Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 12 (20.3.1903)
- Date
- 1903-03-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6. Die Wahrheit. Nr. 12. Herrn Wilhelm Freyberg anläßlich der Genesung seiner Tochter K. 400.— «ng. Kronen-Rente, vom Präsidenten der israel. Kultusgemeinde Herrn kaiserl. Rath Heinrich Klinger K. 200.— von Frau Rosalia Goldschmidt anläßlich des Hinscheidens ihres Gatten K. 200. — von Herrn Philipp Frankl aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit K. 200.— und von mehreren Spendern kleinere Beträge. Ferner erhielt der Verein Legate von Frau Karoline vel Kreisl Brand s. a. in Brzesko, Galizien, K. 693.10 und von Herrn Ignaz Eisler Edler von Terramare s. a. K. 200.—. Das Stammvermögen des Vereines ist durch diese Spenden auf Nominale K. 14300'.— angewachsen. Den Spendern wurde der Dank votirt. Hierauf Derlas der Schriftführer, Herr Bela Tauffig, den Jahresbericht, aus welchem wir entnehmen, daß der Verein bisher 558 Darlehen im Gesammtbetrage von K. 83.670.— bewilligt hat, daß zu Ehren des Vereinspräsidenten Herrn Baurathes Stiaßny eine Stiftung im Betrage von K. 4000.— ins SeBeti gerufen wurde und daß dem vom Vereins-Vorstände eingesetzten Damen-Comitd bezüglich seiner eifrigen Thätigkeit und der sichtbaren Erfolge höchstes Lob gespendet wird. Bei den nunmehr vorgenommenen Ergänzungswahlen wurden die ausscheidenden Herren: Gustav Frankl, Philipp Frankl, kais. Rath Johann Lichtenstadt, Commercialrath Alfred Pollak R. v. Rudin und Baurath Wilhelm Stiaßny einstimmig wiedergewählt. Zu Sensoren wurden die Herren Jakob Mensch, S. Steiner und Alfred Waizner wiedergewählt. Schließlich hielt Herr kais. Rath Johann Lichtenstadt einen interessanten Vortrag über »Systematische Wohlthätigkeit", welchen das zahlreiche Auditorium mit größter Aufmerksamkeit anhörte. Reicher Beifall lohnte die lehrreichen Ausführungen des Redners. Me«. Ueber Einladung der »österr. israel. Union" hielt Herr Rabbiner Dr. Grunwald aus Hamburg Mittwoch, den 11. d. im „Hotel Central" einen Vortrag über das Thema: „Die moderne Frauenbewegung und das Judenthum". Der Vortragende schilderte die Stellung der Frau bei den Griechen, den Römern, den Germanen und zeigte dann, wie vortheilhaft sich die Stellung der Frau im Judenthume von der Stellung der Frau bei allen Culturvölkern der Alterthums und Mittelalters abhob. Selbst die großen deutschen Classiker haben ihre idealen Frauengestalten dem Judenthume und der Bibel entlehnt. Redner verbreitete sich sodann über die moderne Frauenbewegung und schloß mit einem eindringlichen Appell an die jüdischen Frauen, deu hohen Aufgaben, die ihnen das Judenthum zu allen Zeiten zuwies, auch gegenwärtig gerecht zu werden. Die Ausführungen Dr. Grunwalds, die durch sein sympathisches Organ und die elegante Vortragsweise wirksam gehoben wurden, fanden bei dem zahlreichen, zum großen Theile den Damenkreisen angehörenden Auditorium reichen Beifall. Wien. (Allgem. Kranken-Unterstützungs-Verein '.Nächstenliebe".) Der seit 35 Jahren bestehende „Allgemeine Kränken-Unterstützungs- Verein Nächstenliebe", II, Prakerstraße 50, hält Dienstag den 14. März 1903 im Hotel Guth, II., Stefaniestraße 14, seine diesjährige ordentliche General-Versammlung ab. Aus der inhaltsreichen Tagesordnung sind besonders hervorzuheben: „Beschlußfassung über Gewährung mehrerer Beneficien an die ordentl. Vereinsmitglieder, sowie an deren Witwen, rc. rc." Mit Rücksicht auf das bekannte humanitäre Wirken dieses Krankenvereines ist es zu wünschen, daß die Bestrebunger des Vereinsvorstandes allseitig gewürdigt und nnterstützt werden und ist eine zahlreiche Betheilung der Vereinsmitglieder an dieser Versammlung dringend erwünscht. — Wie«. (Mädchen- und Frauen Vererin »Bikur Chaulim." Nächsten Sonntag den 22. d. hält Herr Dr. Sigmund Werner im Schulsaale der israelitischen Cultusgemeinde I. Seitenstettengasse 2, einen Vortrag über die Frauen und die Krankenpfleg. Beginn 