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Die Wahrheit · 1903-01-02 · Heft 1 (2.1.1903) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 1 (2.1.1903)
Date
1903-01-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 Die Wahrheit Seite 7 bisher gewöhnlich als Vertreter der Cultusgemeinde an der Versammlung theiluahm, den Vereinspräsideuten als Cultnsvorsteher mit seiner Vertretung betraute und nicht einen speziellen Vertreter entsandte. Diesem Mißmuthe, welchen wir vollkommen gerechtfertigt finden, gab auch der Vicepräsident des Vereines, Herr Dr. Jacob Engel, bei dem der Generalversammlung folgenden, gemeinschaftlichen Abendmahle unter lebhafter Zustimmung der Tafelrunde offenen Ausdruck. Einen besonderen Anziehungspunkt für den Besuch der Versammlung bot der Vereinsvorftand auch Heuer durch den Vortrag des Schriftstellers Adolf Gelber, der in seiner bekannten geistvollen Weise über »Emil Zola" sprach. Im Nachstehenden der ausführliche Bericht: Präsident Fleischer begrüßt nach Constatirung der Beschlussfähigkeit der Generalversammlung die zahlreich erschienenen Mitglieder und unter den anwesenden Gästen besonders Herrn Rabbiner Dr. Taglicht, den Schriftsteller- Adolf Gelber, die Vertreter der jüdischen Presse Dr. Bloch (,,Oesterr. Wochenschrift"), Dr. Löwy („Die Wahrheit"), die Vertreter des Vereines „Naohlatk Jeschurun“ und Obercantor Dünmann. Der Schriftführer, Herr Hermann L i e b e r in a n n. vei liest sodann das Proiocoll der vorjährigen Generalversammlung, das zur Kenntnis genommen und von zwei Vereins- Mitgliedern verisizirt wird. Der Vorsitzende bringt ein schreiben des Vereinsmitgliedes und Cultnsvorstehers, Herrn Salo Cohn, zur Kenntnis, in welchem derselbe seinem Bedauern Ausdruck leiht, dass er durch eine Reise nach Berlin verhindert sei, diesmal an der Generalversammlung als Vertreter des Cultusvorstandes lheilzunehmen, und dem Vereinsvorstande und ben Mitgliedern herzliche Grüße entbietet. Hieran knüpft der Vorsitzende die Mittheilung, dass er selbst, als Cultusvorsteher, vom Cultusvorstanve mit dessen Vertretung in der Versammlung betraut worden sei. Hierauf erstattet der Präsident nachfolgenden Jahresbericht : „Geehrte Versammlung! Wir stehen wieder am Abschlüsse eines Vereinsjahres, des sechsnndzwanzigsten in der Reihenfolge seit Beginn unseres Vereines, und beehre ich mich. Ihnen namens des Vorstandes über unsere Thäligkeit, sowie die wichtigsten Vorkommniße in diesem Jahre zu berichten. Was den Stand der Mitglieder betrifft, so traten wir mit 252 in das neue Vereinsjahr. Im. Laufe dieses Jahres sind ausgeschieden ans verschiedenen Gründen: 11 Mitglieder ausgetreten, bezw. ans der Mitgliederliste gestrichen worden, 5 sind leider mit Tod abgegangen, hingegen find 14 neue beigetreten, so dass wir fast mit der gleichen Mitglieder-Auzahl wie im Vorjahre abschließen. Von den 261 Mitglieder zahlten: 1 Mitglied 50 K., 2 Mitglieder 40 K., 5 Mitglieder 30 K., 3 Mitglieder 24 K., 54 Mitglieder 20 K., 6 Mitglieder 16 K., 1 Mitglied 15 K. und 189 Mitglieder 12 K. Was unsere Thäligkeit betrifft, haben wir in 9 Plenar- Sitznngen und einer Anzahl Sections- und Comile-Berathungen die laufenden Geschäfte erledigt. Unser Exhibiten-Protokoll we'st im abgelausenen Jahre die Erledigung von 510 Geschäftsstücken aus. Größere einschneidende Aufgaben haben den Verein im veiflossenen Jahre nicht beschäftigt. — In unseren gottesdienstlichen Einrichtungen, die nach wie vor die vollste Zufriedenheit nuferer P. T. Mitglieder finden, hatten wir keine Ursache, eine Aeltdernng eiiiti-eten zu lassen, und erfreut sich der Tempel namentlich an jenen Freitagabenden, wo Exhorten abgehalten werden, eines sehr starken Besuches. Desgleichen hat der Chanuka-Festgottesdienst sich als eine von unseren Besuchern warm begrüßte Einrichtung eingelebt, an der auch unsere Jugend im ausgiebigen Maße theilnimmt. Die alljährlich stättfinbende Mädchen-Confirmation, bei der diesmal 26 Mädchen confirmirt wurden, fand in gewohnt feierlicher Weise am 11. Mai statt; dieselbe war vom Publikum so massenhaft besucht, dass wir für das nächste Jahr aus Sicherheitsgründen eine Beschränkung der Besucherzahl