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Die Wahrheit · 1903-01-09 · Heft 2 (9.1.1903) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 2 (9.1.1903)
Date
1903-01-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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iesterr.-llngar. Cnnturcn -Zeitung. Ar. 2. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 23. Jatzrg. Meine Grüder suche ich. Dieser Ausruf des Herrn Obercantor Singer kam auch mir aus dem Herzen.- Als wir seiner Zeit eine Aufforderung des Oesterreich-Ungarischen Cantorenvereines erhielten, uns der allgemeinen Organisation anzuschließen, da war ich trotz kollegialer Gesinnung und steter Bereitschaft, meine geringen Kräfte in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, gegen die Verschmelzung der Vereine beider Länder. Wusste ich doch, wie schwer es halten würde, die Collegen Deutschlands zu einigen denn hier wie dort herrscht die sträflichste Gleichgültigkeit für unsere heiligsten Interessen. Hier wie dort erstehen von Zeit zu Zeit Vereine inner der Führung eines einzelnen Collegen, die den Mitgliedern große Illusionen für die Zukunft machen. Obgleich diese Vereine schon ihrem Ende zusteuern, noch bevor ein Mitglied irgendwelche Hilfe von ihnen in Anspruch nehmen kann, so fiiibeu sich doch immer noch Collegen, die neue Gründungen in's Leben rufen. Aber wenige sind bereit, die alten, bewährten Vereine wirksam zu unterstützen. Der Aufruf, den die Cantorenwitwenkaffe zu Berlin an alle Collegen Deutschlands erließ, um ordentliche und außerordentliche Mitglieder zil werben, ist nur wenig berücksichtigt worden. Und wahrlich es existirt kein Verein in Deutschland, der so viel für seine Mitglieder wirkt, als die Witwenkaffe. Sind doch schon heute die Unterstützungen für Witwen und Invaliden so groß, dass selbst die Ahawa, die doch über ein bedeutendes Vermögen verfügt, ihren Mitgliedern keine höheren zu teil werden lässt. Die Witwenkaffe ist auch der einzige Verein, der alle Cnltusbeamten, ohne Ausnahme, aufnimmt. Sie fordert weder einen Nachweis der Amtsbefähigung, noch die Landeszugehörigkeit von ihren Mitgliedern. Außerdem sind die Beträge so gering, dass selbst der ärmste Cultusbeamte den an ihn gestellten Forderungen Nachkommen kann. Wie kommt es nun, dass dem Verein so wenig Entgegen kommen gezeigt wird? Nun, ich glaube, nicht fehl zu gehen, wenn ich den Beweggrund dafür in dem Neide und der Mißgunst der Collegen untereinander suche. Der Verein hat seinen Sitz in Berlin und wurde früher von einem Theil ordentlicher und außerordentlicher (Privatleute) Mitglieder verwaltet. Die Eifersüchteleien, die unter den Collegen des Vorstandes herrschten, überantworteten die Leitung des Vereins allzusehr den Privatleuten. Diese konnten natürlich, trotz eifriger Bemühungen und besten W'ollens, die Standesintereffen nicht in der richtigen Weise vertreten, dem dies ist selbstverständlich nur Fachleuten möglich. Da die Mitglieder anderer Städte zur Entwicklung des Vereius nicht genügend beigetragen haben, sondern alles Heil vom Vorstande und den Berliner Cautoren erwarteten, konnte bei Verein nicht den gewünschten Aufschwung nehmen. Seit der letzten Generalversammlung ist nun die Verwaltung in Händen der ordentlichen Mitglieder. Rastlos und unermüdlich ist der derzeitige Vorstand für die Hebung des Vereins tätig, es ist ihm auch gelungen, eine stattliche Anzahl außerordentlicher Mitglieder und einige Legate für den Verein zu gewinnen; aber, 'NX n* wo bleiben die Collegen? Dass Brüder sich suchen müssen, ist eben ein Zeichen von Unverträglichkeit und Unzufriedenheit im Hause "p d’W »j mn* uni m Freunde und Brüder, im eigenen Jntereffe und im Interesse der gesummten Cnltusbeamten rufe ich Euch zu: seid einig, seid friedlich! Mögen diese Mahnungen hüben und drüben in die Herzen aller Collegen dringen, so dass wir das gute Werk, das wir mit so großen Hoffnungen und Erwartungen begonnen haben, nun auch fördern und vollenden können. E. Schönberger, Obercantor. Potsdam, 22. December 1902. LMeralur. Lehrbuch für den Confirmations-Nnterricht, verfaßt von Karl Etzrenfeft, Leiter des Barmizwah-Vorbereitungskurses der isr. Cultusgemeinde in Wien, besprochen von Oberkantor Singer in Wien. Eine sich bescheiden einführende, thatsächlich jedoch überaus dankenswerthe Arbeit, die in diesem, nur dreißig Drucksorten umfassenden Büchlein vom Verfasser geboten wird. Soll der heilige Akt der Barmizwah nicht als ein schemenhaftes, etwa lediglich durch den synagozalen Einsegnungsakt gekennzeichnetes Familienereignis in dem Leben des Konfirmanden vor übergleiten, so muß das für religiöse Eindrücke sicherlich