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Die Wahrheit · 1903-04-03 · Heft 14 (3.4.1903) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 14 (3.4.1903)
Date
1903-04-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Die Wahrheit. Seite 7. Nr. 14. Himmel emporstieg, bliesen die Priester in ihre silbernen Trompeten und ertönten feierliche Gesänge zur Ehre Gottes, in die die frommen Pilger dann andächtig einfielen und dieselben mit lautem Amen beschloßen. ~ Für die Kinder gabs da viel zu sehen auf dem großen Tempelberge. Da stand das „eherne Meer", ein ungeheures, kupfernes Waschbecken, auf dem Rücken von zwölf ehernen Rindern, gespeist von einer Wasserleitung, die König Salomo viele Stunden weit, aus der Gegend südlich von Betlehem nach Jerusalem und zum Tempel führte. Zwei kupferne Riesen-Säulen, „Jach in" und „Boas" genannt, standen beim Eingang in den herrlich aus Stein gebauten und überreich mit Gold geschmückten Tempel, dessen Inneres von dem Lichte der zehn großen, fiebenarmigen goldenen Leuchter erstrahlte. Erst als das „Korban-Pesach“ der angenommenen Pilger, das Ueberschreitungsopfer, svor^dem jeder Jsraelite nach Forschrift einen bestimmten Teil zu genießen hatte, durch die Priester dargebracht worden war, suchten die Reisenden ihre Behausung bei den überaus gastfreundlichen Familien Jerusalems auf, in denen das Andenken an den vor einem halben Jahrtausend stattgehabten „Auszug aus Egypten" andächtig und würdig beim vorgeschriebenen Festmahle „bei ungesäuertem Brode und Bitterkräutern" begangen wurde. Am kommenden Festtagsmorgen strömten wieder Tausende zum Tempelberg, auf dem natürlich auch unsere Pilgergruppe in ihrer bunten malerischen Tracht, in besonders gehobener Stimmung sich einfand. Die Frühlingssonne beleuchtete ein herrliches Bild, aus dessen Mitte der goldglänzende Tempel majestätisch hervorragte. Der Hohepriester in seinem Prachtgewande mit dem goldenen Stirnreif, der mit dem Namen des Ewigen geschmückt war und mit zwei, großen Edelsteinen auf den Schultern und /.den zwölf kostbaren feingeschliffenen Steinen mit den Namen der zwölf Stämme Israels auf dem Brustschilde, zwölf kleinen strahlenden Sonnen gleichend, und den goldenen Glöcklein am Saume seines Prachtgewandes, von den anderen Priestern im schneeweißen Linnengewand begleitet, schreitet gerade zum Dienste, dem Tempel zu. Levitenchöre ertönen, dazwischen wieder blasen die Priester auf ihren silbernen Trompeten, da teilt sich die Volksmenge und König Salomo in seiner jngendlichen Gestalt erscheint, und ihm folgt der ganze Hofstaat. Alles erweist dem Sohne des großen lDavid, dem weisen Könige, dem Erbauer des herrlichen Tempels, der wie ein Vater mit seinen Kindern an heiliger Stätte erschienen ist, um dem Herrn, „der über den Cherubim thront", zu huldigen, die gebührende Ehre.j Auch Gäste des Königs, „die nicht vom Volke Israel waren und aus fernem Lande kamen, um des göttlichen Namens willen und deren Gebete hier Gott auch erhören sollte" (I. Kön. 8. 41), waren an heiliger Stätte versammelt. Diesmal war es die berühmte „Königin von Saba", die „vom Rufe Salomo's und dem Namen des Ewigen vernommen", heute mit ihrer vornehmen und großen Begleiterschaar, in von Gold strotzenden Prachtgewändern, an heiliger Stätte erschien, um der glänzenden Festesfeier beizuwohnen und „den Herrn der Heerscharen" zu preisen, der von seiner Weisheit Salomo mitgetheilt „an ihm Wohlgefallen gefunden und ihn auf den Thron Israels gesetzt". (1. Kön. 10. 