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Die Wahrheit · 1903-04-10 · Heft 15 (10.4.1903) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 15 (10.4.1903)
Date
1903-04-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 15. Spitzer, des Vereines Montesiore: Herr Jakob Weiß, des Schulvereines für den 9. Bezirk: Herr Max Pap^enheim, ferner Herr Ortsschulrath Professor Moritz Antscherl, der dreier Schule auch sonst mit Rath und Tat beisteht, Herr Obercantor Bauer, Herr Adolf Hofbauer, sowie viele Eltern der Zöglinge und sonstige Gönner und Freunde der Anstalt. Die große Ungleichheit des Schülermaterials haben die Schulleitung veranlaßt, 8 Abtheilungen zu creiren, so daß es möglich war, den Lehrstoff genau dem Wissen und Können der Schüler anzupaffen. Diese Eintheilung erwies sich für das Lehrziel ungemein fördernd. Von den untersten Claffcn, in denen Herr D. H. Oesterreicher einen vorzüglichen Grund für die weitere Ausbildung legt, in den Mittelklassen unter Leitung des Herrn A. Feuerring, der auf dem Gegebenen gediegen weiterbaut und besonders in den obersten Elasten unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Rosenfeld, der eine Zierde des Lehrkörpers bildet, überraschten fämmtliche Zöglinge durch die Promptheit und Präcision ihrer Antworten. Der Lehrplan in allen Abteilungen ist ein derart umfass er der, daß die gründliche Beherrschung des Lehrstoffes allgemeine Bewunderung erregte. Geradezu rührend war es zu sehen, daß man den Kindern die Freude und den Stolz, dieser Schule anzugehören, vom Gesichte ablesen konnte. Unter dem Jubel der Schüler und Schülerinnen und dem Beifall der Gäste hielt Herr Rabbiner Fürst eine Ansprache, in der er in zu Herzen gehenden Worten dem Lehrkörper und Vorstande für ihre aufopfernde Mühewaltung dankte und die Kinder unter Anerkennung ihres besonderen Fleißes ermahnte, eifrig fortzuarbeiten und .das Gelernte auch in Taten umzusetzen. Zum Schlüße würdigte Herr Dr. Rosenfeld im Namen des Lehrkörpers in schwungvollen Worten die außerordentliche Sorgfalt, welche Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Fürst dem Institute ununterbrochen widmet. Hochbefriedigt verließen alle Anwesenden die Schule mit der Ueberzeugung, einer Anstalt Ehre erwiesen zu haben, die Großartiges und Nachahmenswertes leistet. Wie«. Mit der Donnerstag den 2. April abgehaltenen Plenarsitzung schloß der theologische Verein der Hörer an der israel. theolog. Lehranstalt in Wien das XIX. Semester seines Bestandes. Wie in den früheren Semestern kann der Verein auch in diesem Semester auf eine reiche Tätigkeit zurückblicken. Die Vorträge, die an den einzelnen Abeuden im Laufe des Semesters abgehalten wurden, gehören verschiedenen Gebieten, wie dem der Philosophie, jüdischen Geschichte, Bellestrik, Homiletik, Sprach- und Altertumskunde, an. Glauben und Wissen — M. G. Mehrer, Nachkantische Ethik — S. Zimmels, die Beteiligung der Juden an den Freiheitskämpfen im Jahre 1848 — H. Schwenger, Die Mandaeer — Dr. S. Achser, Die Lage der Juden in Rumänien — A. Beck, Das Verhältnis der Israeliten und Juden zu den Fremden — G. Sicher, Saul Czernichovsky, em junghebräischer Dichter — K. Kupfer, Sabbatay Kohen, ein Lebensbild — Dr. G. Rosenmann, Sabbathpredigt zu Kedschim — Dr. R. Feder, Die Gesetze Hammurabis und das Gesetz Mosis — M. Tauber, Die syrische Dreschtafel — S. Arje, Die Stellung des Rabbiners zum Zionismus — Johann Stößler. Sämmtliche Vorträge waren fast von allen Mitgliedern des Vereines besucht und die Discuffionen