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Die Wahrheit · 1902-12-19 · Heft 48 (19.12.1902) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 48 (19.12.1902)
Date
1902-12-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 48. gezeichneten, auf das Wohl und Wehe dieses Vereines stets sehr bedachten Verwaltenden Vice-Vorsteher unserer Cultusgemeinde, Fabrikanten Herrn Jacob Deutsch, und des gewiffenhaften Cassiers, Herrn Julius Benedict, ist geradezu mustergiltig. Möge allen diesen Männern, dem verehrten Vorstande, ihrem trefflichen Führer an der Spitze, und allen Eultusmitgliedern, die für Gott, Religion, Gesetz und jüdische Satzungen mehr oder minder opfernd eintreten, der Allmacht Beistand und reichlicher Segen zuteil werden! Cantor M. Groß. ^rag. Der hiesige „Jüdische Gesang- und Musikvereinveranstaltete «un 6. d. M, im „Hotel Central" anlässlich seiner dritten Gründungsfeier ein Loncert, welches sehr gelungen ausfiel. Die Mitwirkenden waren: Frl. Ada Hauer (Gesang), Herr Franz Adler (Violinvirtuose), Herr Cantor Leo Mirsky (Gesang) und Frl. Zdenka Adler (Klavierbegleitung). Den Glanzpunkt bildete die Aufführung des Oratoriums „Zion" von Gade, welches der gut geschulte Chor, aus zahlreichen Herren und Damen bestehend, unter Leitung des Chormeisters und Opernsängers Herrn Richard Tauffig in würdiger Weise zur Geltung brachte. Das Baritonsolo sang Herr Cantor Mirsky und erzielte damit «ine tiefe Wirkung. Große Ovationen wurden dem verdienstvollen Regenschori des rührigen Vereines dargebracht. Audapest. Vor einigen Wochen hat der Verein „Tiksrst Bacburim“ seine ersprießliche Thätigkeit begonnen, welche den Zweck hat, stellensuchenden, jüdischen Gehilfen Posten zu verschaffen, die nicht mit der Entweihung des Sabbaths verbunden sind, ferner ihnen Gelegenheit zu bieten, sich die Kenntnis der jüdischen Lehre anzueignen. Zu diesem Behufe werden in den Räumen dieses Vereines allabendlich Cchiurim abgehalten, welche ausschließlich für die Mitglieder bestimmt sind. Zu den homiletischen Vorträgen, die daselbst Samstag Nachmittags abgehalten werden, ist auch Nichtmitgliedern der Eintritt gestastet. Am vergangenen Sabbath „karsobat Wajeze“ hat sich der Saal der hiesigen orthodoxen Chewra Kadischa, welcher vorläufig diesen noch heimlosen Verein beherbergt, znm ersten Male als viel zu klein erweisen, um all' die Gäste zu saffen, welche sich mit großen Anstrengungen hineindrängten, um dein diesmaligen Vortrage beiwohnen zu können. Wem es jedoch gelungen war, in diesem Gedränge einen Platz zu finden, auf welchem er ungestört den weisen Betrachtungen des Vortragenden folgen konnte, war es gewffs nicht leid, dass er sich deswegen so bemüht hat, weil er sich durch den geistigen Genuss, der ihm da zutheil ward, für seine Mühe reichlich entschädigt sah. Herr Salamon W. Adler, dies der Name des Vortragenden, ist ein vielseitig gebildeter, genialer Mensch, der vermöge seines immensen talmudischen Wiffens und seiner meisterhaften Rhetorik jeder größeren Kanzel zur Ehre gereichen könnte/ der aber infolge seiner allzugroßen Bescheidenheit es vorgezogen hat, kein Rabbiner zu werden. Um jedoch seinen Herzenspflichten, als Jude und Mensch, genügen zu können, hat dieser junge Gelehrte, der von seinem Erwerbe lebt, hier in Budapest ein Bet-Hamidrasch gegründet, wo er allabendlich Bibelvorträge hält, die sich einer großen Beliebtheit erfreuen. Adler ist als Homiletiker einzig in seiner Art. Er verfügt über eine Beredtsamkeit, die in orthodoxen Kreisen fast nirgends zu finden ist. Was die Art des Aufbaues seiner '^jeweiligen Trasche betrifft, so ist sie derjenigen des Dubnoer Maggid ähnlich, mit dem einzigen Unterschiede, dass Rabbiner Adler seine Beispiele aus dem Leben der Gegenwart holt, während der geniale Maggid seine trefflichen Gleichniße im Reiche der Fabel zu suchen pflegte. Eines steht jedoch fest, dass Rabbiner Adler vom Beginne bis zum Schlüße seiner Rede immer hochinteressant und niemals langweilig wird. Es wäre daher sowohl im Interesse des Vereines „Diksret Laeburim", als zum Wohle des übrigen zahlreichen Auditoriums zu wünschen, dass es öfter Gelegenheit habe, sich an den Weisheitsschätzen dieses Gelehrten zu laben. Verschiedene Nachrichten. Me«. Die Besucher der Seitenstettenshnagoge wird die Nachricht intereffiren, dass Herr Schnitzler, der langjährige, fleißige und pflichttreue Inspektor dieses Gotteshauses, im August 1901 sein 40jähriges Jubiläum in aller Stille feierte. Am 10. Jänner 1903 jedoch beschließt Herr Schnitzler sein 70. Lebensjahr, und werden für diesen Tag die dem langjährigen, verdienstvollen Beamten gebührenden Ueberraschungen vorbereitet. Men. Sontag den 21. d. feiert Herr Israel Plaschkes mit seiner Ehegattin