Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 13 (27.3.1903)
- Date
- 1903-03-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1s. Beilage zur Zeitschrift „Die Watirkeit." 23. Iahrg. Aie gcehrteu Kerren Zossrgen werden hö'ffichst UM Einsendung der KvonnemenLs-HLückstände und des UränumernLronöetrages für Uns am 1. April.' geginnende U. KuartaL ersucht. Are Administration. Jur Berufsorganisation. Jene College«, welche unter Einsendung 1 Krone ihren Beitritt bereits angemeldet'haben, werden ersucht, den restlichen Betrag der Aufnahmsgebühr per 3 Kronen und 2 Kronen für das I. Quartal d. I. umgehend an den Bereinscassier I. Cantor M. Blatt, Wien II., Tempelgasse 3 einzusenden, da die Mitgliedschaft zum Vereine erst mit dem Tage der Einzahlung dieser Beträge beginnt. Gleichzeitig wird aufmerksam gemacht, daß nur jene Collegen, die diese Beiträge voll eingezahlt haben, ihr Wahlrecht bei der am 2. April d. I. stattsindenden Neuwahl des Vorstandes aus- .üben können. Än die Mitglieder des „Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines.^ Die geehrten Mitglieder werden ersucht, die ihnen in den nächsten Tagen zugehenden Stimmzettel für die Donnerstag, den 2. April stattfindende Neuwahl des Vorstandes mit den Namen der Canditaten auszusüllen und umgehend geschlossen an den Vorstand des „Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines" zurückzusenden, Zur Rücksendung wolle man sich nur der den Stimmzetteln beiliegenden gelben Cooverts mit der Ueberschrift: „Wahlangelegenheit" bedienen. Nach erfolgter Neuwahl werden den?. 1. Mitgliedern die neuen Statuten und Mitgliedskarten zugesendet. Wien, am 25. März 1903. Aer Worstand des „Aesterr.-ungar. EanLoren- HZereines." Verschiedene Nachrichten. Wien. (Mädchen und Frauenverein „Bikur-Chaulim".) Sonntag den 22. März hielt Herr Dr. Sigmund Werner im Schulsaale der israel. Cultusgemeinde einen Vortrag über „Die Frauen und die Krankenpflege". Der Redner beklagte es, daß, im Gegensätze zu Deuschland, wo aus den besseren bürgerlichen Kreisen — sowol christlichen wie jüdischen, tausend junge Mädchen sich dem Berufe der Krankenpflege widmen, wir in Oesterreich in dieser Beziehung noch sehr weit zurück sind. Herr Dr. Werner erwähnte, wie schon im grauen Altertums, bei den Griechen und Römern die organisirte Krankenpflege bekannt war und geübt wurde, daß aber merkwürdigerweise bei den Juden solches nicht der Fall gewesen, wenigstens ist nichts bekannt, was darauf - von einzelnen Fällen abgesehen — hindeutet. Der Vortragende kam dann auf die Bemühungen der Frau Henriette Weiß zu sprechen, die endlich die Erlaubnis erhalten, eine jüdische Pflegerinnenschule zu gründen, und wäre es zu wünschen, daß namentlich aus besseren bürgerlichen Kreisen sich Aspirantinnen finden. Es darf nicht vergessen werden, daß in Oesterreich, von den größeren Krankenanstalten abgesehen, die Krankenpflege sich heute im Gegensätze zu Deutschland, fast ausschließlich in Händen geistlicher Bruderschaften und Nonnenklöster befindet. Zu welchen Unzuträglichkeiten dieses oft führt, bedarf keiner weiteren Erwähnung. Durch die in den Vortrag eingestreuten Details gestaltete sich derselbe zu einem hochinteressanten und wurde der Redner am Schluffe mit rauschendem Beifall der zahlreich Erschienenen belohnt. B. Wie«. (Verein jüd. jugendl. Arbeiter „Brigittenau"). Sonntag, den 5. April 1903 findet im Festsaale des Hotel Union H. Nußdorferstraffe 23, das I. Gründungs-Fest inVerbindung Tanz-Kränzchen,Juxpost und Juxbazar statt. Für das Festcomitä: Rudolf? Rosenthal, Obmann XX. Traunfelsgaffe 7. Moritz Tvlrziner, Schriftführer XX. Jägerstraße 18. Arthuer Bauer, Cassier XX. Treustraße 15. Geldsendungen erbitten wir an den Cassier, schriftliche Mittheilungen an den Schriftführer zu senden.' Karten sind zu haben: Cafo „zur Börse" I. Wipplingerstraße 35. Cafs Blumschein, II., Untere Augartenstraße 29. K. k. Tabak-Trasik, XX., Mathildenplatz 1. Friseurgeschäft Kunisch, XX., Traunselsgaffe 3. Hotel Union, IX., Rußdorferstraße 23 sowie bei sämmtlichen Vereinsmitgliedern und Functionären. Szenirz. Unser Landsmann, der in den „Vereinigten Staaten" auch durch seine Woltätigkeit bestbekannte Fabrikant Herr Sam. Woolner, Peoria, hat auch heuer im lausenden Monate, wie schon seit einer Reihe von Jahren, anläßlich seines Geburtssestes unserem ehrwürdigen Herrn Rabbiner Marmorstein einen größeren Betrag zur