Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 6 (6.2.1903)
- Date
- 1903-02-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 6. »Und wisst Ihr" fuhr Rabbi Jonas fort, der sich auch bei mir wie bei allen Uebrigen von iher Hände Werk zufrieden gestellt sah, „zu ihrer Zubereitung bedurfte sie keines Seminars. Ihre Lehrerin war ihr geübtes Auge. Mumele Feigel — Gott habe sie selig — unsere ehemalige Wirtschafterin, die sie von Kind auf erzogen und die wir leider allzuschnell verlieren mußten. verhalf ihr zu der Kunst. Ich meine, daß selbst der Gaumen eines an den Genuß raffiuirtester Dinge verwöhnten Epikuräers durchaus es nicht verschmähte, von diesen Barches zu kosten." Wenn Rabbi Jonas sich einbildete, daß ich nichts Lieblicheres an seiner Esther fand, als ihre selbstbereiteten Barches, war er in großem Jrrthum. Viel größere Vorzüge, die ihrer Persönlichkeit anhafteten, nahmen mich für sie ein, aber das hielt ich für mich geheim. Wen gieng es auch was an?— Nach kurzem Verweilen im Heimlerischen Hause wurde ich nicht wie ein Fremder, sondern wie ein Einheimischer behandelt. Welchem Umstand ich dies verdankte, weiß ich selber nicht. Vielleickt meinem sehr zutraulichen Naturell, das sich bald an Alle anschloß. Die Tagen flössen rasch dahin und bald war für mich die Zeit gekommen, das gastliche Haus verlassen zu müssen, als ein bedeutungsvolles Ereignis eintrat, das mich ganz von dem Entschlüsse abhalten sollte. Es wurde nämlich im Seminar des naheliegenden Städtchens eine Lehrerstelle ausgeschrieben, und da ich persönlicher Freund des Directors war und überdies noch andere Empfehlungen in der Tasche trug, wurde natürlich mein Ansuchen unter den verschiedenen Bewerbern in erster Reihe berücksichtigt. Meine Wahl wurde einstimmig anerkannt, und bc ld fand ich mich, nicht unter den ungünstigsten Bedingungen, in den Lehrerkörper ausgenommen. So kam es, daß ich mein nett eingerichtetes, bescheidenes Zimmerchen bei Rabbi Jonas weiter behielt, nur daß ich meine kleine Biblothek um eine Anzahl wissenschaftlicher Werke bereicherte und nebenbei noch öfters Gelegenheit fand, in der Nähe der lieblichen Esther verweilen zu können, die mir den Aufenthalt umso angenehmer machte. (Schluss folgt) Mteratur. „Kegyelet Forräsa“. „Die Quelle der Pietät." Gebete des Israeliten bei Kranken- und Sterbefällen, hebräisch und ungarisch, überetzt von Nathan Haläsz, Direktor der Pester isr. Gemeindeburgerschule, im Aufträge der ehrwürdigen „Chewra Kadischa" daselbst. Budapest, 1903. Oktav. 464 Seiten. Preis: Prachtband nur 3 Kronen. Es ist allbekannt, daß die Pester „Chewra Kadischa" unter ihren Schwesteranstalten sowohl im Inals auch im Auslande zufolge der mustergiltigen Verwaltung und Ordnung und ihrer vielgerühmten Munificenz einm ^hervorragenden Rang einnimmt, und daß ihre Leitung ungetheilte Anerkennung verdient. Ihre Fürsorge erstreckt sich auf alle Gebieten der Nächstenliebe. Dieser Grundzug ist Eigenthum des Judenthums, und mit theilnehmender Aufmerksamkeit ist die Verwaltung bestrebt, durch die Angestellten, die den Liebesdienst versehen, den Leidtragenden Trost zu gewähren und den Anforderungen der traditionellen Vorschriften vollkommen zu entsprechen. Mit der Herausgabe dieser würdigen Arbeit hat die ehrwürdige „Chewra Kadischa" unsere Behauptung nur bestärkt und sie hat auch eine glückliche Wahl getroffen, indem sie dieselbe dem vielseitigen Gelehrten, der ein frommes Gemüt besitzt und meisterhaft die ungarische Sprache beherrscht, zur Ausarbeitung anvertraute. Der Verfasser entledigte sich feiner schweren Aufgabe ausgezeichnet, und wir müffen ihm für die aufopfernde Mühe die vollkommenste Anerkennung zollen. Halasz war bestrebt, in einer leichtverständlichen, sehr gewählten Sprache das gedrückte Gemüth, wenn 5es vom Schicksale heimgesucht wird, durch das Gebet zu erbauen und das Bewußtsein im Glauben zu starken, denn nur dadurch findet der Leidtragende Trost, um mit gottergebener Duldung den Ratschluß Gottes als wohlgethan auzuerkennen. Das vorliegende Buch enthält 6 Abtheilungen, die eine Fülle von Citaten bieten, die in der einschlägigen