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Die Wahrheit · 1903-01-30 · Heft 5 (30.1.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 5 (30.1.1903)
Date
1903-01-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 5. jchiedenen Stellen verschiedenen Werth besitzen. So kann z. B. eine Keilgruppe die Silben xi (di), w« (vv), wü., a, tu, tal bezeichnen. König begnügt sich aber nicht mit der Aufstellung dieser allgemein gehaltenen Thesen, um unser blindes Vertrauen zu den Behauptungen Delitzsch's zu erschüttern, er rückt auch seinen einzelnen Hypothesen an den Leib, um sie auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu prüfen. Freilich fallt es keinem verständigen Forscher ein, jeden Einfluß der babylonischen Kultur auf die altjüdische zu leugnen. Die Frage ist blos, ob dieser Einfluß erst aus jener Zeit datirt, in welcher das israelitische, beziehungsweise jüdische Reich von Asiyrien, respektive Babylonien politisch abhängig geworden, also eüva seit dem VIII. vorchristlichen Jahrhunderte, oder ob es gleichzeitig mit der Entstehung des jüdischen Volkes überhaupt, ja ihr noch vorangehend, beginnt. Nach Delitzsch gibt es in der Bibel, also beim jüdischen Volke kaum etwas, was es nicht von den Babyloniern übernommen hätte, König bestreitet dies und liefert den Gegenbeweis fast auf der ganzen Linie. König weist nach, daß die Hauptthesen, die Delitzsch aufstellt, namentlich die auf die Identität der Kosmogonie, der Sintfluth-Erzählung, den Ursprung des Sabbath und die Zehngebote bezughabenden, nicht stichhaltig -sind. In der That ist der Unterschied der öeibeu Schöpfungsdarstellungen ein so bedeutender, daß sie 'nicht wohl indentistzirt werden können. In der babylonischen erschafft die Welt sich selbst, ja sogar „die Entstehung des Göttlichen wird zu einem Moment des Weltprozesses". „Als droben der Himmel noch nicht genannt — so heißt es in der babylonischen Schöpfungsdarstellung, — drunten die Feste (die Erde) noch nicht geheißen ' . . . als von den Göttern noch nicht Einer entstanden war .... da wurden die Götter gebildet", in der Bibel ist es bekanntlich Gott, der Alles ins Sein ruft. Dieser Gott aber fürwahr, er ist ganz verschieden von den Göttern, .wie sie m Babylonien angebetet wurden. Wir sehen aus der babylonischen Literatur die Götter denselben Leidenschaften unterworfen, wie die unsittlichen Menschen,, fähig derselben Schwächen, beständig im Kampfe untereinander begriffen. Wie oft ist von ihren Buhlschaften die Rede! Sie trinken sich einen Rausch, schwellen ihre Leiber an u. s. w. Wie anders der Gott der Bibel l Und nicht einmal die formale Identität des Tetragrammaton mit dem in den Inschriften genannten Ja-ah-ve ilu ist verbürgt, es könne ebenso heißen Jahmi-ilu — „es beschütze Gott", was auch sachlich besser begründet werden kann. Auch der babylonische Ursprung des Sabbath kann nicht aufrechterhalten werden, denn wohl gab es ein Fest ähnlichen Namens, das war aber ein Bußfest und kein Ruhetag für Mensch und Thier, wie ihn die Bibel haben will. Wir würden uns zu weit entfernen, wollten wir der Beweisführung Königs auf Schritt und Tritt folgen, so sei denn nur noch auf einige Schlußsätze hingewiesen, in welchen König die Ideen der Bibel charakterisirt: „die wahre Religion und Sittlichkeit sind in ihr die obersten Prinzipien (Gen. 17, 1), Gott ist da der himmlische König (Exod. 15, 18), Stillesein und Gottvertrauen sind da die Quellen der wahren Stärke (Jes. 30, 15), entsagungsvolle Selbstaufopferung für andere ist da die glorreichste Heldentat (53, 4 ff.), und die aus der Sühnung aller religiös-sittlichen Schuld (Hes. 36, 25, 27) erwachsende Gemeinschaft Gottes und der Menschen ist das erhabene Ziel der göttlichen Geschichtswege." So stand die „Babel- und Bibel"-Frage bis vor einigen Tagen. Gerade ein Jahr nach seiner so berühmt gewordenen ersten Vorlesung hielt aber Prof. Delitzsch über dieses Thema eine zweite, diesmal ebenfalls in Gegenwart des Deutschen Kaisers. Indessen scheint sich der Kampf auf ein neues Feld ausgedehnt zu haben, auf die Frage der