Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 8 (20.2.1903)
- Date
- 1903-02-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 8 Allgemeiner Schluß. So wahr mir Gott, der allmächtige Herr der Heerschaaren, Adonaj Elohe Zebaoth, dessen unaussprechlicher Name geheiliget werde, in allen meinen Geschäften beistehe, in allen meinen Nöthen helfen möge. Amen! Amen! Während der Eidesablegung haben sich alle anwesenden Personen stehend mit der der feierlichen Handlung angemesienen Ehrerbietung zu verhalten. Wieu am 1. October 1846. (Schluss folgt) Die Luden und der Talmud. XIII. Nach Fertigstellung des Mischkan haben die Meister, welche an demselben gearbeitet, die Anderen in den einzelnen Kunsthandwerken unterrichtet, damit letztere selbe zu ihrem Privatbedarf, wenn auch aus minderwerthigen Stoffen, verwerten können. Und die Juden bedurften dieser Kenntnisse zur Anfertigung der nötigen Hausgeräthe, zur Herstellung der Kleider für die in der Wüste Geborenen, denn zu den aus Egypten Ausziehenden sprach Mose: „Dein Kleid aus Dir ist nicht gealtert", (Y. M. 8. 4.) aber für die jüngere Generation mußten neue Kleider gemacht werden — und zur Verfertigung der Kriegswaffeu und anderer zum Kriegshandwerke uöthiger Dinge, um Kanaan erobern zu können. Moses und Josua waren bekanntermaßen tüchtige Feldherren und übten sicher die über 600,000 für den Kriegsdienst fähigen Männer in der Kriegskunst. Moses lehrte unsere Väter, sich nicht nur auf Wunder Gottes zu verlassen. „Versuchet nicht den Ewigen, euren Gott." (Y. M. 6. 16.) Ihr großer Sieg über die zwei mächtigsten Könige am Ost-Jordanufer, Sichon, König von Amori, und Og, König von Baschan, von welchen sie 60 theils offene, theils befestigte Städte mit hohen Mauern, Thoren und Festungswerken Wegnahmen. (Y. M. 3, 4—6) läßt, nebst auch Gottesbeistand, vernünftiger Weise auf militärische Gewandtheit und das Vorhandensein 'der nöthigen Waffen und geeigneter technischer Apparate schließen, was überdies Moses dem Volke angedeutet hat. (Y. M. 20, 19—20.) In Egypten lernten sie weder Waffenbereitung, noch hatten sie dort Waffeuübung; denn man hielt sie, wie den Hirtenstamm überhaupt, für Landesfeindc. (Gen. 46, 34.) Nach ihrem Einzuge in Kanaan kam zu den erwähnten Kunstarbeiten noch die Anfertigung von verschiedenen Ackerwerkzeugen zur Bodenbearbeitung, denn sie befaßten sich außer den Kriegszeiten ausschließlich mit Ackerbau. . Auch in dieser Beschäftigung bekundeten sie ihren Kunstsinn durch Anlegmrg von Prachtgärten. (I. Kön. 21, Jes. 5, Amos 5 u. a. m.) Besonders waren sie darin mustergiltig, daß sie selbst den Boden bearbeiteten und denselben nicht, wie alle alten Völker, auch die noch jetzt mustergiltigen Culturvölker Griechen und Römer, von ihren Sklaven bestellen ließen. So haben bei den Juden Volksrichter (Gideon). Könige (Samuel und' David), Propheten (Elischa) selbst das Feld bearbeitet, und bei ihnen galt niemals der Spruch des Plato und Aristoteles, daß eine gute Republik einem Ackersmann und Handwerker das Stadtrecht nicht verleihen darf. „Ein Vorteil in Allem ist es, wenn ein König dem Felde dienstbar wird". (Pred. 5, 8.) Ueberhaupt war die Bodeubeschäftigung bei den Juden infolge der mit derselben verbundenen vielen Religions-, Rechts- und Humanitätspflichten ein ausgezeichnetes Erziehungsmittel. Sie fördert unsere physische und geistige Tätigkeit, lehrt uns die Zeit gehörig zu benützen, regt uns an zur Demut und Dankbarkeit. Nur in Israel allein hatte die Bodenkultur eine so heilsame Bedeutung. „Der Ackerbau nährt (den Arbeiter in Fülle, befördert die Sittlichkeit, vergrößert das Vermögen, begründet den Frieden und Wohlstand des Landes." (B. Sir. 20, 30—34.) Daher der Spruch des Talmud (Jeb. 63): „Ohne Bodenbesitz ist man kein Mensch", d. h. es fehlt ihm ein so mehrseitig nützliches Erziehungsinstrument. Viele Talmudlehrer befaßten sich mit Ackerbau. (S. .Ab. d. R. Nathan,7.Brach. 