Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 12 (20.3.1903)
- Date
- 1903-03-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063163-3063175--02400-3069072- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Babylonien und zur Frage nach dem Ursprünge des Monotheismus überhaupt zu hören. Ich stehe in dieser Beziehung noch heute auf demselben Standpunkte, den ich früher in K. A. T., 2. Ausgabe, S. 23 ff. eingenommen habe (fie^e dort). Was insbesondere den Monotheismus der Babylonier betrifft, so habe ich mich, um über die Inschrift, auf die Delitzsch sich in Bibel und Babel beruft, ins Klare zu kommen, direct nach England gewandt, von wo mir ein Herr Theophilus Pinches vom britischen Museum (jetzt pensionirt) die betreffende Inschrift übermittelt hat. In dieser Abhandlung, (oben erwähnt) bespricht Pinches den Götterglauben der Babylonier und redet insbesondere auch von einer Annäherung an den Monotheismus. Und diesem Urteil kann ich bis zu einem gewissen Grade nur zustimmen. Aber dieses ist noch lange nicht un d st r r n g w i s s e n s ch a f t l i ch keineswegs das, was man Monotheismus nennt. Der Text, der wie gewöhnlich in Form einer Liste aufgesetzt ist, lautet: Ninib, Merodach der Gott der Kraft Mergel, Merodach der Gott des Kampfes Zagega, Merodach der Gott der Schlacht Belu, Merodach der Gott der Herrschaft und Fürstenschaft Nabium, Merodach der Gott des Vermögens Sin, Merodach der Erheller der Macht Schamasch, Merodach der Gott des Rechtes Addu, Merodach, der Gott des Regens. „Meiner Ansicht nach stellt die Inschrift den Gott Merodach lediglich in seinen Beziehungen zu verschiedenen Lebens- und Wirkun gsge b ie ten, die sonst anderen Göttern zukommen, hier dar; aber derselbe bleibt nach wie vor ein einzelner besonderer Gott, jene anderen Götter in ihren Lebenssuuktiouen und in ihren Wirknngsgebieten keineswegs beeinträchtigend oder gar verdrängend. Ich schließe in alter Ergebenheit der Ihrige Prof. Dr. Eberh. Schräder, G. Reg.R." Was bedeuten n u u die wirklich geradezu hochtrabenden und harten Worte, welche Delitzsch im zweiten Vortrage (S. 29) allen Theologen und der Theologie entgegendonnert?! was bedeutet nun der schöne, dichterische, aber phrasenhafte und von Selbstüberhebung diktirte Satz: „Und deshalb (weil aus diesen Namen dem Offenbarungsglauben Gefahr erwächst) müht und quält man sich, jene Namen hinweg;udeuten, dabei vor keinem Mittel zurückschreckeud; aber ob auch die Wogen speien und schäumen, bleiben gleich einem Leuchtturm in dunkler Macht die Namen der Abkömmlinge uordsemitischer Beduinen um 2300 v. CH. bestehen : „Gott ist Gott, Jahn ist Gott"! So spricht wahrlich nicht die ruhige, ernste Ueberzeugung, so spricht die Leidenschaft, und die ist in Dingen der Wissenschaft nicht der getreueste Maßstab der Wahrheit. Unter solchen Umständen dürfte es fast überflüssig erscheinen, mit Delitzsch über „Offenbarung", „Monotheismus", „Jahveglauben" zu rechten. Uebrigens. Nicht nur in Preußen wird jedweder nach seiner Facon seelig. Ob Delitzsch an Gott, Moses, Propheten, heilige Schrift, ob er an einen oder keinen Gott glaubt, ist und bleibt uns völlig gleichgiltig, ist auch der competenten Vertretung alttestameutarischer Wissenschaft gleichgiltig. Denn Delitzsch versteht davon wenig. Nicht gleichgiltig aber ist, was er als Wissenschaft und Wahrheit aus gibt und es nicht ist. Er fährt aber fort und behauptet be harrlich weiter, das; Babel nicht nur nebm, sondern über die Bibel, daß babylonische Vorstellungen hoch über israelitische zu stellen seien. Es ist ihm offenbar darum zu tun, das Wort seines Kaisers vom Nimbus des Volkes Israel möglichst zu bekräftigen. Ich will nichts Böses ahnen. Aber das eine will ich doch sagen. Was hilft es, wenn Delitzsch Israel eins am Zeuge flickt zu Gunsten der Babylonier. Die Babylonier sind doch auch Semiten! (Fortsetzung folgt.) Kinderfürsorge. Wir leben in einem Zeitalter, in welchem die Begründung von Vereinen auf der Tagesordnung steht. Eine Unzahl jüdischer