Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 13 (27.3.1903)
- Date
- 1903-03-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. - Die MPhrck _ M..13. und unerschütterlichen Pstichtbewilfztsern, daS in dem tiefsten- Wesen, im Kern der Perföhnlichkeit wurzelt Mrd. ihn auf . allenseinen Lebenswegen, in seinem- Thun und Schsffen begleitete: Er war ein echter Jude, ein treuer Sohn seines Volkes-, der mit allen Fasern seines Herzens, mit alle« Gedmrken seines^ Geistes dem angestammten Glauben an>hing, innig: verwachsen mit der überkommenen Tradition, in derer erzogen und großgeworden. Er belauschte die ©tröntuaigen mrd Regungen der- Zeit, vereinigte deren Ansprüche mit dem Forderungen der Vergangenheit zum schönsten Einklänge und» erfaßte voll und ganzjene Pflichten, deren Erfüllung die Ehredes Judenthnms erheischt. Was jedoch seiner Persönlichkeitdüs ihr eigenthümücher Gepräge verlieh, was ihr den . Stempel -kdler Menschlichkeit, der Ebeubildlichkeit Gottes aufdrückte, das war sein Wohlthätigkeitssiun» seine Güte und Barmherzigkeit. Diese glänzenden Ausstrahlungen eines zart besaiteten Gemüthes, eines vollen, reinen, Seelenlebens, das war seine brüderliche Liebe, deren idealste. Verwirklichung und vollkommenste Verkörperung er im Wirken der Chewra-Kadischa erblickte. Deshalb fühlte und wußte er sich eins mit den Bestrebungen, Zwecken und Zielen dieses Vereines, zog es ihn mit unwiderstehlicher, aus Geistes- und, Gemüthsverwandtschaft hervorquellender Macht zur heiligen Bruderschaft, die eine der erhabensten, unvergänglichen, alt ehrwürdigen, den Tiefen der Volksseele entstiegenen Schöpfungen jüdischer Weltanschauung ist, in welcher das Herz des jüdischen Stammes kräftig und unverwüstlich pulsirt, in der die Religion praktischer, allumfassender Menschenliebe ihre höchsten Triumphe feiert. Der Name Moritz Karpeles wird für alle Zeit mit der Wiener Chewra-Kadischa unaustöslich verknüpft sein,, als. der Name eines Mannes, der rastlos und unermüdlich» ihr' Gedeihen und Emporblühen förderte, der sein Sinnen und Trachten, seine. Gedanken und Gefühle in ihren Dienst'stellte, der ihr bis zum letzten Aihemzuge unverbrüchliche Treue hielt und dem die beseligende Freude zutheil wurde, seine Arbeit, Mühe und Sorge durch einen ungeahnten Aufschwung des Vereines reichlich belohnt zu sehen. Der edle Dahingeschiedene ist nunmehr eingegangen in die Gesilde des ewigen Friedens. Seine sterbliche Hülle werden wir der Erde übergeben. Allein sein Geist wird uns umschweben, sein erhabenes Beispiel uns voranleuchten; in seinem Sinne wollen wir wirken und schaffen, die Erinnerung an ihn wird in uns fortleben und „wenn er auch schlaft, sein Herz wird in unterer Mitte stets machen". Wie er selbst im Leben segensreich gewirkt, so wird auch sein Andenken, das wir heilig.und hoch halten wollen, als das Andenken eines frommen und gerechten Mannes für alle Zukunft reichen Segen bringen", rD“D*? p'*W 121 prter v. Zurkovic. Unser großes Comitat hat seinen allverehrten Führer, das Land einen seiner allerbesten Söhne, die hehren Priucipien der Gleichheit und Brüderlichkeit ihren treuesten Hüter und Beschützer verloren; unser allbeliebter Obergespan Peter v. Jurkovie ist am 12. d. M. im besten Mannesalter gestorben. Am 4. März wurde seine im Alter von 41 Jahren an Lungenentzündung verstorbene edle Gattin unter allgemeiner Theilnahme zu Grabe getragen, bei welchem Anlasse der tiefgebeugte Gatte trotz des strömenden Regens entblößten Hauptes dem Sarge folgte, sich erkältete und ebenfalls eine Lungenentzündung bekam, welchem Leiden der 44jährige, kraftstrotzende, selten schöne Mann zum "Opfer viel. Des so plötzlichen Hinscheidens dieses wahrhaft liberalen, ganz vorurtheilsfreien Würdenträgers muß auch in unseren confeffionellen Blättern in aufrichtiger Trauer gedacht-werden, denn sein tragischer. Heimgang bedeutet eineu unersetzlichen Verlust für den Liberalismus, somit auch für das Judenthüm und seine Bekenner. Er gehörte zu den äußerst seltenen Staatsmännern, welche die Ideen der Gleichheit und Brüderlichkeit, nicht nur im Munde führen, auf dem Lippen tragen, sonoern dieselben in allen, ihren Thaten und Handlungen auch, bethätigen und verwirklichen. . . Als seine Installation als Obergesparr des altehrwördigen Comitates Shrmien und der Stadt Semliu gefeiert wurde,, war es sein Wunsch, daß diese Feier auch in unserem Gatteshause begangen werde, ein edles Beispiel, das-bis heute vereinzelt blieb- und noch nirgends Nachahmung faudc. , ' Bei jeder Gelegenheit achtete er str-eug darauf, daßdie Gleichheit unter den Canseffisnen voll und ganz genahrd werde. Seinem schönen Beispiell-daukeu wir es, daß iu unserem; großen Comitate zwischen den Bewohnern und Bürgern Einigkeit und Eintracht herrscht, und daß.