gestalteten sich zu einem sehr anregenden, lehreichen gegenseitigen Meinungsaustausche über die einzelnen Themen. Wie«. Im jüdischen Volksvereine hielt vorigen Mittwoch Herr Rabbiner Dr. D. Fink vor einem gewählten Auditorium einen Vortrag über das Thema „Das jüdische Volkstum zur Zeit des entstehenden Christentums". Redner schilderte die Secten um diese Zeit, namentlich die Pharisäer, mit denen der Stifter der Kirche in der ersten Periode feines öffentlichen Auftretens ganz gut stand. Er empfahl sogar die Beobachtung ihrer Lehren und bekämpfte nur die nicht immer entsprechende Gesinnung. In der zweiten Epoche dagegen trat er feindlich gegen sie auf, obwohl er ein Schüler R. Gamliels und Gesinnungsgenoffe Hillels war. Auf diese Weise mehrte sich zusehends der Zündstoff, und die Kathastrophe war unvermeidlich, die aber mehr aus Rechnung des Pilatus zu fetzen ist. Der Vortragende erntete reichen Beifall. Wie«. Im Vereine der jüdischen Lese- und Redehalle an der Universität hielt am Samstag Herr Dr. Ad. Brüll aus Frankfurt a. M. einen . hochintereffanten Vortrag über das aktuelle Thema „Bibel und Babel" die bisherigen Resultate in orientirender Uebersicht darlegend und seine gründliche Belesenheit in der einschlägigen Literatur bekundend. Reicher Beifall lohnte den gewandten Redner. Wie«. (Literarischer Gcselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria.") Sonntag, den 5. d. M. jährte sich zum zweitenmale der Sterbetag der unvergeßlichen Rosa Kollmann. Aus diesem Anlasse veranstaltete der Verein „Moria" eine Trauerfeier, verbunden mit der Beteilung zweier Waisenmädchen mit Kleidungs- und Wäschestücken aus dem Erträgnisse der Kollmann-Stiftung. Nachdem die Präsidentin, Fräulein Herrmann, die Feier mit einigen ergreifenden Worten eingeleitet hatte, hielt Fräulein Wagner die Gedenkrede in welcher sie auch dem Landes-Eomits sowie Herrn Dr. Krenberger und Frau Dr. Kahn für deren selbstloses Bemühen um das Zustandekommen der Stiftung den Dank des Vereines zum Ausdrucke brachte. Dann richtete sie noch warme Worte an die Kleinen und legte ihnen aus Herz, sich stets des leuchtende Vorbild der Verewigten vor Auge» zu halten. — Die Präsidentin nahm hierauf die Beteilung vor und forderte zum Schluß die zahlreich versammelten Mit glieder und Gäste aus, fich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen zu erheben. Budapest. Wie wir erfahren, hat Se. Majestät Herrn Sigmund Kohner, dem verdienstvollen Präsidenten der Pester isr. Religionsgemeinde den Hofratstitel verliehen. Herr Sigmund Kohner hat diese königliche Auszeichnung durch seine hervorragenden Leistungen aus allen Gebieten der Humanität und des kommerziellen Lebens in vollem Maße sich verdient gemacht, ganz besonders aber durch seine wahrhaft patriotischen und echt religiösen, großartigen Bestrebungen, die ihn als Präsidenten der Pester isr. Religionsgemeinde leitet. Diese wohlverdiente königliche Auszeichnung wird gewiß überall die freudigste Sympathie erwecken und können wir ihn auch dazu aus vollem Herzen beglückwünschen. Möge es dem neuen königl. Hosraih noch lange vergönnt sein, seine segensreiche Wirksamkeit für die Interessen des Judenthums und der Pester Gemeinde in ungeschwächter Lebenskraft fortsetzen zu können. Eine Andachtsstätte für die kranken Israeliten im allgemeinen Krankenhaufe in Wien. Ein einfacher bescheidener Bau, schmuck- und prunklos in seiner ganzen Ausstattung aber von hohem inneren Werthe, der im 6. Hofe des Wiener Allgemeinen Krankenhauses von den für allgemeine