Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 1 (2.1.1903)
- Date
- 1903-01-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Desterr.-ungar. Cantaren-Zeitung. Nr. 1. Meitäge zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 23. Iahrg. Zur Äeruss-Orgamsation. Die vom Vorstände des österr.-ungar. Cantorenvereines rnit Unterstützung des Fachblattes angeregte Organisation der BMlfsgeuoffeuschast hat einen bedeutenden Schritt nach vorwärts gemacht, indem die am 30. Dezember abgehaltene General-Versammlung des österr.-ungar. Cantorenvereines einfttmmrg die Aeuderung der Statuten im Sinne der Beschlüsse des Wiener Cantorentages genehmigte. Es war eine recht imposante, in begeisterter Stimmung gehobene Versammlung, an welcher fast sämmtliche Wiener Cmltore«, und zwar die Kollegen: Baßl, Bauer, Blatt, Düvmann, Edelmann, Fuchs, Grünfeld, Guttmann, Kläger, Lowtt, Pekarnik, Regner, Rothwein, Rotter, Singer, Schiller, Schon, Schlesinger, Serebrenik, Smotritzly, Weidmann, Ehordirigent Zellnik und 2 Collegen von auswärts, Landau- Wr. Neustadt und Goldenberg-Marienbad, theilnahmen. Präses I. Singer eröffnete die Versammlung mit Begrüßung der Anwesenden und betonte, dass die Blicke der gefammteu Collegenschaft in diesem bedeutsamen Momente uach Wien gerichtet seien, daher thue vor Allem Einigkeit noch, damit das Werk der Berufsorganisation zum Wohle der Gefammtheit endlich gelinge. Hierauf verlas Vereinssecretär Dr Löwh die vom Vorstände und dem Wiener Somit« bereits vorberathenen Statuten-Aenderungen, die von der Generalversammlung en bloc genehmigt wurden. Die wesentlichen Punkte dieser Aenderung sind folgende: Der Eintritt in den Verein ist jedem Berufsgenoffen, ohne Rücksicht auf dessen Alter, möglich, während in den früheren Statuten eine Altersgrenze von 40 Jahren festgesetzt war. Aufnahmsgebühr und Jahresbeitrag wurden herabgesetzt, und zwar beträgt die Aufnahmsgebühr von nun ab 4 Kronen Md der Jahresbeitrag 8 Kronen. Jedes Mitglied tritt nach einjähriger Zugehörigkeit zu dem Verein in den Genuss der materiellen Rechte, die in Juvaliditäts- und Witwenunterstützungen und sonstigen Unterstützungen in Fällen dringender Noth bestehen. Weiters wurden Bestimmungen behufs Etablirung von Zweigniederlassungen in die Statuten ausgenommen. Nach Genehmigung der Statuten traten sämmtliche Anwesende, die den! Vereine bisher nicht angehörten, unter Fertigung der aufgelegten Beitrittserk ärungen und Zahlung der Äufnahmsgebühr dem Vereine bei und allgemein wurde dgrauf Werth gelegt, jetzt mit erhöhter Energie die Werbung von neuen Mitgliedern vorzunehmen. Zu diesem Behuse werden in den nächsten Tagen - Circulare mit angefügten Beitrittserklärungen an die aus-, wartigen Collegen versendet. Die Aufnahmsgebühr von 4 Kronen, resp. 3 Kronen für jene, welche bereits 1 Krone entrichtet haben, sowie zu- . mindest der erste Quartalsbetrag des Jahresbeitrages ist an den Vereinscassier, Herrn 1. Cantor M. Blatt, »Siett 11., Tempelgaffe 3, zu senden. Rach lebhaftem collegialem Gedankenaustausch wurde dann die Generalversammlung mit frohem Ausblick in die * Zukunft geschlossen. Hebräische Melodien. Unter dem Deckmantel dieser ebenso