Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 3 (16.1.1903)
- Date
- 1903-01-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Die Wahrheit. . 91. 8 Wien. Die heurige Makkabäerfeier findet Donnerstag den 22. Jänner d. I. in den Sofiensälen statt. Um die Makkabäerseier zu einer imposanten Kundgebung zu gestalten, hat sich ein Damencomito von circa 200 Frauen und Mädchen gebildet, welches eine Propaganda im großen Stil entfaltet. Jbre freundliche Mitwirkung haben unter Anderen zugesagt: Frl. Camilla Theumann, der k. u. k. Hof-Schauspieler Herr Conrad Löwe, Herr Professor Josef Sulzer, k. u. k. Hofmusiker rc. Die Concert- und Tanzmusik besorgt die Capelle des k. u. k. Infanterieregiment Nr. 6. Der akad. Gesangschor, unter Leitung seines Dirigenten Herrn Lubetzki, wird eine Glanznummer des Abends sein. Die Nachfrage nach Karten ist eine , außerordentlich rege und verspricht einen massenhaften Besuch. Einzelkarten ä 2 Kronen, Familienkarten ä 6 Kronen, Wien. Dienstag den 6. Jänner d. I. fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Olga Back, Tochter des Philantropen Herrn Michael Back, mit Herrn Paul Klebinder, Sohn des Schriftstellers und Obmann des Ortsschulrathes Herrn Ferdinand Klebinder, statt. Der große Tempel war mit einem distinguirten und zahlreichen Publicum gefüllt. Wir sahen die Abordnungen vieler humanitärer Vereine, den gesummten Ortsfchulrath des II. Bezirkes, die Bezirksvertreter, ferner die Reichsraths-Abgeordneten Noske und Ellenbogen, den Vorstand des Humanitären Vereines zur Bekleidung armer alter Leute mit dem Obmann Isidor Schwarz an der Spitze. In ausgezeichneter Weise versahen Rabbiner Dr. Schmied! und Obercantor Gutmann die Trauungs-! funktion. Im Hause der Brauteltern fanden sich zahllose Gratulanten | ein, welche dem jungen überaus sympathischen Paare den Ausdruck! sinniger Glückwünsche entboten.! Wien. Dieser Tage verschied hier im Akter von 83 Jahren Herr! Adolf Engel de Janosi, ein Mann ebenso durch hervorragende Geistes-! wie Herzenseigenschaften ausgezeichnet, der bei Allen, die ihm nahestauden, ' ein unverlöschliches Andenken hinterlaffen hat. Lange Jahre war Herr Engel; de Janosi Präsident der israelitischen Cultusgemeinde in Fünfkirchen und! hat sich um die Gemeinde wie um das ungarische Judenthum überhaupt ' in cultureller Beziehung wie auch im Dienste der Wohlthätigkeit die * höchsten. Verdienste erworben. Die letzten Lebensjahre verlebte Herr - Engel de Janosi in Wien im Kreise feiner zahlreichen, hochangesehenen! Familie, und wird sein Hinscheiden von Unzähligen aus Nah und Fern; betrauert. I Wie«. Dem Unterstützungs- und Bethaus-Verein „Emes Weschu-! laum* (Wahrheit und Friede) IL, Gr. Schiffgasse 24 wurde kürzlich von! den Herren Baron und Weinstein zwei silberne Ezhachaim, von Herrn Meschousnik ein Parauches mit goldenen Lettern, und von den Herren i Wechsler, Brumberg und Schmeholz ein Sepher Thora gespendet. Die! feierliche Einweihung der heiligen Geräte fand unter zahlreicher Vetei-! ligung von Gästen und Mitgliedern am l. Jänner statt. Herr Rabbinats- - Kanditat Dr. Rosenmann hielt die Festrede und Herr I. Kantor Don Fuchs! versah, von seinem trefflichen Chore unterstützt, die gesangliche Funktion.! Zum Schluffe des weihevollen Festaktes sprach der Schriftführer, Herr! Buchsbaum, den Spendern, Gästen und Mitgliedern namens