Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 2 (9.1.1903)
- Date
- 1903-01-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 2. Brr lesusg des Rechenschaftsberichtes abzusehen. Die Versammlung «ahm diesen Antrag einstimmig an und ertheilte dem Vorstande ^ebenso cinstimuiig das Absolutorium. Wenn die Versammlung sich auch mit der stillen Kenntnisnahme des Berichtes begnügte, können wir' doch nicht umhin, auf die beredte Sprache, welche die stattlichen Zifferncolonnen sprechen, die Aufmerksamkeit unserer Leser zu lenken. Erfüllen uns doch diese für religiöse Zwecke durchaus ohne Zwang aufgebrachten großen Summen mit Genugthuung und Zuversicht. Solange zur Erhaltung eines Vorstadt-Gotteshauses in einem Jahre 68.000 K. darunter rund 1700 K. Matan beseser geopfert werden, brauchen wir an die Zukunft nicht zu verzweifeln. Zur Neuwahl des Vorstandes das Wort ergreifend, sagt Herr Commercialrath S. Neustadtl, er halte sich als altes Vorstandsmitglied der Pflicht überhoben, sein Programm erst entwickeln zu müffen, er werde sich nicht mehr ändern. Er appellire vielmehr an die Mitglieder, den Vorstand in der Propaganda für den Verein zu unterstützen. Es sei beschämend, daß von etwa 15.000 Israeliten im IX. Bezirke blos 300 dem Vereine angehören. Es werden die Herren Fabrikant Adolf Moser, Hofmöbelfabrikant Josef Quittner und Commercialrath Siegmund Neustadtl in den Vorstand, die Herren Jacob Blau, Adolf Frankel, Emil Fürth, Dr. Alfred Glogau, Leopold Handel, Dr. Em. Quittner, Wilhelm Pappenheim und-Jsidor Trebitsch iu den Ausschuss mit je 35 Stimmen wiedergewähll. Vereinsmitglied, Herr S. Kornmehl, rügt die Weglassung des Kol nidre. Es genüge nicht die Melodie zu fingen, das Publikum verlange nach diesem altehrwürdigen Gebete. Weiters regr er die Herabsetzung des Mitgliedsbeitrages von 12 auf 6 Kronen au. Herr Witrofsky bemängelt die geringe Abwechslung in den Gesängen. Ausschussmitglied W. Pappenheim wünscht das ganze Schemone Esre=®eöet möge vom Vorbeter laut recitirt werden. Der ^Vorsitzende erwidert, das Kol nidre könne nicht gebetet w.rden, weil die vor Einweihung des Tempels abgehaltene Generalversammlung die Liturgie der Gemeindebethäuser angenommen habe und das erwähnte Gebet auch dort seit Jahren aus guten Gründen weggelassen werde. Auch größere Abwechslung in den Gesängen könne er nicht empfehlen, den Gläubigen wird eine Andachtsstätte aber kein Eoncertsaal geboten. Die Tempelbesucher gewöhnen sich an die althergebrachten Melodien, fühlen sich dagegen durch Abwechslung nur in der Andacht gestört. Bei desonderen Gelegenheiten werde trotzdem mitunter Neues gebracht. Was den Mitgliedsbeilrag anbelange, so nehme der Vorstand gerne auch solche Mitglieder auf, die 12 K. zu zahlen nicht in der Lage sind, wiewohl jedes Mitglied mehr als 6 K. Kosten verursache, was Redner Mermäßig nachweist. Die Anregung, das Schemone Essre laut recitiren zu lasten, werde von dem Vorstände wohlwollend erwogen werden. Herr S. Brod dankt für die ihm zu theil gewordene Begrüßung, rühmt die Thätigkeit des Vorstandes, welcher sich nicht blos auf die Führung seiner Agenden beschränke, vielmehr mit Erfolg und Eifer die Jnteresten der Judenschaft unseres Bezirkes vertrete. Auch Herr Vicepräsident Dr. Gustav Kohn, den Ausführungen des Obmannes beipflichtend, zollt dem eifrigen und umsichtigen Vorstande speciell seinem verdienten Obmanue Dollstes Lob, indem er den Wunsch ausdrückt, der Verein möge sich bei der Feier des halbhundertjährigen Jubiläums in so wohlgeordneten Verhältnißeu befinden, wie jetzt am Schluffe seines 36. Jahres. (Allgemeines Bravo). Der Vorsitzende dankt für -die ihn und den Vorstand ehrende Anerkennung,» den MitgüÄMk für ihre rege Teilnahme und schließt die Vcrsammlmtz. Verschiedene Nachrichten. Wien. Dem Direktor des israel. Blinden-Jnstitutes auf der hohen Warte, Herrn Josef Heller, ist vonLSr. Majestät dem Kaiser das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen worden. Wien. Herr Friedrich Seligmann. Inspektor der k. k. Staats - bahnen, wurde von Sr. Majestät dem Kaiser durch Verleihung des Titels : „Kaiserlicher Rath" ausgezeichnet. Wien. (Probepredigten im Leopoldstädter- und Stadttempel.) Herr Rabbiner Dr. Dt. Grunwald aus Hamburg hält Freitag den 9. Januar d. I. bet dem Abendgottesdienste, der um 4 Uhr 30 Minuten beginnt, im Leopoldstädter-Tempel, Tempelgasse, die Predigt, und am Samstag den 10. d. M. bei dem um 3 Uhr nachmittags statlfindenden Jugendgottesdienste im Stadttempel, I., Seitenstetteugasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. Nächste Woche