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Die Wahrheit · 1903-01-02 · Heft 1 (2.1.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 1 (2.1.1903)
Date
1903-01-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Deite 8 Die Wahrheit. Nr. I Werth der Zinsen des Stiftnngskapilals im Mürz 1603 zum erstenmale zur Vertheilung gelangt. Die wesentlichste Bestimmung des Stiftungsbrieses ist die, dass diese Stiftung verarmten jüdischen Gewerbetreibenden oder Geschäftsleuten der Bezirke Mariahilf und Neubau zu Gute kommen soll, wobei ehemalige Mitglieder des Te iipelvereiues oder deren Angehörige oder Angehörige von Vereinsfunktionären den Vorzug genießen sollen. Der Bericht gedenkt dann der Ernennttttg des Vorstands- Collegen Herrn Josef Tofler, zum kais. Rathe und der verehrten ^»llegen, Herrn Albert Janowitzer und Max Eisenberger zu k. k. Eommercialräthen, des 70. Geburtstages des hochverehrten Präsidenten, Herrn kais. Rath Heinrich Klinger, des Ablebens des ausgezeichneten Rabbiners Dr. Jonatan Wolf, des Hinscheidens der getreuen Lebensgefährtin des Obercantors Düumann. des goldenen Hochzeitsfestes des Vereinsmitgliedes Josef I. Hok, das derselbe am 6. December d. I. mit feiner hochverehrteil Gattin feierte, und theilt dann mit, dass der Vorstand das erprobte vielfach bewährte und die Vereininteressen stets in miurficeiiter Weise fördernde Mitglied des Vereines, Herrn Salo Cohn, auch durch eine Reihe der von Zähren die Cultnsgemeinde in den Generalversammlungen vertreten hat, am 18. d. M., anläßlich seines 60. Geburtstages durch Uebermittlung einer kalligrafischen Adresse geehrt hat. — Gott erhalte ihn lloch lange Jahre, in ungetrübtem Wohlbefinden zu Nutz und Frommen der Gemeinde und unseres Vereines ' Auch dieses Mal werden wir nach Schluss der- Tagung unserer Generalversammlung mit einem interessanten Vortrage des Schriftstellers Herrn Adolf Gelber schließen, sowie an die Generalversammlung ein geselliges Mahl anreihen, zu welchem wir die verehrten Damen der Mitglieder geladen haben. Es soll dies, ich möchte sagen, das sreundschastliche, familiäre'Verhältnis ausdrücken, welches zwischen den Vereinsmitgliedern und dem Vorstände befiehl, sowie die Uebereiustiminung der Mitglieder mit ihrem gewählten Vorstande dokumentiren, was gewiss dem Verein nur zum Heile und Gedeihen gereichen kam:. Geehrte Versammlung! Wir legen den größten Werth darauf, dass der Verein im beständigen Einvernehmen mit der Gemeinde-Vertretung sich bethätige, wogegen diese ein Interesse für das Gedeihen des Bereutes zeige. Die Vereine können nur im Wohlwollen des Gemeinde Vorstandes Förderung und Vorwärtsschreiten finden, urid die Gemeinde rviedernm findet Unterstützung bei Erfüllung ihrer statutarischen Ausgabe durch gesunde und lebensfähige Cultns- Vereine, so lange sie nicht ans eigener Kraft allen Bedürfnißen des Cultus gerecht werden kann. Wir wollen auch ferner die schwere Ausgabe ans uns nehmen, in der sicheren Erwartung dass dies an maßgebender Stelle gcsäötzt^ und gewürdigt ntid wie bisher anerkannt wird." Herr G o ll en st ep p e r erinnert daran, dass der Verein „Tefillath lianorim“ für den Gottesdienst an den hohe» Feiertagen 20 Sitze für die Jugend zur Verfügung gestellt habe, und wünscht diese Thatsache in den Bericht anfgenornmen. Nachdem der Vorsitzende dies zngefagt, wird der Bericht einstimmig zur Kenntnis genommen. Cassaverwalter Herr kan. Rath Friedrich Pollak legt hieraus den Rrchnungsabschluss und die Bilanz pro 1902 vor und constatiit durch Verlesung der Einnahms- und Ausgabs- Posten und Vergleichung derselben mit der -vorjährigen Bilanz ein günstiges Ergebnis. Der Vorstarld war in der Lage, mit Ausnahme zweier Posten, die einen größeren Aufwand als im Vorfahre erforderten, in allen übrigen Ausgabsposten Ersparüügen zit erzielen, und diesem Umstande, sowie dem größeren Eingang an Sristungsspenden fei es zu danken, dass die heurige Bilanz mit einem Üeberschusse von ungefähr 8000 Kronen abfchlkeße, der zu Abschreibungen an früherbelasteten Contis vergeudet wurde. Redner schließt seine Ausführungen mit einem üimientlich au die in der