Quellenlitteratnr verzeichnet sind. Die erste Abtheilung enthält zehn Kapitel, wo alle Vorschriften und Gebete verzeichnet sind, die während der Wechselfälle der Krankheit Vorkommen und vom Kranken und von den Angehörigen zu verrichten sind. Die zweite Abtheilung enthält in neun Kapiteln die Vorschriften und die Gebete, die während der Agonie zu beobachten sind, und dis beim Hinscheiden von der Umgebung zu verrichtenden Gebete. Die dritte Abtheilung enthält in fünf Kapiteln die Vorschriften des Leichenbegängnisses und die üblichen Gebete, die von den Theilnehmern zu recitiren sind. Die vierte Abtheilung enthält in zehn Kapiteln die Vorschriften der Trauerwoche und des Trauerjahres im Allgemeinen. Die fünfte Abtheilung behandelt in leichtfaßlicher Sprache das Thema „der Unsterblichkeit" vom traditionellen Standpunkte. Die sechste Abtheilung enthält die Vorschriften und die Gebete während der Einsarzung der Dahingeschiedenen. In prägnanter^Kürze haben wir den Inhalt der sehr verdienstvollen Arbeit hier mitgetheilt. Wir betonen es hier öffentlich, daß uns kein Pritzatinteresse leitet, wenn wir uns erlauben, allen Chewroth und besonders sden Funktionären der „Bruderschaften" dieses schätzenswerthe Buch, welches auch wegen Anführung der Fachlitteratur sehr reichhaltiges Material bietet, für den bestimmten Gebrauch warm zu empfehlen. Hungaricus. Verschiedene Nachrichten. Wien. Arobepredigten im Leopoldstädter- und Stadttempel.) Herr Rabbiner Dr. M. Lewin aus Malaczka hält Freitag, den 6. Februar d. I. bei dem Abendgottesdienste, der um 5 Uhr 15 Minuten beginnt, im Leopoldstädter-Tempel, Tempelgasse, die Predigt und am Samstag, den 7. d. M. bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Jugendgottesdienste im Stadttempel, I., Seitenstettenzasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. Nächste Woche hält Herr Rabbiner Dr. M. C. Proßnitz aus Mährisch-Aussee im Leopoldstädter-Tempel am Freitag, den 13. Februar d. I. beim Abendgottesdienste, der um 5 Uhr 30 Minuten beginnt, di Predigt und am Samstag, den 14. Februar d. I? im Stadttempel bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Gottesdienste für Mittelschlüer die Exhorte.! Wien. Herr Gustav Spitzer, Sohn des Herrn Adolf Spittzer, hat sich mit Frl. Rosa Engler, Tochter desi Herrn Heinrich Engler, verlobt. Wien. Im Mädchen- und Frauenverein „Bikur-Ehaulim" fand Sonntag den 25. Jänner ein Vortrag des Herrn Dr. Jonasz über: „Erste Hilfeleistung bis zur Ankunft des Arztes bei Vergiftungen und Verbrennungen" statt. In leichtfaßlicher und klarer Weise erörterte der Redner die häufigsten Vergiftungs- und Verbrennungserscheinungen und gab gleichzeitig die nötigen Winke, um jenen Armen, welche teils aus Unverstand, zum größten Teile aber aus sträflichem Leichtsinn jenen Unglücksfällen zum Opfer fallen, bis zur Ankunft des Arztes die Schmerzen zu lindern. Reicher Beifall belohnte den Redner. — Ein zweiter Vortrag des Herrn Dr. Janosz findet Sonntag den 8. Februar im Schulzimmer der Israel. Cultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2, statt, und zwar über die rErste Hilfeleistung bis zur Ankunft des Arztes bei plötzlichen Erkrankungen", wozu Gäste, sowol Damen als Herren, freundlichst eingeläden werden. Ll. 8. Wien. Bei der am 25. Jänner stattgehabten Generalversammlung des Bethausvereines „Volkert", II., Fugbachgasse 7, erfolgte nach vorgenommener Wahl die Konstituirung des Vorstandes in folgender Weise : Gewählt wurden die Herren: Adolf Schramek, Obmann; Hermann Ehrenfeld, I. Obmann-Stellverter; Gustav Frankl, II. Obmann-Stellvertreter; Ignaz Reiser, I. Schriftführer; Julius Beck, Schriftführer-Stellvertreter; Josef Fischer, Cassier; Elkan Bauer, Controlor; Hermann Kaiser, Kontrolor; Max Kraus, Jakob Mittler, Heinrich Rosenblatt, Salomon Beck, Bethaus-Vorsteher. Ausschuß-Mitglieder: .Moritz Jellinek, Leopold Spitzer, Ludwig Cantor, Bernhard Pick, Bernhard Reicher « Emanuel Piowati. Wie«. Im litter. Geselligkeits-Verein jüd. Mädchen „Moria" hat Sonntag den 1. d. M. Herr Dr. Karl Lifczis einen höchst interessanten Vortrag über das Thema »Manches über jüd. Ehen" gehalten. Redner