35, Saüb. 54 u. n. v. St.) Aber auch in den feineren Kunstarbeiten, sowie sie zur Stiftshütte gemacht wurden, mußten sie sich auch ferner geübt haben; denn sonst hätten sie nicht für den, mehr als 400 Jahre, später vom König Salomo erbauten Tempel zu Jerusalem neue Kunstgeräthe anfertigen können, von welchen viele noch kunstvoller als in der Stiftshütte waren. In der Vorhalle standen zwei eherne 23 Ellen hohe Riesensäulen, rechts und links mit den Namen: „Jahin und Boas". Im Vorhofe südwestlich von Ganzopseraltar war daseherne Meer und 10 eherne Waschbecken, mit Figuren von Ochsen, Löwen und Cherubim. Die Thürpfosten waren von^ Oelbaumholz, die Thüren selbst aus Cypressenholz mit Schnitz?- werken: Cherubim, Palmen und Blumen. Der Fußboden des< Heiligen und Allerheiligsten war mit Cypressenholz gedielt und- und mit Gold belegt. Auch die von Cypressenholz gemachte: Vertäfelung der Wände wurde mit Gold bedeckt. In diesem-. Raume standen 5 goldene Leuchter und 5 goldene Schaubrodtische. Im Allerheiligsten standen zwei 10 Ellen hohe Cherubim mit vier ausgebreiteten Flügeln aus Oelbaumholz und mit Goldblech überzogen, die den ganzen Raum ausfüllten. Ill Kön. 6—8, und II. Chron. 3—4.) ö Die alte Stiftshütte mit ihren Geräthen kam in ein Obergemach des Tempels. Demnach war die ganze Tempeleinrichtung eine neue, und nur von Juden in Jerusalem und Juda verfertigt. Nur einen ausgezeichneten Künstler, der Tyrer, aber auch ein Jude war und in Tyrus wohnte (s. Raschi z. St.)',, erbat sich- Salomo von Chyram, dem König von Tyrus, daß. er ihn als- Leiter der Arbeiten sende. Dieser verfertigte die zwei Riesensäulen Jahin und Boas, wie nachfolgende Zitate lehren: Salomo sandte zu Chyram, dem König zu Tyrus, und ließ ihm sagen: Siehe ich. baue ein Haus zur Ehre meines Gottes u. s. w. Nnd nun schicke mir einen weisen Mann, der zu arbeiten versteht mit Gold, Silber, Erz, Eisen, purpurblauem u. s. w., und der versteht Siegel Eingrabungen zu machen mit den Weisen, die bei mir sind in Jehuda und in Jerusalem, welche David, mein Vater, vorbereitet hat *) Darauf erwiderte Chyram, König von Tyrus, dem Salomon folgendermaßen: Und siehe, ich sende Dir einen weisen, kenntnisvollen und verständigen Mann, den Chyram, der schon bei meinem Vater war. Er ist der Sohn einer Witwe von den Töchtern Dans, und sein Vater war ein Tyrer, aus dem Stamm Naftali, der versteht zu arbeiten in Gold, Silber, in Erz u. s. w. und allerlei Gedanken zu ersinnen, was ihm aufgegeben wird, mit Deinen Weisen und den Weisen meines Herren David, Deines Vaters. (1. Kön. 7, 13—15; 11. Chr. 2, 6—12). Weislich bemerkt der Jalkut 11., Nr. 185, daß, wie bei der Anfertigung der Stiftshütte einer aus dem Stamme Jehudas (Bezalel) und einer aus dem Stamme Dan (Oholiab) war, so auch bei Anfertigung der Tempelgeräthe Salomon aus dem Stamme Jehuda und gedachter Sohn der Witwe aus dem Stamme Dan. Daß die Juden im ersten Staatsleben während 400 Jahre sich mit allerlei vornehmen Kunstprodukten befaßten, ist genügend aus den von den Propheten ihnen wegen ihres großen Luxus gehaltenen Droh- und Strafreden zu ersehen. Dieser Luxus erstreckte sich auf überaus theuere Kleider, Möbel Schmucksachen, Edelsteine, Schmuck und auf alle verschiedenen Lebensbequemlichkeiten. Beweissührend ist auch die Mitteilung, daß Nebuchadnezar alle Kunstarbeiter von Jerusalem nach Babylon in Gefangenschaft führte (11. Kön. 14—16), wo für die Kunsthandwerker besondere Arbeitshäuser errichtet wurden. (1. Chron. 4, 14. 21. 23.) (Fortsetzung folgt.) *) Schon David bereitete Material und Weise vor um den Tempel zu bauen. Aber Gott ließ ihm durch den Profeten Nathan sagen: weil^ er in den Kriegen viel Blut vergossen habe, deshalb solle er ihm keine» Tempel bauen, sondern sein Sohn werde ihn bauen. (II. Sam. 7.)