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Die Wahrheit · 1903-01-02 · Heft 1 (2.1.1903) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 1 (2.1.1903)
Date
1903-01-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr 1 Die Wahrheit. Seite 9. Schreiben die Biete ausgesprochen habe, von seiner Wiederwahl abzusehen. Redner glaubt jedoch der Dolmetsch der Gefühle der Mitglieder und des Vorstandes zu sein, wenn er trotzdem die Ueberzeugung ausspricht, dass dieser Mann, welcher nicht nur im Vorstande durch 17 Jahre, sondern auch in anderen jüdischen Vereinen so Hervorragendes geleistet hat, aus dem Vorstande nicht scheiden dürfe, und ee bittet darum, ihn einstimmig wieder zu wählen. Kais. Rath Ruzicka wiederholt in längerer, von der Versammlung sympathisch ansgenommener Ausführung die Gründe für die Ablehnung einer Wiederwahl. Wenn einmal eine wirkliche Arbeit zu leisten sein werde, werde er gewiss dem Rufe folgen, jetzt aber bitte er, ihn in Disponiblität zu stellen und seinen Platz für jüngere Kräfte frei zu machen. Viceprädent D r. Engel richtet trotz dieser Erklärung an bie. Versammlung die Aufforderung, Herrn kais. Rath Ruzicka einstimmig iu den Vorstand wieder zu wählen. Behufs Vornahme der Wahlen, die durch Abgabe von Stimmzetteln erfolgt, werden zu Scrntatoren die Herren: *8. Gollerstepper, S. Lemberger, I. Klein und C. Reiß designirt, Während des Scrutiniums hielt Herr Schriftsteller Adolph Gelber seinen Vortrag über „Emil Zola", in welchem der Vortragende unter Hinweis aus die Entwicklung der französischen Geschichte seit der großen Revolution alle Umstände zusammensassle, die Emil Zola geradezu prädestinirt erscheinen ließen als rettenden Engel der tief gesunkenen französischen Nation im Namen der Wahrheit und Gerechtigkeit in der Dreyfuß Affaire aufzutreten.j Reicher und enthusiastischer Beifall wurde dem Vortragenden am Ende seiner geistvollen Ausführungen zu Theil. Hierauf wurde das Wahlergebnis bekannt gegeben. Abgegeben wurden 49 Stimmen, die absolute Majorität beträgt 25 Stimmen. Als gewählt erscheinen Architekt Fleischer mit 48 Stimmen, Albert Janowitzer mit 49 Stimmen, kais. Rath Adolf Ruzicka mit 46 Stimmen. Auf Herrn Wilhelm Bachrach entfielen 21 Stimmen, auf Herrn Hermann König 22 Stimmen, wodurch eine engere Wahl zwischen beiden Herren nothwendig erscheint. Dieselbe wird sofort vorgenommen und bei diesem Wahlgange Herr Hermann König in den Vorstand gewählt. Herr Hermann König erklärt die Wahl anzunehmen und all seine Kräfte dem Wohle des Tempelvereines zu widmen. Hierauf wird die Generalversammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Nach derselben fand ein gemeinschaftliches Abendmahl der Mitglieder in der Koscher-Restauration Schlesinger in oer Schmalzhofgasfe statt, das in höchst animirter Stimmung verlief und erst nach Mitternacht endete. Wir können den Bericht nicht schließen, ohne des Vereinssecretärs, Herrn Bondy, zu gedenken, dessen ausgezeichnetes Wirken bei allen Vereinsmitgliedern unumschränkte Anerkennung findet. Gemeinde- und Vereinsbote. Wien (Öffentliche Plenarsitzung des Cultusvorstandes.) Dienstag den 6. Januar 1903, halb 11 Uhr vormittags findet im Sitzungssaale der Cultusgemeinde, 1., Seitenstettengaffe 4, 1. Stock, eine öffentliche Sitzung des Cultusvorstandes mit folgender Tagesordnung statt: 1. Constituirung des Vorstandes. 2. Anstellung weiblicher Lehrkräfte für den Religionsunterricht (Referent Dr. Gustav Kohn). 3. Bericht über die Josefine Königswarter'sche Kinderspital-StiftungKReferent Baurath W. Stiaßny. 4. Aufsicht über verlaffene Kinder (Referent Dr. Maximilian Steiner). Wien? (Oesterreichisch-israelitische Union). Montag, den 5. Januar 1903, Abends % 8 Uhr findet im Restaurant Guth, II., Stefaniestraße 14, eine außerordentliche Generalversammlung der- „Oesterreichischen Israelitischen Union" zum Zwecke der Abänderung einiger Paragraphe der Statuten statt. An die Generalversammlung schließt sich eine Vereinsversammlung mit freier Discuffion über actuelle jüdische Fragen an. Angesichts der Wichtigkeit dieser Versammlung werden die p. t. Mitglieder um zahlreiches Erscheinen ersucht. Wien. Herr Rabbiner.Dr. Armand Kaminka hält Freitag den 2. Jänner 1903 bei dem Abendgottesdienste, der um 4 Uhr 30 Minuten beginnt, im Leopoldstädter-Tempel, Tempelgasse, die