Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 48 (19.12.1902)
- Date
- 1902-12-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Gotteskämpfer bringen solle. Und in Wahrheit, in unserem Hanse ist es eben darum finster, weil dieses Licht uns fehlt und auch die begeisternde That, deren wir so sehnsüchtig harren. Unser Judenthum leidet zum großen Theile an winterlicher Kälte. Die Einen sind vom Gesetze nicht erbaut, die Anderen schämen sich gar desselben und meiden ängstlich alles im geringsten ans Judenthum Erinnernde. Ja, wenn diese Zweifler, diese Verächter des Gesetzes nur wüssten, dass sie mit der Abstreisung des Judenthums eigentlich wieder in der Annahme des Christen thums eine veränderte Form des Judenthums annehmen. Würden diese Abtrünnigen bedenken, dass die Lehren des Evangeliums eigentlich nur ein essäisches Judenthu m der Buße und Lebenseinfachkeit lehren, dass der Stister des neuen Bundes und seine Apostel ja eigentlich nur ein Judenthum der gemäßigten Richtung Hillels vertraten, dass sie nicht etwa die Aushebung des Gesetzes, sondern vielmehr seine Vertiefung, seine Wesenserfassung beabsichtigten, so hätten wir in diesen fanatischen Gegnern die besten Freunde, da sie die Duellen des neuen Bundes kennen würden und wüssten, dass die Apostel unsere Brüder waren, die infolge der engherzigen Zeit, wie gewöhnlich, an berufener Stelle kein Gehör fanden und darum ihre Lehren anderwärts verbreiteten. Es sei hier kein Vorwnrs erhoben, als hätte die jüdische „Propaganda", es verabsäumt, rechtzeitig ihre Lehren in überliefertem Sinne zu verbreiten, nein, dazu hat das Judenthum keine Lust, da ihm jeder Versuch der Proselytenmacherei ziemlich ferneliegt. Dafür war es der neuen Richtung leicht, ihre Lehren in die Welt zu tragen und das morsche Heidenthnm zu verdrängen. Das Judenthum drängt sich niemanden auf, sondern wartet geduldig, bis der Wahrheit Suchende,ihm naht und sich Raths holt. Wenngleich also diese Zurückhaltung und Bescheidenheit uns ungleich schwächer machte als die neue Richtung des Judenthums, so hat sie eben Ans vor dem Vorwurfe der Anmaßung zu hüten vermocht, allerdings nicht bei jenen, die aus des Feindes besten Eigenschaften doch nur stets ihrer Niedertracht wegen die gemeinsten ' Triebfedern ableiten. Hätte also die damalige Zeit mit ihren eigenen I Verhältnißen es verstanden, so würde heute e i n Chanukafest die Welt erhellen, ein Licht würde leuchten, das gerne jeder bessere Mensch anzündete. So aber sind wir mehr denn je davon entfernt, dass das Weihelicht menschlicher Vervollkommnung, idealer Auffassung und milder Beurtheilnng der Menschen in ihrem Jammer, ihren Fehlern und Vorurtheilen die Menschen einte. Daran trägt eben nur die mangelhafte Bildung schuld, die in der Verachtung des Besseren, des Edleren ihr höchstes Ziel sieht. Wenn es strittig ist, ob am Eingänge des Zimmers oder beim Fenster das Chanukalichtlein leuchten soll, so möchten wir dem Brauche der Alten den Vorzug geben, wenngleich das Lichtlein am Fenster auch uns genug sagt. Denn beim Eingänge soll uns sofort das Lichtlein entgegenstrahlen mit der Freudenbotschaft, dass das jüdische Haus seit ältester Zeit eine Stätte des Lichtes ist, eine Stätte der Bildung, der Veredlung, der Treue gegen Gott und Menschen — auf der einen Seite die Mesnsa, das Mahnzeichen der Gottesfurcht, auf der audern das Licht der Aufklärung und wahren Bildung, als Feind der Finsternis, d s Hasses und Rückschrittes in jeder Form. Sind zwar unsere Wohnungen ganz anders als die unserer Altvordern, das Licht der Bescheidenheit leuchtet durch ins Zimmer und gelangt auch nach außen. Allerdings muß das Licht die mannigfachsten Medien durchlaufen und brechen, dennoch gelangt es endlich, zur Geltung. So auch unsere Lehre, die stets bekämpft wurde von den Freunden der Finsternis, jenen dunklen Mächten, die! das entwicklungsfähige Wesen gerne für ihre Zwecke aus-! beuten und unterdrücken, wie uns das Heidenthuni in seinen i verschiedensten Gestaltungen lehn. j „Mehr Licht I" ist stets Israels Losung gewesen und unsere Alten fragen mit Recht: Was ist Chanuka? Auch ihnen fiel es auf, warum man sich nicht mit einem Lichtlein überhaupt begnügte, sondern aussteigeud jeden Tag eines hinzufügte. Nun gewiss, die Cultur, die Aufklärung schreitet langsam vorwärts, darum muß vorsichtig ein Licht, dann zwei und mehrere angezündet werden,deren wachsendeWirkung unverkennbar ist. Wenn eine andere Richtung erst acht, anzündete dann sieben und abwärts bis auf ein Licht kommt, so will auch sie uns lehren, dass das Licht sich langsam nach allen Richtungen verbreitet, dass nur die größtmögliche Verbreitung des Lichtes nnd