Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 13 (27.3.1903)
- Date
- 1903-03-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3062972-3063163-3063176--02413-3069086- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 13 Me Wahrheit. Seitd 7. Carl of Meath, E. Caird (Oxfort), Freemantle, Decan Vau Ripon, Henry Brodhurst, Carl of Fovtescue, Lewis M'Jver, Lord Kelvin, Major Evaus Gordou und vielen Ändere», durchgehende Parlamentarier und MÄmer, deren Wort vo»1 höchstem Einflüsse ist und die öffentliche Meinung ihres Landes \ repräsentirt. Einhellig sind sie in der schärfsten Berurtheilungj der rumänischeu Staatsverwaltung ob deren Verhaltens gegen ' die jüdische Bevölkerung. „Vertragsbruch, Vertrauensbruch. Unklugheit der rumänischen Regierung, »fast noch größer als ihre Grausamkeit <icruelty, atrocity), ein schwerer 'Angriff (ontrage) gegen Civilisation und Humanität, scheußliche Grausamkeit, ein Schandfleck für die moderne Civilisation (anatrooions ornolty and a bloe for modern civilisation, a scandal of which Europe shönRd feel ashamed), Berurtheilung seitens d2r Angehörigen aller Religionen und politschen Parteien erwecken die Erwartung, daß England im Vereine mit Amerika und unterstützt von der geiammten öffentlichen Meinung Europas, da Wandel schaffen müsse" — wortwörtlich iu diesen und ähnlichen Exclamatior.en, Gefühls- und Meinungsäußerungen bewegen sich alle die Zuschriften, deren Veröffentlichung die Verfasser ausdrücklich begehren. Der berühmte Historiker LeckY markjrt die rumänische Judenverfolgung als eine der schmachvollsten Seiten (one of the most disgraceful pages) in der modernen Geschichte. „Mehr als Alles sonst sei sie geeignet, die Gefühle der Sympathie, welche England seit Jahren den christlichen Völkern Ost-Europas entgegenbringt, auszutilgen. Da schwatzen sie — so läßt sich Mr. Caird, der Master des Balliol-College in Oxford, vernehmen — von dem „unspea* kable Turk“; aber wahrlich, es müßte Einem die Wahl schwer fallen zwischen den offen barbarischen Handlungen der Türken Und dem heimtükischen, wohl ausgeklügelten, im Gesetzeswege vorschreitenden Angriffe, um dem Juden die Lebenserhaltung zu untergraben." Und Major Evans Gordon, der den Mittheilungen von Auswanderern und Zeitungsberichten mißtraute, nach Rumänien ging, das Land bereiste, erklärt, er müsse nunmehr auf Grund eigener Anschauung bekräftigen, daß Alles, Alles, was über die schlechte Behandlung der Juden seitens der rumänischen Verwaltung geschrieben wurde, wahr sei, der vollen Sachlage entbreche (is qüite as bad as it has been described), er schätze sich glücklich, nunmehr sich ebenfalls den Sympathie-Kundgebungen für die so schwer Bedrückten auschließen zu dürfen." Älortz Karpeles- Mit Moriz Karpeles, dem Präsidenten der Chewra Kadischa und der israel. theologischen Lehranstalt in Wien, der, wie bereits in voriger Nummer dieses Blattes gemeldet wurde, am 17. d. von einem jähen Tode ereilt wurde, ist eine der bemerkenswerthesten Persönlichkeiten der Wiener Jndenschast dahingeschieden. . Er war ein Mann, der in harter schale einen edlen Kern barg und der von echter Liebe zum Judenthume erfüllt, trotz einer geradezu aufreibenden Berufsthätigkeit immer noch Zeit fand, an dem jüdischen Gemeindeleben iu Wien hervorragenden Antheil zu nehmen und eine vielfach ersprießliche gemeinnützige Thätigkeit in w lthuender Erscheinung zu entfalten. So bedeutsam sich dieselbe auch, namentlich aus dem Gebiete der Wolthätigkeit und der Pflege der jüdischen Wissenschaften, gestaltete, war dem Verstorbenen immer eine gewisse Scheu vor der Oeffeiulichkeit zu eigen. Er liebte es nicht, seine Persönlichkeit in den Vordergrund zu stellen, und gerade dieses Moment zeigt, wie ernst er die Aufgabe aufsaßte, die Pflichten, die ihm sein Bolksthum auferlegte, rein aus innerstem Herzensdrange und ntdjt aus Ambition auf Lob und Anerkennung vqll und ganz zu erfüllen. Das Leichenbegängnis, das am 19. d. 10 Uhr Borm. vom Trauerhause, 1., Ebeuhorferstraße 8, aus stattsand, versammelte eine