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Die Wahrheit · 1903-04-10 · Heft 15 (10.4.1903) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 15 (10.4.1903)
Date
1903-04-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15 Die Wahrheit. Seite 7 besaßen. So als älteste die 27 Punkte umfassende Judenordnung Bischofs Ulrich HI. vom Jahre 1403; hierauf jene vom 1. Mai 1431 vom Herzog Friedrich mit der leeren Tasche den Juden Mendlein, Simon und Rubeln verliehen. Der Jude Sligman war Arzt bei Friedrichs Sohn Sigmund, unter dem der berüchtigte Prozeß wegen Simons von Trient und die nicht minder berüchtigte Protokollsaufnahme vom Jahre 1475 wegen Ursula von Lienz — das fragliche Geburtsattest dieses angeblichen Judenopfers — stattfand. Obwohl ein Landtagsbeschluß vom 22. Januar 1520 die Ausweisung aller Juden aus Tirol verfügte, finden wir schow in den nächsten Jahren Juden an vielen Orten Tirols, allerdings mit den entehrenden Beschränkungen des Judenabzeichens, des Leibzolles und des Hausierverbotes. Der 23. Mai 1525 sah in Bozen eine Judenplünderung. Das Ende des 16. Jahrhunderts sah Juden auch in Innsbruck und zwar dauernd festen Fuß fassen. Nächst Salamon von Bassano, der durch sehr günstige Slandesfreiheiteu ausgezeichnet wurde, erhielten dessen Nachkommen Samuel Herz und seine Familie 1578 vom Erzherzog Ferdinand das Privilegium der Niederlassung in Innsbruck. Das ihnen gehörige Haus in Innsbruck gab der doltigen früheren Judengasse seinen Namen. Im 18. Jahrhundert standen auch die Juden Jonathan Usfenheimer, der später in Hohenems als Vorsteher wirkte und von Maria Theresia für trefflich durchgeführte Heereslieferungen zum k. k. Hoffaktor ernannt wurde, Landauer, Weil und Andere in bedeutendem geschäftlichem und auch gesellschaftlichem Ansehen, worüber ich mir zahlreiche Auszüge aus dem k. k. Statthalterei- Archive in Innsbruck machte. Das Jahr 1676, in dem die Juden aus Hohenems Vertrieben wurden, führte unter Anderen auch die Familie Dannhauser nach Innsbruck, deren Nachkomme, Herr Wilhelm Dannhauser, derzeit Obmanu des dortigen israel. Schul- und Cultuscomitös, 24 Jahre lang dem Innsbrucker Gemeinderate angehörte und sich als solcher, wie auch als Eisenbahnrat, Schöpfer mehrerer Vereine u. s. w. hervorragender Verdienste um die Tiroler Hauptstadt erwarb und heute noch eine in allen Kreisen hochgeschätzte und beliebte Persönlichkeit ist. Auch die schon seit vielen Jahrzehnten in Innsbruck ansässigen Familien Stern, Bauer, Schwarz, Brüll u. s. w. gereichen in jeder Beziehung der Stadt zur Zierde. Der Hofer- Aufstand im Jahre 1809. der zwar, allerdings gegen den Willen des Anführers, mit einer Judenplünderung in Innsbruck begann, fand durch dortige und auswärtige Juden, Fanny von Arnstein in Wien, Nathan Elias in Hohenems und Andere, reiche finanzielle Förderung. In Bozen, das nebenbei bemerkt auch einen jüdischen Postmeister hatte, ist Herrn Herzberg Fränkel ein sehr bedauerlicher Irrtum unterlaufen. Er erzählt nämlich von deutschen Inden, die sich mit Capitalien zuerst nach Bozen wagte, was aber den Tatsachen nicht entspricht. Denn Hohenemser Juden, die Brüder Schwarz, allen voran der geniale Ernest Schwarz, Gründer der heute noch in Tirol und - Vorarlberg großes Ansehen genießenden, in Feldkirch und Bozen stabilen Firma E. Schwarz Söhne, waren es, die im 19. Jahrhundert auf Grund spezieller, schwer errungener kaiserlicher Ausnahmsbewilligungen großartige, erfolgreiche Unternehmungen in Tiiol schufen, die sich heute noch höchster Blüte erfreuen. Früher schon, um die Wende des 10. Jahrundert, hatte der k. k. Hoffaktor Heule, der Errichter einer heute noch in Verwaltung des Bozener Stadtmagistrates befindlichen, seinen und seiner Gattin Susanna Namen tragenden Heiratsstistung, in Bozen gewohnt und als bedeutender Kaufmann hohes Ansehen genossen. Wie die Schwarz in Bozen, haben die Marx, Biedermann in Meran, Dannhauser, Löwe in Innsbruck u. A. dem jüdischen Namen in Tirol Ehre gemacht, sicherlich lange vor jener