9.) Die Priester sprechen das „Es segne Dich und behüte Dich der Ewige!" mit lauter Stimme und als des Segens letzte Worte: „Gott gebe dir Frieden" verklungen, stimmen neuerdings die Leviten ihre herrlichen Gesänge an, dieselben mit lautem, vielstimmigem Hallelujah endigend. (Schluss folgt) Verschiedene Nachrichten. Wien. Dienstag, den 24. März hielt der Schriftführer des jüd. Museums, Herr Architekt Max Fleischer, im Festsaale des Nieder-O österreichischen Gewerbevereines seinen angekündigten Vortrag über „Drei M e i st e r s ä n g e r" des Judenthums : Gabirol, Jbn Esra und Jehuda Halevy. Nach einem kurzen geschichtlichen Ueberblicke über das Spanien, jener Zeit dessen geistiges Leben durch verschiedenartige politische Schwankungen stark beeinflußt wurde, wandte sich Redner den drei genannten Dichtern zu und sowohl seine geistreichen litterarhistorischen Ausführungen als auch besonders die mit seinem sonoren und gemüthstiefen Organe dargebotenen Recitationen fanden bei dem zahlreichen Auditorium wiederholt lauten Beifall. Wien. (Jüdisches Museum.) Wegen Theilname des jüdischen Museums au der vom hohen Unterrichts-Ministerium veranstalteten Schulausstellung und wegen Neuaufstellung zahlreicher Objekte bleiben idie Sammlungen des Museums während des Monates April geschloffen. Wien. (Hilfsverein für die notbleidende jüdische Bevölkerung in Galizien.) Am 11. d. M. fand die constituirende Versammlung der Ortsgruppe „Smichow" bei Prag statt. In den Vorstand wurden gewählt die Herren: Richard Petschek, Obmann; Albert Heller, Obmann-Stellvertreter; Gustav Fuchs, Schriftführer; Richard Kapper, Schriftführer- Stellvertreter; Ludwig Elisak, Caffier; M. Stefansky, Caffier-Stellvertreter. Die Ortsgruppe „Smichow" ist die 40. Ortsgruppe des Hilfsvereines. Ein sehr nachahmenswerthes Beispiel haben die beiden Ortsgruppen Bilitz und Troppau gegeben, indem sie zu Gunsten des Hilfsvereines Unterhaltungsabende veranstalteten. Die Ortsgruppe „Bilitz" hat einen Reinertrag von K. 280.—, die Ortsgruvpe „Troppau" einen solchen von K. 650.— an den Hilfsverein abführen können. Vielen I Erwerbslosen kann der Hilfsverein durch einen so ansehnlichen Beitrag I zu einem dauernden Arbeitseinkommen verhelfen.! Wien. (Erstes Wiener israel. Reconvalescentenheim für arme! jüdische Frauen und Kinder.) Samstag den 4. 'April 1903, halb 3 Uhr i Abends, findet in Khuner's Restaurant, I., Adlergasse, die ordentliche I Generalversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des! Vorstandes über die bisherige Tätigkeit des Vereines; 2. Geschäfts-! bericht des Caffiers und der Revisoren; 3 Ersatzwahlen in den Vor- > stand; 4. Anträge und Interpellationen; 5. Vortrag der Frau Antonie! Graf; 6. Vortrag des kaiserl. Rat Johann Lichtenstadt. Gäste will- > kommen! Amalie Beck, Präsidentin. Leopold Guttmann, Obmann.! Wien. Die Prüfung in der Religionsschule des Vereines „Adaß Jisroel" (Schissssynagoge) findet Sonntag den 5. April im Schullocale II., Negerlegaffe 2 statt. Beginn 9 Uhr Vormittags. Gäste Willkommen. Wien. (Toynbee'Halle.) Am 31. März wurden die Vorträge der Wintersaison abgeschlossen. Aus diesem Anlasse hatte sich ein überaus zahlreiches 'Auditorium eingesunden, und Prof. Dr. Kellner entzückte Alle durch seinen Essay über Shakespere's „Stürme", welches Stück er > als das gereifteste und beste hinstellte, gleichsam den Schwanengesang! des Dichters, ein Jahr vor seinem Tode verfaßt. Nachdem der Thee! verabreicht worden war, sprach noch Prof. Kellner einige Abschiedsworte! an