Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1903-03-06 · Heft 10 (6.3.1903) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 10 (6.3.1903)
Date
1903-03-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063163-3063173--02380-3069050
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 10 Die Wahrheit. Seite 7. Mitglieder der „Chewra Kadischa" statt, an welcher die Cultusvorsteher Ritter von Goldschmidt, Dr. Maximilian Steiner, .Commerzialrat Jonas Weil,'der Präsident der Chewra Kadischa, Moritz Karpeles, der Vicepräsident Dr. Markus Spitzer, die Vorstandsmitglieder Moritz Eisler, Samuel Heit und Wilhelm Stiaßnh und zahlreiche Vereins- und Gemeindemitglieder teilnahmen. Nach stimmungsvollem Vortrage des Sulzer'schen Requiems durch Obereantor Singer unter Affistenz des I. Cantor Schiller und des Chorpersonales hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann eine ebenso tiefdurchdachte als formvollendete Gedächtnisrede, worauf er das Seelengebet für die verstorbenen Mitglieder verrichtete. Mit der Absingung des „Schiwissi" schloß die erhebende Andacht. Wien. („Oefierreichisch-Jsraelitische Union"). Mittwoch, den 11. März, präc. halb 8 Uhr abends findet im „Hotel Central", 2. Tabor straße 8, eine Vereinsversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" statt, in welcher Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald aus Hamburg inen Vortrag unter dem Titel „Die moderne Frauenbewegung und das Judentum" halten wird. Gäste, Damen, willkommen. Wien. (Verein für jüdische Geschichte und Litteratur.) Sonntag den 15. Februar sprach Herr Wolf Pappenheim über den vormaligen Frankfurter Rabbiner S. R. Hirsch. Er zeichnete den Lebenslauf dieses .Großen in Israel von seiner frühesten Jugend an, als er noch zu den Füßen des Chacham Bernays saß, von seinem ersten Auftreten in der Oeffentlichkeit als großherzoglich oldenburgischer Landesrabbiner bis zu den Schöpfungen, die ihn noch heute überdauern; er schilderte die gewaltigen Kämpfe, die er für die Verteidigung und Kräftigung des orth. Judentums in Deutschland gefochten, und die herrlichen Siege, die er in diesen Kämpfen errungen und die ihn mit der Gloriole eines der erfolgreichsten Wiederbeleber echtjüdischen Geistes aller Zeiten umgeben; er besprach die hervorragendsten Werke Hirsch's, seinen Kommentar zu Bibel und Psalmen, die 19 Briese, Choreb, die von ihm redigirte Zeitschrift 'Jeschurun und verstand es, seine geistvollen Ausführungen mit interessanten Darstellungen der jeweiligen deutschländischen Gemeinde- und Einzelverhältnisse zu durchsetzen, die Herrn Pappenheim als vorzüglichen Kenner jüdischer Geschichte bis in ihre kleinsten Details erscheinen ließen. Ueber den formvollendeten Vortrag gab es nur ein Urteil: Es war ein Vortrag, würdig des Großen, dem er gegolten. Am Schluffe bereitete die Zuhörerschaft dem Vortragenden rauschende Ovationen. Sonntag, den 8. März, Vorlesung des Herrn Dan S. Albachary: ,Spaniolische und deutsche Juden". Ort: Festsaal des „Jüdischen Volksverein", II. Bez., Leopoldsgasse 49. Beginn 3/48 Uhr Abends. Gäste herzlichst willkommen. Wien. Dienstag, den 3. März, 7 Uhr Abends, fand im Restaurant Guth, II., Stephaniestraße 14, die stark besuchte 3. ordentliche Generalversammlung des „Vereines israelitischer Fleischhauer und Fleischverkäufer in Wien" statt, lieber Wunsch der Versammlung und in Anbetracht der großen Wichtigkeit des Gegenstandes gelangte zunächst der 4. Punkt der Tagesordnung: „Gegenwärtige Verwertung der Nebenprodukte (Unschlitt, Häute)" zur Discussion, wobei sämmtliche Redner dafür eintraten, eine einheitliche Action der Vereinsmitglieder und der außerhalb derselben stehenden Gewerbegenosscn anzubahnen, um einen erfolgreichen Concurrenzkampf gegen die derzeit bestehenden Organisationen zur Verwertung der genannten Nebenprodukte, von welcher die Existenz der Fleischhauer abhängt, aufnehmen zu können. Die Versammlung, die mitunter einen sehr bewegten Verlauf nahm und die Tatsache zur Evidenz