Predigt, und am Samstag, den 3. Jänner 1903 bei dem um 3 Uhr stattstndenden Jugendgottesdienste im Stadttempel, I., Seitenstettengasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. Nächste Woche hält Herr Rabbiner Dr. Mar Grunwald aus Hamburg im Leopoldstädter Teinpel am Freitag den 9. Jänner beim Abend - gottesdienste, der um 4 Uhr 30 Min. beginnt die Predigt, und Samstag den 10. Jänner im Stadttempel bei dem um 3 Uhr stattstndenden Gottesdienste für Mittelschüler die Exhorte. Wien. Montag, den 29. Dezember 7 Uhr Abends fand im Ceremoniensaale des Tempels IX. Müllnergasse 21 die 36. ordentliche Geneversammlung des israel. Bethausvereines „Chewra-Beth Hatfillah" im IX. Bezirke statt. Ausführlicher Bericht folgt in nächster Nummer. Wien. Herr Cultusvorsteher Salo Cohn beging am 18. Dezember in aller Stille seinen 60. Geburtstag und benützte in seiner bekannten Hochherzigkeit diesen Anlass zu namhaften Spenden für diverse wohlthätige Zwecke. Wie». Donnerstag den 1. Jänner, 5 Uhr Nachmittags fand im Tempel der türkischen Gemeinde ein Requiem für den jüngst verstorbenen Generalconsul, Herrn Josef Thalberg statt. ZSien. („Synagogon-Berein Beth-Jsrael.") Wie alljährlich, hat auch in diesem Jahre der Vorstand in Ausführung des zur Erinnerung an das 50 jährige Regierungs-Jubiläum unseres geliebten Kaisers, am 2. December 1898 gefassten Beschlußes, einem würdigen Mädchen einen! Ausstattungsbeitrag von K, 400. verliehen. Die Trauung fand am 14. December 1902 in der festlich beleuchteten Vereinsshnagoge in Anwesenheit des gesammten Vereins-Vorstandes und zahlreicher Verwandten und Freunde des Brautpaares statt. Herr Vereins-Rabbiner Mayersohn hielt eine dem feierlichen Anlässe angepasste schöne Ansprache an das Brautpaar; die cantoralen Functionen wurden, unter Mitwirkung des gesammten Chorpersonales, in gewohnter vorzüglicher Weise vom Obercantor Herrn Schorr ausgesührt. Wien. (Chanukasest im Mädchenwaisenhause in Döbling.) Unter großer Betheiligung auch fernstehender Kreise fand Sonntag den 28. Dezember, Abends 4 Uhr, das übliche Fest des Lichteranzündens statt. Der feierliche Akt begann mit dem Vortrage der Segenssprüche und dem hierauf folgenden Anzünden der Festlichter, woraus die Anstaltszöglinge die Chanukahymne im Chore vortrugen. Herr Dr. Kaminka richtete sodann an die Zöglinge eine überaus sympathische Ansprache in deren Verlaufe er der in diesem Jahre Heimgegangenen Vorstandsdame, der Frau Sophie von Gutmann rühmend gedachte und den Anstaltszöglingen warm ans Herz legte, die Dankbarkeit auch dann nicht schwinden zu lassen, wenn sie aus der Anstalt ins Leben treten. Nach dem Vortrage eines vierhändigen Klavierstückes unter Leitung der fleißigen Lehrerin Frl. Scherf, sangen die Kinder einen von Obercantor Singer, dem langjährigen Gesangslehrer der Anstalt, für die Feier in Musik gesetzten Chor vom Componisten selbst am Klaviere begleitet, sichtlich tiefen Eindruck machte. Auch die Declamationen und Gesammtvorsührungen der Zöglinge, wie nicht minder ein von der Schülerin Adele Breier überaus trefflich vorgetragenes Liedchen „Chanukanacht ist da", Composition von Obercantor Singer, fanden vielen Beifall. Hierauf wurden von den Vorstandsdamen an die Zöglinge mannigfache praktische Geschenke vertheilt, welch schöner Akt die jugendlichen Herzen sichtlich erfreute. Bon den Vorstandsoamen, von denen einige leider am Erscheinen verhindert waren, waren anwesend: Frau Hofräthin von Pfeiffer, Frau Stefanie Weiß von Wellenstein, Frau Schiff-Reizes, Frau von Thorsch, Frau Baurath Zifferer, Frau Dr. Roth; ferner Herr Dr. Arthur Kuranda, Herr Dr. Herzka, Herr Dr. Roth, Herr Obercantor Kläger, Herr Director Fischer, Herr Schuldirector Mauthner, Herr Director Urbach, Herr Dr. Kohn, Herr Dr. Singer rc. Der Eindruck des Festes» die jugendfrischen Gesichter und die Nettigkeit der Zöglinge, die rationelle Führung der Anstalt, die sich allenthalben äußerte, wirkten überaus freundlich und verschafften allen Anwesenden die Gewähr, dass diese trefflich geleitete Erziehungsanstalt eine Stätte des Segens und Heiles sei. und auch wir schließen uns dem allgemeinen Wunsche an, dieselbe möge auch fernerhin segensreich wirken zum Heile der ihr anvertrauten Zöglinge. L.

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