Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 5 (30.1.1903)
- Date
- 1903-01-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 5. ßircutar ätto. 12. I psto. 20. Ootobris 1798. Die hohe Landesstelle hat durch Dekret von 4. d. zu erinnern geruhet: Es sey auf einen von selber erstatteten Bericht, in Betreff von verschiedenen Juden angesuchteu Erlaubnis; die Erblandischen Jahrmärkte und so wie vor dem neulich erlassenen Verbothe besuch zu dürfeu die höchste Hofentschließung von 22. v. M. dahin herabgelangt, daß es bei untern 11. Qctober 1782 erslossenen höchsten Concession zu verbleiben habe, sich jedoch von selbsten verstehet, daß die Juden von allen Kirchweyfesten und den dießfälligen Märkten ausgeschlossen werden sollen. Welches denselben zur nöthigen Wissenschaft, Kundmachung und genauen Hinachachtung mit dem Beysatze hiemit eröffnet wird, daß es also von der durch diesseitiges 6iroulars von 24. Juny Nr. 3887 intimirten in Sachen erslossenen hohen Negierungsverordnung wieder abzukomen habe. Vom k. k. Kreisamte Traiskirchen und Lasse. Hager m. p., Bezirkshauptmanu. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (Israelitische Kultusgemeinde Wien.) Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Herr kais. Rat Heinrich Klinger hat aus Gesundheitsrücksichten einen Urlaub von mehreren Wochen genommen und wird denselben im Süden verbringen. Die Leitung der Präsidialgeschäfte hat für diese Zeit der Erste Vize-Präsident, Herr Dr. Alfred Stern, übernommen. Wie«. (Probepredigten im Leopoldstädter- und Stadttempel.) Herr Rabbiner Dr. L. Lazarus aus Göding hält Freitag, den 30. Jänner d. I. bei dem Abendgottesdienste, der um 5 Uhr beginnt, im Leopoldstädter-Tempel, Tempelgasse, die Predigt und am Samstag, den 31. d. M. bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Jugendgottesdienste im Stadttempel, L, Seitenstettengaffe, die Exhorte vor den Mittelschülern. Nächste Woche hält Herr Rabbiner Dr. M. Lewin aus Malaczka im Leopoldstädter-Tempel am Freitag, den 6. Februar d. I. beim Abendgottesdienste, der um 5 Uhr 15 Minuten beginnt, die Predigt und am Samstag, den 7. Februar d. I. im Stadttempel bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Gottesdienste für Mittelschlüer die Exhorte. Wien. (Feuer im Leopoldstädter Tempel.) Die Wiener Tagesblätter brachten in den letzten Montagsnummern folgende Nachricht: Gestern Früh entstand infolge Ueberheizung eines Ofens in einer Gerätekammer des israelitischen Tempels in der Leopoldstadt, Tempelgasse Nr. 3, Feuer. Es wurde zwar bald gelöscht, doch sind den Flammen Wertgegenstände in der Höhe von etwa 10,000 K. zum Opfer gefallen. Die -Gerätekammer befindet sich im Lichthofe des Tempelgebäudes und ist an eine Mauer angebaut. In der Kammer waren hohe silberne Girandolen, große und kleine silberne Becher, kostbare Ornate für die Funktionäre des Gotteshauses,' goldgestickte Vorhänge für die Bundeslade und für die Thorarollen und andere zu gottesdienstlichen Handlungen notwendige Gegenstände verwahrt. Alle diese Wertsachen wurden teils von den flammen verzehrt, teils unbrauchbar gemacht. Die Feuerwehr, welche unter dem Kommando des Inspektors Leischner arbeitete, vermochte die Gefahr, daß auch das Tempelgebäude selbst von den Flammen ergriffen werde, abzuwenden. Rach den von uns eingeholten Informationen scheint die obige Meldung, was den Umfang des Brandes und den durch denselben verursachten Schaden betrifft, wol etwas übertrieben, aber immerhin interessant mag die Nachricht sein, daß ein Mitglied des Bethausvorstandes sich einige Tage vor dem Brande dem Redakteur unseres Blattes