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Die Wahrheit · 1903-04-10 · Heft 15 (10.4.1903) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 15 (10.4.1903)
Date
1903-04-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 15. Die Wahrheit Seite 9. Beim Verlassen desselben fällt den Pilgern, angrenzend an die David'iche Königsburg der Davids-Thurm — Lli»da1 David — aus, auf dessen Spitze in den Farben Juda's eine riesige Fahne flattert; diese trägt als Wappen den Löwen des Stammes Juda, dem König David und sein weiser Sohn Salomo entsproffen. „Dieser Thurm, aus gewaltigen Quadern erbaut", sagt Vater Ascher, „wird Jahrtausende überdauern und an den großen königlichen Dichter und Helden erinnern. Und sollten selbst die Quadern dieses Thurmes einmal morsch werden, die herrlichen Gotteslieder, die Psalmen, auf dem ganzen Erdenrunde gesungen, werden von der Größe Davids erzählen, nie alt werden und die Herzen aller Andächtigen zu Gott erheben." „Seht ihr, liebe Kinder, im alten Königspalast dort jenes große, verzierte Fenster?'£ rief’ ber Vater, auf dasselbe hinzeigend." An demselben hieng immer die Harfe Davids und drinnen, recht nahe beim Fenster, schlief der große König bis Mitternacht. Um diese Zeit fuhr der Nordwind in die Saiten des Instruments, die zu spielen begannen, der greise König erwachte, nahm die Harfe zur Hand und sang bis zum Morgenanbruche seine frommen Lieder zu Ehren seines Schöpfers, der ihn vom Hirten zum Könige über sein Volk Israel erhoben hatte." (Talmud Berachot 3b.) Zum Schluffe werden noch die „königlichen Gärten" besucht, in denen Salomo nach des Tages Arbeit sich ergieng und gar viele seiner 3000 Sprüche — Mischle — das Hohelied — Schir ha-schirim — und noch manchen herrlichen seiner 1005 Gesänge unter dem Schatten dichtbelaubter Bäume schuf. Wie im Traume waren bald die schönen Festtage unseren Pilgern entschwunden, und nun hieß es, Jerusalem verlaffen und zur gewohnten Arbeit heimwärts ziehen. Am schwersten konnte sich die Jugend von all' dieser Pracht und Herrlichkeit trennen.'* „Jetzt meine lieben Kinder", rief der Vater, auch von einer wehmütigen Stimmung erfaßt — die > Trennung von der heiligen Stadt siel auch ihm schwer — „jetzt heißt's | Abschied nehmen von Zion, aber nur für wenige Wochen, dann kommt «Lobovuotb", das Wochen- und Erstlingsfest, da ergeht neuerdings an Euch der Ruf: „Auf nach Jerusalem!" und reich beladen mit den Erstlingsgaben, die Gott uns bis dahin im Garten und aus dem Felde reifen läßt, ziehen wir wieder freudig ein durch Zions Thore." * * * So meine lieben jungen Leser und Leserinnen, war's vor bald 3000 Jahren. Von der herrlichen königlichen Residenz des weisen Königs und den sie schmückenden 300 goldenen Schilden, den 200 Panzern aus geschlagenem Golde und sonstigen wertvollen Kunstwerken, von dem Pracht- und Himmelbett Salomo's, von dem Thronsaal und dem zierlicheu Thron mit seinen goldenen Löwen ist heute keine Spur mehr vorhanden; die Thora ist der einzige aber auch kostbarste, unveräußerliche Schatz, der uns als Erbstück unseres großen Lehrers Moses und unserer großen Vergangenheit mit den anderen Büchern unserer heiligen Literatur geblieben ist. Von dem Tempel, der Gott zu Ehren von Salomo aus dem Berge Moria erbaut wurde, steht jetzt noch eine altersgraue Mauer, deren Riesenquadern dem