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Die Wahrheit · 1903-04-03 · Heft 14 (3.4.1903) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 14 (3.4.1903)
Date
1903-04-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6. Die Wahrheit. Nr. 14. zu einem Ceutralverein zm'ammenznschließen,!mit Freude und versandte im Januar des Jahres 1901 au eine Reihe von Pereinen ein Zirkular, in welchem er sie zur Stellungnahme uufforderte. Eine ganze Reihe von Vereinen äuße te sich zu-- stimmend zu diesem Projekt. Unabhängig hiervon hatte der Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens im Iihre .1902 verschiedene Veranstaltungen arrangiert, in denen Dr. Julius Moses-Berlin die Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller Vereine lebhaft empfahl, welche die wirtschaftliche Hebung der deutscheu Judenheit erstreben. — Nunmehr wurde unter Mitwirkung des D. I. G. B. eine Versammlung einberufeu, die einen Ausschuß wählte, der mit den notwendigen Vorarbeiten betraut wurde. Dieser arbeitete provisorische Statuten aus und lud die in Betracht kommenden Vereine auf Sonntag, den 15. März d. I. zur konstituierenden Versammlung ein. Es waren zahlreiche Vereinigungen durch Delegirte oderbrieflich vertreten. Unter den Anwesenden seien hervorgehoben: die Herren Prof. Dr. Pilippson (Deutsch-Israelitischer Gemeindebuud), Markus Adler (Verein zur Förderung des Handwerks und des Ackerbaues), Benno Kristeller, E. Loevenstein, Oberamluianu Ludwig Cohn (Vorsitzender des Vereines für Arbeitsnachweis und des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands), S. Wedell (Humanitätsverein „Lynath Hazedek*), Louis Rosenbaum (Vors, der Berliner Ortsgruppe der Jsr. Erz. Anstalt Ahlem), Dr. Franz Oppenheimer, Jlia Ber, Dr. Ernst Tuch, sämtlich zu Berlin, Konsul A. M. Simon, Hannover (Verein zur Förderung von Handfertigkeit und Gartenbau au jüdischen Volksschulen), Inspektor Silberberg (Verein ehemaliger Ahlemer), Alphons Jacobsohn Israel Handwerker-Verein Leipzig), Rabbiner Dr. Porges-Leipzig und die Herren Dr. Auerbach und Dr. Cahen-Cöln als Vertreter des Vereines Lehrlingsheim Cöln uud Düsseldorf. Schon diese erste Versammlung zeigte, eine . wie dringende Notwendigkeit dieser neue Verband ist. Von verschiedenen Seiten wurden neue außerordentlich anregende Vorschläge gemacht, Erfahrungen wurden ausgetauscht und mancherlei Jrrtümer aufgeklärt. Konsul Simon-Hannover erstattete ein kurzes Referat, in welchem er besonders auf die Wichtigkeit hinwies, an den Seminarien Unterrichtsknrse in Handferigkeit und Gartenbau einzurichten, um so Jugendlehrer heranzuziehen, welche es verstehen, den Kindern bereits im frühen Alter Liebe zur Natur und zu manueller Belätigu, g einzuflößen. An der Diskussion beteiligten sich haupsächlich die Herren: Dr. Auerbach, Oberamtmann Cohn, Markus Adler, M. Herz, Dr. Franz Oppenheimer und Dr. Ernst Tuch. — Der Verband wurde konstituiert und eine Reihe von Vereinen meldete ihren Eintritt an. D. I. G. B. zahlt vorläufig Mark 150,00 jährlich und stellt sein Bureau in entgegenkommendster Weise zur Verfügung. In den Ausschuß wurden gewählt: Die Herren Dr. Julius Moses, I. Vorsitzender, Max Herz, II. Vorsitzender, Dr. Ernst Tuch, Schriftführer, Jlia Ber, Kassenführer, Prof. M. Philippsohn, Marcus Adler, Louis Rosenbaum, Lehrer Falkenberg, Konsul Simon, Alphons Jacobsohn u. Auerbach. Hiermit ist ein neuer großer Schritt vorwärts getan auf dem Wege der wirtschaftlichen Vereinigung der Juden. Heute, wo wir unter den allgemein wirtschaftlichen und sozialen (antisemitischen) Verhältnissen so schwer leiden, verdienen alle Bestrebungen, welche uns neue Berufe eröffnen wollen, volle und eingehende Beachtung. Zu König Salomo’* Zeiten. Eine Erzählung fürunsere Jugend. Von Moritz Antscherl. Motto: „Dreimal im Jahre sollen erscheinen alle deine Männlichen vor dem Angesichte des Herrn, des Ewigen, des Gottes Israels." (2. B. M. 34. 23.) „Und es wird geschehen in späten Zeiten, da wird ausgerichtet sein der Berg des Hauses des Ewigen über den Bergen und er überragt die Hügel und es strömen zu ihm alle Völker. Und viele Nationen werden hinziehen und sprechen: Wohlan, laßt uns hinanfgehen zn-n Berge des Ewigen, zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre von /seinen Wegen 'und wir wandeln auf seinen Pfaden, denn von Zion geht aus die Lehre und das Wort des Ewigen von Jerusalein." (Jesaia 2. 