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Die Wahrheit · 1903-03-13 · Heft 11 (13.3.1903) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 11 (13.3.1903)
Date
1903-03-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 11. deutlich auf Aegypten zu beziehen. Die Zusammenstellung „Rahab und Babel" spricht deutlicher als Alles. Barth meint: „Eben weil im israelitischen Religionsbewußtsein der Gedanke unmöglich war, daß ein mythisches Götterwesen, wie das verkörperte Meer, die babylonische Tiamat, Gott im Kampfe entgegentreten könnte, wird eine heidnische Erzählung vom Ungeheuer, das sich Gott entgegenstellt, auf Aegypten, die Meeresmacht übertragen, welche einstmals Gott bekämpft hat, indem sie Israel knechtete und trotz Gottes Geheiß nicht freigab." König gibt auch dies nicht zu; wohl aber Oetli, Kittel, Jeremias und Hommel. Daß wir im Hiob heidnische Anschamlugen finden, darf nicht verwundern. Deshalb nehmen auch alle die Stelle (26) „Mit seiner Macht hat er das Meer beruhigt, mit seinem Verstände Rahab zerschmettert, seine Hand schändete die gewundene Schlange" als Anspielung auf jenen Urkampf. Ich kann auch dem nicht unbedingt zustimmen. Allerdings scheinen einige Reste babylonischer Vorstellungen, die sich bei den Neubabyloniern und Persern erhalten haben, in den Talmud Eingang gefunden zu haben. (Fortsetzung folgt.) - . Äufkliirende Statistik. Mit öollem Rechte sagt man: die Geschichte ist die beste Lehrmeisterin des Lebens. Ein Gleiches kann man aber auch von einer der modernsten Wissenschaften, der Statistik, behaupten. Die mannigfachsten Erscheinungen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens werden durch dieselbe in grelle Beleuchtung gerückt, und wenn wir z. B. heute ein richtiges Bild von dem Umfange der Abfallbewegung unter unseren Glaubensgenossen in Oesterreich erhalten wollen, müssen wir die Statistik zu Rathe riehen. Aus diesem Grunde bieten die von dem statistischen Bureau vor kurzem veröffentlichten Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1900, soweit sie unsere Glaubensgenossen betreffen, hohes Interesse für Jedermann, und wir wollen darum im Nachfolgenden einen Auszug aus demselben veröffentlichen: Die Gesammtzahl der Juden in Oesterreich beträgt 1,224.899 Personen. Im Jahre 1880 lebten in Oesterreich 1,005.394, im Jahre 1890 1,143.305 Bekenner des jüdischen Glaubens. Vergleicht man diese Zahlen, so findet man, daß die Zahl der Juden, die während des Zeitraumes vom Jahre 1880 bis 1890 um 137.911 Personen zugenommen hat, während des letzten Dezenniums von 1890 bis 1900 nur eine Vermehrung von 81.594 Personen aufweist. Einen so geringen Zuwachs wie die Juden hat mit Ausnahme ganz kleiner L-ekten, wie die Unitarier und Mennoniten, keine einzige in Oesterreich vertretene Religionsgenossenschaft zu verzeichnen. Während die Vermehrung der Juden in den Jahren 1880 bis 1890, in Verhältnißzahlen ansgedrückt, 13' 12 Prozent ausmachte, betrug sie in den Jahren 1890 bis 1808 nur 7'14 Prozent, wogegen z. B. die Vermehrung der Anhänger römisch-katholischen Glaubens, die im Zeiträume von 1880 bis 1890 7.01 Prozent betrug, also verhältnismäßig geringer war als die der Juden, in demselben Dezennium, in den Jahren 1890 bis 1900, auf 9'12 Prozent stieg, die der Protestanten sogar 15.71 ausmachte. Der relative Rückgang im Wachstum der Juden wird aber noch deutlicher erkenntlich, wenn man folgende Zusammenstellung berücksichtigt: Im Jahre 1890 wurden 1,1 £3.305 Juden gezählt, in der Zeit von 1890 bis 1900 wurden lebendig geboren 412.751 Juden, es starben in dieser Zeit 228 399 Juden, so baß ein Ueberschuß von 186.352 Personen verbleibt, die mit der Zahl der Juden von 1890 zusammen eine Bevölkerung von 1,329.657 Personen ergeben sollte. Aus der Zahl der tatsächlich anwesenden Bevölkerung