Zahne der Zeit trotzen und zu der noch heute unsere frommen Glaubensbrüder wallfahrten, um daselbst, der alten glorreichen Zeit gedenkend, zu Gott zu beten. Doch kommt dereinst sie wieder. Die freudenvolle Zeit, Zur Ehre Gottes Lieder Man singt dann weit und breit. Den Tempel werden bauen Viel tausend Hände neu Und Völker werden schauen, Daß Gott wir blieben treu. Ein Freundschaftsband umschlinget Die Menschen alle dann. Ein Jubellied erklinget, Gott dient dann jedermann. Verschiedene Nachrichten. Wien.. (Ausruf an unsere Glaubens- und Stammesgenoffen.) Ohne Phrase rufen wir unsere Volksgenossen zu einer Pflicht auf. Der jüdische Kranke ist der ärmste Kranke. Wer kennt nicht die Gestalten des Elends, die sich mit letzter Kraft zur Hoffnungsstätte geschleppt haben, wo der letzte Kampf um den Familienerhalter geführt wird. Gequälte Menschen, seufzen sie endlich drinnen in Schmerzen des Körpers in Schmerzen, in Sorgen des Herzens. Und der Judenhaß flieht selbst vor dieser Stätte nicht. Wir helfen ihnen in ihrem Kummer. Diese Aermsten der Armen, wie erwarten sie die Stunde, in der sie ihr Leid klagen können ihren Glaubensschwestern, die kommen, um ihnen Trost zu bieten, und sind wir erst da, dann vergessen sie all ihr Leid, all ihre Klage, sich nur der Freude hingebend, sich aussprechen zu können. Wenn wir sie wieder verlassen mit innerer Befriedigung darüber, ihr Leid doch wenigstens für eine Stunde gelindert zu haben, dann müssen sie zehren an dieser Stunde bis zu unserer Wiederkehr. Wir richten nun an alle Juden vom Herzen die Bitte, uns für die Kranken gelesene Bücher, Zeitschriften, Broschüren, Jugendschriften (auch Jargon), ferner außer Verwendung stehende Wäsche und Kleidungsstücke jeder Art «vorwiegend für Erwachsene) schenken zu wollen. Die kleinste Gabe tvird mit wärmstem Danke empfangen. Sendungen beliebe man zu richten an Fräulein Helene Halbertal, II., Haasgasse 4. Hoffend, ja fest überzeugt, daß dieser Appell nicht ungehört verklingen wird, weil ihn Juden lesen, zeichnet für den „Mädchen- und Frauenverein Bikur-Chaulim" Gisela Kohn, IX/,, Sobieskygaffe 14. _ ...» Wien. Der überaus segensreich wirkende „Israel. Wohlthätigkeits Verein" in Simmering versendet seinen Bericht über die beiden letzten Vereinsjahre, in welchem nicht nur an die Vereinsmitglieder sondern auch an jene Kreise, die dem Vereine heute noch ferne stehen, ein eindringlicher Appell zur Unterstützung der Humanitären Tendenzen des Vereines gerichtet wird. Dem Gebahrungsausweis entnehmen wir folgende Daten: Im Jahre 1900 betrugen die Einnahmen K. 1158.12; die Unterstützungen, die ausgezahlt wurden, K. 176.30. Im Jahre 1901 Einnahmen K. 1402.77; Unterstützungen K 506.—. Im Jahre 1902 Einnahmen Kronen 2056.91; Unterstützungen 612.80.—. Es verbleibt ein Baarvermögen von K. 959.33. Der Verein steht unter der Leitung der Damen: Retth Vogel, kaiierl. Rathsgattin, Präsidentin; Karoline Vogel, Kausmannsgattin.Vice-Präsidentin; VilmaFischl, Uhrmachersgattin, Schriftführerin; Regine Tauber, Pserdehändlersgattin, Cassiererin; Bertha Kohn. Fabrikantensgattin, I. Controlorin; Schrötter, Branntweinersgattin, II. Controlorin; Johanna Reuseld, Pferdehändlersgattin, Vorstandsdame; Rosalie Stern, Privatiersgattin, Vorstandsdame. In der letzten Generalversammlung anerkannte die Präsidentin, Frau kais. Rath