brachte, daß der Kampf um die materiale Existenz auf politische und consessionelle Stellung keine Rücksicht nimmt, wurde, da der bisherige Obmann des Vereines, Herr Gottlieb Hermann, und der Obmannstellvertreter, Herr Josef B. Klein, ihre Mandate zurückgelegt hatten, von dem Schriftführer, Herrn Sigmund Kornmehl, geleitet. Ausführlicher Bericht in nächster Nummer. Wien. (klowovd-Evzonim-Verein.) Generalversammlungen von privaten Vereinen und Körperschaften bieten in der Regel für die große Oeffentlichkeit nur wenig des Interessanten und Wissenswerten, die Vereinsversammlung aber, der wir diese Zeilen widmen, verdient es wol, näher beleuchtet und öffentlich hervorgehoben zu werden. Es ist dies der hiunanitäre Verein „Tomech Ewjonim“ (II., Herminengafse 6), der am 1. März d. I. im Festsaale des jüd. Volksvereins in Anwesenheit eines zahlreichen distinguirten Publikums seine ordentliche Generalversammlung abhielt. Nachdem der Obmann, Obercantor M. Schorr, die Versammlung eröffnet und in einer warmen Ansprache den Zweck der. selben erörtert hatte, wurde zur Verlesung des Rechenschaftsberichtes geschritten. Das besonders günstige Ergebnis, das derselbe über die Thätigkeit der verflossenen Vereinsperiode aufweist, rief unter den Anwesenden ungeteilte Befriedigung und Begeisterung hervor, und wurde dem Vorstand in Würdigung seiner Verdienste um den Verein einstiminig das Absolutorium erteilt. -Nach einer längeren, lebhaften Diskussion über verschiedene den Verein betreffende Agenden wurde zur Neuwahl des Vorstandes geschritten. Derselbe erscheint, bis auf die demnächst stattfindende Constituirung, mit Ausnahme der Neuwahl zweier Mitglieder, die den Vorstand nunmehr'auf 12 Personen ergänzen, vollzählig wiedergewählt. Wenn schließlich erwähnt wird, daß der Verein, wie im Ausweis ersichtlich, im verflossenen Jahre 2969 arme durchreisende Glaubensgenossen mit sabbathlichem Freitisch und circa 200 Bewerber auch mit Geldunterstützungen bedachte, dann sprechen wol diese Ziffern dafür, um denselben einen hervorragenden Platz unter den Wiener Woltätigkeitsvereinen einzuräumen und das Jntereffe, das ihm bisher seitens edler Menschenfreunde entgegengebracht, auch fürderhin wach und rege zu erhalten. D. Skutezkb. Wie». (Schulinspektron im jüd. Schulvereine des IX. Bez.) Im vorigen Jahre hat fich bekanntlich eine Anzahl hervorragender Männer im IX. Bezirke zusammengefunden, welche es sich zur Ausgabe gemacht, die Verbreitung der hebräischen Sprache und Geschichte des Judentums sowie die Förderung der religiösen Erziehung unserer Jugend anzustreben. Zu diesem Behufs constituirte sich der jüdische Schulverein im IX. Bezirke, welcher eine gesetzlich conceffionirte Schule inS Leben rief, von deren ersprießlicher und segensreicher Wirksamkeit wir schon zu wiederholten Malen zu berichten Gelegenheit hatten. Vorige Woche nun. wurde diese Schule von dem Schulinspector der isr. Cultus» gemeinde, Herrn Profeffor M. Kanitz, einer genauen und eingehenden Jnspection unterzogen. Nachdem sich Herr Kanitz von dem Religionslehrer dieser Schule, Herrn D. H. Oesterreicher, über die Zahl, Abteilungen, sowie über die regelmäßige Frequenz der Schüler genaue Angaben geben ließ, wurde jene Abteilung, welche gerade unterrichtet wurde, in den. verschiedenen Lehrgegenständen einer mehr als einstündigen Prüsung unterzogen. Nach Schluß derselben besichtigte Herr Inspektor Kanitz auch die Räumlichkeiten der Anstalt uud verließ nach nahezu 1 ^ständiger Anwesenheit sichtlich befriedigt die Schule. Wie«. (Mädchen- und Frauen-Berein „Bikur-Chaulim".) Am Sonntag, den 8. März, hält Herr Dr. E. Deutsch im Schulsaale der israelitischen Cultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 2, II. Stock, einen Vortrag über „Hhgenie der Wohnung". Beginn präcise halb 4 Uhr. Gäste, Herren und Damen, herzlichst willkommen. Wien. (Berichtigung.) In voriger Numme unseres Blattes wurde gemeldet, daß am 8. März in Berlin die Trauung des Fräulein Jda Adutt mit Herrn Alexander