die 'Anwesenden, sie zur intensiven Theilnahme auch im künftigen! vergrößerten Heim auffordernd. Fabr. Kremenezky schilderte die Lage j der Anstalt in nicht sehr rosigen Farben; wobei er namentlich die hohen > Kreise der allzugeringen Förderung zieh. Gegen diese pessimistische Ausj fassung sprach Herr Dr. L. Werner, der zugleich dem Auditorium für das! stete Interesse Anerkennung zollte, und zum Schluffe dankte Herr Korn-! schneider im Namen der Zuhörer dem Vorstande für die gemeinnützige! Mühewaltung und sämmtlichen Vortragenden für die geistigen ^nd künst-! lerischen Darbietungen. Also auf Wiedersehen im neuen Heim!! Wien. (Bibel-Vortrag in der Toynbee-Halle) Am vorigen! Freitag beschloß Herr M. G. Mehrer, Höhrer der jüdisch-theologischen j Lehranstalt, seine Erklärung der laufenden Sidra vor einem zahlreichen i Auditorium, welches ihn sympathisch begrüßte. Nachdem der gewandte! Redner den Wochenabschnitt aphoristisch erörtert hatte, widmete er eine eingehende Schlußbetrachtung dem eben beendeteil zweiren Buche Mosis, indem er in zündender Sprache die ethische und culturhistorische Seite der Bibel hervorhob und mit den Worten eines modernen, bedeutenden Gelehrten schloß: Israel ist und bleibt das Volk der Offenbarung! Aus dem Kreise der Zuhörer dankten viele dem Vortragenden persönlich für die besonders ausgezeichnete Art und Weise, wie er im Laufe von 25 Vorträgen seiner schweren Aufgabe, populär und belehrend zu sprechen, vollauf gerecht wurde. —u. Wien. Der Vorstand des Bethaus-Vereines „am Bolkert" hat in seiner dieswöchentlichen Sitzung mit großer Majorüät die Ausnahme des jugendlichen Cantors, Herrn Julius Abramowitsch, Schüler des Obercantors Mayer Seifert in Baden und Sohn des Obercantor Lazar Abramowisch in Neustift bei Pest beschlossen. Derselbe wird bereits am Pessachfest sein Aint antreteu. ZkensoHt. . Am 22. März beging der hiesige israelitische Wohlthätigkeits-Frauenverein in feierlicher Weise das 25jährige Jubileum seines Bestandes. Die Feier wurde mit einem Dankgottesdienste im Tempel eröffnet bei welchem Obercantor Philipp Kraus mit dem verstärkten Chore den gesanglichen Theil versah und hierauf würdigte Ober- Rabbiner Dr. Emanuel Lenke in schwungvollen Worten die Thätigkeit des Vereines und die Verdienste der langjährigen Präsidentin Frau Dr. Sam. Porges um das Aufblühen desselben. Am Nachmittag fand eine Festsitzung statt, die durch Dr. Porges mit einem Rechenschaftsbericht in Form eines selbstverfaßten poetischen Gedichtes eröffnet wurde. Ein Festessen und eine sehr amüsante Tanznnterhaltunz, welcher Jnng und 'Alt bis in den Morgenstunden anwohnte, beschloß die schöne Feier, bei welcher viele Corporationen und Notabilitäten der Stadt vertreten waren. r etersöurg, 31. März. In der Ortschaft Tumanow (Kreis Tiraspol) fanden Ausschreitungen die Juden statt, die dem Blatte „Ing" zufolge durch Gerüchte von einem an einem Christenknaben in Duboffari verübten Ritualmorde veranlaßt waren. Die zweimalige Sektion der Leiche ergab die völlige Unrichtigkeit der Meldung der Blätter, daß es sich um einen Ritualmord Handel! Die Ruhe wurde wieder hergestellt. j Stellenveräuderuugen. Herr I. Rosenfeld, bisher Cantor in j Znaim, wurde in derselben Eigenschaft in Straßnitz acceptirt und hat | bereits seine Stelle angetreten. — Herr Cantor Klinkowstein ist als Ober« j cantor nach Brod a. S. und Obercanter Weinberger in gleicher Eigen- ' schaft nach Gran berufen worden.

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