Wohlfahrtsinstitutionen ist im letzten Dezennium geschaffen worden und gibt Zeugnis, von dem Opfersinn unserer Glaubensgenossen, aber auch nicht minder von der großen Not, welche in den breitesten Schichten von Tag zu Tag sich vermehrt. Die speziell jüdischen Wohlthätigkeitsvereine sind zu eminenter Bedeutung emporgestiegen, seitdem unsere armen Glaubensgenossen vergeblich an die Thüren jener Wohlthätigkeitsinstitute pochen, die mit, interconfessionellem Gelde erhalten und errichtet, wenn auch nicht statutarisch, so doch in Wirklichkeit confeffionellen Zwecken dienen. Die größte Beachtung unter den Wohlfahtsinstituten verdienen wohl jene, welche sich die Aufgabe stellen, den Aermsten rer Armen, den Kindern, helfend beizustehen. — Erblicken wir doch in unseren Kindern die Zukunft unseres Stammes und unserer Nation! — Eben kommt uns der Jahresbericht über das Vereinsjahr 1902 von einem Vereine zu, der nun seit mehr als einem Jahrzent in wahrhaft segenbringender Weise die Aufgabe erfüllt, armen, kranken Kindern unserer Glaubensgenossen Gesundung und Erholung zu bringen. — Der Verein „Ferienheim" ist e§, der im Jahre 1902 die stattliche Zahl von 484 Kindern in Heilbäder und Kolonien entsendet und nahezn 35.000 Kronen für Kolonienzwecke verausgabt hat. Wir entnehmen dem interessanten Berichte, daß im „Kaiser Franz Josefs Ferienheim" in Tischnowitz drei Sereine von Schützlingen zu je vierwöchentlicher, in der Kolonie Petrau zwei Sereine für dieselbe Dauer und in Bad Hall eine Serie Knaben und eine Serie Mädchen für eine je sechswöchentliche Kurperiode untergeblacht waren. Einer behördlichen Verfügung entsprechend, wurde im Parke des „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" in Tischnowitz ein Marodenhaus errichtet, welches den Verein in die Lage versetzt, bei Ausbruch von kontagiösen Krankheiten die Kolonien in ungestörtem Betriebe zu erhalten. Allen Anforderungen der Hygiene entsprechend, trägt dieser Bau mit dazu bei, das „Kaiser Franz Jo'efs-Ferienheim" zu einem Musterinstitute zu gestalten. Eine Neurung und einen Fortschritt auf dem Gebiete des Ferienkolonienwesens bedeuten die vom „Ferienheim" eingesührten Sonderkolonien für Herzkranke Kinder. Der Bericht verzeichnet die Auszeichnung, die dem Vereine zutheil wurde, indem die Herren Erzherzoge Franz Ferdinand, Otto, Franz Salvator, Friedrich und Eugen sowie die Frau Erzherzogin Maria die aus Anlaß des zehnjährigen Bestandes hereusgegebene „Denkschrift des Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" huldvollst anzunehmen und dem Vereine Spenden zuzuwenden geruhten. Mögen die vielen Glücklichen, welche im Sommer ihre Koffer packen, um an den Strand oder in die Berge zu gehen, und im Winter den warmen Süden aufsuchen, worerst des „Ferienheim" gedenken und diesen Verein in die Lage bringen, den großerr Anforderungen, welche Not, Elend und Siechthum an ihn stellen, voll und ganz zu entsprechen! — F. Gelber. Äus der Wiener Cultusgemeinde. Wien. (Jüdisches Museum.) Dienstag, den 24. März 1903 7 (o Uhr Abends präcise, findet im Festsaale des Nieder-Österreichischen Gewerbe-Vereines I. Eschenbachgaffe Nr. 11, ein Vortrag des Herrn Architekten Max Fleischer über „Drei Meistersänger" statt. Die bereits angekündigte Vorlesung des Herrn Adolf v. Sonnenthal wird anfangs April d. I. mit folgendem Programm stattfinden: „Henoch", Gedicht von Graf Coudenhouve. „Lieder des Ghetto", von Morris Rosenfeld. „Die Schweizerin", Novelle von Kompert. Wien. (Verein zur Unterstützung israel. Handwerker und Kleingewerbetreibender.) Am 12. d. M. fand im Sitzungssaals der israel. Kultusgemeinde die XIV. ordentliche Generalversammlunng statt, welche von zahlreichen Vereinsmitgliedern und vielen Deputationen von jüdischen Humanitäs-Vrreinen- und Anstalten besucht war. Der Vorsitzende, Herr Baurath Stiaßny, theilte mit, daß im abgelaufenen Vereinsjahre mehrere größere Spenden dem Vereine gewidmet wurden, so von Herrn David R. v. Gutmann anläßlich des Ablebens seiner Gattin K. 1000.—, von