gegenüber mit Besorgnis darüber äußerte, daß die Räumlichkeit zur Aufbe Wahrung der Tempelgeräte und auch die Sorgfalt, welche auf die Verwahrung derselben im Leopoldstädter Temvel aufgewendet werde, unzulänglich sei und seicht zu Schaden führen könne. Durch den Schaden klug gemacht, wird wol der Vorstand es nicht unterlassen, nach dieser Richtung die nötigen Maßnahmen zu treffen. Wien. Das der „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung, von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" unterstehende Museum I., Krugerstraße 8, Mezzanin, ist, nebst der gewöhnlichen Besuchszeit, Samstag jeder Woche von 11—1 Uhr Mittags, ausnahmsweise Sonntag, den 1. und Montag, den 2. Februar d. I., von 3—6 Uhr Nachmittags zur freien Besichtigung geöffnet. Daselbst gelangen auch die zur Freiherrlich von Rothschild'schen Künstlerstistung eingereichten und prämiirten Objekte der Maler und Bildhauer Richard Hadl, Hilda Kotanyi Heinrich Loewenthal, Josef Karl Pollak, Geza Salzmann und Jacques Sternfeld zur Ausstellung, eventuell zum Verkaufe. Wie«. (Oesterreichisch - israelitische Union). Donnerstag den 8. Februar d. I. wird Herr Sigmund Mayer den zweiten der von ihm ungekündigten Vorträge über: „Die ökonomische Entstehung und Entwicklung der Wiener Judenschaft" halten. Dieser zweite Teil führt den Titel: „Der Reichtum der Wiener Juden". Der Vortrag findet um haw 8 Uhr abends im Saale des „Hotel Central", 2. Bezirk, Taborfiraße 8, statt. Wien. Der k. k. n.-ö. Landesschulrat hat Herrn Dr. Heinrich Pollak, der vor drei Jahren vom hohen Ministerium für Cultus und Unterricht zum wirklichen Religionslehrer am Maximiliansgymnasium in Wien (IX. Bezirk) ernannt wurde, im Lehramte definitiv bestätigt und demselben den Titel) „K. k. Professor" zuerkannt. Wien. (Todesfall). Wieder ist der Besten Einer unter den jüdischen Gelehrten, von denen unsere Zeit nur mehr noch ein sehr spärliches Contingent aufzuweisen hat, jäh in ein besseres Jenseits abberufen worden. Mordechai Adler, der durch sein ausgebreitetes hebräisches Wissen in weiten Kreisen bestbekannte ehemalige Religionslehrer, ist im 63. Jahre seines tatenreichen Lebens heimgegangen und eingezogen in die Gefilde des ewigen Friedens. Wer ihn, so wie Schreiber dieser Zeilen, näher kannte und ihn in seiner Häuslichkeit und Zurückgezogenheit zu beobachten Gelegenheit hatte, der.muß ihm nachsagen isob jeliuäi hojo, daß er ein wahrhaft glaubenstreuer Jehudi, isch jemini, ein Mann von rechter und echter Anschauung des idealen Judentums und ein von wahrhaft jüdischem Geiste durchdrungener und durchglühter Glaubensgenosse war. Infolge einer langwierigen Krankheit berufsunfähig geworden und ans Zimmer gefesselt, tat er keinen Schritt mehr ins öffentliche Leben, sondern widmete seine Zeit ausschließlich dem Studium des Talmuds und der hebräischen Literatur. So hat er mehrere Werke reichhaltigen, pädagogischen Inhaltes herausgegeben und arbeitete bis an sein Lebensende mit rastlosem Eifer, ja mit einem geradezu bewunderungswürdigen Bienensteiße an der Zusammenstellung eines lexiconartigen Werkes über den Gesammttalmud, das als nützliches und praktisches Nachschlagebuch sicherlich einen Mäcen und den Weg in die Oeffentlichkeit sinden wird. Welcher Beliebtheit und Wertschätzung der Verblichene allseits sich erfreute, davon konnte die außerordentlich rege Teilnahme, die sich beim Leichenbegängnisse kund gab, sowie die warmen Nachrufe, die ihm im Sterbehause und am Grabe gewidmet wurden, deutliche Beweise liefern. Boruch Mordechai, die Geistesproducte, die er zurückgelassen, sie werden ihm und der Nachwelt