Offenbarung und der Inspiration. Der Vortrag ist blos aus einem kurzen Auszüge -bekannt geworden, eine Debatte erscheint mithin nicht recht wöglich. Sollte der Vortrag in Druck erscheinen, dann wollen auch wir auf die Frage eventuell noch zurückkommen. Aus der Wiener Eultusgemeinde. Ans der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde in Wien vom 25. Jänner 1903 unter deck Vorsitze des Präsidenten kais. Rat Kling er. Beginn der Sitzung halb 11 Uhr vormittags. Im Einlaufe werden bekanntgegeben: An Spenden: Von einem ungenannt sein wollenden Kultusvorsteher zur Verteilung von Kohle an Armein besonders berückstchtigungswürdigen Fällen K. 2000.— und für das isr. Blindeninstitut auf der Hohen Warte K. 1000.—; von Herrn Max Ritter v. Gntmann für Stipendien an die Schüler des Bibel- und Talmud-Kurses am Wiener Betha-Midrasch K.400^; von Herrn Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann für die Mikwah K. 200.—; von Familie Engel de Janosi znr Verteilung an Arme K. 500.—; von G. K. als Beitrag zum Haushalte der Kultusgemeinde für wohltätige Zwecke K. 20.—; zur Verköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau: Sammelspenden durch Herrn Dr. Alfred Berger K. 128.—, und zwar: von Frau F. B. K. 6.—, von Frau Pauline Mandeles K. 10.—, von Frau Julie Kalmus K. 6.—, von der Tischgesellschaft Braun K. 6.—, Sammlung A. K. K. 100.—; von Herrn H. Lemberger K. 20.—; vom israel. Frauenverein in Jägerndorf K. 10.—, von Herrn Dr. M. Heller-Graz K. 10.—, von Frau Jda Drucker K. 6.—, von Anonymus (Max und Paul) K. 3.—, von Frau Louise Schlesinger in Ratibor Mark 5.—. In einem an den Präsidenten der Kultusgemeinde gerichteten Schreiben teilt Herr Vertreter kaii. Rat Hirsch mit, daß er aus Anlaß der Genesung seines Sohnes Fritz von schwerer Krankheit den Betrag von K. 10.000.— in 4percentigen Prioritäten der Böhmischen Westbahn mit Konpou vom 1. Juli 1903 zu dem Zwecke gewidmet habe, daß die Erträgnisse dieses Fondes, welcher für immerwährende Zeiten den Namen Moriz und Regine Hirsch-Stiftung zu führen haben wird, dem Siechenhaus-Erhaltungsfonde zugeführt werden. Der Inhalt der Zuschrift wird mit dem Ausdrucke des wärmsten Dankes zur Kenntnis genommen. Im Präsidialberichte erwähnt der Vorsitzende, daß in letzter Zeit direkt und indirekt mehrere Kandidaten für die zu besetzenden Rabbinerstellen ihm namhaft gemacht wurden, daß jedoch das Vertreter-Kollegium beschlossen hat, da die Absolvierung der Probepredigten jener Herren, welche hierzu vom Vorstande seinerzeit berufen wurden, noch zirka sechs bis acht Wochen dauern werde, von weiteren Einladungen derzeit^ Umgang zu nehmen. Der Präsident gibt hierauf bekannt, daß er den ihm namens der Erben nach Frau Fanni Apfel zur Veriheilung au Wiener israelitische Wohltätigkeitsanstalten und Vereine nach seinem Ermessen zur Verfügung gestellten Betrag von K. 2000.— in folgender Weise zur Verteilung gebracht habe: K. 300.— an die israelitische Armenanstalt, je K. 200.— an den Wiener Betha-Midrasch-Verein, für tie Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau, an den israel. Frauen-Wohltätigkeits-Verein im 1. Bezirke, an die Chewra Kadischa im 1. Bezirke, an ben israel. Waisen-Verein in Wien; je K. 300.— an die israel. Allianz in Wien, an den Verein zur Unterstützung mittelloser israel. Studierender, an den Wiener Volksschul-Berein „Talmud Thora", an den Verein zur Unterstützung israel. Handwerker und Kleingewerbetreibender, an den Berbänd zur Unterstützung armer israel. Wöchnerinnen, an das israel. Blinden-Jnstitut auf der Hohen Warte, an den kaufmännischen Unterstützungs-Verein „Osten". Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Berufung von 120 Vertrauensmännern. Der Präsident bemerkt, daß das Vertreter-Kollegium sich mehrfach mit dieser Angelegenheit beschäftigt habe und den seitens einiger Mitglieder des Vorstandes ausgesprochenen Wünschen nach Möglichkeit Rechnung getragen habe. Die Vorschläge des Vertreter-Kollegiums gelangen sodann mit wenigen Abänderungen zur Annahme. Dem-

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