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Die Wahrheit · 1903-01-02 · Heft 1 (2.1.1903) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 1 (2.1.1903)
Date
1903-01-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. Nr. 1. Die Wahrheit. Armen und Dürftigen in möglichst schonungsvoller Weise zu verabfolgen, müssen, wie beider Privatwohlthätigkeit, bei den üblichen Vereinsbetheilungen Hunderte anwesend sein, damit dieselben Augenzeugen seien von der verdienstlichen Thätigkeit, die diese oder jene Körperschaft aus dem Gebiete der Humanität enifaliet. Ja, wenn es sich bei solchen öffentlichen Betheilungen um erwachsene Personen handeln würde, die in den meisten Fällen durch Noth und Mißgeschick längst ihr Schamgefühl eingebüßt haben und in der Freigebigkeit ihrer vom Glücke begünstigten Nebeumenschen ihr Heil und ihre Zuflucht suchen, dann wäre allerdings an der ungeeigneten Form weniger auszusetzen, da es aber in den vermeintlichen Fallen Kiuder, zarte Kinder sind, die beschenkt werdet», nun da muß doch füglich jeder, der für die Behandlung des jugendlichen Gemüthes einen Funken von I Verständnis hat, gegen die genannten Mißgriffe energisch! protestiren.! Sehen wir uns einmal den Modus, wie er von den s meisten Vereinen bei den üblichen Kinderbetheilungssesten geübt! wird, etwas näher au, und wir werden sicher die Ueberzeugung j gewinnen, dass derselbe weder den religiösen Normen noch dem j modernen Zeitgeiste entspricht. Nachdem die zur Bekleidung! ausersehenen Kleinen in dem von den Vereinsmitgliedern und j anderem schaulustigen Publikum dicht gefüllten Festsaale in! Reih' und Glied Posto gefasst haben, werden sie von den dazu : berufenen Comitsherren oder Comiledamen unter Namensauf' ruf mit den ihnen zngedachten Gaben betheilt, eine Prozedur, die in der Regel nicht glatt abläust und häufig von drastischen; Zwischenfällen begleitet ist. Hieraus werden die mit den Glücksgniern beladenen Knaben und Mädchen zu einer im Saale improvisirten Tribüne geleitet, um während der Feierlichkeit, die nun beginnt, gleichsam das corpus delicti zu bilden und; die verdienstlichen Erfolge zu documentiren, die der Verein in so hohem Maße mit der Betheilung erzielt hat. Erst nachdem die jugendliche Kinderschaar eine Weile lang in dieser Position verharrt, das Publikum an derselben seine Schaulust befriedigt und dies durch lebhaft geführte Conversationen zum Ausdruck gebracht hat, besteigt der Obmann des Vereines die Tribüne : und beginnt seine großangelegte Rede zu halten, die vornehmlich der Mühe und den Opfern gilt, die sich der Verein um das j Zustandekommen der Betheilung auferlegt hat, und mit Hinweis! auf die Schaar der Beschenkten den Betveis erbringen soll, j welch ersprießliche Thätigkeit der Verein auf dem Gebiete der! Humanität und Nächstenliebe entwickelte. Während dieser Rede j und der sich ihr anschließenden Ansprache seitens anderer j sogenannter Honorationen, die nicht selten das Zeitausmaß von i einer Stunde in Anspruch nehmen, müssen die kleinen Märtyrer j gleichsam wie Schauobjekle 'in ihrer Stellung ausharren und! sich der Augenweide des sie bemusternden und fixirendeu Publikums preis geben. Erst nachdem das letzte Wort der! ^Loblieder, mit denen sich die Redner gegenseitig emporgehoben,! verklungen, darf die Gruppe der Glücklichen, in deren Gefichtern ' die Freude über die überstandene Geduldprobe nur zu deutlich sich ausprägt, ihre Position und den Ort verlassen, woselbst sie die ersten Eindrücke menschlichen Fühlens und Empfindens empfangen so.llten. Wir sind weit entfernt, mit diesen Ausführungen der guten Sache, die ja in ihrem Kernpunkte ben guten Ruf unserer Glaubensgenossen als lb'ne rachamonim vollauf rechtfertigt, hindernd in den Weg treten zu wollen; was uns jedoch zur publizistischen Kritik herausfordert, das sind, wie eingangs erwähnt, die Begleiterscheinungen, mit denen man den festlichen Veranstaltungen ein feierliches Gepräge zu verleihen glaubt, in Wirklichkeit aber argen Mißbrauch treibt. „Aschre maskil el dal“ „Heil dem, der dem Armen mit Verständnis gibt", ruft der Psalmist in seiner großen Begeisterung für die Betätigung der Menschenliebe aus. Diesen Ausspruch haben die Weisen des Talmud (Trakt. Schekalim, Abschn. 