2 u. 3.) Eines Abends „fotnmt Vater Ascher, ein frommer jund biederer Landmann, nach beendigter Feldarbeit zu seiner Familie .heim und ruft seinen Kindern zu : „Der Winter ist vorüber, die Regenzeit ist verstrichen, die Veilchen sind ain Boden sichtbar, die Liederzeit ist da und der Turteltaube Stimme hört man in unserem Lande!" (Hohelied 2. 11 u. 12.) Nun ist's Zeit, liebe Kinder, nach Jerusalein zu ziehen und das Peffachfest an heiliger Stätte zu feiern, bereitet alles für die Reise Nötige vor, denn bald rufe ich Euch, meine Lieben zu: „Auf nach Jerusalem!" Freudige Aufregung herrschte in Vater Ascher's Familie, die in einem kleinen Städtchen am Fuße des Berges Karmel wohnte. Hatten sich-doch schon die guten Kinder, die beim gelehrten Vater sich Kenntnis des heiligen Gesetzes angeeignet hatten, den ganzen Winter darauf gefreut, Jerusalem und den auf Moria von König David geplanten und von dessen weisem Sohne Salomo daselbst erbauten herrlichen Tempel besuchen zu dürfen. Die gute Mutter Sara hatte nun nichts Eiligeres zu tun, als die schönsten Gewänder für den geliebten Gatten und die mit dem Vater als jugendliche Pilger ziehenden Söhne vorzubereiten und auch für Wegzehrung zu sorgen. Endlich kam der große Tag der Abreise, an de m alle Väter des Ortes in Begleitung ihrer Söhne nach Zion ziehen sollten, um „vor dem Herrn daselbst zu erscheinen". Der älteste und angesehenste Mann im Städtchen, der ehrwürdige und gesetzeskundige Vater Josef, auf dessen gottbegeisterte Worte jung und alt mit Andacht stets lauschte, rief den am Hauptplatze Versammelten zu: „Auf nach Zion, zum Hause des Ewigen, unseres Gottes!" Und geleitet von den Segenswünschen der Zurückbleibenden setzte sich der bunte Zug in Bewegung. An Weihegaben für den Tempel fehlte es nicht, und unter Musikklängen und frommen Gesängen wurde die Reise nun angetreten. Unterwegs gesellten sich unseren Reisenden neue Scharen frommer Pilger zu, die auf den Gruß: „Gott mit Euch!" mit einem ,Gott segne Euch!" freudig antworteten. Ebenso hörte man oft ein herzliches „Scholaum aleohem!“ („Friede mit Euch!“) mit einem ebenso treuherzigen „AJechem scholaum!“ („Auch mit Euch sei Friede!") erwidern. Rechts und links von der Straße sah man blühende Fluren, Wein- und Obstgärten, wogende Weizen- und Gerstenfelder, von denen die letzteren schon junge Aehren auf ihren Halmen trugen, deren schönste als Erstlingsgabe — Omer — am zweiten Pessachtäge in den Tempel gebracht wurden. Sehr rasch und angenehm verflog die Zeit der Reise, die auch mancherlei Abwechslung bot. Endlich war man in der Nähe Jerusalems angelangt. Alles freute sich auf den ersten Anblick der heiligen Stadt, die vom nächsten Hügel ans in ihrer ganzen Ausdehnung zu überblicken war. Die Kinder ließen sich's nicht nehmen, dem Zuge voranzueilen, um so bald als möglich dieses Genusses teilhaftig zu werden und schon hatten sie auch den Höhepunkt erreicht, von dem aus „die Wonne der ganzen Erde" mit dem Heiligtum Gottes, von Mauern und Türmen umgeben,' von goldigen Sonnenstrahlen übergossen, ihren Augen sichtbar wurde. „Jerusalem!" rief der flinke, junge Josua, „der Tempel! die Königsburg!" riefen die Anderen und beflügelten die Schrillte der Zurückgebliebenen. Schon stand die ganze Reisegesellschaft auf der Spitze des Hügels und bewunderte die Gottesstadt, die vor ihren Blicken im herrlichsten Glanze erstrahlte. Kurze Rast wurde gehalten, die Reisekleider wurden mit Festgewändern vertauscht und nachdem man die Ankunft durch Boten den Vorstehern der heiligen Stadt gemeldet hatte, richtete sich Alles mit Musik und heiligen Gesängen zum Einzuge durch eines der vielen Thore der Hauptstadt, bei dessen Pforten die Ankommenden von den Stadtverordneten und den Bewohnern Jerusalems aufs herzlichste begrüßt wurden. Beim Betreten der Stufen, die zum Tempelberge hinan führten, stimmten Musiker und Sänger vom Stamme Levi die „Schiro hamaaloth“ bie herrlichen Stufengesänge Davids an — waren es ja 4000 Leviten, die dieser große König zur Verherrlichung des einig-einzigen, ewigen Gottes, zum Tempeldienst in ihr heiliges Amt eingesetzt — und während eine hohe Rauchsäule vom großen Brandopfer-Altare zum

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