zum Segen gereichen und der große Kreis seiner Freunde und Bekannten wird ihm bis in die späteste Zukunft ein unvergeßliches, bleibendes Andenken bewahren. D. Sk. Wien. (Verlobung.) Fräulein Gisela Skutezky, Tochter des Herrn Daniel Skutezky, Religionslehrer und Schriftsteller in Wien, hat sich mit Herrn Moriz Sachs, Cantor aus Ungarn, verlobt. Wien. Die Generalversammlung des Brigittenauer Unterstützungs- Vereines fand am Dienstag den 27. Jänner abends in Gerbers Restaurant bei ziemlicher Betheiligung der Mitglieder statt. Nach Verlesung des Jahresberichtes durch den Obmann, Herrn Jg. Friedmann, — die Ausgaben betragen circa 1500 Kronen — hielt Herr Dr. L. Schreiber einen Vortrag über die verschiedene Art der Armenunterstützuug seitens des Staates, der bürgerlichen Gesellschaft und der Juden. In seinen ° Ausführungen kam er auch auf den anläßlich der Chanuka-Bescheerung durch die „Brüder" von Herrn N. Ch. in der „Wahrheit" veröffentlichten Artikel zurück und billigte vollkommen die in demselben niedergelegten Ansichten. Es sprachen noch die Herren Dr. Kohn, Weiner, Baumgartner rc. über die Tätigkeit der anderen Vereine dieses Bezirkes, sowie über das jüd. Vereinshaus und die Volksküche. Bei der Neuwahl erschienen als gewählt die Herren: Jgn. Friedman, Jak. Goldner, Beruh. Schick, D. Pollatschek, Leop. Beckmann, Ph. Weiß, Jg. Körner, Sigm. Bernkopf, Th. Robitschek, Leop. Spira, Ad. Schreiber. Es gibt und gilt viel Not und Elend zu lindern, mögen zahlreiche Woltäter diesem gemeinnützigen Vereine sich anschließen. Wien. (Verein für jüd. Geschichte und Litteratur.) Sontag den 18. Jänner sprach Herr Herman Berliner über «Juda und Sparta." Die Parallelen, die der in geistvoller Weise zog, sowie seine anderen Ausführungen fanden den ungeteilten Beifall des distinguirten Publikums. — Sonntag, den 1. Februar spricht Herr Ortsschulrat und Religionspros M. Antscherl über „Raschi." (Ein Lebensbild.) Ort: Festsaal des «Jüd. Volksverein" II., Leopoldsgasse 49. Beginn s/4 8 Uhr Abends. Gäste willkommen. Wien. Im litter. Geselligkeits-Verein jüd. Mädchen „Moria" wird Sonntag den 1. Februar Herr Dr. Carl Lifczis einen Vortrag über das Thema: „Manches über die jüd. Ehen" halten. Beginn präcise 1/28 Uhr Nachm, im Religionssaale der israel. Kultusgemeinde I., Seitenstettengaffe 2 II. Stock. Gäste herzlichst willkommen. HöerhoKabrunn. Samstag den 24. d. M. fand im hiesigen Tempel die Barmizwah Feier des jüngsten Sohnes des Herrn Dr. Emanuel Ritter, Regimentsarzt i. P. und Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes, und dessen Geinalin Hermine, geb. Skutezky, statt, aus welchem Anlasse das Gotteshaus besucht war. Der Konfirmand Hugo Ritter, Tertianer am k. k. Staatsgymnasium zu Oberhollabrunn, las die Haftorah mit großer Präzision vor und als dieselbe beendet war, hielt Herr Religionslehrer Sig. Jellinek an denselben die Weiherede mit dem Citate aus dem verlesenen Wochenabschnitte „Und ich ers chien dem Abraham, Jsak und Jakob als Gott der Allmächtige." Nachmittags 3 Uhr fanden sich viele Gratulanten wie auch Verwandte aus Wien und Znaim bei der Familie Dr. Ritter ein, woselbst der Konfirmand, einen sormvollendten Vortrag hielt. Zala-Hgerszeg. Mittwoch, den 21. d. M. fand im hiesigen Tempel in Anwesenheit eines zahlreichen distinguirten Publikums die Trauung des Fräulein Mariska Fridrich, Tochter des Hoteliers Fridrich, mit Herrn Jenö Erdelyi statt. Die Hochzeitsgesänge wurden von Obercantor Weiß mit dem Tempelchore in ausgezeichneter Weise executirt und Oberrabbiner Dr. Engelsmann hielt eine schwungvolle ungarische Ansprache an das Brautpaar.