Generalversammlung nicht anwesenden Mitglieder gerichteten Appell, nicht nur bei traurigen Gelegenheiren, die zumeist zu Stiftungsfpenden Anlass geben, sondern auch bei Freudenfesten ihre Opferwilligkeit zu bekunden, und bittet den Cassabericht genehmigend zur Kenntnis zu nehmen. Herr Ignaz Reschofsky erstattet den Bericht der Revisoren, und über Antrag derselben wird dem Vorstande einstimmig das Abfolutorium ertheilt. Hierauf erfolgt per Acclamation die Wiederwahl der bisherigen Revisoren und wirauch pro 1903 der bisherige Jahresbeitrag der Mitglieder festgesetzt. Präsident Architekt Fleischer dankt hierauf allen Mitgliedern des Vorstandes, die ihn in der Führung und Leitung der Vereinsgeschäfte mit so viel Umsicht und Liebe unterstützten. Er wisse am besten den Werth der geleisteten Arbeit zu schätzen und sage ihnen darum aufrichtigen, herzlichen Dank. Kais. Rath Friedrich Pollak dankt es einem intereffauten Zufalle, heute den Vorsitzenden in einer doppelten Eigenschaft, als Präsidenten und Vertreter des Cultusvorstandes begrüßen zu können. Vor Kurzem sei derselbe neuerdings in den Cultnsvorstand gewählt worden, und der glänzende Erfolg, den die Neuwahlen ergaben, sei gewiss auch dem Umstande zu verdanken, dass Architekt Fleischer, der sich der Hochachtung und Liebe der gefamnuen Judenschast Wiens erfreut, ans der Candidalenliste stand. Der Cultnsvorstand hätte dem Vereine keine größere Auszeichnung erweisen können, als dass er den Präsidenten mit seiner Vertretung in der Generalversammlung betraute. Wenn der Vorsitzende den Vorstandsinügliedern für ihre Mitwirkung dankte, sei er in der glücklichen Lage, namens derselben diesen Dank llsach znrückzugeben, denn alle 11 zusammen, haben nicht so viel geleistet, wie der Präsident. Redner fordert die Generalversammlung aus, die Verdienste desselben durch Erheben von den Sitzen zu ehren, was mit lebhafter Zustimmung geschieht. Vor Uebergang znm 6. Punkte der Tagesordnung „Wahlen in den Vorstand" übergibt Architekt Fleischer, der sich ebenfalls unter den auslretenden Vorstandsmitgliedern befindet, den Vorsitz an den Vicepräsidenten des Vereines, -Herrn Dr. Jacob Engel. Dr. Engel hält es bei Uebernahine des Vorsitzes für nothwendig zur Charakterisirnng der großen Bescheidenheit des Präsidenten denselben einer kleinen Escamotage zu beschuldigen, die er bei Verlesung des Schreibens des Herrn Cnltusvorstehers Salo Cohn begangen hat. Er habe nämlich jenen Passus weggelassen, in welchem Herr Salo Cohn dem Präsidenten versichert, dass er ihn als Menschen und Künstler hochschätzt. Dies glaubt der Redner zur Steuer der Wahrheit der Versammlung mittheilen zu müssen. Weiters bringt er ein Schreiben des bisherigen Vorstehers, Herrn Wilhelm Bachrach, zur Verlesung, welcher seine Abwesenheit in der Generalversammlung entschuldigt und sich neuerdings um ein Mandat bewirbt. Architekt Fleischer glaubt einer langen Rede bei der Neubewerbung um ein Mandat in den Vorstand sich entheben zu dürfen. Nach einem kurzen Rückblick auf die Vergangenheit des Vereines, der. seinen schönsten künstlerischen Traum, den Aufbau eines Gotteshauses, verwirklicht habe, versichert er, dass es ihm innigste Befriedigung gewähre, an der Entwickelung und dem Gedeihen des Tempelvereines theilzunehmen, und so lange ihm Gott die Kraft verleihe und die Mitglieder ihn des Vertrauens würdig errachten, wolle er sich in den Dienst derselben Stellen. Darum werde er auch gerne wieder ein Mandat annehmen. (Allgemeiner Beifall.) Herr Albert I a no w i tz er erklärt: Mit Wärme und Energie für die Ehre des Jndenthumes und der Stadt einzutreten und für die Ausgestaltung des Gottesdienstes im Sinne des gegenwärtigen Zeitalters in zielbewusster Weife thätig zu fein, das sei das Programm, das er von seinem Vater übernommen habe und dieses Banner wolle er jederzeit Hochhalten. Wenn die Vereinsmilgljeder mit diesem Programme einverstanden sind, dann bitte er dieselben, ihm ihre Stimmen zu geben. (Beifall.) Vikepräsident Dr. Engel theilt mit, dass Herr kais. Rath Ruricka m einem an me Generawerjämmlung gerich^en

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