Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 1 (2.1.1903)
- Date
- 1903-01-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 1 kolsgischeu Kranken-Abtheilung vorgegangen werde, wird zu- Kcnntnis genommen. Im Präsidial-Berichte gibt der Präsident bekannt, dass Hsr Zstdor Gewitsch welcher die Resignation auf sein Mandat äls Cultusvoifteher angezeigt hat, von diesem Entschluffe trotz rrudringlicher Vorstellung abzugehen sich nicht bewegen lieg; es erübrige somit nur, diese Mandats-Niederlegung mit Bedauern zur Kenntnis zu nehmen und Herrn Gewitsch für seine durch zwei Jahre dem Vorstande gewidmete Thätigkeit den Dank auszusprechcn. (Zustimmung.) Unter einem wird beschloffen, von einer Ersatzwahl derzeit abzuseheu und das durch diesen Rücktritt erledigte Mandat in Verbindung mit den nächstvolgenden Neuwahlen in den Cultusvorstand zur Besetzung zu bringen. Nachdem der Vorsitzende der Versammlung einen eingehenden Bericht über die finanzielle Gebahrung des ablaufenden Jcchres, auch im Vergleiche mit der des Vorjahres, erstattet hat, gibt er bekannt, dass in der am 6. Jänner 1903 stattsiudendeu öffentlichen Plenarversammlung die Neuconstituirung des Vorstandes auf Grund der Ergebniße der jüngst stattgefmidenen Wahlen erfolgen werde. In Spitals-Angelegenheiten wird gemäß dem Anträge des Vertreter-Collegiums beschloffen, die Stelle des Hilfsarztes au der medicinischen Abtheilung des israelitischen Spitales, dessen Functionen bisher von den Stipendisten des für das Spital begründeten Moritz Freiherr von Königswarter'schen Stipendiums versehen wurden, im Sinne der Bestimmungen des neuen Spitals-Statutes, gesondert von der Stelle des Stipendisten, zur Verleihung zu bringen. Ueber das Ansuchen des Primararztes der chirurgischen Abtheilnng des israelitischen Spitals, Herrn Universitäts- Docentm Dr. Otto Zuckerkandl, um Gestattung, im Gemeinde- Spitale klinische Vortrags-Curse für Aerzte abhalten zu dürfen, entwickelt sich eine eingehende Debatte, an welcher sich betheiligen die Herren: Vertreter Dr. Maximilian Steiner, die Cultusvorsteher Dr. "Josef Breuer, Dr. Markus Spitzer, Hermann Ellbogen, Dr. Alfred Berger, Salomon Rosner, kaiserl. Rath Wilhelm Pollak, kaiserl. Rath Jonas Weil, Obmann der Spitals-Commission Wilhelm Kuffner, Vice-Präsident Dr. Gustav Kohn und Vertreter Theodor Ritter v. Taussig. Insbesondere legt der vom Präsidenten zur Versammlung geladene Spitals-Director, Herr k. k. Regierungsrath Professor Dr. Oser, in eingehender Weise den wissenschaftlichen Werth der in Rede stehenden Curse dar und betont mit Hinweis auf den Umstand, wie sehr es für junge jüdische Aerzte wünschens- Werth erscheine, an solchen belehrenden Vorträgen theilzunehmen, dass hjHurch die Bedeutung des Gemeinde-Spitates eine wesentliche Förderung erfahre. Entsprechend den Anträgen des Vertreter-Collegiums wird das Ansuchen des Primararztes Dr. Zuckerkandl bis auf Wider- - ruf und unter Statuirung bestimmter Cautelen bewilligt und hiebei in Zustimmung zu dem von Herrn Vertreter Theodor Ritter von Tauffig gestellten Zusatzantrage beschlossen, dass über die Freqeueuz dieser Curse dem Vorstande alljährlich zu berichten sei. Den Anträgen des Curatoriums der M. L. Biederwaun'schen Waisenstistung, wonach aus den Stiftungserträgnißen die Stipendisten im Jahre 1903 mit dem Gesammtbetrage von K. 6200 betheilt werden sollen, wird die Zustimmung ertheilt, und ist die diesfalls erforderliche stiftungsbehördliche Genchmigung der k. k. n.