Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 6 (6.2.1903)
- Date
- 1903-02-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 6 Die Wahrheit. Seite 7. die Taufe desselbeu Sorge zu tragen, auch immer zugleich eine rücksichtlich der Nothtaufe genau unterrichtete Christen-Frau zugezogen werde, um, wenn es erforderlich seyn sollte, die Nothtaufe zu ertheilen. _ Hiervon werden die säinrntlichen Doininieu in Folge hohen Regieruugs-Decretes vom 13. März d. I. Z. 11576, zur erforderlichen weitern Kundmachung in Keuntuiß gesetzt. Wien am 15. März 1830. In Ermangelung eines Kreishauptmannes. Christoph Heinrich S o n n l e i t h n e r, k. k erster Kreis-Commissär. Girmkare von dem k. k. N. O.' Kreisamte V. U. W. W. Den Aufenhalt der Juden auf dem flachen Lande in Nieder-Oesterreich betreffend. Die hohe Landesstelle hat laut Decrets vom 15 d. M. > Z. 12/90 ersehen, daß die Anordnungen des Inden-Toleranz-! Patentes vom Jahre 1782, §. §. 7. und 21, welche den j Jsraelitten den Aufenthalt und den Handel auf dem flachen! Lande in Nieder-Oesterreich verbiethen, nicht strenge genug ge- - handhabt werden, ja sogar ungeachtet mehrfacher Erneuerungen! in Vergessenheit gerathen zu seyn scheinen. Die hohe Landesregierung hat sich hierdurch bestimmt ge- > funden, diese Anordnung neuerlich in Erinnerung zu bringen, j und unter Verweisung auf die Negierungs-Verordnung vom ' 27. März 1824, Z. 15655, (welche mit kreisämtlichen Circulare vom 10. April 1824 Nr. 41 verlautbart wurde) die Ortsobbrigkeiten zur strengsten Handhabung des erwähnten Verboths nach den in jener Verordnungen gegebenen Andeutungen bey eigener Verantwortung zu verpflichten. Wien den 26. März 1832. C a r l E d l e r v o n S e y d e l,! k. k. N. Oe. Negierungsrath und Kreishauptmann. j Nach einer der hohen Landesstelle gemachten Eröffnung i des t. k. Mährisch-Schlesischen Landes-Guberninms ist der, in! dem beygedruckten Steckbriefe beschriebene, des Verbrechens des Betruges rechtlich beanzeigt erkannte Jakob Pollack aus dem Hochwälder Polizey-Arreste sammt Fuß- und Handeisen fluchtig geworden. In Befolgung eines hohen Negierungs-Decrets vom 23. d. M., Z. 3818, tverden sämmtliche Dominien angewiesen, wegen Habhaftwerdung dieses Flüchtlings die nöthige Einleitung zu treffen, denselben im Betretungssalle unmittelbar an das Criminal-Gericht zu Neutitschein abzuliesern, und das Resultat der Erhebungen aber, mit möglichster Beschläunigung längstens bis 12. k. M. anher anzuzeigen. Wien' am 28. Jänner 1836. Vom k. k. N. Oe. Kreisamte V. U. W. W. C a r l E d l e r v o n S e y d e l, k. k. N. Oe. Negierungsrath und Kreishauptmann. Kircukare der k. k. Landesregierung im Erzherzogthnme Oesterreich - uilter der Enns. ' Die Ausschreibung und Einhebung der Erbsteuer, Erwerbsteuer und j Judensteuer für das Verwaltungsjahr 1840. j Seine k. k. Majestät haben laut hohen Hofkanzley-; Decretes vom 9. dieses Mouathes, Z. 16012 mit allerhöchstem , Cabinetts-Schreiben vom 14. May dieses Jahres anzuordnen j geruhet, daß die Erbsteuer, die Erwerbsteuer und die Juden-; [teuer, so wie diese Abgaben im laufenden Jahre 1839 be-! standen haben, auch für das nächste Verwaltungsjahr 1840 ausgeschrieben und auf dieselbe Art eingehoben werden sollen. Wien am 19. Julius 1839. Johann Talatzko Frey Herr v. Geftieticz, Nieder-Oesterr. Negierungs-Präsident. Johann Graf von Barth-Barthenhei m, Nieder.