Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1903-02-20 · Heft 8 (20.2.1903) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 8 (20.2.1903)
Date
1903-02-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3063163-3063171--02358-3069026
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Wahrheit Seite 9. Nr. I. Kaiser Wilhelm über Label und Libel. Leipzig, 19. Februar. Die „Grenzboten" veröffentlichen unter dem Titel „Babel und Bibel" ein längeres Handschreiben des Kaisers Wilhelm an das Vorstandsmitglied der Deutschen Orientgesellschast, Admiral H o l l m a n n. In diesem Treiben präzisiert der K a i s e r s e i n e S t e l l u n g z u demzrveiten V o r t r a g e, welchen Professor Delitzsch in der Deutschen Orientgesellschast über d a s T h e m a „B a b e l n n d B i b e l" gehalten hat. Kaiser Wilhelm gibt eine ausführliche Darlegung seiner Stellungnahme zum Inhalte des Vortrages, insbeiondere zu den'Unschauungen des Professors über die O s s e n b a r u n g ss r a g e'- und erklärte es für einen s ch tv e r e n Fehler, daß Professor Delitzsch in einer sehr polemischen Weise sich an die Offenbarungssrage herangewagt und dieselbe mehr oder minder verneint, beziehungsweise auf historische, rein menschliche Dinge zurückführen zu können geglaubt habe. Das Handschreiben stellt folgende Schlußso lg e r ü n g e n des Kaisers fest: a) I ch glaube an einen einigen Gott; b) wir Menschen brauchen, um ihn zu lehrnen, eine Form, zumal für unsere Kinder; c) diese For m ist bisher das a l t e T e st a m e n t in seiner jetzigen Ueberlieferung gewesen. Diese Form wird u n t e r d e r F o r s ch n n g, d e n Inschriften und den Grabungen sich entschiedet: wesentlich ändern; das schadet nichts. Auch oaß dadurch viel vom Nimbus des a u s e r w ä h l t e u Volkes verloren geht, schadet nichts. Der Kern und Inhalt bleiben i >n m e r d i e s e l b e n, das heißt Gott und sein Wirken. Nie war die R e l i g i o n ein Ergebnis der Wissenschaft, sondert: ein Ausfluß des Herzens und d e S S e i n s des Menscher», ar:S seinem Verkehr mit Gott. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Probepredigten im Leopoldstädter- und Stadttempel.) Herr Rabbiner Dr. M. Rosenman aus Floridsdorf hält Freitag, den 20. Februar d. I. bei dem Abendgottesdienste, der um 5 Uhr 30 Min, Abends beginnt, im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgaffe, die Predigt, und am Samstag, den 21. d. M. bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Jugend-Gottesdienste im Stadttempel I., Seitenstettenzasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. Nächste Woche hält Herr Rabbiner Dr. E. David aus Düsseldorf im Leopoldstädter Tempel am Freitag, den 27. Februar d. I. beim Abendgottesdienste, der um 5 Uhr 45 Minuten beginnt, die Predigt und am Samstag, den 28. Februar d. I. im Stadttenrpel, bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Gottesdienste für Mittelschlüler die Exhorte. Wien. Unter außerordentlicher Beteiligung fand Freitag den 13. d. M. das Leichenbegängnis der Frau Katharina Wünsch, Gattin des Vorstehers, im Tempel -des XX. Bezirkes und Bauunternehmers Herrn Josef Wünsch statt. Der Gesammtvorstand des Brigittenauer Tempelvereines mit dem Präses, Cultusvorsteher Herm. Eltbogen, sowie mehrere Vertretungen von Vereinen hatten sich im Trauerhause eingefunden. Die cantorale Function versah erster Cantör Schiller. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Schmiedl, welcher die Verblichene als fromme und woltätige Dame schilderte. Wien. Donnerstag den 19. ds. mötgens ist Frau Regine Hirsch, die Gattin des Vorstandesmitglieds und Vertreters der Wiener Cultusgemeinde, Herrn-kais. Rat Moritz, Hirsch, im 59. Lebensjahre gestorben, i Das' Leichenbegängnis findet heute, Freitag, halb 3 Uhr nachmittags, vom Trauerhause, I., .Reichsratsstraße 1, statt. Wien. (MädchenuniT Frauenverein;,Bikur-Chaulim".)j Nächsten I Sonntag den 22. ds. findet im Schulsaal der israelitischen Cultusgemeinde, I, Seitenstettengasse 2, der Borträg des Herrn Dr. Sigm. Jonaß statt »und zwar über „Plötzliche Erkrankungen und einiges über den Transport i Verunglückter", wozu Gäste, sowot^ Damen!, als Herren, freundlichst ein- I geladen werden. Budapest. Die allerhöchste Entschließung, durch welche dem Redakteur Prof. Albert Sturm das Osfizierskreuz des Franz Joseph- Ordens verliehen wurde, lautet: Auf Vorschlag Meines ungarischen Ministers um Meine Person verleihe Ich dem Redakteur und Eigenthümer des „Budapesti Tudosito" („Bndapester Korrespondenz"). Albert S turm in Annerkennung seiner auf dem Gebiete der Journalistik