der Vereins- - leitung in herzlichen Worten den Dank aus, worauf noch viele neue Mitglieder dem Vereine beitraten. Waden. Am 11. d. um halb 6 Uhr abends, fand im Sitzungssaale; der Cultusgemeinde die statutenmäßige Jahresgeneralversammlung der; Chewra-Kadischa Baden statt. Der Präses dieser heiligen Bruderschaft,! Herr Moriz Leitner. führte den Vorsitz und nachdem er die Versammlung i begrüßt hatte, gedachte er der im verflossenen Jahre verstorbenen Mitglieder! und Wohlthäter des Vereines. Unter diesen erwähnte er besonders den! . am l5. März v. I. verstorbenen langjährigen Vorsteher, Herrn David 1 Leitner. von dem der Vorsitzende wohl bemerkte, daß er. als Bruder des j Verblichenen, dessen Verdienste nicht lobend hervorheben darf, doch fei der Verein fick wohl bewußt, was er an ihm verloren hat. Und in der! That hat der selige Herr D. Leitner als Vorsteher der Chewra-Kadischa humanitäres Wirken sich zum leitenden Principe gemacht und das ihm vbliegende heilige Amt mit besonderem Eifer und glühender Hingebung versehen, und ist so dem Vereine eine der kräftigsten Stütze gewesen. Ferner gedachte er des am 8. Dezember v. I. verstorbenen Ehrenmitgliedes, Herrn Dr. Josef Schwarz, dessen Wirken und Leisten in diesem Blatte seinerzeit nach Gebühr gewürdigt wurden, und von dem der Vorsitzende mit Recht bemerkte, daß die Vorzüge und vortreffliche Charakterisirnng dieses leider sv früh yerstorbenen Mitgliedes, an dessen Bahre von beredeten Männern zur Genüge gekenntzeichnet wurden. Als Wohlthäterin des Vereines und der Cultusgemeinde^ erwähnte der Vorsitzende die am 21. Juli 1902 dahingeschiedene Frau Sophie von Gutmann, Gattin des Herrn David Ritter von Guttmann, die durch ihren Wohlthätigkeitssinn und ihr humanitäres Streben die Cultusgemeinde und Chewra-Kadischa Baden aufs Hilfsreichste unterstützte. Nach diesem Pietätsacte gieug die Versammlung zur Tagesordnung über. Der Rechenschaftsbericht wurde verlesen, zur Kenntnis genommen und dem Vorstände jdas Absolutorium ertheilt. Die beiden Herren Doctoren Moriz Goldberger und Ludwig Schreiber ernannte die Generalversammlung zu Ehrenmitgliedern des-Vereines und wurden auf Antrag des Vorsitzenden 30.000 Kronen dem Tempelbaufonde zugewiesen. Eine Neuwahl des Vorstandes fand nicht statt und wurde der derzeitigen Leitung, den Herren Moriz Leitner, Präses, Anton Schneider, Sigmund Rausnitz und August Edenbnrger, Vorsteher, für ihr verdienstliches, uuermüdetes und wohlthätiges Wirken in der Chewra-K rdischa der wärmste Dank ausgesprochen. Zu Ersatzmännern wurden die Herren Max Löbl und Mathias Adler mit Stimmzetteln und die Herren Director Josef Fclber und Wilhelm Schreiber per Acclamation zu Revisoren gewählt. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit dem Wunsche, daß der Atlgütige die Chewra-Kadischa vor ferneren so schwer empfundenen Lucken in seiner Gnade bewahren möge. Wnrgstall. Donnerstag den 1. Jänner d. I perschied hier nach kurzem Schmerzenslager Herr Max Hoffmann, einer der bestzeachtetsten Angehörigen unserer Cultusgemeinde, sowie der hiesigen Bürgerschaft. Der Verblichene, der das neuundsechzigste Lebensalter erreichte, entstammte der altehrwürdigen Gemeinde Lacke nbach in Ungarn. Von ganz kleinen Anfängen schwang er sich durch unermüdlichen Fleiß und weitbekannte Redlichkeit zum Großkaufmanne empor, und die Firma Max Hoffmann