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Die Wahrheit · 1903-02-13 · Heft 7 (13.2.1903) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 7 (13.2.1903)
Date
1903-02-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Bezugspreis: Ganzjährig.... ft 12.— Halbjährig . . . . K. 8.— Für Cultusbeamte: Ganzjährig.... K 10.— Für Ausland: Ganzjährig . . - 3 Mark. 6 Rubel oder 16 FcS Redaction und Administration: Wien, II/l. Novaragaffe 27. K. k. österr. Poftsvarcassa Check-Conto Nr. 848.251' Jnjierate 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements- und JnserationSbetrüge sind in Wien zahlbar und klagbar. -O, ingige Seitschrift für Mische Intere^en. Erscheint jeden Freitag. Motto : „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Nr. 7. Wien- 13. Februar 1903. Anhalt r Der Streit um Babel und Bibel. — Die Juden in Kroatien und Slavonien. — Verurteilung wegen Ritualmord-Lüge. — Hallöl -wesim’roh, — Die Barcheskönigin. — Verschiedene Nachrichten. — Rettung der hebräischen Melodie. — Zur Berufsorganisation Der Streit «m Sabel und öibet. Von Dr. D. F e u ch t w a n g. II. Ich habe behauptet, daß das, was Delitzsch in seinem Vortage „Bibel und Babel" bietet, nicht neu und nur teilweise wahr sei. Diese Behauptungen, welche ich mit apodiktischer Gewißheit und sine int et studio wiederhole, müssen bewiesen werden, wenn ich nicht iu den schlimmsten Fehler Delitzfch's verfallen will, der in seinem Vortrage nichts bewiesen und alles behauptet hat. Die in späteren Auflagen dem im Drucke erschienenen Vortrage beigefügten Anmerkungen sind erst Ergebnis der polemischen Schriften, zu denen Delitzsch quasi gezwungen wurde. Aber auch diese bringen dem Kritiker zahlreiche Blößen und Schwächen, auf welche ich im Verlaufe dieser Darstellung zu kommen gedenke. Man sollte eigentlich die Hauptergebnisse der Assyriologie als bekannt voraussetzen dürfen, da sie in zahlreichen, leichtverständlichen Schriften dem Leieupuplikum zugänglich gemacht worden sind. Ich muß aber dennoch ziemlich, weit zurückgehen und den Lesern ins Gedächtnis zurückrufen, daß es eben hundert Jahre sind, seitdem es eine Keilschriftkunde gibt, wenn man mit der Entzifferung der persischen (Persepolis) Keilschrift durch Grotesend beginnt. Seitdem ' sind, wie gesagt, hundert Jahre ins Land gegangen; für die Wissenschaft — abgesehen von den Entdeckungen der Neuzeit — eigentlich kein allzugroßer Zeitraum. Er hat aber genügt, der staunenden Welt eine gewaltige Literatur zu schenken, welche an Fülle und Reichtum derjenigen der N ö m e r und Griechen beinahe gleichkommt. Die Hauptfundorte dieser Jahrtausende lang im geheimnisbergenden Erdenschooße vergrabenen Schätze waren: Abu Habba, Balarat, Korsabad, Kileh-Schergat, Kujundschick, Mugheir, Nebijunus, Nisser, Nimrud, Tell-el-Amarna. Expeditionen gingen nach dem Zweistromland (Raharaim- Raharina-Mesopotamien) unter verschiedenen Leitungen und im Aufträge verschiedener Gesellschaften und Regierungen, u. zw.: Rich (1811—1820), Botta (1842—45), Lagard (1845—50), Fresnel-Oppert (1851—64), Place (1852), Rawlinson, Loftus Taylor (1853—55), Smith, Rassam, Sarzee, John Peters (1889—91); eine der letzten 1900 unter Delitzsch. Um die Entzifferung der Keilschrift haben sich unsterbliche Verdienste erworben: Grotesend (1802), Bonnouf, Rewlinson, Bensey, Oppert, Hirks, Spiegel, Amiand und Schräder. Ohns diese Männer und insbesondere ohne die genialen Taten Grotefend's Rewlinson's und Oppert's ist die Assyrisch-Babylonische Geschichte undenkbar. Sie waren die Bahnbrecher und Pfadfinder. Es ist begreiflich, wenn der greise Oppert, er ist jetzt 78 Jahre alt, in Hellen Zorn geräth, wenn er wahrnimmt, wie Jüngere und Geringere, die, int Vergleich zu seinen Leistungen, sehr bescheidenen Resultate ihrer Studien mit Stentor- Stinnne hinausposaunen. Wer Oppert kennt, weiß, welch' ein Feuergeist er ist und wie eifervoll er die Sünden seiner Schüler ahndel.-— Die Entdeckungen dieser genannten Forscher sind in großen Werken uiedergelegt. Sie machen uns mit der Geschichte Aryriens und Babylons bekannt. Es liegt in der Natur der Sache, daß dasjenige, was wir aus der heiligen Schrift, ans römischen und griechischen Schriftstellern über die Staaten und Völker wußten, nun durch die Originalberichte ergänzt und berichtigt wird. Die Hunderte von großen Prunkinschriften auf A l a b a st e r und M a r m o r p l a t t e n, die hunderttausende Inschriften auf T h o n t a f e l n, welche iu den aufgedeckten und bloßgelegten Palastruineu babylonisch-assyrischer Könige gefunden worden sind, sprechen zu uns in verständlicher Sprache und erzählen uns eine Geschichte, welche in all' ihren Theilen den Anforderungen entspricht, die zu einer genauen Kenntnis von Land und Leuten gestellt werden müssen. Steinerne Bibliotheken haben wir, in welchen die Gesammtüberlieferung jener alten Völker uiedergelegt ist. Bon der kleinsten bis zur größten Form sind die Tafeln gefunden worden, von 12 cm bis zu 3 na Höhe; demgemäß sind auch die Schriftzeichen bald so klein, daß sie nur mit großer Anstrengung unter der Lupe gelesen werden können — was jeder, der es einmal versucht hat, nur dann wiederholt, wenn er wirklich Liebe und Begeisterung für die Sache hat, — bald wieder 10 orn hoch. Auch auf Silber, Gold, Antimon, Ochat, Onyx, Chalcedon und Jaspis sind Inschriften erhalten. Nebst den Inschriften historischen Inhalts besitzen wir auch solche, welche sich beziehen auf : Astronomie, A st r o l o g i e, Medizin, Poesie, Grammatik, Lexicographie, Etymologie, Naturwisse n s ch a f t, Liturgie, M o n t i k, Ritus, Handel, Verkehr, Warenkunde, Haushalt, Geschäft, Baukunde, Kriegswesen, Ackerbau, Schiffbau,

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