5, Fol. 15) unter Anführung eines Beispiels, dahin commentirt: „se hamistakol bizdoko laassauao“ das ist jener Wohlthäter, der beim Ueberreichen der Gabe mit Rücksicht auf die Individualität des Empfängers die geeignete Form wählt, die aus das Schamgefühl nicht verletzend einwirkt. Wir zollen den Vereinen und Körperschaften, die dürftige Kinder beschenken, gewiss alle Achtung und Anerkennung, aber wenn sie diesen Act zu einem Feste erheben und die Herren dabei durchaus Gelegenheitsreden halten wollen, dann möge dies in Abwesenheit der beschenkten Kinder geschehen. Bei solchen Betheilungen, die nur mit Ausschluss der Oeffentlichkeit erfolgen sollten, ein paar einfache aber eindringliche Worte zu den Herzen der Kinder gesprochen. würde sicherlich ben erwünschten Eindruck auf die für Alles empfängliche Kindesseele machen, die Gefühle der Dankbarkeit und Erkenntlichkeit in ihr erwecken, und das Fest, falls ein solches dem Wohlthätigkeitsacte sich anschließen sollte, würde als intime Feier dem Zweck entsprechen, allseits Anerkennung finden, aneifernd und begeisternd wirken und den Impuls zur regen Nachahmung geben. Daniel S k u t e z k y, Wien. Äus der Wiener Cultusgemem-e. Aus der Plenarsitzung des Cultusvorstandes aut 26. December 1902, unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Kliuger. Beginn: 10*/a Uhr Vormittags. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Cullusvorsteher Salo Cohn, anlässlich eines Familienfestes, für nachstehende Vereine K. 12.000.—, und zwar für das Allgem. österr.-israel. Taubstummen-Institut K. 3000.—, für die Israel. Armenanstalt K. 1000.—, für die Israel. Allianz (für jüd. Auswanderer) K. 1000.—, für den Israel. Waisenverein K. 1000.—, für den Verein „Frauenhort" K. 1000.—, für den Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten K. 1000.—, für die Israelitische Volksküche K. 1000.—. für das Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort K. 400», für den Verein „Ferienheim" K. 400.—, für den Verein „Nächstenliebe" K. 400.—, für den Wohlthätigkeits -Verein für Hausarme K. 400.—, für die Versorgungsanstalt zur Chanukafeier K. 400.—, für den I. Brigittenauer Frauenwohlthätigkeits- Verein K. 200.—, für den Frauen-Wohlthätigkeitsverein im 8. Bezirk K. 200.—, für den Franen-Wohlthäligkeitsverein im 16. und 17. Bezirk K. 200.—, für den Israel. Humanitätsvereiu für die westlichen Bezirke K. 200.—, für die Hilfsaction für die armen Glaubensgenossen in Jerusalem K. 200.—; von Herrn Salo Cohn für die Israel. Armen- Anstalt, zur Anschaffung von Kohle und rur Vertheilung in besonders berückfichltgenswerthen Fällen ein weiterer Betrag von K. 1000.—; von Herrn Leopold Kann, als Legat für das Israel. Altersversorgungshans K. 4000.—. von Herrn Jose^ Broch, anlässlich der Confirmanon eines Sohnes, für Arme K. 200.—; von Herrn Alois Hofmaun, zum Ankäufe von Heizmateriale für arme jüdische Familien K. 50.—; von der Firma Peter Boschan & Söhne, anlässlich des Chanukafestes für die Israel. Keriorgungsanstalt, 60 Liter Wein; von Herrn Hugo Winter, für die Israel. Versorgungsanstalt 6 Flaschen Heidelbeer-Wein. Zur Verköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau wurde gespendet: Ergebnis einer von Herrn Dr. Alfred Berger veranstalteten Sammlung K. 205.—, Wilhelm Deutsch K. 30.—, Max Qnittuer K. 20 —, Philipp Goldmann K. 10.—, Heinrich Socholler K. 5.—, Sophie Propper K. 5—, A. G. K. 5.—, S. H. K. 4.—. Den Spendern wird der Dank votirt. Im Einlauf gelangt zur Verlesung eine Zuschrift des Herrn Hermann Weinberger, in welcher derselbe für seine Berufung in den Bethausvorstand für die Bezirke XII—XY den Dank ansspricht. Eine Mittheilung der Direction des israelitischen Spitales des Inhaltes, dass nach Fertigstellung aller den Betrieb des neuen Spitals-Tractes betreffenden Vorarbeiten nunmehr init der Belegung sämmtlich er Säle der chirurgischen und der gynär*

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