Verteilung an dürftige Mitglieder der Cultusgemeinde Szenicz zukommen lassen. Elberfeld. Wie alljährlich, wurde auch heuer von der hiesigen Synagogegemeinde im weißen Saale der Stadthalle das Purimfest feierlich begangen. Eingeleitet wurde das Fest durch den Vortrag der „Hebräischen Melodien,"stürIOrchester bearbeitet^von unserem sehr beliebten Obercantor Hermann Zivi, die bereits gelegentlich ihrer ersten Aufführung durch Herrn Musikdirektor Rauchenecke in den hiesigen Blättern besonders Würdigung gefunden haben. Es folgte ein von Herrn Rabbiner Dr. Goldschmid - Offenbach gedichteter und von Herrn Paul .Jungmann schwungvoll vorgetragener Prolog, der von der überaus zahlreichen Festversammlung mit Beifall ausgenommen wurde. Dann trat Herr Rabbiner Dr. Auerbach vor die Rampe und führte im Anschluß an die Bedeutung des Festes in längerer Rede aus, daß das höchste Gesetz der Juden das Staatsgesetz sei; wer daher ein guter Jude sei, der sei auch ein guter Bürger seines Staates, ein guter Deutscher. Dieser Gesinnung forderte Redner die Versammlung auf, durch ein Hoch auf unseren erhabenen Kaiser und König Ausdruck zu geben. Begeistert stimmten die Anwesenden in das Hoch ein uns sangen stehend die Nationalhymne, i Das Programm gipfelte in der Aufführung des biblischen Schauspiels | mit Gesang in fünf Akten, für Chor, Solo und' Orchester „Esther" von | Cantor Fabisch-Göttingen. lieber das Werk selbst kann natürlich nur von! fachmännischer Seite ein kompetentes Urteil . abgegeben werden; soviel j steht jedoch fest, daß dasselbe bei der hiesigen Aufführung einen durch-! schlagenden Erfolg erstelle, der nur auf das Conto seiner Güte zu setzen - ist. Selbstredend darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Vorbereitung und s Einstudierung des Werkes durch Herrn Obercantor und Lehrer Hermann! Zivi eine äußerst sorgfältige war und daß Herr Zivi bei dieser Gelegen-! heit zeigte, daß er nicht nur in seinem Amte sondern auch als Chorj und Orchesterdirigent Vorzügliches zu leiste» im stände ist. Die Hauptrollen lagen in den Händen der Damen Selma Strauß, Grete Bernthal. Rosa Levi und der Herren Paul Wetzstein, Moritz Hacker, Hermann Levy, Richard Gumpertz, Paul Epstein, die alle ihren zum Teil recht schwierigen Aufgaben gesanglich wie mimisch vollauf gerecht wurden; dies bezeugte der überreiche Beifall, der ihnen nach jedem Akte zuteil wurde. Auch die Darsteller und Darstellerinnen der kleineren Rollen fanden sich mir ihren mehr oder weniger dankbaren Aufgaben zur vollen Zufriedenheit der Anwesenden ab. Die Chorpartieen sang ganz ausgezeichnet der Kinder- Synagogenchor. Nicht zu vergessen ist das Ballett, das im 3ten Akte von 10 jungen Mädchen in reizenden Kostümen wirklich entzückend getanzt wurde. Einstudiert waren die Tänze von Frl. Bertha Angelusz. Rach Schluß der Aufführung sprach der erste Vorsteher, Herr M. Simon, im Namen des Gemeindevorstandes Herrn Zivi in beredten Worten seinen Dank aus; Herr stud. jur A. Straus überreichte Herrn Zivi namens der Mitwirkenden ein prachtvolles Geschenk. Nach einigen weiteren Reden, wobei auch der anwesende Komponist, Herr -Zabisch, sowie Herr Vorsteher M. Simon gefeiert wurden, fand allgemeine Kaffeetafel statt, an die sich ein Tänzchen anschloß, das sich noch bis zum späten Abend hinzog. Der Vollständigkeit halber sei noch gesagt, daß dieses Fest wohl das schönste war, das bisher in unserer Gemeinde gefeiert wurde. Und so herrschte auch in der über 500 Personen zählenden Versammlung nur eine Stimme des Lobes und des Dankes für Obercantor Zivi, der stets bereit ist, Schönes und Gutes in der Gemeinde, und besonders unter der Jugend, zu fördern. Herr Zivi kann mit voller Zufriedenheit auf dies sein Werk zurückblicken; das Fest wird allen Teilnemehineru noch lange unvergessen bleiben. Hdessa. Die in diesem Blatte seinerzeit veröffentlichte Artikel- Serie : „Die Entwicklung der synagogalen Liturgie bis nach der Reformation des 19. Jahrhunderts" von P. Minkowsky, Obercantor der Brodier Gemeinde zu Odessa, ist soeben als Broschüre erschienen. Das Merkchen bietet für Rabbiner, Cantoren und alle Jene, die sich mit der Geschichte unserer Liturgie wiffenschaf-lich beschäftigen, großes Interesse. »Hameliz“ und „Hazefira“ ebenso der russische „Woachod'* haben die Arbeit lobend besprochen. Die Broschüre ist durch die Buchhandlung M. W. Kaufmann, Leipzig, zu dem Preise von 1 Mark ju beziehen.