aber ersieht man, daß gegenüber der natürlichen Bewegung durch Geburteit und Todesfälle, die mit 16.30 Perzent alle anderen Religionen überragt, sich ein Minus von 104.758 Personen ergibt, deren Verbleib sich Mf folgende Weise erklärt: Erstens, und zwar zum weitaus geringeren Theile durch Uebertritt. Die Zahl der Konfessionslosen hat im Zeiträume von 1890 bis 1900 um 1891 Personen zugenommen; von dieser Zahl waren neun Zehntel ehemals jüdischen Glaubens. Zum Katholizismus sind ungefähr fünfmal so viel Personen übergetreten, so daß innerhalb der letzten zehn Jahre über 10.000 Personen vom Juden-, thum abgesallen sind. Von weit größerer Bedeutung aber für die Erklärung der obigen Zahlen ist ein anderes Moment, nämlich die Auswanderung der Juden aus Galizien. Dort betrug die Zahl der Inden im Jahre 1890 772.203 Personen, lebendig geboren wurden während der Jahre 1890 bis 1900 315.073, es starben 166.966 Personen, so daß der Ueberschuß von 148.107 Personen zusammen mit der Bevölkerungszahl vom Jahre 1890 920 320. Juden im Jahre 1900 ergeben sollte. I.. Wirklichkeit sind aber nur 811.371 Juden bei der letzten Volkszählung gezählt worden, das ist eine Zunahme der Juden in Galizien um nur 5'07 Procent, während die Gesammtbevölkerurrg sich um 10'72 Prozent in Galizien vermehrte. Da für die galizischen Juden die Taufe nur in ganz geringem Maße in Rechnung kommt, so verbleibt ein Rest von 108.949 Juden, die aus Galizien ausgewandert sind. Von diesen sind circa 2000 nach der Bukowina eingewandert, die in Oesterreich bleiben und an der Gesammtzahl der Juden in Oesterreich nichts ändern. Ungefähr 15.000 sind in andere Gebiete Oesterreichs, besonders nach Wien, übersiedelt, rund 90.000 dieser galizischen Juden sind aus Oesterreich gänzlich ausgewandert. Dieser Umstand ist bezeichnend für die sociale Lage der Juden in Galizien. Diese ausgewanderten Juden, von denen ein großer Theil nach Ungarn, ein anderer nach Amerika und Palestina ging, sind fast alle gänzlich vermögenslos gewesen und hatten ihre ganze Hoffnung auf die Schaffung neuer Lebensverhälnisse gesetzt. Doch waren diese noch immerhin die Thalkräftigeren, die noch den Muth und die Kraft hatten, sich aufzuraffen, während viele Tausende diese Energie nicht mehr besitzen und im Elend ersticken. Immerhin ist die Auswanderung auch in den letzten Jahren noch im Steigen begriffen. Während so die Zahl der Juden in Galizien sich in steter Abnahme befindet, ist die Zunahme der Juden in den drei Kronländern Niederösterreich, Bukowina und Schlesien sogar größer als die Bevölkerungszunahme überhaupt. In Niederösterreich waren 1890 128729 Juden, 1900 157278 Juden (davon in Wien 146926 Juden), in der Bukowina 1890 82717 Juden, 1900 96150 Juden (davon in Czernowitz 21587 Juden), in Schlesien 1890 10042 Juden, 1900 11988 Juden (davon in Bllitz 2460 Juden). In Böhmen und Mähren, dem Eldarado der Inden in Oesterreich, ist eine thatsächliche Verminderung der Juden im Jahre 1900 eingetreten. Es lvaren in Böhmen J890 94479 Juden, 1900 nur 92745 Juden, in Mahren 1890 45324 Juden, 1900 nnr 44255 Juden. Man geht nicht fehl, wenn man diese Verminderung mit der nationalen Hetze sowohl der Deutschen als auch der Tschechen in diesen Ländern in Zusammenhang bringt. Hilseverem für die notleidende jüdische Sevölkernng in Galhien. Die allgemein anerkannten Erfolge dieses Vereines in der Bekämpfung der Erwerbslosigkeit haben ihm auch in der Provinz zahlreiche Mitglieder gewonnen. Infolge dessen constituirten sich allmählig neue Ortsgruppen. Die Constituirung der „Ortsgruppen F iedek-Mistek fand am 1. März d. I. statt. In den Vorstand wurden gewählt: Der allgemein verehrte Cultusvorsteher, Herr Hermann Löw, als Obmann, Herr Alois Reik, k. k. Hoflieferant, als

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