Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 48 (19.12.1902)
- Date
- 1902-12-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Kesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung. . 48. Aeitage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 22. Iahrg. Wir ersuchen dringendst um Einsendung der restlichen AvonnemenLsöeträge. Zur Organisation. Werlhe Collegen in Oesterreich-Ungarn! Im Anschlüsse an den vom Vorstande des „Oesterreich-ungarischen Cantoren-Vereines" veröffentlichten Bericht bezüglich der Action des vor Monaten ins Leben getretenen Comitös drängt es mich, an der Gemarkung einer neuen Vereinsphase angelangt, einige aus tiefster Seele stammende Worte an alle Cantoren Oesterreich-Ungarns zu richten. Der „Oesterr.-ungar. Cantoren-Verein", welcher als allererste Gründung dieser Vereinsgattung hingestellt werden muß, hatte unbegreiflicher Weise — wie auch allenthalben freudig begrüßt — gleich von Anbeginne seiner Wirksamkeit an einer Kräftezersplitterung zu leiden, die eine einschneidende Schädigung seiner Thätigkeit als Folgeerscheinung aufwies. Ohne an der hohen Bedeutung längst Heimgegangener fachmännischer Capacitäten irgend wenn rütteln zu wollen, können wir die Thatsache nicht zurückdrängen, dass die unter dem Machtgebote dieser illustren Persönlichkeit entstandene Abzweigung der ungarischen Collegen den Keim iu sich barg, unsere bestgemeinten Unternehmungen zu - vernichten. Wir .jedoch ließen uns durch diese Sonderbestrebuug nicht beirren und walteten im vollen Bewusstsein unserer ernsten Aufgabe, still und ohne Ansehen unseres Amtes, iu dem sicheren Ausblicke, dass die Erkenntnis der hohen Bedeutung einer allgemein en Zusammengehörigkeit endlich zum Durchbruche gelangen müsse. Allein, anstatt der Gnadengaben dieses von uns so heiß ersehnten Zieles theilhaftig zu werden, mußten wir nach dem erfolgten Heimgange der allbekannten Persönlichkeit Augenzeugen des v o l l st ä n d i g en Z u s a m m e nb r u ch e s seiner nach unserem Musterbilde ins Leben gerufenen Zweigschöpfung werden; Augenzeugen des bedauerlichen Schauspieles sein, dass die Zweigschöpfung mit dem Niedersinken des Hauptes, welches sie geschaffen und getragen, sich nicht in Unabhängigkeit von ihrem Schöpfer erhalten konnte, -ondern mit ihm in die Grube sank. Dieser auch von uns bedauerte Zusammenbruch hätte doch sicherlich zum Warnungssignal für ähnliche Sonderunternlhluuugen gelten können; allein es kam anders. Aus den Ruinen des in Staub gesunkenen großen Vereines erhoben sich alsbald mehrere kleine Vereinchen, deren Wirkungskreis im besten Falle kaum über die Gemarkung einer üblichen "Kranken- und Armenbetheilung hinreicht, die doch für den Cantorenstand int Allgemeinen leider nichts zu leisten im Stande sind. Wozu ich dies alles hier erzähle? — Um allenthalben meinen geehrten Herren Collegen noch einmal zu bedenken zu geben, dass das jüdische Cantorat gerade in diesem Augenblicke einen möglichst großen Anschluß aneinander umso mehr nöthig hat, als wir gerade jetzt am Vorabende bedeutungsvoller Ereigniße stehen, von deren Verwirklichung gewissermaßen die zukünftige Stellung der jüdischen Cantoren abhängt. Maßgebende Kreise ventiliren bereits die Gründung einer Cantorenschule, welche dem Freibeuterthum auf jüdisch cautoralem Gebiete ein Ende machen soll, so dass fortan unsere Nachfolger nicht aus eigener Machtvollkommenheit und ohne jede fachmännische Vorbildung sich auf das Piedestal cantoraler Bedeutung stellen, oder von Nichteingeweihten gestellt werden können, sondern gleich anderen Wiffensbefliffenen Studien, Fortentwicklung und weitere Systemisirnng nachzuweisen beulüsfigt und befähigt sein werden. Ferner beschäfligl sich der Staat bannt, an die Ausgestaltung der Penfionsverhältniße