stattliche Zahl von Leidtragende». Der reich mit Blumen und Kränzen geschmückte Sarg, in welchem die Leicheruhte, war im Salon aufgebahrt und am Kopfende desselben stand die Witwe, Frau Emma Karpeles, mit ihren Kindern und den übrigen Familienmitgliedern. Unter den Trauergästen waren zu bemerken: der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde kais. Rath Klinger mit den beiden Bicepräsidenten Dr. Stern und Dr. Gustav Kohn und sämmtlichen Mitgliedern des Vorstandes und dem Sekretär kaiserl. Rath Dr. Lieben, Präsident Theodor Ritter v. Tauffig, Herrenhausmitglied Generaldirector Hofrath Ritter v. Jeitteles, Generaldirector Hoirath Eger. Direktor Hofrath Ritter v. Ullmann, die Bicepräsidenten des Seminars Moriz Edler v. Kuffner und Abg. Dr. Byk mit dem Rector Prof. Dr. Adolf Schwarz und Sekretär Joses Fuchs, der Vicepräsident der Chewra Kadischa Dr. Markus Spitzer mit dem gesammten Vorstände, Hofrath Prof. D. H. Müller, Hofrath Prof. Oser, Hosrath Prof. Pollitzer, Hosrath Felix Louis Raspi, Geueraliuspektor Dr. Calligaris, Generalrath Friedrich Sueß, Regierungsrath Frankl, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Adolf Stein, Prokurist Emil Horner vom Bankhause S. M. v. Rothschild. Prokurist Heinrich Wiedmann von der Firma Gebrüder Gutmann, die Bankdirectoreu Moriz Bauer, Gustan Bunzl, Dr. Joly. Krasni, Rechnitzer und Otro Wiedmann, der Direktor vom isral. Bliudeninstitute Heller, die Gemeinderäthe Dr. Mittler und Zifferer, Architekt Fleischer, die Bauräthe Ritter v. Goldschmidt und Stiaßny, Rittmeister Gustav Ritter v. Dürfeld, die kais. Räthe Alexander v. Engel, Dr. S. Kohnberger, Wilhelm Pollak und Naumann Schefftel, die Industriellen Wilhelm Freyberg und Franz Ritter Regenhart von Zapory, der Präses des Tempelvereines in der Müllnergasse Gottlieb Bettelheim mit allen Vorstandsmitgliedern, Deputationen vieler Tempel- und Hnmanitätsvereine rc. Vor dem Trauerhause hatten sich die Beamten des Hauses Schenker & Cie., über 400 an der Zahl, ein gefunden, um dem Leichenwagen bis zur Landesgerichtsstraße das Geleite zu geben. Nachdem Obercantor Singer unter Assistenz des ersten Cantor Blatt und des Chorpersonales einen Trauerpsalm in erhebender Weise zum Vortrage gebracht, hielt Rabbiner Dr. Schmiedl eine ergreifende Trauerrede. Der Sarg wurde gehoben und aus den vierspännigen Leichenwagen gestellt. Dieser setzte sich nach dem Centralsriedhose in Bewegung. Dort wurden in der Ceremonienhalle der israelitischen Abtheilung ebenfalls die vorgeschriebene Trauergebete verrichtet. Oberrabbiner Dr. Güdemann, der Rector der Jsrael.-theologischen^Lehranstalt Prof. Dr. Schwarz und der Vicepräsident der Chewra Kadischa Dr. Markus Spitzer hielten dem Verblichenen warme Nachrufe. Darnach erfolgte die Beisetzung. * * Der Vorstand der Chewra-Kadischa hatte sich am Vorabend des Leichenbegängnisses seines verstorbenen Präsidenten zu einer solennen Trauerkundgebung versammelt. Der Vicepräsident, Herr Phil. und. Jur-Dr. Markus Spitzer, würdigte in erhebender Weise die hervorragenden Verdienste, die sich der verstorbene Präsident um die Chewra-Kadischa erworben, und erbat sich die Zustimmung, diese Trauerkundgebung in dem Protokolle des Vereines verewigen zu dürfen. Am Leichenbegängnisse betheiligte sich der gesammte Vorstand der Chewra, bestehend aus den Herren: Aron Bondi, Moritz Eißler, S. Heit, Emil Horner, Jacob Moor, Adolf Rosenbaum, Dr. Markus Spitzer und Baurath Wilhelm Stiaßny, und gab dem Verstorbenen zu Fuße das Geleite vom Trauerhause bis zum Parlament. In der Ceremonienhalle hielt Vicepräsident Dr. Markus Spitzer an der Bahre des Verblichenen eine Trauerrede, die ein überaus treffendes Bild des Heimgegangenen Präsidenten entwarf. Nach einigen tiefempfundenen, einleitenden Worten sagte der Redner folgendes: „Der von uns tief Betrauerte war ein stahlharter, in sich gefesteter Charakter, getragen vou lautersten, wahrhaft ethischen, Milde und Wohlwollen athmendeu Grundsätzen, durchglüht von der hehren Idee der Humanität, erfüllt von jenem kategorischen