nach Maßgabe des Fassungsraumes unseres Gottteshanses werden vornehmen mäßen. Diese starke Theilnahme zeigt in rühmenswerther Weise von dem in die weitesten Kreise dringenden Interesse an diesem weihevollen Religions Acte, mu dessen würdige Gestaltung sich unser werther Rabbiner, Herr Dr. Taglicht, ein bleibendes Verdienst erworben hat, und dessen musikalischen Theil unser sehr geschätzter Herr Obercantor Dünmann in bewährt künstlerischer Weise bestritten hat. Die hellrige Betsitz-Verlniethnug ergab, wie das Ja nicht anders zu erwarten, ein sehr gutes Resultat. Sowie seit einer Reihe von Jahren, hat sich noch mehr in diesem der Uebelstand empfindlich fühlbar gemacht, dass die Zahl der verfügbaren Sitzplätze für Frauen in unserem Tempel nicht mehr dem Be! darfe entspricht. Wir mussten schweren Herzens eine große i Anzahl von Andächtigen, die sich um Sitze bewarben, abschlägig! bescheiden, da tvir nicht einmal alle Wünsche unserer Mitglieder, j denen statutenmäßig ein Vorrecht bei der Betfitzvermiethung! eingeränmt ist, befriedigen konnten. Es tritt "diesmal an Ihren! Vorstand die Rothwendigkeit heran, in dieser Beziehung Wandel! zu schaffen, beziehungsweise die Vergrößerung des Tempels in! Betracht zu ziehen. Wir verhehlen uns nicht, dass wir mit der! Aufrollung dieser Frage ein hartes, schwieriges Stück Arbeit j uns anfbürden und an eine verantwortungsvolle Aufgabe herantreten. Im Vertrauen auf Ihre opferwillige Mitwirkung wollen! wir die Angelegenheit doch in die Hand nehmen, selbstverftänd-! mit aller Vorsicht und Ueberzeugung, damit, uns keinerlei Ver-; legenheic daraus erwachse. Um nur einigermaßen den dringendsten Bedürfnißen abzuhelfett, errichteten wir auf Wunsch und unter Mithilfe der j löblichen israelitischen Cultusgemeinde in dem Festsaale des j nieder-österreichischen Architekten-Vereines an den hohen Feier-; tagen eine Bethausfiliale, die uns nicht nur ein znsriedenstellcn- , des finanzielles Ergebnis brachte, sondern, wie von verschiedenen . Seiten bekundet wurde, in durchaus würdiger, andachtsvoller j Weise verlief. Hiedurch wurde einer Anzahl von Mitgliedern . die Möglichkeit geboten, ihr Religionsbedürfnis in einem der! Würde des Gottesdienstes entsprechenden Raume zu befriedigen,; aber auch ein Akt der Humanität wurde geübt, indem 80 Sitz-; vlätze der Cultusgemeinde zur Vertheilung an Bedürftige unserer! Bezirke zur Verfügung standen. Auch sollst wurde für minder l bemittelte Glanbensgenossen unserer Bezirke nach Möglichkeit; vorgesorgt, indem das unter nuferer Patronanz stehende Bet-! Hans des Religionslehrers Stein in der Gumpeudorferftraße j Sitze zu billigen Preisen abgab und weiters 20 Freiplätze dai selbst vertheilt wurden. Au Stiftuugsspeuden sind uns zugekommeu: von den i Herren Brüder Böhm eine Jahrzeit-Stiftung für Herrn Bernhard Böhm im Betrage von 1000 K., und eine solche im gleichen Betrage für Herrn Raftali Böhm; Frau Henriette; Großmann erlegte für eine Maskirstiftung für ihren seligen j Gatten, Herrn Maximilian Großmann den Betrag von 2000 K.;! Herr Hermann König eine Jahrzeit-Stiftung für seinen seligen' i Vater im Betrage von 1200 K. (Nominale österr. Noteu-Rente); j Frau Frieda Strauß für die Eintragung des Namens ihres seligen Gattens, unseres unvergesslichen Collegeu Jakob Strauss j auf der Stiftertafel im Vorranm des Tempels 600 K.; Herr kaiserl. Rath Tosier spendete anläßlich des Ablebens seiner Mutter 400 K., Herr Bernhard Fried widmete uns einen Eigentumssitz im Warthe von 800 K.; Herr Wilhelm Ungar und Herr Benno Jvllas sammt Frau Gemahlin spendeten je ein seidenes, goldgesticktes Thora - Mäntelchen; Frau Sophie Heim 'eine Anzahl von Laufteppichen. Allen jenen edelmüthigen Gönnern und Freunden un eres Tempels, die ihren frommen Sinn und ihre Pietät in so mnnisicenter Weise bethärigten, sei hiemit unser verbindlichster Dank zum Ausdruck gebracht. Wir können Ihnen auch die Mittheilung machell, dass die von Ihnen ins Leben gerufene Max Fleischer'sche Wohlthätig- Stiftung. nachdem der Stiftsbrief von der hohen k. k. n.-ö. Slatthalterei genehmigt wurde, activirt worden ist, und der

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