-die Bekenner verschiedener Mligianen im-, besten Einvernehmen mit einander leben. Der Aufrichtigen! tiefen Trauer hat unser allverehrter Herr Qberrabbiner Dr. Julius Diamant in denvWachruse, welchen er im Anschlüsse an seine ^übathpredigt denwüdlen, seltenem Mann gewidmet, in beredtem Warten Ausdruck? verliehen, bei: welchem ) Leim Auge thränenleer blieb. j Viele Tan sendeans allen Ortschaften und Städter» des! Comitats, sotvie Vertreter der übrigen Conütate und vieler fremder! Städte nahmen an der Leichenfeier desseltenen Mannes theil, den. man mit volleM Rechte zu den yAMrKtz iimaeS' h.-Qiaulora.'4 zu den Edlen und. Gerechten unter den Andersgläubigen rechnen kann, die des ewigxn Lebens thellhaftig werden... Bei der in Agram stattgefnupenen stillen Beisetzung vertrag Herr Ober- Rabbiner, Dr. I. Diamant die Judenschaft unseres-Comitates. — Vukov a v, am -22. Mävz.. A. S ch w> a r c z. j Gemeinde- und LereinsbÄd. j Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Montag, 30.? 1903, halb 8 Uhr-abends, findetfin-.Khuner's Restaurant/1., Adlerp,a[ff. 6/ die XiII. ordentliche General-Bexsanurrlnug mit nachfolgender Tcrg.es-- Ordnung statt^l». Bericht des Präsidenten, 2. Eassa-Bericht/ 3. Berichtl-der Revisoren, 4. Wahl des Präsidenten, 5- Wahl der 12.'Vvrstandsmitg8edeL. 6. Wahl der-Revisoren, 7. Anträge und Interpellationen von Mitgliedern. Für die Vereinsleitung: Dsr Präsident S. Brx>d, der Schristführer Alfred Kisch. ZötzlN-.. Donnerstag,, den 25. März fgud in der Jsr-.. Kinderbewahrcmstaat II., Schiffamts gaste 15. anläßlich des sechzigjährigen Bestandes der Anstalt eine Gründungsfeier verbunden mit einer Ausstellung von Schülerarbeiten statte Die ausgezeichneten. Leistungen und Erziehungsresultate dieser wirklich segensreich wirkenden Anstalt fandenallgemeine Anerkennung. Zkaidhofen a. pW. Der hiesige israelitische Frauen Wolthätigkeittz-, Verein „Gemilus Cchasodim" für Waidhoien an der Th ahn und Zweifel versendet soeben seinen Jahresbericht über das achte Bereinsjahr, in welchem in Vereinsleitung mit Genugthnung eine stetiges Wachsen der Mitgliederschast und des Verinögensstandes constatirt. Dankbare Erwähnung finden alle Jene, die zu diesem günstigen Resultate beigetragen haben, die Damen Sofie Dubsky in Rottenschachen, Elise Reichmann in Kautzen. Anna Robischek in Lfischau, Josefine Hirschkron in S hrems und Kultnsvorsteher Herr Markus Singer, sowie die wegen Uebersiedlung zurückgetretene Vicepräsidentin, Frau Julie Pollak, und wehmutsvoll wird des Ablebens eines der treuesten Mitglieder, der Frau Johanna Singer, gedacht. Das ersprießliche Wirken des Vereines möge auch fernerhin Förderung finden. Irag. Eine jüdische Kochschule, verbunden mit einem Mägdeheim, soll demnächst hier ins Leben treten. Eine Anzahl hiesiger vornehmer Damen hat sich an die Spitze des Unternehmens gestellt und schon zahlreiche Mitglieder geworben. Zu Gunsten dieses Vereines hat hier kürzlich die Schriftstellerin Frau Else Jerusalem-Kotanhi einige ihrer feinsinnigen Arbeiten verlesen und reichen Beifall geerntet. — Am 17. ds. sprach in der hiesigen Toynbeehalle- Frau Sophie Roubitschek über Frauenberufe. Die festeluden Ausführungen der beliebten Vortragenden interestirten das zahlreiche Publikum lebhaft. — (Bar-Kochba.) Anläßlich des 10jährigen Bestandes der hiesigen jüdisch-nationalen Studentenverbindung Bar-Kochba veranstaltete dieselbe am 19. ds. im Prunksaale des »Hotel Central" einen Festkommers, der sehr gut besucht war und viele Festgäste, auch Damen, angelockt hatte. Unter den Anwesenden wurden die Herren S. Kohn, Vertreter der Cultüsgemeinde und zahlreicher jüdischer Vereine, wie auch die Vertreter der Presse vom Obmanne wärnstens begrüßt. . Die Festrede hielt Herr jjTC.. Otto Abeles, Brünn, über „Die Wege der jüdischen Kunst"; der Vortragende erntete lebhaften Beifall. —. Zahlreiche Glückwunsch-Telegramme waren eingelaüfen. /Eine vornehme Festschrist' bleibt den Testnehchiern eine/ blejbendd Erinnerung.