jüdische Zwecke immer so überaus uneigennützig wirkenden, genialen Architekten Max Fleischer errichtet wurde, gereicht der Wiener Cultusgemeinde und allen jenen Factoren, die seine Entstehung und Vollendung gefördert haben, zu großer Ehre. Nunmehr wird es auch den armeti leidenden Glaubensgenossen gegönnt sein, an würdiger Audachtsstätte ihre Gebete zu dem Allmächtigen zu senden und den in der Zeit schwerer Bedrängnis doppelt wirksamen seelischen Trost in einem wahren Gotteshause zu finden. Ein hervorragendes Verdienst an der Errichtung des Gebetpavillons hat das ehemalige Mitglied des Wiener Cultusvorstandes, Herr Doceut Dr. Josef Grünfeld, und es bietet auch einen Lichtblick in den trüben Erscheinungen religiöser Unduldsamkeit, die besonders in Wien so mannigfach zu Tage treten, daß die hohe k. k. niederösterr. Statlhalterei und die Spitalsverwaltung in entgegenkommenster Weise die Errichtung der Andachtsstätte für die jüdischen Kranken förderten. Die Einweihung des Gebetpavillons, die Donnerstag, den 9. April, halb 6 Uhr Abends, in Anwesenheit von Vertretern der nieder-österreichischen Statlhalterei, der Spitalsdirection, der Cultusgemeinde und anderer geladener Gäste stattfand, gestaltete sich durch die inhalts- und geistvollen Reden des I. Viceprästdenten der Cultusgemeinde Dr. Stern, des Oberrabbiners Dr. Güdemann und Rabbiners Dr. Schmiedl, sowie zu nicht geringem Theile durch die wirklich erhebende und kunstvolle gesangliche Leistung des sungireildeil I. Cantor Don Fuchs, dessen schöne Stimme bei den Vertretern der Regierung aufrichtige Bewunderung erregte, zu einem wahren Kiddusch haschem. Nach Vortag des Na Towuh durch Cantor und Chor, letzterer unter trefflicher Leitung des Chordirigenten Porth, hielt Architekt Fleischer eine Ansprache, in welcher er allen Jenen, die an der Errichtung der Andachtsstätte Anteil genommen, insbesondere Herrn Dr. Josef Grünseld, dem Stadtbaumeister Donat Zifferer und allen seinen Werkgenoffen, dein Cultnsvorstande, den Vertretern der Negierung und Spitälsverwaltung Dank sagte. Im Namen der Cultusgemeinde sprach hierauf Vicepräsident Dr. Stern, der darauf hinwies, daß die neue Andachtsstätte sich würdig anreihe den Intentionen des erhabenen Gründers der Krankenanstalt, der vor 120 Jahren dieselbe saluti et solatio asAiorrnrr „Zum Wohle und Heile der Kranken" errichtet hat. Nach dem Anzünden des ewigen Lichtes hielt Rabbiner Dr. Schmiedl eine geistvolle Rede, in welcher er die beiden Symbole des Gotteshauses, die heilige Lade und das ewige Licht, im Sinne unserer alten Weisen erklärte. Nach Vortrag des Psalm hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann die die besondere Bedeutang dieser Andachtsstätte trefflich charakterisirende und überaus wirkungsvoll Weiherede, indem er unter treffender Vergleichung dieser bescheidenen. Andachtsstätte mit dem Mischkau in der Wüste, die Krankheit als einen Zustand der Sklaverei bezeichnete, der niemand entrinnen kann, und.wie Moses die Juden aus ägyptischer Sklaverei befreite, so führen die wackeren Aerzte dieser Krankenanstalt die leidende Menschheit aus den Banden der Krankheit zu neuem Leben, und so werden diejenigen, die in dieses Gotteshaus eintreten, die gleiche Andacht Anden wie ihre Väter in der Stiftshütte in der Wüste. Sodann verrichtete der Oberrabbiner das erste Gebet in dem Gotteshause für Se. Majestät den Kaiser, undmit Abstngung der Volkshymne und des Adon olam schloß die wirklich erhebende Feier.

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