-ö. Statthalterei einzuholen. Ueber Referat und Antrag des Herrn Cultusvorstehers Dr. Alfred Berger wird dem Vereine «^äass Israel" eine Erhöhung des demselben zugewiesenen Schächtgebühren-Pauschales vorläufiig aus die Dauer von drei Monaten für den Fall bewilligt, dass die Zahl der Schächter von drei auf vier erhöht werde, und dieselben auch die Schechita für die zu errichtende Fleischbank des „Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judenthums" besorgen. Ueber den von Herrn Vice-Präsidenten Landesschulrath Dr. Gustav Kohn namens der Schul-Comissiou und des Vertreter-Collegiums gestellten Antrag wird die, infolge des strengen Winter dieses Jahres und der hiedurch vermehrten Noth, mit dem Betrage von X 3000 sich ergebende Überschreitung der für Beschuhung und Dekleidnng armer Schulkinder präliminirten Budget-Post nachträglich genehmigt. Ebenso wird über Referat und Antrag des Herrn Vertreters Dr. Felix Katzau der israelitischen Armenanftcrlt zu der für das Jahr 1902 budgetirten Dotation behufs theilweiser Deckung des voraussichtlichen Fehlbetrages der Gebahrung dieses Jahres ein außerordentlicher Beitrag von K 6000 bewilligt. Herr Vertreter k k. Baurath Theodor Ritter von Gdldschmidt erstattet namens des Vertreter-Collegiums das Referat über periodische Unterstützungen im Jahre 1903. Hienach sollen 297 Petenten, zumeist bejahrte, durch Alter oder Kränklichkeit erwerbsunfähige Personen, mit Monats- oder Quartals-Gaben im Gesammtbetrage von rund K 44.700.— betheilt werden. Die diesfälligen Anträge werden angenommen. Nach Erledigung von Personalien schließt der Präsident die Sitzung als letzte in diesem Verwaltungsjahre mit einer Ansprache, indem er unter Hinweis auf den anlässlich der Wahlen kürzlich erschienenen Thätigkeits-Bericht einen Rückblick auf die Wirksamkeit des Vorstandes für nicht erforderlich erachtet, jedoch erklärt, nicht umhin zu können, den beiden von ihm besonders hochgeschätzten Herren Vicepräsidenten und den Herren Vertretern für ihre wahrhaft aufopfernd zu nennende Thätigkeit, sowie dem gesammten Cnllusvorstande den wärmsten Dank auszusprechen; ebenso gebühre dem wackeren Beamtenkörper, an dessen Spitze Herrn I. Secretär kaiserl. Rath Dr. Lieben, die vollste Anerkennung und halte er sich der Zustimmung des Vorstandes gewiss, indem er dieses hiemit zum Ansdrucke bringe; er erachte es schließlich für seine Pflicht, der Thätigketr der jüdischen Presse in anerkennender Weise zu gedenken. ' Herr Vertreter Theodor R. v. Taussig richtet namens des Vorstandes, in Erwiderung dieser Ansprache, unter lebhaftem Beifalle der Versammlung Dankesworte an den Präsidenten und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass derselbe seine hervorragende Wirksamkeit fernerhin noch lange Jahre dem Wohle der Gemeinde widmen werde. Schluss der Sitzung: 2 Uhr Nachmittags. Tempel-Verein für den 6. und 7. Gewirk in Wien. We: jemals Gelegenheit hatte, den Generalversammlungen des „Israel. Tempel-Vereines für die beiden Gemeindebezirke Mariahils und Neubau in Wien" beizuwohnen, dem muß es ausrichtige Freude bereiten, dort Kenntnis zu nehmen von der hervorragenden Bethätiguug jüdischen Gemeinsinnes, die diesen Verein von Jahr zu Jahr in der Entwicklung seiner Institutionen vorwärts führt. Es bietet sich auch da ein herzerquickendes Bild einer fast rührenden Anhänglichkeit, mit welcher Vorstand und Mitglieder sich um ihren allverehrten Präsidenten, Herrn Architekten Max Fleischer, schaaren. Freilich besitzen sie in diesem ebenso bescheidenen als ausgezeichneten Menschen und Künstler einen seltenen Mann, zu dem nicht nur seine engeren Gemeindegenossen, sondern auch das gesammte Wiener Judenthum mit Stolz und Verehrung aufblicken Unter seinem Einflüsse verbinden sich Vereinsvorstand und Mitglieder zu einträchtigem Zusammeurvirken, Alle geben freudig und willig ihr Bestes, und so ist es auch zu erklären, dass der Mariahilfer Tempelverein immer so Hervorragendes in der Erfüllung seiner cultuellen Aufgaben leisten konnte, ohne jemals die materielle Unterstützung der Wiener Cultusgemeinde in Anspruch genommen zu haben. Schon in Anbetracht dieser letzteren Thatsache wurde es in der letzten Generalversammlung, die am 29. December 1902 im Hotel Savoy (Englischer Hof) stattsand, übel ausgenommen, dass der Cnltusvorstand an Stelle des derzeit von Wien abwesenden Cultusvorstehers, Herrn Salo Cohn, welcher