Löwenstein stattfindet. Die Braut ist nicht, wie irrtümlich berichtet wurde, die Tochter des II. Präsidenten der türkischen Jsraeliten-Gemeinde in Wien, Herrn Licco Adutt, sondern Tochter der Wittwe Frau Licco H. Adutt. Wien. Am 1. März wurde von der Halle des Zentralfriedhofes aus, der Schüler der sechsten Klaffe der Oberrealschule im IV. Bezirke Walter Weinreb unter Beteiligung seiner Professoren und Mitschüler zu Grabe gebracht. Hervorzuheben ist, daß der Dahingeschiedene in seiner Klaffe der einzige Israelit war, und es als Beweis seiner großen Beliebtheit bei den Mitschülern gelten muß, daß letzere sich so zahlreich an seinem Leichenbegängniffe beteiligten. Gleicher Beliebtheit hatte er bei seinem Profefforen stch zu erfreuen, die ihn wegen seines musterhafte« Betragens, sowie wegen seines Fleißes und ernsten Strebens sehr wertschätzten. Der israelitische Religionslehrer der Schule, Dr. L. Langfelder, widmete dem Dahingeschiedenen einen tiefempfundenen schwungvollen Nachruf, der auf alle Anwesenden einen mächtigen Eindruck machte. Brün». (Eröffnung einer jüdischen Altersversorgungs-Anstalt.) Sonntag, den 1. März 11 Uhr Vorm., wurde hier in überaus feierlicher Weise die von dem verewigten Ehepaare Max und Johanna Rosenthal mit dem Aufwands von 150 000 fl. gestiftete Versorgungs-Anstalt für alte erwerbsunfähige Glaubensgenossen eingeweiht. Zu der weihevollen Handlung hatten sich in Vertretung des Statthalters: Graf Pötting- Persing, hohe Staats-Beamte, der Polizei-Präsident Sojka, Regierungsrat Spitzer, der Vizebürgermeister Rohrer, kais. Rat Urban, die Kultusvorstände, die Vorsteher der Wohltätigkeitsvereine, zahlreiche Damen und- Herren eingefunden. — Der Obmann des Stiftungs-Kuratoriums Dr. H. Fialla begrüßte die Festgäste in tiefempfundenen Worten. Die Weiherede hielt Religions-Professor Dr. M. Grünseld; er pries die Stiftung als Ausdruck der Menschenliebe, die alles verzeiht, alles sühnt. Die Menschenliebe hat hier ein Werk geschaffen für die Bedürftigsten, denen es nicht gegönnt ist, nach einer Tränensaat, eine Jubelernte zu halten. Am Schlüße der Rede, die einen tiefen Eindruck hervorbrachte, gedachte der Redner der verewigten Stifter in ergreifenden Worten. — Dann wurde das mit einfachem Komfort ausgestattete Haus, das jetzt 6 Stistlinge beherbergt, besichtigt. Man war voll des Lobes über die ebenso schöne, wie bequeme Ausstattung aller Räume. — Worte des Dankes wurden dem Vertreter der Stiftung Dr. Hoze ausgesprochen. — Hierauf wurde von Dr. Grünfeld der Segen über das Xsr-Iomiä gesprochen, das Gebet für den Kaiser berichtet und das Nin'oda-Gebet vom Ober- Cantor Heller recitiert. — In gehobener Stimmung verließen die Festgäste das Haus im Bewußtsein, daß hier etwas Gutes und Notwendiges geschaffen worden sei. — Slraßnitz. Unter überaus großer Teilnahme der Cultusgemeinde Straßnitz und der in der Umgebung wohnhaften Glaubensgenossen wurde vorigen Sonntag der in seinem 64. Lebensjahre nach ganz kurzer Krankheit Heimgegangene, allgemein beliebte Cultusbeamte Jakob Fischl zu Grabe getragen. Nachdem im Trauerhause Herr Cantor Klinkovsstein einen Trauerpsalm weihevoll vorgetragen hatte, wurde der Sarg über Anordnung des Vorstandes vor den Tempel getragen, wo Se. Ehr-' würden Herr Dr. Adolf Friedmann, selbst sehr ergriffen, mit seinem formvollendeten, an biblischen und talmudischen Citaten sehr reichen Nachrufe, in welchem er das 36jährige, treue und hiigebungsvolle Wirken des Verstorbenen im Dienste der Gemeinde eingehend schilderte, alle Zuhörer zu Tränen rührte. Hierauf wurde der Sarg von würdigen Mitgliedern der Gemeinde in den Friedhof getragen, wo außer dem Gemeinde-Cantor die Schwiegersöhne des Dahingeschiedenen, die Obercantoren Schwarz—Vukovar und Weinberger—Gran das »El mola rachamim-@5e6et" rührend vorgetragen haben. Die besondere Ehrung ihres verdienstvollen, so langjährigen Beamten gereicht der Cultusgemeinde Straßnitz zur Ehre und zum Lobe!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.