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Die Wahrheit · 1903-02-27 · Heft 9 (27.2.1903) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 9 (27.2.1903)
Date
1903-02-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit. Seite 5. Nr. H. Bezirke Obmann Ob.-Stellvertreter Schriftführer I. Dr. Leopold Kohn S. Heit Dr. I. Löwinger II. u. XX. Adolf Schrame! Markus Bondy Dr. I. Winternitz Ill u XI Dr. Jakob Ornstein Osias Juer Adolf Unger IV., V.([u.rX.2lbolf Lichtblau C. Seligmann Franz Frankl VI.- u. VII Adolf Rosenbaum Samuel Steiner Leo Bauer VIII. u. IX. Donat Zifferer G. Bettelheim Jakob Modern XII.—XV. Salomon Beer Samuel Mohr Alexander Hecht XVI. u.XVIl.Anton Löwy Leopold Trebitsch Moriz Pick XVIII n XHAnton Koretz Jakob Frankel Ignaz Katz Die Schätzungskommissiou wählte: ' Zum Präsidenten Herrn Dr. Leopold Kohn, zum I. Vize-Präsidenten Herrn Wilhelm Ktlffner, zum II. Bize-Präsidenten Herrn Donat Zifferer zu Schriftführern Herrn Dr. Jakob Ornstein und Herrn Adolf Schramek. Eine von Herrn Cultusvorsteher Wilhelm Kufsner gegebene Anregung, abändernde Beschlüsse des Cnltusvorstandes betreffend die Bemessung der Cnltussteuer den Bezirkskollegien zur Kenntnis zu bringen, wird dem Vertreter-Kollegium zur Beratung überwiesen. Sekretär kais. Rat Dr. Lieben referiert über den Beschluß des Vertreter-Kollegiums, gemäß welchem die in Wien erfolgenden Anzeigen von Austritten aus dem Judentume den Eultusgemeinden der Geburtsorte der Ausgetretenen zur Kentnis zu bringen seien, und in geeigneter Weise dahin zll wirken wäre, daß sümmtliche Eultusgemeinden in dieser Angelegenheit Reziprozität üben. Nach längerer Debatte, au welcher sich die Herren Dr. Berger, Salo Cohn, Eltbogen, Wilhelm Kuffner, Vize-Präsident Dr. Kohn, Auspitz, Dr. Spitzer, Prof Dr. Ehrmann und der Vorsitzende I. Vize-Präsident Dr. Stern beteiligen, wird der Antrag des Vertreter-Collegiums zur Kenntnis genommen. Des weiteren referiert der Sekretär in Stiflungs-Angelegenheiten : Gemäß dem Anträge des Stiftnngs-Comites und des Vertreter-Kollegiums wird die Ignaz Theumanu'sche Heirats-Ausstatungsstiftung (1 Platz mil K 2000.—) im Sinne des Stiftbriefes, entsprechend dem Prä'entationsvorschlage der Angehörigen, an ein mit dem Stifter verwandtes Mädchen Verliehen. Der Antrag des Vertreter-Kollegiums auf Genehmigung des von dem Professoren-Kollegium der Israel, theolog. Lehranstalt in Wien erstatteten Vorschlages, betreffend die Anerkennung der Osias H. Schorr'schen Stiftung für Rabbinats- und Lehramts-Kandidaten (13 Plätze ä, K 600.—) an Hörer dieser Anstalt, wird angenommen und zur stiftungsbehördlichen Genehmigung an die Statthalterei geleitet. Das Moriz Freiher von Königswarter'sche Stipendium im Spitale der Israel. Cnltusgemeinde mit dem Betrage von K 840.— pro anno wird auf Grund des ausgeschriebenen Konkurses Mtd gemäß dem hierüber erstatteten Referate der Spitals-Direktion aus die Dauer eines Jahres verliehen. Einen wichtigen Gegenstand der Tagesordnung bildete die Beratung über das neue Oganisatiosstaiut für die israel. Versorgunganstalt. An das von dem Vertreter k. k. Baurat Theoder Ritter von Goldschmidt erstattete Referat über die Vorlage des Vertreter-Kollegiums knüpft sich eine eingehende Debatte, an welcher sich insbesondere die Herren Dr. Steiner. Salo Cohn, k. k. Ober-Finanzrat Dr. Rappaport, k. k. Ober- Ingenieur von Mises, Wilhelm Kuffner, Professor Dr. Ehrmann, "Dr. Berger, Dr. Gustav Kohn und Dr. Alfred Stern beteiligen. Das Elaborat gelangt hierauf nach den Anträgen des Vertreter-Kollegiums mit einigen Abänderungen zur Annahme. Dem Bethausvereine „Mikdofch m'at" wird für das Jahr 190A eine außerordentliche Subvention von K 400.