Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 9 (27.2.1903)
- Date
- 1903-02-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Die kVahicheit. Seite 7. Vater besonders beschützt. In das Amen des gefeierten Redners fiel die ganze Gemeinde begeistert mit lauter Stimme ein. — In allen Tempeln Wiens wurde >ans demselben Anlässe fiürrunseren MonarchM gebetet. Wien. (ProbePredigten im Leopold stad ter- und Stadttempcl.) Herr Rabbiner Dr. E. David ans Düsseldorf hält Frejttag den 27. Februar d. I. bei dem Abendgottesdienste. der um 5 Uhr 45 Min. beginnt, im Leopoldstädter Tempel, II., rTempelgasse, die Predigt, und am Samstag, de.: 281 ds., bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Jngendgottesdienste im Stadtkempel, 1., Seitenstettengasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. Wien. Die Gedächtnis-Andacht für die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mitg-lieder der - Chewra-Kadischa findet Donnerstrüg, den 5. März, am Vorabende des TW'?, um 7 Uhr Abends, im Tempel m der Seitenstettengasse stall. Wie-N. Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtivang aus Nilolsburg hält Montag, den 2 Märr, 7 Uhr Abends, im „Wissenschaftlichen Club" I., Gschenbachgasse 9, I. Stock, einen Voiitrag übe-r „B a b e l und B i b e l". Wien. lAusstellung im Jüdischen Museum.) Samstag von II—I Uhr Mittags, der gewöhnlichen Besuchszeit, sowie ausnahmsweise Sonntag, 1. Mär;, von 2—5 Uhr Nachmittags, findet üji Museum für jüdische AUerlhünier. I., Krugerstraste 8, .Mezzanin, eine Ansstellnng der Arbeiten des Bildhauers Boris Chatz, emerit. Professors der Kunstakademie in .Sofia, statt. Unter diesen Objekten sind besonders hervorznhebeu: das Portrait-Medaillon des verblichenen Meisters Antokolsky, ein Portrait Professors Alexander -Strakosch, die Gesichtsmaske .Barnch Spinoza's nach der berühmten Statue von Antokolsky in der Eremitage zu St. Petersburg, dann Studienköpfe und Volkstypen. wie z. B. der betende Jude, der Segen des Rabbi, Kopf eines Makkabäers etc. Der Eintritt in das Museum, dessen Sammlungen fortwährend bereichert werden, ist frei. Wien. Der in der letzten Generalversammlung des „Jüdischen Cchulvereines des X. Bezirkes" vom Obmanne der Schul-Section, Herrn Moriz Faltitschek, erstattete Berich: constatirt, daß die Anzahl der die Vereinsschnle besuchenden .Kinder von Jahr zu Jahr stetig wachse, indem im Jahre 1899 ein Schülerstand von 60. im Jahre 1900 ein Schülerstand von 180, im Jahre 1901 ein Schülerstand von 280 und im Jahre 1902 ein Schülerstand von 300 zu verzeichnen war. Bei. dieser erfreulichen Tatsache ist die Wahrnehmung um so bedauerlicher, daß mit dem Anwachsen der Schülerzahl auch 'die Gleichgiltigkeit und Teilnamslosigkeit der jüdischen Bevölkerung an dieser überaus segensreichen Institution znnimmt. Bet 60 Schülern im Jahre 1899 hatte der Verein 156 unterstützende Mitglieder, während im Jahre 1902 bei 300 Schülern nur mehr 120 unterstützende Mitglieder waren. Dieser Jndifferentismus müßte bei weiterer Zunahme eine Einschränkung der Wirksamkeit des Vereines zur Folge haben, und darum ergeht an alle Glaubensgenossen innerhalb und außerhalb des Bezirkes der beherzigenswerte Appel, dem „Jüdischen Schulvereine" möglichst ausgiebige materielle Unterstützung angedeihenzu lassen. Wien. Unter imposanter Beteiligung der weitesten Wiener jüdischen und nichtjüdischen Gesellschaftskreise fand Freitag den 20. ds., %3 Uhr Nachmittags, das Leichenbegängnis der Frau Regine Hirsch, Gattin des -Vertreters der Wiener C» ltusgemeinde, Herrn kais. Rat Moritz Hirsch, statt. Säunntliche Salons des Trauerhauses, das durch das Hinscheiden der wie eine Priesterin in demselben waltenden Hausfrau nunmehr seines schönsten Schmuckes beraubt ist, waren von Tranergästen erfüllt, die dem tiefgebeugten Gatten und den übrigen Familienangehörigen aufrichtige nndcherzliche Teilnahme bekundeten. Unter den üblichen Trauergesängen die Obercantor Siüger, assistirt vom I. Cantor Blatt, Cantor Rothwein und dem. Chöre, in ergreifender Weise anstimmte, wurde der Sarg gehoben und unter Vörantritt des gesammten Cultusvorstandes und des Vorstandes der Chewra-Kadischa durch ein dichtes Spalier teilnehmender Freunde zu dem vor dem Hausthore bereitstehenden Leichenwagen geträgen. Ein fast , unabsehbarer Conduct folgte demselben auf den Central, friedhos, wo Oberrabbiner Dr. Güdemann an der Bahre der edlen Verblichenen die hohen Tugenden dieser esches chajil mit beredtem Munde schilderte und durch seine aufrichtenden Worte der tiefgebeugten Familie lindernden Trost zu spenden suchte. Wien. Sonntag, den 8. März, 5 Uhr Nachmittags, findet in der Synagoge Lützowstraße in Berlin die Trauung des Fräulein Jda Adult, Tochter des 2. Präsidenten der türk.