Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 48 (19.12.1902)
- Date
- 1902-12-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Die Wahrheit. Nr. 48; Her Bildung gerade genügt, um nach allen Richtungen an alle Volksschichten Licht und Bildung abzugeben. Es ist eben ein Vorzug unserer Lehre und Tradition, dass jede Ansicht soviel Geistesschärfe, so viel Licht enthält, dass alles geblendet werben muß; die einen vor Bewunderung, die anderen infolge ihrer Kurzsichtigkeit und Unempsänglichkeit. So ergeht es uns im im eigenen Lager und vielmehr in dem der Gegner. Auch bezüglich der Reihenfolge des Anzündens der Lichter ist ein Streit, und eben die Bestimmung beim Lichte des betreffenden Tages zu beginnen, lehrt uns, die Zeit, zu verstehen, zu nützen, die jeweilige Auffassung vom Judenthum lichtvoll zu gestalten, nicht sich damit allein zu begnügen, sondern von der Zeit ausgehend allmählich alles Licht anzuzünden, was Gegenwart mit Vergangenheit und Zukunft vereint. Nicht das gestrige sondern das heutige Bild des Judenthums schau Hir erst an, und versuche daun, diese Züge mit den besseren, schöneren der früheren Zeit zu vereinen! Suche nicht erst die Vergangenheit, sondern die Gegenwart zu verstehen und dann gehe zurück und hole aus der Vergangenheit das, womit du die Gegenwart erleichtern und erwärmen kannst. So baust du für die Zukunft. Wie der Mann, so ist auch die Frau berufen, das Licht im Hause zu hüten. Wieder das feine Gefühl unserer Meister, die gar wohl den Wirkungskreis der Frau abzugrenzen verstanden, indem sie ihren religiösen Pflichtenkre s welse einschränkten, eingedenk des hehren Berufes der Frau im Hause. »Der Frauen Sinn ist leicht", sagten sich unsere Alten. Wir entlasten sie von einem großen Theile der Pflichten, die die Zeit bedingt und gewähren ihr durch die Erleichterung die angenehme Gelegenheit, ihren häuslichen Pflichten eifriger zu dienen. Allein von jenen Pflichten, welche dem Andenken wundervoller Ereigniße gelten, wurden unsere Frauen nicht befreit, da ja der Einfluß der Frau gerade im Hause unermesslich ist. Sie muß also im Hause nöthigenfalls des Mannes Stelle vertreten und das Lichtlein zünden, sie muß auch die Megilla hören, um des großen Heldeumuthes der jüdischen Frau jener Zeit sich zu erinnern. Unsere Frauen haben also ihren Wirkungskreis vorgezeichuel: Sie sollen sanft und stille das Licht innigen Familienlebens, frommer Erziehung und engelgleicher Güte im Hauie zünden und erhalten, dass des Hauses Glück andauere! Trotz dieses häuslichen Berufes ist ihnen nicht das Recht benommen, gleich den Frauen der alten Zeir, muthig mit in des Lebens Kümpfe einzugreifeu und so dem Gatten auch nach dieser Richtung hilfreich und entsagend zur Seite zu stehen. Das besagt uns jene Bestimmung der Antheilnahme der Frau an der Chanuka- und Purimfeier. Ist ja doch das Chanukalicht ein äovor schebeminjön lo botel, etwas, womit,man rechnen auch, was nicht in anderem aufgeht. (Schluss folgt.) Äus der Wiener Cultusgemeinde. Von der alten Gepflogenheit parlamentarischer Körperschaften, gelegentlich der Budgetdebatte in großen Zügen alle Gebiete des öffentlichen Lebens zu beleuchten und den mannigfachen Wünschen und Beschwerden der Wählerschaften Ausdruck zu geben, hat der Eultusvorsiaud in seiner am 14. d. M stattgehablen, öffentlichen Plenarsitzung, in welcher der Voranschlag pro 1903 zur Berathung vorlag, ausgiebigen Gebrauch gemacht. Die Eindrücke des anlässlich der eben vollzogenen Vorstandswahlen zwischen Vorstehern und Gemeiudemttgliedern hergestellten Eontacies sind ja noch ziemlich frisch, und da darf mau sich nicht wundern, wenn hie und da kräftigere Accente angeschlagen wurden und man sich, wie ein Vertreter ganz richtig