interessanten als in der Hand Uneingeweihter überaus bequem zu gebrauchenden Vignette ist in den letzten Jahrzehnten bis in die Gegenwart hinein so überaus viel gesündigt, zurechtgewiesen und abermals gesündigt worden, dass es eigentlich nicht der Mühe lohnt, hierüber ein Wort zu verlieren. Diejenigen, die die Kampfperiode vor und nach dem Erscheinen meiner ..Tonarten des traditionellen Gesanges" mit offenen Ohr und Auge, das heißt unter dem Gesichtsspiegel ihrer eigenen umfassenden musikalischen Kenntniße mitdurchlebten, werden sich noch lebhaft erinnern, dass in diesem Kampfe keine Minderen als Lewandowsky, Deutsch, Friedmann, Goldstein, Birnbaum u. v. A. ihre Anschauungen öffentlich kundgegeben und durch diese sachgemäße Polemik, trotz etwaiger Einwürfe Einzelner, wie etwa, dass meine ausgestellte llisolltadavli - Steiger scala eigentlich Aiawo raddoli-Steiger heißen müsse rc. dennoch zu meiner Genugthuung der eine, durch mich wachgernfene Grundgedanke, dass der altjüdische Gesang nach meinem strenggefüglen I n te rvallen- Der hält niße zu b e u r t h e i l e n sei, zum Durchbruche gelangte. Auch den mittlerweile Heimgegangenen Professor Steinthal in Berlin, der mich bezüglich einer einzuleitenden Sammlung altjüdischer Gesänge interpellirte, machte ich ans meine aufgestellte Beurtheilungsweise aufmerksam. Zur gefälligen Selbstanschauung der Sachlage seitens der geschätzten Leser erlaube ich mir, den wortgetreuen Inhalt jenes bemerkenswerthen, noch in meinem Besitze befindlichen Briefes des Herrn Professor Dr. Steinthal an mich zu veröffentlichen. Herr Professor Steinthal schreibt: . „Herrn Obercantor Singer in Wien. Berlin W. Schönberger-User 42, 4./6. 96. Hochgeehrter Herr! Die Cantoren der hiesigen jüd. Gem. Herr Marxsohn und Herr Friedmann, haben eine Anregung, die ich gegeben habe, mit Eifer ausgenommen. Sie selbst haben schon vor einem Jahrzehnt denselben Gedanken ausgesprochen, nämlich die echt-jüdischen Melodien zu sammeln. Ihre Liebe zur Sache wird seitdem nicht erkaltet sein und ich bitte Sie, derselben Ihre Theilnahme zu widmen. Wenn die Sammlung einigermaßen vollständig sein soll, muß sich die Aufmerksamkeit über Nord- und Süddeutschland, über Oesterreich und über die slavischen Länder verbreiten. Ohne ihre Mitarbeit würde nichts zu Stande kommen. Die obgenannten Herren, wie ich, bitten Sie also, demnächst mit denselben und, wie Sie wünschen würden, mit einigen Ihrer Herren Collegen ein Comits zu bilden, in welchem Sie ja Ihren vollen Einfluss, Ihrem Sachverständniße gemäß, geltend nrachen würden. Dieses Comite hätte noch Alles zu bestimmen, was zu thun und wie vorzugehen sei, denn bis jetzt ist noch gar nichts geschehen. Eine freundliche Zusage erwartend, benütze ich die Gelegenheit zur Versicherung der Hochachtung, mit der ich bin Ihr ergebener Prof. Dr. Steinthal. In Beantwortung dieser an mich gerichteten Aufforderung sandte ich Herrn Professor Steinthal meine Arbeit über die „Tonarten" ein, erlaubte mir die Bemerkung, dass meines Erachtens und nach dem Erachten vieler Gesinnungsgenossen diese meine Arbeit gerade in diesem Momente überaus äctuell sei, indem dieselbe zumindest ein Gradmesser für die voraus-