hält Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang aus Nikolsburg im Leopoldstädter-Tempel am Freitag den 16. Januar d. I. beim Abendgottesdienste, der um 4 Uhr 45 Minuten beginnt, die Predigt, und am Samstag den 17. Januar d. I. im Stadttempel bei dem um 3 Uhr nachmittags stattfindenden Gottesdienste für Mittelschüler, die Exhorte. Wien. Das Curatorium des israel. Blindeninstitntes veranstaltet Sonntag, den 11. Jänner, 4 Uhr nachmittags im Betsaale des Institutes eine Gedächtnisfeier für den verewigten Freiherru Jonas von Königswarter. Wien. Donnerstag, den 1. d. M. veranstaltete der Vorstand dev Türk. Gemeinde eine Trauerandacht für den jüngst verstorbenen General- Consul Josef Thalberg, an welcher der Vorstand und zahlreiche Mitglieder der Gemeinde, sowie die Mitglieder der Familie Thalberg theilnahinen. Die Feier begann mit dem Psalm „Sehimu sot“ von Jos. Goldstein,, den Obercantor Bauer mit dem Chore äußerst exact zu Gehör brachte, und hierauf hielt Rabbiner Papo eine Rede, in welcher er die mannigfachen Verdienste des Verstorbenen schilderte. Mit dem Vortrag des Menncha Nechona und Schiwisi von Grünzweig schloß die erhebende Andacht. Wien. Sonntag, den 4. ds. fand im Türk. Tempel in Anwesenheit eines zahlreichen, distinguirten Publikums die Trauung des Frl. Mathilde Pasternak mit Herrn Max Geiringer statt. Der 'Brautzug wurde von den beiden Präsidenten der Gemeinde, Marcus Russo und Lico Adutt, eröffnet. Den Trauungsakt vollzogen Rabbiner Papo und Obercantor Bauer, den verstärkten Chor leitete Dirigent Löwit. Wien. Der humanitäre Frauenverein „Krankenpflege", der unter dem trefflichen Präsidium der Frau Dr. Amalie Blech und unter der thätigen Mitwirkung der Vorstandsdamen Dr. Lisczis, Schlechter, Wassermann, Rosenberg, Liebling, Weiss, Bergner und Fallik in wohltätigster Weise wirkt, veranstaltete am 3. Jänner d. I. im Prachtsaale des »Hotel Continental" eine Wohlthätigkeits-Akademie mit anschließendem Tanzkränzchen, die einen durchaus gelungenen Verlauf nahm. Aus dem reichhaltigen künstlerischen Programm erwähnen wir die mit außerordentlichem Beifall ausgenommenen Gesangsvorträge des Herrn M. Striks, der in Schuberts „Aufenthalt" und Webers „Freischütz-Arie" seine prachtvollen Stimmmittel zu voller Geliung brachte, ferner die reizenden Lieder des Herrn E. Lamberti, der zu seinen vielen Verehrern sich wieder neue gewann, die Cello-Vorträge des Herrn Holdperg, den Declamationsvortrag der Schwestern Katz, die schönen Darbietungen des Violin-Virtuosen Herrn Stierer, die alle verdiente Anerkennung fanden. Die Clavierbegleitung zu sämmtlichen Vorträgen, sowohl den gesanglichen, als auch denen des Violonisten und Cellisten halte Frau Regine Schwager iu liebenswürdiger Weise übernommen und accompagnirte in feinfühligster, technisch meisterhafter Weise Vortragende und Hörer gleichermaßen befriedigend. Das Taazkränzchen vereinigte die zahlreichen Besucher bis in die frühen Morgenstunden. Die artistische Leitung lag in den bewährten Händen des Herrn N. Chefez. Wien. (Chanukafeier.) Bei der Sonntag den 28. Dezember v. I. im Tempel, X., Humboldgasse 27, stattgesundenen Chanukafeier der Schulkinder des jüdischen Schulvereines im X. Bezirke traten die Leistungen des Herrn Oberkantor Schlesinger, der. die Kinder in den jüdisch-liturgischen Gesängen unterrichtet, glänzend zu Tage. Die Feier, zu der viele Vorstandsmitglieder und zahlreiche Gäste in dem festlich erleuchteten Tempel sich einsanden, nahm folgenden Verlauf: Nachdem Minchagebete, welches Herr Cantor Weißmann vortrug, nahm Oberkantor Schlesinger das Anzünden der Chanukalichter vor, worauf von den . Kindern das „Lloans -rar jesoüuossi" gesungen wurde. Hierauf erklärte Herr Rabbiner Dr. Mandel die hohe Bedeutung der Chanukafeier und schilderte mit begeisterten Worten^die Heldenthaten der Makkabäer, die uneigennützig und selbstlos nur für die Erhaltung des Glaubens kämpften. Die Kinder sangen dann das Lied „Empor zu dir." Mit dem Maariw-Gebete schloß die für Groß und Klein erhebende Chanukafeier. Wien. Zur Berichtigung der in vorletzter Nummer enthaltenen Korrespondenz aus Szenics wird uns mitgetheilt, dass Herr A. Grünwald daselbst der Gründung des Tifereth-Bachurim-Vereines fern steht. Wien. Die Einweihung eines neuen Sefer Thora j,n orthodoxen Bethause in der großen Schiffgasse, welche am 1. d. M. stattfand, versammelte ein sehr zahlreiches andächtiges Publikum und gestaltete sich der Gottesdienst durch die, Mitwirkung des Camors 1. Don Fuchs mit dem gesammten Chorperfonale des Ottakringer Tempels unter Leitung deS Diregenten Port. Kleinem weihevollen und erbaulichen. waesmm