- israel. Gemeinde in Wien, Herrn Licco H. Aoult, mit Herrn Alexander Loelvenstein statt. Wien. Dem Inhaber des bekannten Schuhwarenhauses, Herrn H. Bauer, I., Fleischmarkt (Oesterr. Hos) wurde der Titel „K. k. Hoflieferant" verliehen. Wien. Im Bethallfe des „Livias-Chen“ - Vereines (II., Obere D.onaustraße 89) wird kommenden Sabbat (n^p^a) den 28. Februar, halb 4 Uhr Nachmittags, Herr Dr. I. Link einen Vortrag halten. Wien. Fräulein Adele Lazarus hat sich mit Herrn Jakob Pollak, Sohn des fel. Rabbiner Pollak, verlobt. Wien. Sonntag, den I. März, */,2 Uhr Nachmittags, findet im Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Herrn Moritz WUßmanu, Cantor im X. Bezirke, mit Fräulein Klotilde Sternfeld statt. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle.) Am 18 d. M. fand die statutarische jährliche Generalversammlung statt. Nadchem seitens des Obmannes. Rector Dr. Ad. Schwarz, die zahlreich Erschienenen begrüßt worden, erstattete Herr Prof. Dr, Kellner den Jahresbericht. Er wies im Eingänge auf die Zurückhaltung hin, die seitens des wohlhabenden Theiles der Wiener Judenschaft noch immer der so überaus segensreich wirkenden Institution gegenüber geübt wird. Wenn in 3 Jahren während 5—6 Monaten je 150 Borträge gehalten werden, die durchschnittlich von 150—200. an Samstagen und Sontagen von über 350 Personen besucht seinen und von denen einige als Haupttreffer, viele als Treffer und nur sehr wenige als absolute Nietenj sich Herausstellen; wenn an 8 Kindernachmittagen über 1500 Kinder, den ärmsten Classen angehörend, mit einer Jause bewirtet, mit Jugendspielen unterhalten und beim Nachhausegehen beschenkt werden; — wenn eine Institution dieses leiste, dann haben sie den Beweis geliefert, »daß sie nothwendig sei und ihre Fortexistenz gesichert werden müffe. Dazu sei aber in allererster Linie die Lösung der Localsrage nöthig, und dies j Jönne nur dann in zweckentsprechender Weise geschehen, wenn die Topnbeehalle im eigenen Heim sich befinde, das selbstverständlich auch anderen philantropischen Zwecken dienstbar zu machen wäre. Die innere, d. h. die erziehliche Lage sei eine zufriedenstellende und dürsten Vorstand und Ausschüsse mit großer Genugtuung auf ihr wahrlich nicht leichtes Werk zurückblicken. Schon in allernächster Zeit werde der Posten eines Secretärs geschaffen, in dessen Händen namentlich die Aufstellung der Bortragslisten ruhen solle. Dafür sei ein Mann ausersehen, der alle Gewähr dafür biete, daß sein Wirken segensreiche Spuren hinterlaffen werde. Nach Erstattung dieses mit ungeteiltestem Beifall ausgenommen Referates wurde aus der Versammlung der Antrag gestellt, der Leiterin der Musikabende, Frau Rosa Feigenbaum, einen besondern Dank zu votiren, welcher Anerkennung auch Herr Cand. theol. M. Th. Mehrer, Hörer der isr. theol. Lehranstalt, theilhaftig wurde, für die ausgezeichnete Art, in der er sich der Freitag- Abend-Vorträge entledigte. Beides geschah unter dem Beifall der Anwesenden. Den Caffabericht erstattetes Herr Joh. Kremenetzki. Er ist nicht günstig, aus Gründen, die Herr Prof. Kellner hervorgehoben. Hoffentlich wird das vorhandene Deficit in naher Zeit getilgt sein, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Das Budget für das lausende Jahr wurde wie folgt veranschlagt: Bewirtung Kr. 1500.— Miethe Kr. 2800.— Gehälter Kr. 1100.— Beleuchtung und Beheizung Kr. 300.— Drucksorten.sPorti. Jncaffco und Sicherheitsdienst Kr. 1300.— im Ganzen Kr. 1000.—. Ein wahrlich geringer Betrag für die „größte jüdische Gemeinde der Welt". Nachdem Herrn Kremenetzki für seine wahrhaft selbstlose Mühwaltung und Arbeit der Dank abgestattet und das Absolutoriuin ertheilt war, wurde zu den Wahlen für das neue Vereinsjahr geschritten. Sie ergaben die einstimmige Wiederwahl des alten Vorstandes. Für zwei der Wiederwahl ablehnende Herren wurde die Herren Dr. Joses Jerusalem und Dr. S. Herz, und zu Revisoren die Herren Lannesschult at Dr. Gustav. Kohn und Dc. jnr. I. Bernstein gewählt. Damit war