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Die Wahrheit · 1903-02-27 · Heft 9 (27.2.1903) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 9 (27.2.1903)
Date
1903-02-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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-.-.»y ■ Seile 4. Die Wahrheit. Nr. 9. als „ein Volk von Priestern und ein heiliges Volk" die göttlichen Gesetze übe und bewahre. Ausgewählt sollte Israel sein, Wenn es als das kleinste unter den Völkern seiner hohen Mission sich würdig zeige. Und dieser „Nimbus" soll verloren gegangen sein durch die „Entdeckungen" eines gelehrten Professors? Und alle die „biblischen" Lehren, von denen es im „Neuen Testamet" nur so wimmelt, sie alle sollen nun — denn das ist ja nur eine logische Folgerung — sie alle sollen nun «bensalls ihres „Nimbus" entkleidet sein . . . .? Auf der einen Seite das jüdische Volk und seinen großen Gesetzgeber degradiren, und aus der anderen den Stifter der christlichen Religion als einen „Gott in menschlicher Gestalt" glorificiren, ist ein Unding. Mit dem Einen fällt auch das Andere. Oder kann man die Gesetze des Vaters verdammen, wenn mau den Sohn, der sie der ganzen Welt zur Nachachlung empfiehlt, in den Himmel hebt . . . .? Aber eines können mir Juden aus diesem interessanten Briese ersehen, daß Kaiser Wilhelm II. noch weit, sehr weit davon entfernt ist, auf jener Höhe der Anschauung und Toleranz zu stehen, wie jener von ihm und von allen guten Menschen so hochverehrte Manu, der das Wort geprägt von der „Schmach der Jahrhunderte". Her m. Berliner. Verein;ur Stärkung des jüdischen Glimliens. Endlich scheinen sie sich aufzuraffen, die berufen sind, Hort und Stütze des Glaubens zu sein. Das hauptstädtische Leben, in dessen hochgehenden Fünhen jeder religiöse Sinn zu verschwinden droht, hat das tiesrranrigeBewußtsein hervorgerufeu, daß man angesichts der immer nrehr und mehr zunehmenden Abtrünnigkeit einen Damm aufrichten muß, wenn nicht das jüdische Wesen sammt seiner erhabenen Mission, die sich Jahrtauseitde hindurch auf das Glänzendste bewährt hat, ganz in die Brüche gehen soll. In christlichen Kl eisen hat man schon längst die Wichtigkeit des Vereinslebens auf dem Gebiete der Religion erkannt, in jeder noch so kleinen Gemeinde blühen und wirken Institutionen zur Förderung und Kräftigung des Glaubens. Da wird die Jugend durch Belehrung, Unterhaltung und gesellschaftliche Zusammenkünfte zu dem Glauben der Väter hiugeleitrt, nur wir haben bisher mit verschränkten Armen zugesehen, wie die Nisse im jüdischen Bau in erschreckender Weise sich mehren. Väter, die ihre Kinder förmlich zur Taufe führen, machen sich kein Gewissen daraus, wetin ihre Spcößlinge abseits von dem väterlichen Boden mit Hohn und Spott ihre verlassenen Brüder bewerfen. Brüsk und herausfordernd treiben die Abtrünnigen mll der Taufe noch e neu besonderen Cultus, um ihre neuen Glaubensbrnder in der Annahme zu bestärken, daß sie ohne jedwedes Interesse, aus purer Ueberzeuguug den neuen Glauben ungenommen haben. Woher diese Lässigkeit in Glaubenssachen rührt? Es ist düs nicht schwer zu crralhen. Die Großen imb sich gebildet Nennenden ducken und beugen sich förmlich vor jeder christlichen Seele, in Casinos und gesellschaftlichen Kreisen tummeln sich unsere jüdischen Größen gerne in nichtjüdischen Schichten herum; und wenn zuweilen über den Juden und seine Religion die gröbsten, unsiuuigsten Witze gemacht werden, der Jude stimmt dem Hohngelächter pflichtgemäß bei, bars ers ja unter keinen Umständen sein jüdisches Gefühl verrathen, sonst hat er die Fähigkeit verloren, als ein ebenbürtige Mensch bei den Christen zügelten. Unsere Frauen, die bisher in der häuslichen Wirtschaft und au der religiösen Erziehung ihrer Kinder ihren sichersten und angenehmsten Lebenszweck gesunden, vernachlässigen absichtlich diesen nur ihnen eigen rhümlichen Wirkungskreis und suchen Erholung nach des Tages