3'/z Uhr Gäste, Herren und Damen sind herzlichst willkommen. Wien. (Litt. Geselligkeitsverei» jüd. Mädchen „Moria.") Mittwoch, de» 25. d. M. wird Herr S. Meist einen Vortrag über »Benjamin Israeli" halten. Beginn präcise halb 3 Uhr nachm, im Religionssaale der Kultusgemeinde I., Seitenstettengasse 2 II. Stock. Gäste herzlich willkommen. Wikoksvurg. Am Vorabende des 7. Adar veranstaltete die Chewra Kadischah in Nikolsburg nach langjähriger Unterbrechung ein Brudermahl. Vor demselben fand ein feierlicher Gottesdienst in der Altschulsynagoge statt, bei welchem Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang in seiner Predigt die Bedeutung und Wohltat der Chewra kadischah beleuchtete und in pietätvollen Worten der im letzten Jahrzehnte verstorbenen Chewra-Mitglider gedachte; außerdem eriunerte er an die Namen anderer bedeutender Männer, insbesondere des im letzten Jahre verstorbenen verdienstvollen Nikolsburger-Schuldirektors Dr. Moriz Eisler und des Nikolsburger- Dichters Hieronimus Lorm und schloß mit einem warmen Appell an die Anwesenden zur Vereinigung in der Chewra-kadischa. Dem Gottesdienste folgte die Generalversammlung der Chewra, in welcher der Rechenschaftsbericht des Vorstandes, Herrn Nathan Oser, mit Besriedigung und Dank zur Kenntnis genommen wurde. Hieran schloß sich das Brudermahl in dem mit den Bundesladenvorhängen der beiden Synagogen prächtig geschmückten Speisesaale des Hotel Schaff«. Herr Dr. Feuchtwang eröffnete die Reihe der Toaste, indem er in seiner geistvollen Rede sich mit dem hohen Priester verglich, der auf seinem Brustschilde die Namen der 12 Stämme, auf den Edelsteinen der Schulterblätter die Namen von je 6 Stämmen trug; so trage er auf seiner Brust, in seinem Herzen die gesammte Gemeinde, seine Schultern aber trügen gleichwertig die politische und die Kultus-Gemeinde und er sei stets bemüht, das Gleigewicht zwischen den beiden herzustellen; dies sei aber nur möglich durch deren einträchtiges Zusammenwirken, aus welches er sein Glas leerte. Nach Dr. Feuchtwand sprachen noch der Rabbinatsassessor Josef Knöpfmacher, ein ehrwürdiger Greis, in geradezu begeisternder Weise, Kultusvorsteher Herr Filipp Kohn, Bürgermeister Moriz Abeles u. a. Herr Dr. Siegfried Fehl gab die Anregung, an dem Geburtshause des Dichters Hieronimus Lorm eine Gedenktafel anzubringen, und veranstaltete zu diesem Zwecke eine Sammlung, welche ein ansehnliches Resultat ergab. Herr Bernhard L. Teltscher forderte die Teilnehmer des Mahles auf, sich angesichts der den Nikolsburger-Juden durch das Anwachsen der antisemitischen Strömung drohenden Gefahren eng aneinander zu schließen und jeden Angriff energisch abzuwehren; diele Anregung wurde mit Begeisterung ausgenommen. So dürste das Brudermahl der Chewra Kadischah nicht nur für alle Teilnehmer eine angenehme Erinnerung bilden, sondern auch eine Bedeutung für die moralische und soziale Entwicklung der Nikolsbnrger-Judenschaft gewinnen. Heptttz. (Jüdischer Volksbildungs-Verein.) Das Maffenpublikum beim Purinfeste, das am 15. d. M. vom Volksbildungsverein mit großer Pracht gefeiert wurde, beging zugleich die einjährige Geburtstagsfeier seines vortrefflich entwickelten Patenkindes, des vor Jahresfrist in's Leben gerufenen Volksbildungsvereines. Das Drängen und Hasten zu diesem Fest, die tiefgehende innere Theilnahme an der Aufführung ist zugleich ein Siegeszeichen für diejenigen, die mit dem unerschrockenen Eintreten für ihre religiösen Ideale den Mahn- und Weckruf an die große Vergangenheit des Judentums auch an die hiesige große israelitische Bevölkerung gerichtet haben. Ueber das nationale Element niöge jeder an seiner Ueberzeugung festhalten; aber die moralische Größe und die großen geistigen Factoren jüdischer Cultur verläi gnen. bedeutet nichts anderes als: sich selbst mit Blindheit schlagen. Von stürmischem Beifall begleitet, führte Herr Dr. Kurrein aus, daß die Bezeichnung Volk in „Volksdildungsverein" nicht