Zeit schon, in die die Erinnerungen des Herrn Herzberg Fränkel zurückreichen. Abgesehen aber von diesen leicht erklärlichen historischen Jrrtümern in den Ausführungen des Herrn Herzberg Fränkel verdient die hochherzige Tendenz derselben die weiteste Förderung. Das israel. Krankenasyl in Meran, ein Musterinstitut in jeder Hinsicht, das ich gelegentlich mehrerer amtlicher Aufenthalte in Meran kennen und schätzen gelernt habe, sieht sich, trotz der aufopferungsvollen Tätigkeit des Kuratoriums mit seinem hochverdienten Obmanne Herrn Bankier Stransky an der Spitze, außer Stande, den von Jahrzu Jahr sich steigernden Ansprüchen, die Schwerkranke aus allen Ländern an dasselbe stellen, gerecht zu werden. Nicht würdiger könnte die bewahrte jüdische Mildtätigkeit sich bekunden, als durch nachhaltige Unterstützung dieses Institutes, das besonders ^in Tirol einen Liääusek-Hasotisin ohne Gleichen für uns Juden bedeutet. Me Juden und der Talmud. xv. Der Oniastempel in Heliopolis, von 160 v. bis 73 n. erbaut, wurde von dem Priester Onias IY. in Heliopolis ganz nach dem Mllster des jerusalemischen Tempels errichtet. (Tr. Menochot 109.) Demnach mußte er, so wie jener, nur von Juden erbaut und neu eingerichtet worden sein. Mit diesem Bau sollte den in Egypten zahlreich ansässigen Juden ein Ersatz für den Tempel in Jerusalem geboten werden, damit sie nicht so weit der Opferung wegen reisen müßten. Der Umstand, daß Priester aus Jerusalem daselbst fungirten (Oberpriester war Onias selbst), ferner, daß sogar aus Jerusalem Manche ihre Opfer dahin brachten, wie auch, daß mau gleich zu Beginn des Baues sich auf eine Prophezeiung in Jes. 19, 18—22: „An jenem Tage wird ein Altar sein dem Ewigen im Lande Mizrajim u. s. w." (Tr. Megil. 10 und Menoch. 13) berief, bestätigen zur Genüge, daß dieser Tempel nur von Jllden erbaut um eingerichtet wurde. Die berühmte Hauptsyuagoge in Alexandrien war ein wahres Kunstwerk in der Form einer Basilika mit doppelten Säuleugängen und hatte einen sehr großen Umfang. In ihrer Mitte erhob sich eine Erhöhung von Holz, aus der ein Syna» gogeudiener stand, um mit der Fahne in der Hand der großen Menge nach jeder Benedikkion des Vorbeters das Zeichen zum Amensprechen zu geben. (Tr. Suka, 51.) In Alexandrien gab es große Gelehrte, bedeutende Künstler, angesehene Handwerker, Gold- und Silberarbeiter, Schmiede, Panzerschmiede, Weber, Kunstbäcker, Apotheker u. a. m. (Tr. Jona. 38.) Im Innern oer Synagoge hatte nun jeder Berus und jedes Gewerk seine besondere Abtheilung, so daß jeder Fremde leicht seine Zunftgenossen finden konnte. Die 70 Männer des hohen Rathes saßen beisammen auf großartigen goldenen, von Juden verfertigten Kunstseffeln mit Rädchen, um sich nach allen Orten hin begeben zu können. Den mustergiltigen Kunstsinn der in Babylon zurückgebliebenen Juden, wie auch den im Privatleben bekundeten Kunstsinn der Juden in Palästina glauben wir durch uachiolgende Mittheilung mehrerer Citate aus dem babylonischen und palästinensischen Talmud, wie aus dem Midrasch, nebst einigen anderen einschlägigen Mittheilungeu mit Quellenangaben! genügend zu beweisen. 1. Sie hatten viele Fabriken zu kunstvollen Metallarbeiten.! (Jerus. Tanit, 4. Abschnitt.) 2. Sie fabrizirten sehr dünne Seiden- und Leinenstoffe, j so daß ein dem sehr hochgewachsenen und sehr reichen Patriarchen! Rabbi Jehuda (170 n.) gesandtes Seidenkleid mit anverthalben Nußschalen ganz bedeckt werden konnte. (Gitin, 59.) 3. Sie trugen Galoschen. (Sabb. 10 n. 20, wo 18 von ihnen getragene Kleidungsstücke aufgezählt wurden. S. auch Jeb. 71—72 u. B. Tau. 59.) 4. Sie errichteten Kunstbauten mit Vorhallen und Lustgärten. (B. B. 4, 6, 11.) 5. Die Gassen von Mechusa in Babylon waren gepfiastert, um die Gruben auszugleichen. (Sabb. 95.) 6. Sie hatten kunstvolle gläserne Becher, ein Stück um 400 Gulden. (Ab. Sara. 18.) 7. Sie besaßen goldene Stühle, goldene Tische und goldene Wagen. (Sabb. 117, Jeb. 16, Gittin 28 u.lTanit. 20.)

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