und Sohn zählt heute zu den hervorragendsten Firmen der ganzen Gegend. Seit 40 Jahren lebte Herr Hoffmann mit seiner biederen Gattin in glücklichster Ehe und ihr großes Haus war im wahren Sinne des Wortes posuach^ liwrocho — den Armen stets offen und zugänglich. Seine besten Tugenden iinb Herzenseigenschaften übertrug der Verstorbene auf seinen einzigen Sohn, Herrn S. Hoffmann, der nach dem Muster seines frommen Vaters als Ausschussmitglied unserer Cultusgemeinde und Schriftführer der Chewra Kadischa seine Kräfte nach bestem Können dem Judentums widmet. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 4. ds. unter überaus zahlreicher Betheiligung statt. Im Trauerhause sprach der hiesige Religionslehrer, Herr M. Mandl, ein erhebendes Gebet, während auf dem Friedhofe, zu Jbbs a. d. Donau, Herr H. Schön aus Steyr,^derzeit auch Rabbinatsverweser unserer Cultusgemeinde, die Trauerrede hielt und die rituellen Gebete verrichtete. Mögen die zahlreichen schriftlichen und mündlichen Beileidskundgebungen den trauernden Hinterbliebenen zum Tröste gereichen! Das Andenken des Verstorbenen bleibt ein gesegnetes! n'2"r'o'n LI. LI. Krumau. Unser Rabbiner, Herr Dr. L. Hirsch, hat sich mit Frl. Mathilde Anscherlik aus Sobieslau verlobt. — Sonntag, den 4. Jänner wurde hier unter großer Beteiligung - aller Bevölkerungsschichten Herr Franz Kobias, Sohn des Herrn Disponenten Salomon Kobias, zur ewigen Ruhe bestattet. Budapest. Am 28. Dezeiuber veranstaltete der Verein „Maskir- Neschumot" anläßlich der Einweihung eines Sefer Torah und der Enthüllung einer Gedenktafel in seiner Synagoge ein Doppelfest. Nach dem einleitenden Gesangsvortcage des jugendlichen Cantors, Herrn Simon Neumann, der sich hier großer Beliebtheit erfreut, folgte eine Rede des Vereins-Secretär Herrn Jzidor Katz. Sodann ergriff der Schullehrer S. Kleiu das Wort, um in fesselnder Weise die hohe Bedeutung des Doppelfestes zu erklären. Zum Schluffe bestieg der unter dem Pseudonym Oskar Sachariasohn bestbekannte Schriftsteller, Herr Osias Geyer, die vor der heiligen Buudeslade errichte:« Redner-Tribüne und gedachte unter anhaltender Aufmerksamkeit des Auditoriums in einer schwungvollen Ansprache der großen Verdienste des Vorstandes und des Präses, Herrn I. Wachsmann. Bemerkt sei noch, daß das Sefer Torah bei der Buchhandlung Osias Geye und die Gedenktafel bei dem Graveur Josef Löwy angefertigt wurde. Den Abschluß dieses Festes bildete ein Geselligkeits- Abend mit vielen Trinksprüchen und musikalischen Vorträgen A. K..e. Ankovar. Bei der am) 25. v. M. abgehaltenen Generalversammlung hat der als überaus wohlthärig bekannte und hochgeschätzte Präses der hiesigen isr. Cultusgemeinde, Herr Victor Baum, wie alljährlich so auch heuer schon zum sechstenmale seines Präsidiums, die hochherzige Spende von 2000 Kronen der Gemeinde gur Verfügung gestellt, was mit lebhaftem Beifall entgegengenommen wurde undstvofür ihm die Gemeindevertretung tiefgefühlten Dank votirte. Bei dieser Gelegenheit wurde auch unserem hochverehrten Oberrabbiner, Herrn Dr. I. Diamant, der sich allgemein großer Beliebtheit erfreut, ohne Ansuchen, auf Antrag des Herrn Präses der Gehalt erhöht. Die ganze Gemeinde vereinigt sich in dem Wuusche, daß es ihr gegönnt sein möge, den hochverdienten Herrn Präses noch viele Jahre an ihrer Spitze in ungetrübter Gesundheit walten zu sehen. A. S.