und der öffentlichen Wohlthätigkeit entwickelten nützlichen Thätigkeit 'das Offizierskreuz des Franz Joseph-Ordens.' B u d a p st, 8. Februar 1903. Kranz Zolepy m. p. ^Graf Julius S z v ch e n y m. p. Dem Prof. Sturm ivurden anläßlich der ihmszutheil gewordenen allerhöchsten. Auszeichnung herzliche Ovationen bereitet. Die Mitglieder der Presse veranstalten zu Ehren ihres dekorirten Kollegen am 1. März ein Banket. — Im allerh. Handschreiben geschieht auch der Verdienste Sturm's aus dein Gebiete der Wohlthätigkeit Erwähnung. Sturm ist nämlich einer der Begründer und »verkthätigsten Förderer des Bndapester Kinder-Ferienkolonien-Vereins, dessen Gedeihen und segensreiche Thätigkeit vornehinlich sein Werk ist. — Ministerpräsident Koloinan Szöll und Cultusminister W l a s s i c s haben an Professor Stur m überaus schmeichelhafte Glücktvunschschreiben gerichtet. Budapest. Vergangene Woche hielten hier die orthodoxen Juden eine außerordentliche Versainmlung, um zu beraten, auf ivelche Weise die vor 32 Jahren geschaffenen „Organisations-Statuten der Durchführungs- Commission^, die »nittleriveile sehr »nangelhast getvorden sind, zu ändern und zu ergänzen^wären. Anwesend »varen circa 120 Delegirte, darunter 80 Rabbiner, wahrhafte Repräsentanten der jüdisch-traditionellen Wissenschaft. Die Versammlung hielt ihre Beratungen im Gebäude des „Talmud-Vereines" ab und dauerten dieselben volle drei Tage. Um den Geschäftsgang der Beratung zu erleichtern, »vurde ein ellgeres Comitv von 15 Personen gewählt, welches aus Rabbinern und Gemeindevorstehern besteht und die Aufgabe hat, die Reorganisation der Statuten vorzubereiten. Dieselben »verden dann einer später einzuberufenden Versammlung vorgelegt tverden, die darüber zu beraten haben wird, ob die Aenderungen für die Entwicklung und Erhaltung der jüdischen Gemeinden ztveckmäßig und vorteilhaft sind. — Diese Mitteilungen erhielt ich von einem Rabbiner, der unter seinen Berufsgenoffen einen ersten Rang einnimmt und die Seele der ganzen Bewegung ist. Es ist selbstverständlich, daß Personenfragen mit im Spiele sind, allein im Interesse der guten Sache will ich dieselben nicht berühren. Ich gebe der Hoffnung Raum, daß es dem Comitä gelingen wird, auch die heikle Angelegenheit im J»^ tereffe des JubentumS glücklich zu lösen. Budapest. (70 Jahre Angestellter.) Ein seltenes Jubiläum war jenes, das der Angestellte der Firma Bernhard Rust, (anfänglich: „Aron Bing & Co.", dann später „Rust & Müller") Herr Moritz Guttman, beging. Herr Guttmann, der heute im Alter von 87 Jahren steht, trat am 16. Februar 1833, also vor 70 Jahren, in die Dienste der Firma, welcher er seither ununterbrochen seine Arbeitskraft lvidmet. Er versiebt seine Agenden in voller Rüstigkeit auch heute noch. Der Landesvereur der Handelsangestellten bereitere dem betagten Jubilar große Ovationen. Budapest. Am 17. d. ist hier der Architekt Ignaz R. v. Wechselmann, einein den weitesten Kreisen wohlbekannte und geachtete Persönlichkeit, im Alter von 74 Jahren gestorben. Ritter v. Wechelinann, schon hei Lebzeiten als Förderer philanthropischer Unternehmungen bekannt, hat außer zahlreichen »vohltätigen Legaten zwei Millionen Kronen zur Errichtung eines Pensionsinstitutes für Volkschullehrer und Lehrerinnen und 1,400,000 K für ein Blindeninstitut gewidrnet. Beide Institute zur Hälfte für Angehörige der israelitischen Konfession. In den Fünfzigerjahren kam der aus Preußisch-Schlesien stammende Mann als Vertreter des Wiener Architekten Förster nach der ungarischen Hauptstadt und leitete hier den Bau des israelitischen Tempels in der Tabakgaffe. Die kunstvolle Ausführung dieses Gebäudes lenkte die Aufmerksamkeit der damaligen Bauherren auf den Architekten, der sich sodann hier etablierte und alsbald einer der gesuchtesten Architekten der Hauptstadt wurde. Eine ganze Reihe öffentlicher Bauten ist sein Werk. Für seine Verdienste um die bauliche Entwicklung der Haupstadt »vurde er vom Kaiser mit dem Eisernen Kronen-Orden ausgezeichnet und später in den Ritterstand erhoben. Schon vor einem Vierteliahrhundert hatte sich R. v. Wechselmann ins Privatleben zurückgezogen; seine großen Revenuen verwendete rr fast ausschließlich zu »vohltätigen Zwecken. In den letzten Jahren war er nahezu erblindet. R. v. Wechelinann war »nit einer Tochter des Großindustriellen und Bauunternehmers Carl Neuschloß sen, verheiratet; die Ehe blieb kinderlos. Samstag findet die Eröffnung drs Testaments statt. Man ver,nutet, daß es noch weitere namhafte Legate zu wohl, thätigrn Zwecken enthält.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.