Netty Vogel, das hervorragende Wirken der Ausschußdamen, der Vize» Präsidentin Frau Karoline Vogel, der Kassierin Frau Tauber, der Schriftführerin Frau Fischl, wie auch der Frauen Stern und Neufeld, die allen mit ganzem Herzen unb voller Seele bestrebt sind, den Verein kräftigst zu fördern und zu segnender Wohlfahrt zu leiten, weiters gedachte sie der hochherzigen Spende von 1000 Kronen, die das vielverdiente Mitglied, Frau Emma Wolf, dem Vereine zuwandte, und schloß mit dem Wunsche, daß dieses edle Beispiel Nachahmung finden möge. Die Generalversammlung beschloß einstimmig, Frau Emma Wolf zum Ehrenmitglieds zu ernennen und stattete Herrn und Frau kaif. Rat Vogel, Herrn und Frau Alfred Vogel, Herrn und Frau Ernst Wolf, Herrn Louis Vogel, Herrn Dr. Ornstein, Herrn Sigmund Kauders und allen übrigen Wolthätern und Freunden des Vereines aufrichtigsten Dank ab. Wien. (Von der Schulausstellung für den Unterricht an Mittelschulen.) Diese während des Monates April im „Oesterreichischen Museum" stattfindende Ausstellung, welche unter dem Protectorate des Herrn Unterrichtsministers Dr. von Härtel steht^ wurde bekanntlich am letzten Sonntag durch den Minister feierlich eröffnet. Unter den Ausstellungsobjecten nimmt die IV. Sektion, Israelitische Religion, einen würdigen Platz ein und werden wir auf die sehenswerten Objecte dieser Section zurückkommen. In glänzender Weise ist dasalbst das Museum für jüdische Altertümer vertreten, welches graphische Darstellungen nach der heiligen Schrift und aus dem religiösen Leben der Juden. Porträts, wertvolle Handschriften, Gegenstände für den rituellen Gebrauch aus Kupfer, Zinn, Bronce und Silber ansgestellt hat. Der Unterrichts-Minister und viele hervorragende Schulmänner besichtigten mit großem Interesse die ausgestellten Gegenstände. Besondere Anerkennung fanden die Nachbildungen der Original-Illustrationen in der Hagadah von Serajevo, angefertigt vom Architekten Max Fleischer in Wien, ferner 8 Aquarelle, Darstellungen des hohen Liedes vom Profeffor Leopold Schauer, welche dieser Künstler über Ersuchen des Museums-Curatoriums für Ausstellungszwecte überlaffen hatte, und ein nach den Plänen des Baurates Stiaßny im ägyptischen Stile angefertigter Thoraschmuck aus Silber, welchen die Cultusgemeinde Wiener Neustadt aus ihrer neuen Synagoge nach Wien geschickt hatte. Die Ausstellung erfreut sich lebhaften Besuches aus den gebildeten Teilen der Bevölkerung Wien's. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Bei der am 30. März d. I. stattgehabten überaus zahlreich besuchten 13. ordentlichen Generalversammlung wurde der vom Präsidenten erstattete Bericht mit großem Beifalle entgegengenommen, ebenso der Caffabericht und wurde der bisherige Präsident, Herr Brod, mit Acclamation und die übrigen Vorstandsmitglieder mit Stimmeneinhelligkeit gewählt. — Ein ausführlicher Bericht folgt demnächst. Wien. Sonntag den 5. April a. c. fand die Prüfung ander Privat-Religionsschule des Vereines „Adaas Jiaroel" (Schiffsynagoge) unter Leitung Sr. Ehrwürden des Rabbiners S. Fürst statt. Erschienen waren außer dem Gesammtvorstande der Vereine ,,Adaaa diaroel“ und „Thora-Ez-Chajim“, in Vertretung des Cultusvorstandes die Herren: Dr. Alfred Berger, Hermann Eltbogen und Bezirksschulrath Dr. Markus

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