzielle Gebahrung im Jahre 1902. 3. Wahl von fünf Borstandsinitgliedern mit vierjähriger Funktionsdauer (§ 6 der Statuten). Die Reihe zum Austritte trifft die Herren: David Ritter v. Gutmann, Oberrabbiner Dr. Güdemann, Wilhelm Pappenheim, Leopold Trebitsch, Donat Zifferer. 4. Wahl eines Vorstandsmitgliedes mit dreijähriger Funktionsdauer. 5. Etwaige Anträge der P T. Mitglieder (§ 8 der Statuten.) Der Eintritt in das Versammlungslokal ist nur gegen Vorweisung der aus Namen lautenden Einladung gestattet. Der Jahresbertcht gelangt in den nächsten Tagen zur Versendung. Wien. (Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk.) Am 26. d. Vormittags 10 Uhr findet in den Schullokalitäten, IX.,S Seegaffe 7, eine öffentliche Prüfung statt. ZSien. (Tomech Ewjonim.) Bekanntlich gehört es zu den Haupt, agenden des seit Jahren bestehenden Vereines ,,Tomecti Ewjonim“, H*.