Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 16 (24.4.1903)
- Date
- 1903-04-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Die Wahrheit. Nr. 16. Herminengaffe 6, armen, auf der Durchreise begriffenen Glaubensgenossen an Sabbäth- und Festtagen Freitisch und dort, wo es als unabweislich erscheint,'auch Geldunterstützungen zu gewähren. -Wie ersprießlich dieses Wohltätigkeitsinstitut sich erweist und in welchem Maße es von den Armen und Hilfsbedürftigen in Anspruch genommen wird, davon, hat, wie schon oft während seines Bestandes, auch das soeben verflossene Pessach-Fest die beste Probe geliefert. So wurden an demselben bei jeder Mahlzeit in zwei einander folgenden Gruppen nicht weniger als 684 Personen mit Freitisch und ein Teil derselben auch noch mit Geldunterstüßungen bedacht. Es war aber auch ein merkwürdiger Anblick, wie die um Freitisch sich Bewerbenden gleich nach Beendigung des Abendgottesdienstes scharenweise vor das im Restaurant iw der. Malzgaffe befindliche Ausspeiselokal gezogen kamen und alles aufgeboten werden mußte, um die nötige Ordnung unter den Einlaßbegehrenden aufrecht zu erhalten. Nachdem der Obmann, Obereantor M. Schorr, am ersten Tage infolge Unwohlseins verhindert war. die übliche Begrüßung der zu Betheilenden selbst vorzunehmen, wurde dieselbe in dessen Vertretung vom Obmann- Stellverrer, Herrn S. Figdor, der sich in Begleitung des Gesammtvorstandes an Ort und Stelle eingefunven hatte, in feierlicher Weise vorgenommen und darauf die geeigneten Vorkehrungen für die vorzunehmende Ausspeisung getroffen. Am zweiten Abende hielt Obereantor Schorr, wie jedesmal bei diesem Anlaffe, an die Versammelten, die das geräumige Lokal bis auf das letzte Plätzchen besetzt hatten, eine warme Ansprache, in der er ihnen Trost und Mut in ihrer bedrängten Lage zufprach und sie schließlich zu dem Mahl einlud, das ihnen durch die Munificenz hochherziger Glaubensgenoffen in so gastfreundlicher Weise geboten ward. Es braucht wohl nicht betont zu werden, welch' großartigen Fortschritt dieser Verein aus dem Gebiete der Humanität bedeutet, da ■ ja doch der immer mehr sich steigernde Zuspruch, wie dies die ausgewiesenen Ziffern ausweisen, deutlich genug dafür spricht. Zn wünschen wäre nur, daß dem schönen Menschenwerke in Würdiguug seiner humanen Tendenzen und in Anbetracht der Anforderungen, die an dasselbe gestellt iverden, auch seitens des Publikums eine größere Teilnahme entgegengebracht und iu Form von regerem Mitgliederbeitritt und Spendenznschuß die wohlverdiente Unterstützung zuteil werde. D. Skutezky. Wien. Dienstag, den 28. d. findet in Prag in der Meisel-Synagoge die Trauung des Herrn Alois Theumann, Sohn des bekannten Selchwaarensabrikanten Herrn Jacob Theumann, mit Frl. Berta Komenik statt. Wie»». Sonntag, den 26. d. halb I Uhr findet im Stadttempel die Trauung des Frl. Rosa Menkes, Tochter des Cantors Herrn H. Menkes, mir Herrn Adolf Halpern statt. LÜien. Im Leopoldstädter Tempel gedachte anläßlich der Haskara am 8. Tage Peßach Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Schmiedl des während dieses Festes Hingeschiedenen Geheimrates Professor L äz aru s. „Wenn ein Talmid cliackam, ein großer Gelehrter, dessen Leben und Wirken der Verherrlichung des Judentums und seiner Religion gewidmet war, stirbt, sind wir alle Leidtragende um den Hingeschiedenen." Dieser Ausspruch unser alten Weisen leitete den tiefempfundenen Nachruf ein, den Herr Dr. Schmied! dem Andenken Professor Lazarus weihte, und fanden seine Worte vieltausendfachen Widerhall in den Herzen der großen Bcterschar, die den Tempel füllte. Wie« Am 5. Pessachtage beging Herr S i m o n B u ch w a l d, Obmann des „Bethäuses und Beth-Hamidrasch Talmud.Thora", Vorstandsmitgliedes des «Israel. Krankenuntersrützungsvereines^ u. s. w. seinen 70. Geburtstag im engsten Familienkreise. In