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Die Wahrheit · 1903-01-09 · Heft 2 (9.1.1903) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 2 (9.1.1903)
Date
1903-01-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2 Die Wahrheit Seite 7 Bon den Angelegenheiten der Schule, des wichtigsten Fundamentes des Judenthums, ist es insbesondere die Bestellung eines Jnspeclors sür den Religionsunterricht an Mittelschulen, welche sich nicht länger verzögern läßt. Die Schulcommission, welche den im Vorfahre erfolgten Austritt eines hervorragenden Schulmannes zu beklagen hat, wird, so hoffe ich, verstärkt durch neue Mitglieder, auch dieser Angelegenheit gewiß ihr vollstes Augenmerk zuwende». Ich komme nun aus das große Capitel der Wohlthätigkeit und des Humanitären Wirkens zu sprechen. Die Herren werden sich vielleicht erinnern, dass ich, als ich die Ehre hatte, die höherbesteuerten Mitglieder zum ersten Male hier zu begrüßen, an dieselben die Frage richtete, ob sie der Ansicht seien, dass die Üebung der Wohlthäligkeit zu den Ausgaben der Cultusgemeinde gehöre. Diese Frage wurde bejaht. Mein sehr verehrter College, Herr Vicepräsidem Dr. Stern, hat nun in einer der letzten Plenarsitzungen in gediegener Rede das Capitel der Wohlthätigkeit gestreift; ich bin nicht ganz seiner Anschauung, dass der Wohltätigkeit Grenzen gesetzt werden müssen, wohl aber stimme ich ihm vollständig bei, wenn er sagt, dass die Finanzen der Gemeinde eine weitere Belastung nicht mehr vertragen. Ich glaube aber, dass Herr Dr. Stern, welcher zu den wohlthätigsterr Männern gehört, mit seinen Ausführungen nicht etwa einer Begrenzung der Wohlthätigkeit überhaupt das Wort reden, sondern nur daraus Hinweisen wollte, dass es nicht Sache der Cultusgemeinde sein könne, Alles allein zu thuu. In der That wird sehr viel geleistet, Spital, Alterversorgu igs-- und Sichenhaus werden ausschließlich von der Cultusgemeinde erhallen. Ich ergreife bei diesem Anlasse gerne die Gelegenheit, den Herren und Damen, rvelche sich den Angelegenheiten der Bersorgunzs- Anitalt in hingebungsvoller Weise widmen, erneue rt den Dank anszusprechen, desgleichen den Mitgliedern der Spitals-Commission. Was die Armenpflege anbelangt, wird es in erster Linie unsere Ausgabe sein, unsere von vortrefflichen Männern geleitete, alt.hrwürdige Armenanstalt zu schützen »in zu fördern. Damit ist jedoch unsere Thätigkeit nicht erschöpft. Wir haben vor mehreren Jahren eine Enqusie darüber einberusen, wie die Armenpflege zu centralisiren sei. Wir haben ein Comitö sür Reform der Armenpflege eingesetzt. Im Vorstände selbst sitzen Männer, welche den Beruf und die Befähigung in sich haben, ans dem Gebiete der Armenpflege Bedeutendes zu leisten. Sie würden sich ein außerordentlich.'s Verdienst sür alle Zukunft erwerben, wenn es ihnen gelingen würde, eine Centralisation zu schaffen oder zumindest anzubahnen. Um ein Beispiel zu geben, verweise ich aus den Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen. Einige Frauenverine haben sich vereinigt und die Erfolge sind bereits zu Tage getreten: die frühere Zersplitterung ist einer zielbewußten Centralorganitation gewichen. Das Comito für die Reform der Armenpflege hat eine der schwierigsten Anfgahen, die endlich gelöst werden muß. Ich werde mir erlauben, dieses Comits sofort einzuberusen. Meine Herren! Gestatten Sie mir, dass ich einen etwas wunden Punkt unserer Statuten berühre: die Bezirks-Commissioneu. Wenn diese Bezirkscommisstonen sich immer vor Augen halten, dass die Einheit der Gemeinde stets das Erste und Letzte sein müsse und dass hierin ihre Stärke liege, so verspleche ich mir, dass sie den Zweck, zu welchem sie geschaffen wurden, die Behebung der Indolenz, auch erreichen werden. Durch die Bezirkscommissionen sollen dem Vorstande Wünsche und Beschwerden, mit welchen sonst bis zur Wählerversammlung gewartet