Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 3 (16.1.1903)
- Date
- 1903-01-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Seite 7 Die Wahrheit Ein wichtiger Factor in der kansnmnnischen Moral ist der Concurrenzkamps. Loyal und sittlich ist die Concnrrenz nur, wenn sie bestrebt ist, immer schönere, bessere und haltbarere Ware aus den Markt \u bringen; illoyal und unsittlich aber, wenn sie mit schlechter Ware den Preis drückt. Die illoyale Concurrcnz schuf die Gesetze gegen den nulauteren Wettbewerb die weil sie hemmend wirken, eher schaden als nützen. Sehr bemerkenswert wareir die Ausführungen des Vortragenden über das Verhältniß zwischen Chef und Angestellten. Traurig genug sei es, wenn der kleine Kaufmann Angestellte, die in seinem Dienste ergraut seien, durch junge Kräfte adlösen müsse; traurig, daß solche soziale Verhältnisse bestehen. Wenn aber der reiche Handelsherr den alten Mann, der ihm immer treu gedient, wegschickt, um dessen Arbeit wohlfeiler besorgen zu lassen, so mache er sich eines antisozialen Verhaltens schuldig, das nicht genug verdammt weiden kann. Das unmoralische Vorgehen jener Kausleute, die ihre Insolvenz verheimlichen, statt sie ehrlich und offen zu bekennen, ferner die sogenannten Ausgleicher und deren unsaubere Praktiken bei den Zwangsausgleichen unterzog kaiserlicher Rach Rnzicka gleichfalls einer scharfen Kritik. Die mächtigste Hilfe, schloß der Vortragende, kann der j Staat dem Kaufmannsstande angedeihen lassen. Es kann nicht > geleugnet werden, daß die dnrch die neue Zivilprozeßordnung! ermöglichte rasche und billige Rechtssprechung, die Einführung j fachmännischer Laienrichter, die Errichtung und Subvenlionirnng > von Handelsschulen den Dank der Kanfmannschast verdienen. j Aber wir haben noch immer zu wenig Schulen, und die Wiener! Handelsakademie ist nicht im Stande, allen Anmeldungen gerecht I zu werden, worunter besonders die Minderbemittelten schwer! zu leiden haben. Der Fiscus hinwiederum erzieht den Kaufmann. j da er ihm fast gar keinen Glauben schenkt, geradezu zur; Uli moral, und die amtliche Wechselstempelung ist für den öfteri reichischen Kaufmann beschämend, denn die ganze Welt ersieht daraus, daß man ihm kein Vertrauen schenkt. Die Zeiten aber, da der Vorsitzende einer Actieugesellschaft das vielzitierte Wort sprach: „Die Moral steht nicht auf der Tagesordnung", sind, zur Ehre der Kaufmannschaft sei es constatiert, schon längst vorbei. Unter den erfcfjieiieneu Gästen bemerkte man die Herren j Director W. Kux und Procnrisl M. Kraus von der Länderj dank, den Director der Handelsschule des Kaufmännischen Vereines Rothbauer, Commerzialrath Zipperling, von der Simmeringer Waggonfabrik, Director Julius Singer von der Oesterreichischen Discontogesellschaft, die beiden Vicepräsidenten des Kaufmännischen Vereines Isidor Popper und Julius Reuter, Handelskammerrat Cornel Spitzer u. A. Derjchiedene Nachrichten. Wien. (Israel. Cultusgemeinde Wien.) Sonntag, den 11. Jänner 1903 hat unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rat Heinrich Kiingcr die Constituierung der ständigen Commissionen und Spezial-Comites stattgej funden. Dieselbe ergab folgendes Resultat: Commission für Cultus- und! rituelle Angelegenheiten: Dr. Maximilian Steiner, Obmann; Architect Max Fleischer, Stellvertreter. Commission für Unterrichts-Angelegenheiten. Dr. Gustav Kohn, Obmann; Dr. Markus Spitzer, Stellvertreter. Commission für Friedhofs-Angelegenheiten: Baurat Theodor Ritter von Goldschmied, Obmann; kais. Rat Wilhelm Pollak. Stellvertreter. (Der bisherige Obmann Herr Baurat Stiaßuy und der bisherige Stellvertreter Edler von Mises hallen erklärt, eine Wiederwahl nicht annehmen zu rönnen.) Commission für das Spital: Wilhelm Kuffner, Obmann; Emanuel Hoffmann, Stellvertreter. Commission für die Versorguusanstalt: Salo Cohn, Obmann; Oberingenieur Arlhnr Edler von Mises, Stellvertreter. Mikwah-Eomit«: Oberingenieur Arrhur Edler von Mises Obmann; Dr. Alfred Berger, SteUvertrerer. Tempelbau-Comit«: Rudolf Auspitz, Obmann; Dr. Alfred Stern, Stellvertreter. Historische Vorcommission: Dr. Maximillan Steiner, Obmann; Prof. Dr. A. §. Pribram» Stellvertreter. Comito für Ausnahmen in die israel. Versorgungsanstalt : Baurat Theodor Ritter von Goldschmidt, Obmann; Salo Cohn Stell' Vertreter. Coinit« für Reform der Armenpflege: David Ritter von Entmann, Obinann; Theodor Ritter von Goldschmidt, 1 Stellvertreter; Dr. Felix Kahau, 2. Stellvertreter. Bau-Comit«: Oberbaurat Sigmund Sigmund Taussig, Obmann; Oberingenieur Arthur Edler von Mises, Stellvertreter. Buch-Revisions-Comit«: Leopold von Lieben, Obmann; kais. Rat Jonas Weil, Stellvertreter. Count« betreffend das Penfionsnormale für die Angestellten der Cultusgemeinde: Theodor Ritter von Taussig, Obmann: Leopold von Lieben, Stellvertreter. Dr. Adolf, Sack'scbe Herzkranken-Stistung: Dr. Josef Brauer, Obmann; Pros. Dr' S. Ehrmann, Stellvertreter. Dr. Adolf Sack'sche Techniker-Stiftung: Moriz Edler von Kuffner, Obmann: Baurat Siginund Tausig, Stellvertreter. -Wien. (Probepredigteu im Leopoldstädter- und Stadttempel.) Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang ans Nikolsburg hält Freitag, den 18. Januar d. I. bei dem Abendgottesdienste, der um 4 Uhr 45 Minuten beginnt, im Leopotdstädter-Tempel, Tempelgaffe, die Predigt, und am Samstag den 17. d. M. bei dein um 3 Uhr nachmittags stattfindenden Jugendgottesdienste im Stadrtempel, I , Seitenstetteugasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. Nächste Woche hält Herr Rabbiner Dr. L. Goldschmied aus Proßnitz im Leopoldstädter-Tempel am Freitag den 22. Januar d. Ibeim Abendgottesdieuste, der um 5 Uhr beginnt, die Predigt, und Samstag den 24. Januar d. I. im Stadttempel bei dem um 3 Uhr nachmittags stattfindenden Gottesdienste für Mittelschüler, die Exhorte. Wien. (Oesterreichisch Israelitische Union.) Samstag, den l7. d. M. halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des „Niederösterreichischen Ge' Werbevereines", l., Eichenbachgasse 2, eine Plenarversammlung der „Oester. reichisch-Jsraelitischen Union' statt, in welcher der bekannte Rativnalökonom Dr. Frau; Oppenheimer ans Berlin einen Bortrag über das Thema „Der Staatentod im Alterthnme und die jüdische Nation" halten wird. Wien. (Rothschild-Kiinstlerstiftung.) Die Arbeiten mehrerer Maler und Bildhauer, welchen vvu dem Curatorium dieser Stiftung Stipendien zutheil wurden, sind von Samstag 17. er. im „Indischen Musenm"! l., Krngerstraße 8, ansgestellt. Die prämrirten Künstler find :i) Bildhauer : j Herren Richard Hadl, Heinrich Löwenthal, Geza Salzmann; ir) Maler: j Fräulein Hilda Kotauyi, Herren Joses Karl Pollack, Jacques Sternselv. Wien. (Jüdische Toynbeehalle.) Ein genußreicher Abend wurde dem Publikum der Toyubeehalle am letzten Sontag geboten. Bier junge Leute, die Herren Hugo Nichtenhauser. Richard Hitschmann, Ernst Flekec Moritz Delikat, hatten sich zu einem Streichquartett verbunden, und gaben eine vorzügliche Interpretation der Haydn'schen „Variationen zur österreichischen Volkshymne" und Beethovens „Frühlingsquartett". Leider ließ die vorgerückte Stunde weitere stürmisch verlangte Productionen nicht zu» und gab der Vorsitzende der Hoffnung Raum, es möchten die Herren die Toynbeehalle bald wieder mit Ihren Gaben erfreuen. Herr Hermann Berliner, der auch die Leitung des Abends hatte, sprach unter allgemeinem Beifall „über die Hygiene des vormosaaschen Speise-Verbotes des Hüftsleisches". Unter Anführung bedeutender Aerzte und Naturforscher bewieder Vortragende in klarer und gemeinverständlicher Weise, daß es sich bei jenen Verbote um eine Vorbeugungsmaßregel ersten Ranges, bezüglich des Rindersinnen-Bandwurmes, handelte. Es liegt hier wiederum ein Fall vor, der beweise, daß mau vor 4000 Jahren schon Dinge gekannt habe die man als die Erfindung unseres so erfindungsreichen Zeitalters hin- > znstellen geneigt sei.! Wien. Der Mariahilf-Neubauer Fraueu-Wohllhäcigkeitsvereiu veranstaltet unter dem Ehrenpräsidium des Architekten Max Fleischer am 30. d. M. in den Ronach er-Sälen zu Gunsten des obgenannten Vereines ein Elite-Kränzchen. An der Spitze des Executivcomiws stehen Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Jacob Engel, kaiserl. Rath Joses Toffler und Generalconsnl Bernhard Janowitzer. Wien. (Verein für jüd. Geschichte und Litteratur.) Sonntag den! 18. d. M. Vortrag des Herrn Hermann Berliner über „Juda und! Sparta" im Festsaale des »Jüd. Volksverein", II.. ^eopoldsgaffe 49. Beginn 3/48 Uhr Abends. Gäste willkommen. Wien. Im litter. Geselligkeitsveceiue jüdischer Mädchen „Moria* wird Sonntag den 18. d. M. Herr S. Fischer einen Vortrag über das Thema „Haben Träume eine Bedeutung?" hatten. Beginn. präcise 3 Uhr nachmittags im Religionssaale der isr. Cultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 2, II. Stock. Gäste herzlich willkommen.