-Oester. Regierungsrath. Die Larcheskönigm. Von Michael Kahan«. Auf einer meiner Studienreisen kam ich in den kleinen Marktflecken R. . . hart au der russischen Grenze, und wurde als rechtgläubiger Jude zu dem in dortiger Gegend bekannten Melamed, Rabbi Jonas, auf's Wärmste empfohlen. Da er. wie ich hörte, gegen Glaubensgenossen Gastfreundschaft in höchstem Maße übte, machte ich gleich Gebrauch davon und stieg daselbst auf einige Zeit ab. Da mein Gastgeber durch mannigfache Obliegenheiten allzusehr in Anspruch genommen war, bekam ich ihn an den Werktagen höchst selten zu Gesicht, desto reichlicher wurde ich aber durch die Gegenwart seines überaus reizenden Töchtercheus, Esther, entschädigt. Der geneigte Leser kann sich nur eine geringe Vorstellung davon machen, welch hervorragende Rolle Esther im ganzen Kreise der Familie Heimler, ja sogar bis auf 10 Meilen in der Umgebung des Oertchens spielte. Sie verstand es, durch muntere Laune und freundliches Entgegenkommen. Jeden au sich zu fessellt und wurde so von Allen hochverehrt. Selbst die deu Juden sonst nicht geneigte Nachbarschaft richtete kein böses Wort an sie. Ein Freitag-Abend vereinigte natürlich Alle beim festlichen Mahle. Wenn Nabbi Jonas, dessen Stolz nicht allein feine Wissenschaft, sondern anch etwas ans viel lveicherem Teig Geknetes war, die wunderbar bereiteten Barches Freitag Abends vor sich liegen sah, schwelgte er fast in Wonnen des Paradieses. Und fürwahr es muß eingeslanden werden, daß es wohl in der ganzen Umgebung wenig Balbnste's gab, die die Snbbathbrode so gustiös nnd schmackhaft zu bereiten wußten, wie die alleskundige Esther, weshalb ihr auch von verschiedenen in dem gastlichen Hanse zum Speisen Geladenen und all' den Bocherim, die jeden Freitag zum Nachtessen hinkamen, der Titel einer „Barcheskönigin" beigelegt wurde. Wer da glaubt, daß Esther in diesem Titel einen Spott erblickte, irrt gar gewaltig. Es erfüllte sie vielmehr mit Stolz, das Werk ihrer Hände gelobt zu wissen, wie weiland ihre Vorgängerin gleichem Namens von König Ahaswerns ob ihrer Schönheit über alle anderen weiblichen Wesen gestellt wurde. Als lvir nun Freitag Abends beim frohen Mahl beisammen saßen und schoit lange genug Über alle möglichen wissenschaftlichen Themata hin und her disputiert hatten, meinte Rabbi Jonas, das Gespräch ableukeitd, „es wäre augezeigt, vorläufig deu ernsten Gegenstand ruhen zu lassen und von etwas — Dankbarerem zu reden." „Und was könnte das sein?" erlaubte ich mir da zu bemerken. „Wie, Ihr solltet wirklich noch nicht Gelegenheit gesunden haben, Euch davon zu überzeugen? Ist Euch noch nicht aufgefallen, wenn die zwei appetitlichen Dinger —" Unwillkürlich war dabei mein Blick ans ein eben erst angeschnittenes Barches gerichtet und ich erriet sofort, wo mein Gastgeber hinaus wollte. „Gewiß, schon beim erstenmal waren unter all den schmackhaften Sachen, die Euren Freitagstisch zieren — „Aha, Ihr bemerktet es auch?" Es vor allem die zwei seiugeflochteuen Dinger, die mit ins Auge stachen, und beim ersten Bissen, den ich zum Munde führte"— „Erkanntet Ihr, daß —" „Ihnen an Geschmack alle bisher genossenen weit zurückstehen." „Und wessen Werk, meint Ihr, sind dieselben? — Ihr werdet unmöglich daraus verfallen; seht Euch nur um, sie sitzt hier nuferer Mitte." „Wie? Eure Tochter Esther selber ist es, der ich den Preis einräumen muß?" Esther errötete über das ihr gemachte Compliment.