Minna, geborene Pisk, beide aus Nikolsburg, das Fest der goldenen Hochzeit. Sind auch diese Beiden nicht mit Glücksgütern gesegnet, so muß anerkannt werden, dass sie stets ein harmonisch jüdisch - frommes Eheleben führten. Vier Kinder mit einer Schaar von Enkeln und Enkelinnen umgeben das Paar. Dieselben sind die Eltern des in Wien bestbekannten Vice-Präsidenten des „Jüdischen Volksvereines". Kader». Am 8. d. starb hier der weit über die Marken des Currayons Baden bekannte Arzt (Dr. Josef Schwarz. Der Verblichene, der außer seinen eminenten Fachkenntnißen über ein profundes allgemeines Wissen verfügte, vereinigte in seinem Herzen all die schönen und liebenswüdigen Eigenschaften, die den besten Männern jeder Zeit zur Zierde gereichten, und die ihn auch zu einem der populärsten Männern des Curortes Baden stempelten. Er war zu jeder Zeit bereit, seinetzPerson zum Wohle der Gesammtheit zur Verfügung zu stellen. So gründete er hier die Feuerwehr-Sanitäts-Abtheilung für Nieder-Oesterreich und war ihr unentgeltlicher Arzt bis zu seinem Todestage. Auch an anderen wohlthätigen Institutionen nahm er thätigen Antheil und half mit seinem lebhaften Geiste und beredetem Munde gar oft über schwierige Klippen hinweg. Für die Entwicklung der hiesigen Cultusgemeinde, in deren, Vertretungskörper er im Jahre 1900 zum zweiten male gewählt wurde, verwendete er all sein Wissen und Können, und nichts konnte ihn mehr freuen, als wenn in der Gemeinde nützliche und schöne Institutionen eingeführt wurden und dieselben von Erfolg gekrönt waren. Zum Danke für seine wirksame Thätigkeit in der Cultusgemeinde ernannte ihn der Cultusausschuss am 19. Juni 1901, anlässlich seines 25jährigen Jubiläums als Badener Curarzt, zum Ehrenmitgliede der Cultusgemeinde und wurde er von der Chewra-Kadischa Baden schon einige Jahre vorher, wegen seiner verdienstlichen ärztlichen Thätigkeit in derselben, mit gleicher Ehrung ausgezeichnet. An seiner Bahre zeigte sich erst recht die Beliebtheit, deren sich der Verblichene, der im Leben so bescheiden war und für jedermann ein freundliches und iiebenswürdiges Wort hatte, erfreute. Von allen Ecken und Enden strömten seine Verehrer und Freunde, Juden und Nichtjuden, herbei, um ihm das letzte Geleite zu geben, und wahrlich, sie bildeten eine große und imposante Menge. Am Leichenbegängnistage erfolgte von Seite des Cultusvorstehers, Herrn Moriz Lettner, in einer außerordentlichen Sitzung eine Trauerkundgebung jfür den Verblichenen, und ging der Conduct, zur besonderen Ehrung für den Todten an dem Tempelgebäude vorbei, von dessen' First eine Trauerfahne wehte und dessen angezündete Außenlampen umflort waren. Von dort zog die Leichenwagenreihe an dem Feuerwehr-Requisitenhause vorbei, dessen Thore geöffnet und das innen beleuchtet war, und lenkte in die Hildegardgasse ein, um vor dem Spitale für scrophulöse Kinder, dessen dirigirender Arzt der Verblichene war, vorbeizufahren. Im Trauerhause hielt Redacteur j Heinrich Herrnfeld, an der Bahre einen tiefergreifenden Nachruf und ,am! Friedhofe schilderte Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Wilhelm Reich in > einer besonders wirkungsvollen Rede ein auf das kleinste getroffene Bild des Verblichenen, in welchem sich dessen Tugenden und Vorzüge aufs klarste abspiegelten. Nach ihm sprach Oberbezirksarzt, Herr Dr. Blau, und führte in^ einer längeren Rede das nützliche und unermüdliche Wirken des Verstorbenen als Arzt vor den Geist der Trauergäste, worauf der Präsident der Aeztekammer, Herr Regierungsrath Dr. Grohan, dem Verstorbenen den letzten Gruß der Aerztekammer, deren Mitglied er war, überbrachte. Auf dem Friedhofe hielt die gesammte Feuerwehrmannschaft des Bezirkes Baden Spalier, um so ihrem langjährigen und selbstlosen Arzte und Ehrenmitgliede die letzte Ehre zu erweisen. Nach Schluss der gesanglichen Theile der Eeremonie, durch Herrn Cantor Seifert und Chor, wurde der Sarg von den Vorstandsmitgliedern der Cultusgemeinde zum Ehrengrabe getragen und dort unter dem Choralgesange „Schiwissi“ in die Gruft versenkt. Der Verblichene hinterlässt eine Witwe und zwei Töchter, die sich der Sympathien der hervorragenden Stadtbevölkerung erfreuen. ' ■gPtag. Im 63. Lebensjahre starb hier am 12. d. M. der Kaufmann I. Elkan Fischl. Der Verstorbene erfreute sich großen Ansehens und allgemeiner Werthschätzung. Er war Ausschußmitglied zahlreicher Wohlthätigkeitsvereine, die in ihm eines der thatkräftigsten Mitglieder verloren haben. Der schwergeprüften Familie wendet sich allgemeine Theilnahme zu. — Am 10. d. M. starb hier plötzlich Herr Med. Dr. Josef Robitschek im 60. Lebensjahre. Das Begräbnis fand am 14. d. M. großer Betheiligung statt.

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