bemerkte, in manchem Momente in eine Wahlerversammlung versetzt glaubte. Wir sehen darin nichts Arges und die Oeffentlichteit haue nur den Vortheil, dass sie mit den verschiedenen, im Eultusvorstande vertretenen Ansichten über sämmtliche Zweige der Gemeindeverwaltung vertraut gemacht wurde. Die ziffernmäßige Zusammenstellung des Budgets fand eigentlich eine allzu kurze 'Behandlung. Es ist wohl richtig, dass das Budget schon zahlreiche Eomitä- und Vertretersitzungen durchlaufen hat, bevor es ins Plenum gelangte, aber trotzdem möchten wir, um nicht zu unnützen Recriminationen Anlass zu geben, eine derartige en bioc Abstimmung ohne Lesung für die Zukunft nicht anempfehlen. Im Nachstehenden der ausführliche Bericht: Hirrtauf. Aus dem Einlaufe werden bekanntgegeben'. An Spenden: Von Herrn Philipp Frankl zur Vertheilung an Arme (zugewiesen an die Armenanstalt) K. 200.—, von Herrn Ferdinand Gombrich für Zwecke des israelitischen Siechenhauses K. 25.—, für Zwecke des isr. Altersversorgungshauses K. 25.—, von Herrn Dr. Siegfried Brüll zur Anschaffung und Vertheilung von Kohle an jüdische Arme K. 50.—, von Herrn Julius Braun zur Verköstigung armer isr. Schulkinder in der Brigittenau K. 10.—, von Herrn Dr. Alfred Berger Kranken-Utensilieu für die isr. Versorgungsanstalt, von Frau Fanny Kann für das isr. Altersversorgungshaus K. 100.—, von Jonas und Pauline Bergmann anlässlich ihrer goldenen Hochzeit für Arme (zugewiesen an die Armenstalt) K. 100.—. (Den Spendern wird der Dank votirt.) Zur Verlesung gelaugt ferner ein Dankschreiben des Eomite zur Entgegennahme von Liebesgaben für die Armen der österr.-ungar. Gemeinden im heiligen Lande für die vom Vorstände bewilligte Spende von K. 1000. Wahl-Agnoscirurrg. Nach Kenntnisnahme der Mittheilung, dass sämmtliche aus der allgemeinen Curie wieder- und neugewählten Vorstandsmitglieder sich zur Annahme der Mandate bereit erklärt haben, erfolgt die Agnoscirung der durch die Curie der Höherbesteuerten am 2. December l. I. vorgenommenen Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern und 36 Vertrauensmännern, deren Ergebnis au anderer Stelle dieses Blattes in einer Kundmachung des Vorstandes verlautbart wird. Ireiherrtich v. UotWikd'sche Künstler-Stiftung. Präsident kais. Rath K l i » g e r berichtet, dass im Sinne des Stistbrieses der Freiherrlich v. Rothschild'schen Künstler- Stiftung dem Vorstande die Nominirung zweier Mitglieder des Curatoriums der genannten Stiftung zustehe. Nachdem das Mandat der bisher vom Vorstände zu Stiftungs-Curatoren gewählten Vorstandsmitglieder, der Herren Architekt Max Fleischer und Vice-Präsident Dr. Alfred Stern, mit Ende des heutigen Jahres abläuft, sei die Neuwahl zweier Curatoren für die nächste dreijährige Functionsperiode er forderlich. Vicepräsident Dr. Stern bittet, von seiner Wiederwahl abzusehen. Nach Einsprache des Vorsitzenden, dass der Vorstand diesem Ersuchen nicht Folge leisten möge, werden bei der hierauf folgenden Abstimmung die bisherigen Curatoren Architekt Fleischer und Dr. Stetn per Acclamation einstimmig wiedergewählt. Mersorgnngs- und Siechenhaus. Edler v. Mises berichtet namens des Vertreter Collegiums über Aufnahmen in das Versorgungs- und Siechenhaus, Aus der großen Zahl der vorliegenden Gesuche habe das Vertreter-Collegium die würdigsten heransgezogen und zur Aufnahme empfohlen. 22 Personen (13 Frauen und 9 Männer) für das Versorgungshaus und 23 Personen (4 Frauen/' 9 Männer und 5 Ehepaare) für das Siechenhaus. Trotzdem blieben wegen Raummangels 162 sehr berücksichtigungswürdige Gesuche unerledigt. Das Vertreter-Collegium hat dieselben in Borrnerkung genommen. 56 dieser Aufnahmswerber haben das 72. Lebensjahr überschritten, keiner ist unter 60 Jahre alt