Mühen in Kaffeehäusern und sonstigen Unierhalmngsplätzeu, wo von Glauben und Religion keine Spur zu siudcu ist; ihre Küche, ihre Haushaltung, ihre Kindererziehni'g überlaeu sw Personen, die um den jüdischen Glauben sich blutwenig kümmern oder demselben , geradezu-feindlich gegenüberstehen. Unversehens wird auf diese Weise der Boden gelockert, und die gähnende Kluft des Unglaubens verschlingt den Rest der Standhaftigen und Unerschütterlichen. So entsteht im Kinde schon frühzeitig das Verlangen, nach unerlaubten Früchten zu greifen, so wird das Schandmal ans die Stirne des Kindes von den Eltern selbst gedrückt, und im reiferen Alter strebt es mit allen Mitteln darnach, sich von der Vätersitte loszusagen. Was die Eltern noch aus Scheu und ängeerbtem Zagen zu lhun nicht wagten, was sie noch an den uralten Glauben, wenn auch nur lose, hielt, das hat bei der Jugend mehr keinen Wert; denn sie kehrt sich nicht an Vergangenheit und Heldeuthaten ihrer Vorfahren, sondern ergreift die leere, nichtsbedeutende Gegenwart und schielt hinüber ins fremde Lager, wo sie eine ungetrübte, heitere Zukunft erwartet. In der ungarischen Hauptstadt scheint mau. nach langem Zuwarten zur Besinnung gekommen zu sein. In kurzer Zeit soll ein „Verein der Glanbenstrenen" gegründet werden, welcher Jung.und Alt mit der ruhmreichen Vergangenheit des Juventhums, mit den Glaubenssatzungen und Gotteslehren und mit den Peilen und Goldbarren seiner Litteratnr vertraut machen soll. Es hängt nunmehr von den Leitern ab, wie sie die Wankenden zur Besinnung bringen, lvie die Gefallenen aufgerichtet werden. Es darf nichts unversucht gelassen werden, den Funken von Glaubenstrene zur starken Flammeanznfachen, denn das Judenthum hat auf seinem ästereichen Stamme gar herrliche Früchte gezeitigt, die auch unserem Zeitalter, schmecken werden, so es von denselben zu kosten bekommt. , Versuchet und reichet ihnen diese edle Frucht! Dunasöldvar. Rabbiner Dr. Samuel P a r t o s.-! Äus der Wiener Cultnsgemeinde.! . (Plenarsitzung des Vorstandes vom 22. Februar 1903, - unter dem Vorsitze des I. Vize-Präsidenten Dr. Alfred Stern, j Beginn der Sitzung halb 11 Uhr V. M.)? Nach Verlesung der Spenden werden zur Kenntnis z gebracht : - i- Erlässe der k.. f. n. ö. Statthalterei, betreffend die! Kenntnisnahme der am 23. November und am 2. Dezember v. I.! vorgenoulmenen Wahlen in den Cultusvorstand, bezw. die am j 6. Jänner b I. erfolgte Neu-Koustituierung des Vorstandes i und die Mitteilung der Statthalterei, betreffend die zur Ver- 1 teifung au arme Kranke israel. Konfession bestimmten Legate j von Betti uni) Karl Weissmandel zu Gunsten der . Cultus j gemeinden Wien und Baden per je K 1000.— | Im Einlaufe befinde! sich ferner der Bericht des . Herrn j Dr. Alfred Berger, betreffend die am. 6. Februar 1903 in seiner Gegenwart stattgehabte Auslosung der Bewerber, bezw. Bewerberinnen um die Adolf Ignaz Mautner von Markhof'sche Stiftung für Wiener Waisenknaben und um die Julie Marzelline. Mautner von Markhof'sche Stiftung für Wiener Waisenmädchen; Ein Schreiben des Hilfsvereines für die. .notleidende jüdifche Bevölkerung in Galizien mir dem Danke für hie pro 1903 bewilligte Subvention per K 3900,—7; endlich ein Dankschreiben der Katharina Blau, füi; die ihr anläßlich der Vollendung des 100. Lebensjahres seitens des Cuttusvorstandes zugegangene Spende. Vor Uebergang zur Tagesordnung gedenkt de.r Vorsitzende des schweren Verlustes; welchen des hochverehrte Mitglied des Verlreler-ColleglUmsj^Herr kais. Rat Mor'iz.H'ixsch,.^dgrch das Ableben seiner Gattin erlitten hat, uiib; teilt,,mir, daß ans diesem Anlässe' namens des Cultusvorstandes an ihn ein herzliches Kondölenzschreibett gerichtet wurde. —/.(Zustltnmuu.z) .Im P.äsidialberichle gibt der Vorsitzende tueKönstituirung der Culrnsstener-Bezirkskollegieu und der:Schä.tzungskommissiou bekannt. Gewählt erscheinen:

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