wurde, schon früher zugehen, damit er in die Lage komme, dieselben geschäftsordnungmäßig zu behandeln und rechtzeitig zu erledigen. Sehr dringend ist die Frage 8er''Regelung des Pensioassondes für die Gemeindeangestellten, sür welche n gleichfalls ein Comite besteht. Ich werde jene Herren, welche die Wahl in dieses Comits annehmen, bitten, an die Arbeit zu gehen, damit die Angelegenheit, welche den Vorstand schon seit 10 Jahren, bisher leider ohne Ergebniß, beschäftigt, endlich zu einem gedeihlichen Abschlüsse geführt werde. Wie den Herren bekannt ist, haben wir 240 Vertrauensmänner, von denen 120 bereits gewählt sind und 120 vom Vorstande zu berufen sein werden. Das Vertretercollegium wird sich die Ehre geben, Ihnen in der nächsten Plenarversammlung diesbezügliche Vorschläge zu unterbreiten. Eine sehr wichtige Angelegenheit ist die Bestellung von Predigern. Dieselbe wird im Wege der im Zuge befindlichen Probe-Predigten oder aus andere Weise im Vorstande eine objective Erledigung finden. Was die Finanzen der Gemeinde betrifft, muß ich aus d is Budget Hinweisen, wobei ich betone, dass an eine weitere Erhöhung cer Steuern gewiß nicht gedacht werden kann und daher Sparsamkeit nach jeder Richtung sich empfiehlt. Meine Herren! Sie haben immer Gelegenheit, sich an den Arbeiten zu detheiligen, und Initiativanträge und Jnterpella-- tionen, deren Einbringung im Sinne der Geschäftsordnung statthaft ist, werden stets der Behandlung zugesührt werden. Arbeiten wir vereint und wir werden unsere Pflicht erfüllen! (Lebhafter Beifall). Kinkanf. Es gelangt hierauf der Einlaus und Spendeueingang zur Verlesung, aus welchem wir besonders eine größere, aus Anlass eines Familienfestes gewidmete Spende der Herrn I. Feitler für verschiedene wohlthätige Zwecke im Gesammtbetrage von 3800 K. hervorheben wollen. Zie neuen Morsteher. Professor Dr. Ehrmann: Im Aufträge der neugewählten Vorstandsmitglieder danke ich dem Herrn Präsidenten für die freundliche Begrüßung, die er uns zu Beginn der heutigen Sitzung zu Theil werden ließ. Wir fassen die Wahl in den Cultusvorstaud nicht blos als eine hohe Ehre auf, sondern glauben hiemit auch eine große Arbeitspflicht übernommen haben. Ich möchte die kostbare Zeit nicht mit Reden verschwenden, sondern blos versichern, dass wir diese Auffassung durch Thaten beweisen werden. Wahl der beide» Wicepräfidente«. Bei der hierauf folgenden Wahl des I. Viceprasidenten wird Herr Dr. Alfred Ster n mit 29 Simmen wiedergewählt. I. Vicepräsident Dr. Stern dankt sür das ihm neuerlich erwiesene Vertrauen, das ihm nur ein Ansporn zu fernerer Thätigkeit sein werde. Wohlthätigkeitsacti neu und Erfüllung der kulturellen Bedürsniße der Gemeinde sind die beiden wichtigsten Ausgaben, denen wir uns in diesem Jahre in erhöhtem Maße widmen müssen. (Lebhafte Zustimmung). Zum II. Bicepräsidenren wird Herr Dr. Gustav Ko hu mit 31 Stimmen wiedergewählt. II. Vicepräsident Dr. K o h n dankt gleichfalls sür seine Wiederwahl. Sein Programm, das iu seiner bisherigen Thätigkeit gegeben ist, setzt er als bekannt voraus und versichert, nach wie vor in diesem Sinne wirken zu wollen. Wertretercolleginm. Als Vertreter werden nachfolgende Herren gewählt: Theodor Ritter von Goldschmidt; Kaiserl. Rath Moriz Hirsch; Dr. Felix Katzau; Oberingenieur Arthur Edler von Mises; Oberfinanzrath Dr. Benjamin Rappaport; Dr. Maximilian Steiner; Baurath Wilhelm Stiaßny; Theodor Ritter von Tanssig. Das Ergebnis der hierauf folgenden Wahl der 5 ständigen Commissionen und der Sprecial-Comitss werden wir in nächster Nummer veröffentlichen. Kinderspilalstifturrg Baurath Wilhelm Stiaßny reserirt über den gegenwärtigeil Stand der „Josesine Königswarter'schen Kinderspital- Stiftung". da dos Stistungsvcrmögen, das sich Ende des Jahres auf 953.490 K. belief, zum Baue eines Spitals mit

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