mit jenem salchen Beigeschmack aufzunehmen ist, mit dem das sociale Leben, resp. socialer Niedergang das edle Wort „Volk" verunstaltet hat. Er will unter „Volk" eine Massenvereinigung verstanden wissen, die mit heroischer Einmütigkeit zu jenen Höhen emporstrebt, von denen aus die Flammenzeichen veredelnder Ideale in die Niederung des täglichen Lebens hinableuchten. Die Einmütigkeit feierte aber bei der nun folgenden Aufführung auch ihren Triumpf, denn alle Mitwirkenden bis auf einen Einzigen gehörten dem Vereinsverbande an. Und mit diesen Herrschaften, deren täglicher Beruf weitab vom künsterischen liegt, gelang eine excellente Aufführung des großen Finales aus dem 2. Act „Lucia". Alle Beteiligten sangen mit künstlerischer Verve und trotzdem mit vornehmer Zurückhaltung Es waren dies die Damen: Schwarz, Fischer, Levy, die Herren: Dawison, Bender, Löbl, Hecker. Volkstümlich anheimelnd wirkte der folgende Theil: „Kärnthner Volksgesänge. Diese Abteilung bot eine Auslese von Sologesängen, Jodlern mit Zitherbegleitung und vierstimmigen Koschat-Liedern. Das nachfolgende, einactige Lustspiel „Englisch" brauchte von Berufsschauspielern nicht besser gespielt zu werden als von den Damen: Bsamt, Rosenberg, Kohorn und den Herren Adler, Steffgen, Löbl, Hecht. Hildebrandt, Wantoch. Die eigentliche Festgabe brachte aber der Schluß. Herr Ober-Kantor Eugen Dawison, der das ganze Festprogramm entwarf und einstudierte, richtete Gedichte von Juda-ha-Levy melodramatisch für die Bühne ein. Die Declamationen von Esther's Bitte, Jephtas Gelübde, Saul bei der Totenbeschwörerin von Endor und Freund Sabbath wirkten in der scharf charakteristisch erfaßten Auffassung der Damen Ornstein, Menkes geb. Dawison und des reichtalentirten Heldenspielers Raabe vom Teplitzer Stadt-Theater erschütternd. Das jeweilig nachfolgende Bild, streng dem biblischen Text in Geist, historischem Colorit und Rassentypus angepaßt, wurde vour Publikum mit Staunen und Bewunderung ausgenommen. Für den musikalischen Theil des Melodrams verwendete Herr Dawison Motive von Goldmark. Halevy, Sulzer und Lewandowski. Alles in Allem ein glänzendes Beispiel von jüdischem Eifer seitens des vortrefflichen Comite's, seinem geistigen Beirath Herrn Dr. Kurrein und seinem künstlerischen Beirath, Oberkantor Eugen Dawison, sammt seinem treuen Kunst-Ensemble. Das Interesse für jüdischen Geist ist bei uns neu erstanden. Heil diesem Frühlingsboten in einer Gemeinschaft, die von der Zeitgeschichte als „Volk Gottes" bezeichnet wird. Stampfen. Die hiesige, überaus ersprießlich wirkende Talmud- Thora-Verein stattet in dem soeben zur Ausgabe gelangten Jahresberichte allen Mitgliedern und Förderern innigsten Dauk ab und erinnert daran, daß es im heurigen Jahre, am 12. August 1903, gerade hundert Jahre sind, seitdem unser schönes Gotteshaus, das eine Sehenswürdigkeit des Ortes ist. seiner heutigen Bestimmung übergeben wurde. Mögen auch darum die in der Ferne lebenden „Stampfener" dieses hundertjährigen Heiligthums durch öfteres Bedenken unserer verschiedenen humanen Vereine und Institutionen sich erinnern und mit ihrer altehrwürdigen Heimatsgemeinde in steter Fühlung bleiben. ZLertir^ Frau Staats-Minister Dr. Studt, Excellenz, besuchte am 12. März das „Israelitische Heimathaus", Gormannstraße 3. Empfangen und geleitet von den Begründern des Hauses, Herrn und Frau Abraham, besichtigte sie die Anstalts-Syuagoge, sowie die Wohlfahrts-Einrichtungen des Hauses. Volksküche, Haushaltungsschule, Kindergarten, Alter- und Mädchenheim und sprach sich über die segensreichen Einrichtungen sehr wohlwollend aus. Merlin. Eine würrige Trauerfeier für den verstorbenen Justizrat Sigmund Mayer, ihren langjährigen Vorsteher, veranstaltete die Berliner jüdische Gemeinde Donnerstag, den 12. d. M. 11 Uhr Vormittag in der Synagoge in der Oranienburgerstraße. Das Gotteshaus war in allen seinen Teile» von einer dichten Schaar Leidtragender gefüllt, dem Ver-