— gewährt. Schluß der Sitzung halb 2 Uhr R. M. Die Juden und der Talmud. XIV. Die von Nebuchadnezar nach Babylon exilirten Metall- Kunstarbeiter, tausend an der Zahl, fanden tu dem kunstsinnigen Lande, in welches von allen Reichen die Schätze der Welt gebracht wurden, ergiebigen Boden für ihre Beschäftigung. Luxus und Hochmut haben auch dort die höchste Stufe erreicht, wie dies aus den Strafreden der Profeten zu ersehen ist. »Und Babel, die Zierde der Königreiche, die Pracht, der Stolz Chaldäas, wird tuerbett wie das von Gott zerstörte Sodom und Amora". (Jes 13. 19.) »Gebrochen hat der Ewige den Stab der Frevler, den Herrscher-Stab. Herabgestürzt in die Gruft ist dein Hochmut, Babel, das Toben deiner Flöten, dein Unterbett 'ist Gewürm und deine Decke Motte." (Jb. 14. 4—16.) „Wie ist abgehauen und gebrochen der Hammer der ganzen Erde? wie ist Babel zur Wüste der Völker geworden?" (Jerem. 30. 23., Ezech. 21.) Auch jene Exulanten, die sich in Palästina mit Ackerbau beschäftigt hatten, fanden in Babel, das vom Tigris und Euphrat und mehreren Kanälen durchschnitten und bewässert ivnrde, einen sehr fruchtbaren Boden. Weizen- und Gerftenfelder gaben 2—300fältige Aussaat, und die zahlreichett Dattelpalmen- Wälder lieferten Speise, Wein und Honig. Deshalb sandte der Profet Jeremia an die Weggeführten einen Brief folgenden Inhaltes: „So spricht der Ewige der Heerscharen, der Gott Israels, zu allen Weggeführten, die ich von Jeruscholajim nach Babel weggesührt habe: Bauet Häuser und bewohnet sie, und pflanzet Gärten und genießet ihre Früchte. Nehmet Frauen und zeuget Söhne und Töchter, nehmet für euere Söhne Frauen, und eure Töchter gebet Männern, damit sie Söhne und Töchter gebären, mehret euch dort und vermindert nicht! Und fördert das Wohl der Stadt, wohin ich euch führte, und betet für sie zum Ewigen! Denn in ihrem Wohte wird auch euer Wohl sein." (29. 4—8.) Diese vor 2500 Jahre erteilten religiös-sittlichen, nationalökonomischen und patriotischen Ermahnungen bilden noch jetzt die Grundlage der Wolfahrt eines zivilisirten Landes. Die Juden haben dieselben stets beherziget und möglichst betätigt. Wo äußere Umstände sie nicht hinderte;!, da gründeten sie Familienherde und Familienhänser. Au allen Sabbat- und Feiertagen wird in allen Synagogen für den Landesfürften und für das Vaterland gebetet. Nach Ablauf der 70 Jahre Gefang?nschaft in Babylon — wie der Profet Jeremias es profezeit hatte — erweckte der Ewige den Geist des Cyrus, Königs von Persien, des Eroberers von Babylon und er lieg mündlich und schriftlich in seinem ganzen Reiche also bekannt machen: „Alle Reiche der Erde gab mir der Ewige, der Gott des Himmels, und er befahl mir, ihm ein Haus zu bauen in Jeruscholajim, das in Jehuda ist. Wer von den Juden will, der ziehe hinauf; und die, welche weiter hier verbleiben wollen, diese sollen ihre heimkehrenden Brüder mit Silber, Gold und anderem Vermögen unterstützen." (Jes. 44, 28, 45. 1.) Dies wurde auch befolgt und selbst noch viele Jahrhunderte nach der Tempelzerstörung sandten sie die „Schekalim" nach Palästina. Unter Anführung des Serubabel aus dem Hause Davids und des Hohenpriesters Jehoschua zogen 44.000 Exulanten mit 5000 Priestern nach Jerusalem. Cyrus ließ aus der königl. Schatzkammer die von Nebuchadnezar ans dem jerusal. Tempel geraubten goldenen und silbernen Gerät he (5400 Stück) zurückgeben, (Esra, 1 K.) aber die von Nebuchadnezar aus dem Tempel genommene reiche Beute an Metall blieb weiter in Babel, wahrscheinlich weil die Fortschaffnng dieser Last den Heimkehrenden zu schwer gewesen wäre. Ans welch' hoher Stttse nun das Kunsthandwerk bei d.n Inden damals stand, ist schon daraus ersichtlich^ daß sie es zu Staude brachten, alle zum

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