seiner Bescheidenheit wollte er diesen Tag in aller Stille begehen, was aber bei der Popularität des Jubilars nicht möglich war. Widerwillen mußte er unzählige mündliche Gratulationen entgegennehmen. Von Nah und Fern langten telegraphische und briefliche Glückwünscke in großer Anzahl an. — Der Name Simon Buchwald selbst umfaßt ein Programm. Sein 2'ivn 717221 r.pix Uebcn reicht weit über den Ocean. In Europa dürfte es kaum einen jüdischen Kreis geben, in dem der Namen Simon Buchwald ob seiner Aufopferung für die in Wien heilungsuchenden Glaubensgenossen nicht bekannt wäre. — Was der Jubilar für die Armen Wiens sowol, als auch für die des ganzen Continentes leistete, deffcn dürste sich kaum ein zweiter berühmen. Sowol im Bethause Talmud-Torah, deffen Obmann der Jubilar ist, als auch in dessen Wohnung dürsten wenige Tage im Jahre verstreichen, an welchen er nicht von Bedrängten und Hilfesuchenden belagert wäre, und welch' freundliche Aufnahme wird diesen zuteil. Und wenn er auch nicht allen ihre Wünsche befriedigen kann, so bemüht er sich, solchen zumindest weise Ratschläge zu erteilen. Und auch, welchen Schmerz empfindet er, wenn er nicht nach Herzenswunsch den Bedrückten mit Rat und Tat beistehen kann. Allsamstäglich, statt der eigenen Ruhe zu pflegen, begibt er sich zu Besuche der Kranken in die Krankenanstalten, spendet den Unglücklichen Trostesworte, erspäht ihre Wünsche und Beschwerden und setzt alles daran, diese nach Tunlichkeit zu erfüllen, worin er seine größte Glücklichkeit findet. — Daß er ein äußerst religiöser Jude ist, der stets für die Interessen des wahren und unverfälschten Judentums eintritt, und als Obmann des „Bethauses und Beth-Hamidrasch Talmud-Torah" mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln eine reichhaltige Tätigkeit entfaltet, ist allbekannt. Möge es ihm noch lange, lange vergönnt sein, in diesem Sinne in körperlicher und geistiger Frische zum Wohle der ganzen Menscheit zu wirken. M. L. K . . n Wie«. (Thora-Spende.) Die Kinder des verstorbenen Ehrenmitgliedes und langjährigen Vorstandes des israel. Tempel-Vereines im 10. Bezirk Herrn Sigmund Eibuschitz, die Herren Max, Rudolf, Adolf, der Schwiegersohn Herr Dr. Moriz Kraus und deffen Gemahlin Frau Clar Kraus, geb. Eibuschitz, spendete,^ zum ewigen Angedenken an ihren gottseligen Vater eine reich ausgestattete Thora-Rolle, die am 19. d., dem letzten Tage Peffachs weihevoll dein israel. Tempel-Verein des X. Bezirkes von den hochherzigen Spendern dem Obinanne des 4emprl-Vereines Herrn Carl Seligmann übergeben wurde. Herr Seligmann sprach namens des Tempel-Vereines und dessen Vorstandes den Spendern den wärmsten und herzlichsten Dank aus, übergab die Thora-Rolle dein ehrwürdigen Rabbiner Herrn Dr. A. L. Mandl, deran die Spender'eine geistreiche formvollendete Ansprache hielt, die sämmtliche Zuhörer sehr ergriffen hatte. Nach der vollzogenen Ansprache übernahm Herr I. S. Straßberg in seiner Eigenschaft als Obmann der. Tempel-Section die Thora, die er sofort ihrer Bestimmung:zuführte, und wurde als Erster zu dieser Thora der älteste Sohn des seligen Hrrrn Eibuschitz, Herr Tempelvorsteher Rax Eibuschitz, gerufen, der aus diesem Anlaffe neuerlich zu wohltätigen Zwecken eine namhafte Spende widmete. Wie«. (Urtheilscassierung durch den Cassationshof.)' , In der Affaire des gewesenen Obercantors des Brigittenauer Tempel-Vereines, Herrn Ignaz Oesterreich, der seinerzeit wegen einer einem Budapester Arzte zugegangenen anonymens Correspondenzkarte ehrenrührigen Inhalts von einem Senate zu einer verhältnismäßig hohen Freiheitsstrafe verurtheilt wurde, fand am 20. d. sM. die Cassationsverhandlung statt und hat der Oberste ^Gerichtshof das erstrichterliche Urthei aufgehoben. ' . ' M Ch. Wien. Sonntag, den 26. April 3 Uhr nachmittags, findet im Sitzungssaale der Synagoge, II., Leopoldsgasse die ordentliche General- Versammlung des israelitischen Wolthätigkeits-und Krankenunterstützungs- Vereines „Mazmiach Jeschua" mit folgendes Tagesordnung statt: 1. Rechenschaftsbericht des Ausschusses. 