empfindliche Herz des Jünglings in die volle Bedeutung dieses wichtigen Lebensabschnittes durch den vorausgegangenen rationellen Unterricht eingesührt werden; alles hierauf Folgende soll vielmehr als sichtbarer Ausdruck eben dieses vorausgegangenen rationellen Unterrichtes — nicht aber als Hauptsache gelten. Von diesem Gesichtspunkte geleitet, hat der Herausgeber alle Momente, die mit dem heiligen Akte der Barmizwah in j irgend welchem Zusammenhangs stehen, mit überaus anerkennenswerther! Sorgfältigkeit gesammelt; ja sogar altehrwürdige, längst verklungene Bel Nennungen, wie Bar onschin, Zizzi?, Rezuoa Krichos etc. durch sachge- | mäße Erklärung auf das Piedestal der Bedeutung erhoben, daß hiedurch! dem Lehrer ein treffliches Hilfsmittelfür den Unterricht, aber auch dem Lernenden eine Fundgrube des einschlägigen Wiffens in erschöpfender und leicht faßlicher Form geboten erscheint. Wenn die vorliegende treffliche Arbeit mit dem vom Herrn Rabbiner Wilhelm Sor vor einigen Jahren veröffentlichten Probehefte der Barmizwah—Maftir in Zusammenhang gebracht würde, so böte diese Vereinigung ein Lehrmittel ausgezeichneter Art für den Barmizwah-Unterricht; aber auch in geeigneter äußerer Ausstattung ein überaus vollkommenes und treffliches Erinner» ungs- und Gedenkbüchlein für den späteren Lebensweg des Barmizwah. j In diesem Sinne sei das treffliche Büchlein des Herrn Ehrenfest weiteren j Kreisen der jüdischen Glaubensgenoffenschast wärmstens und angelegent» j lichst empfohlen. | verschiedene Nachrichten.! Wien. Im litter. Geselligkeits-Vereine jüd. Mädchen „Moria" I fand Sonntag den 4. d. M. wie alljährlich die Plenarversammlung behufs j Vornahme der Neuwahlen statt. Nachdem die abtretende Präsiden!in, i Frl. Berta Herrmann, den Rechenschaftsbericht, der allgemein befriedigende j Erfolge des Vereines bewies, erstattet hatte, wurde zur Neuwahl ge- : schritten und folgende Damen in den Ausschuss gewählt: Präsidentin j Frl. Berta Herrmann, Vice Präsidentin Frieda Wagner, I. Schriftführerin i Erna Alexander, II. Schriftführerin Helene Pasternak, Bibliothekarin j Regine Kammer. Ohne besondere Funktion:Lotte Rand, Helene Schwein-! bürg. Ersatzmitglieder: Elsa Katz, Caroline Körpel. Vereinscorrespondenzen werden an die Adresse der Präsidentin VIII., Josefstädterstr. 9 erbeten. Wien. (Verein jüdischer jugend icher Arbeiter Wien.) Sonntag, den 11. d. M. im Kongressbureau IX., Türkenstraße 9, Vereinsabend: Vorlesung des Herrn Schriftführers Max Eisler aus eigenen Dichtungen. Beginn halb 8 Uhr Abends. — Gäste willkommen. Wien. Vergangenen Samstag Abend fand im Vereinsbethause „Mikdaschmeat" II., Kl. Schiffgasse eine ihn ihrer Art originelle Chanukaweihe statt. Der neuengagirte Cantor, Herr Einfeld, ein junger, tüchtiger Chasen aus der alten Schule, arrangirte, eine musikalische Production mit Männerchor und Streichorchester, welches unter der Leitung der bekannten Primgeiger Brüder Wagner seitens aller Theilnehmer den lebhaftesten wohlverdienten Beifall fand. Klinik. Das Chanukafest unserer Gemeinde ist durch den Heimgang des Herrn Josef Leimdörfer getrübt worden. Von allen Seiten strömten Äänner und Frauen aller Konfessionen herbei, um dem würdigen Greise, dem Vater des bekannten Hamburger Rabbiners, Dr. David Leimdörfer, die letzte Ehre zu erweisen. Unter den Trauergästen war, außer den Vorstehern aller Nachbargemeinden und vielen Standespersonen und Beamten, auch Professor Dr. Büchler aus Wien anwesend. Nach Recitation der Trauerpsalmen durch Oberkantor Thaler hielt Dr. Leimdörfer eine tieferschütternde Rede, in welcher er besonders auf seine Thoralehrer hinwies, zu denen sein seliger Vater ihn' geleitet hatte. Er nannte die Rabbiner Israel Rofenzweig, Josef Grünbaum, Scholaum Ullmann, Sußmann Sofer, den Keßaf Sofer-Preßburg und Dr. Jellinek-Wien. So nahm der Heimgegangene großen Einfluß auf das Wirken des Sohnes für die Ideale unserer Thora. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Julius Welleß aus Nagy-Bittse eine Gedenkrede, in der er auf die Frömmigkeit und die Tugenden Joses Leimdörfer's hinwies und ausführte, daß der Stolz dieser Familie zugleich der Stolz des Judenthums sei. Dann bewegte sich der Trauerzug zu dem idyllisch gelegenen Höhenbegräbnis der Hliniker Kultusgemeinde, wo unter den Klängen der Seelenheilgebete die letzten Schollen sich herabsenkten auf den Sarg eines Mannes, dessen Sohn zur Ehre der Thora und als ein Stolz der gesammten Judenheit weitgenannt wirkt. Th. Hteirvih. Unser Oberkantor, Herr Magnus Davidsohn, hat sich mit Freulein Harrtet Fröhlich, Tochter der Frau Anna Fröhlich, verlobt.

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