aller Privatbeamten zu schreiten. Soll und darf hiebei das jüdische Cantorat Zurückbleiben? Deshalb richte ich gleich dem „Josef" im diesmaligen Wochenabschnitte an meine Collegen das bedeutungsvolle Wort: tppao m nn „ich suche meine Brüder", meine Gesinnungsgenoffen, weil die imposante Anzahl der Vereinsmitglieder unseren Anforderungen nach der oben angedeuteten und auch nach jeder anderen Richtung Nachdruck und Geltung verschaffen wird und muß. Mit dieser Aufforderung und Erklärung, die meines Erachtens auch die Lässigen und etwaig Mißvergnügten zu frischer That aneifern muß, lege ich unsere heilige Vereinsangelegenheit vertrauensvoll in die Hände aller unserer Fachgenoffeu und erwarte baldige und zahlreiche Beitrittserklärungen. Wien, 18. Dccembcr 1902. Obercautor Singer. Obercantor Krolik's Ämtojubitäum. Ein herrliches seltenes Fest feierte, wie Ihnen bereits berichtet wurde, College Krolik in Cosel und herzersreuend war es, zu sehen, wie Gemeinde und Stadtvertretung wetteiferten, diese goldene Jubelfeier glänzend zu gestalten. Ein Lickäusod haschem im wahrsten Sinne des Wortes, da Gott in seinem Diener nicht allein von seiner Gemeinde, sondern auch von vielen Fernstehenden die Ehre gegeben wurde. Das Jubelfest begann mit einem Festgottesdienst in der Synagoge, zu dessen Abhaltung Herr Rabbiner Dr. Loewenthal—Tarnowitz und Referent freudig der Einladung des Fest-Comitvs Folge geleistet haben. Auch der Cosler Männergesangsverein und die dortige Regimentskapelle hatten sich bereitwillig in uneigennützigster Weise in den Dienst der heiligen Sache gestellt, so dass es möglich war. den Gottesdienst feierlich und schön zu gestalten. Unter den Klängen einer Jubelhymne wurde der Jubilar von dem Vorstände in den Tempel geleitet. Nachdem die Feier durch Naü-tovu und einen von dem Referenten zu diesem Zwecke com« ponirten Liede eingeleitet war, hielt Herr Rabbiner Dr. Loewenthal in formvollendeter Weise die Ansprache an den Jubilar. In kurzen Zügen schilderte er besten Lebensgang, wies aus seine segensreiche Thätigkeit in seinem heiligen Amte hin und erbat von Gort für dessen greisen Diener einen sorglosen, ungetrübten Lebensabend. Mit der deutschen Keduschah von Lewandowski und dem 150. Psalm von Naumburg schloß der erhebende Festgottesdienst. Während die Regimentskapelle dem Jubilar vor dessen Amts« Wohnung ein Ständchen brachte, erschienen Deputationen der Stadtvertretung, der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde u. v. a» m. mit herrlichen, kostbaren Geschenken. Im Namen der Synagogengemeinde überreichte Herr Spitz mit herzlicher Ansprache eine wunderbar ausgeführte Adresse und eine Ehrengabe. Im Name» des Schlesischen Cantorenverbandes überbrachte Referent die Glückwünsche und verlas sodann die inzwischen eingegangene Adresse des Oesterr. -Ungar. Cantoren- Vereines. Nachmittags 3 Uhr versammelten sich gegen 100 Theilnehmer zu einem Diner in Urbachs Hotel. Auch hier wurde der greise Jubilar in vielen herzlichen Toasten gefeiert und durch Ueberreichung ves Kronen- Ordens geehrt. So ward dem verehrten Eollegen irdischer Lohn in reichstem Maße für sein gesegnetes Wirken zu Theil, und möge auch Gott ihn fernerhin mit seiner himmlischen Gnade erfreuen. Möge uns jüngeren Amtsbrüdern das segensreiche Wirken dieses edlen Mannes zum Vorbild dienen, dass auch wir der Würde und Heiligkeit unseres Berufes stets eingedenk bleiben! Gleiwitz den 14. December 1902. Magnus Davidsohn. Fünfuniywanstgjähriges Ämtsjubiläum. Der Obercantor der Cultusgemeinde in Raab, Herr Adolf SzLnto, feiert am 24. d. M (Chanuka) sein 2öjähriges Amtsjubiläum in hiefiger Cultusgemeinde. In Anbetracht der großen Beliebtheit und Achtung, welcher sich der Jubilar allgemein erfreut, werden mannigfache Ovationen vorbereitet.