2. Bericht der Rechnungs-Revisoren. 3. Wahl von sieben Ausschußmitgliedern und drei Rechnungs-Revisoren 4. Eventualien. Inaim. Für die hiesige Cultusgemeinde wurde Herr Salomon Handgriff, Schüler des Obereantor Bauer sin Wien, als Cantor einstimmig gewählt und hat derselbe am vergangenen Pessachfeste sowol durch seiye schöne Stimme wie auch durch seinen erhebenden Vortrag allgemeinen Beifall gefunden. Herr Handgriff war längere Zeit Chordirigent im Bethause Fugbachgasse beim Cantor Seifert, derzeit in Baden. Währ. Äulsee. Ein schönes Fest war es, das unsere Gemeinde am zweiten Tage Peßach zu feiern Gelegenheit hatte Herr Altvorsteher S. A. Pollak, der bis vor Kurzem volle 40 Jahren an der Spitze unserer Cultusgemeinde gestanden, beging an diesem Tage seinen 85. Geburtstag und wurden demselben aus diesem Anlasse von allen Seiten Ehrungen dargebracht, ans die er durch seine Verdienste um unsere Gemeinde, zufolge seines biederen lauteren Charakters und wegen seines reichen talmudischen Wissens den vollsten Anspruch hat, — Vor dem Mußafgottesdienste begab sich ein Abordnung des Cultusvorstandes in die Wohnung des Jubilars, um ihm im Namen der Gemeinde zu gratulieren und ihn in den Tempel abzuholen. Herr S. A. Pollak war durch diese Ehrung freudig bewegt und dankte sichtlich gerührt den Gratulanten. Auch von Nah und Fern kamen schriftliche und telegrafische Glückwünsche, und eswar eine Herzenslust, zu sehen, wie die hier anwesenden Kinder in festlicher Stimmung den in Anbetracht seiner hohen Jahre noch, sehr rüstigen Greis umstanden. Als der Jubilar in Begleitung seiner Familie das Gotteshaus betrat, wurde durch den Cantor das 122 NO und ein Psalm in exakter, sehr schöner Weise vorgetragen. Ihren Höhepunkt erreichte aber die Festesstimmung, als der ehrwürdige Greis zur Torah aufgerufen wurde und unser beliebter Cantor-Religiönslehrer Herr Herzka nach dem Vorlesen einen eigens von ihm zu diesem Anlasse in klassischem Hebräisch verfaßten -,72V 'S vortrug..und im Anschlüsse daran an die Gemeinde eine kurze, für die Gelegenheit des Tages passende Ansprache richtete, die auf ' die ' unvergeßlichen Leistungen des Gefeierten hinwies und in ein inniges Gebet für den Jubelgreis ausklang. 4Die Doppelfunction der Cantor-Religionslehrers Herrn Herzka, der sich stet; als taktvoller undI tüchtiger .Functionär bewährt hat, fand allgemeine Ännerkenung. — Rührend war der Anblick, als alle Anwesenden sich um den Jubelgreis, wie Kinder um ihren Vater, schaarten, um ihn zu beglückwünschen und um ihm ihre Hochachtung zu bezeugen. Tags darauf, am ersten Chol-hamoedtage, erschien abermals eine Gemeindedeptttatioil aus Mähr. 'Dcbönberg unter Führung, des Herrn Rabbiners, der Herren S. Berger, Beirat, und I. Fröhlich, Stellvertreter, im Hause des Herrn S. A. Pollak und überreichte demselben eine prachtvolle, sehr schön ausgeführte Adresse namens der Cultusgemeinde. M. Iizcszon». Der hiesige beliebte Obereantor Herr L. Blumenkranz ist vor Pessach nach längerem Leiden gestorben. Blumenkranz hat blos ein Alter von 42 Jahren erreicht. Der Verblichene war in bedeutenden Gemeinden wie Szered, Debrezin, Altosen, Sambor angestellt und galt in Fachkreisen als bedeutender Chasen und Menaaen. n'ywn Szenicz. Am ersten Tage des Pessachfestes wurde der Wiener Kaufmann, Herr Nathan Grünwald, Inhaber eines Seidengeschäftes am Rudolfsplatz, der zum Besuche seiner. Verwandten in seiner Heimatsstadt verweilte, zur Thora gerufen, bei welcher Gelegenheit derselbe sämmtliche Wohltätigkeits-Vereine mit namhaften Spenden bedachte. Möge diese Tat, für die in,der Fremde weilenden Kinder unserer Gemeinde ein anregendes Beispiel sein.