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Die Wahrheit · 1902-12-12 · Heft 47 (12.12.1902) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 47 (12.12.1902)
Date
1902-12-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit. . Nr. 47. Scho» die nächste Zeit lehrt-, dass die auf dem Wiener „Allgemeinen Cantorentage" zum Ausdruck gelangten hoffnungsvollen Erwartungen, die Cantoreu Oesterreich Ungarns und Deutschlands iu einer gemeinschaftlichen Organisation zusammenzuschließeu, unter den gegenwärtigen Verhältnißen nicht verwirklicht werden können. Es mag immerhin als ein idealer Erfolg dieses Cantorentages begrüßt werde», dass er die berufliche Vereinsbrldung in den einzelne.. Staaten des deutschen Reiches wirksam anregte, aber nichtsdestoweniger schien die Gründung eines „Allgemeinen Cantorenvereines" der seine Thatigkeit auf Deutschland und Oesterreich-Ungarn erstrecken sollte, abermals in weite Ferne gerückt. Diese Thatsache war bereits evident, als der Vorstand des „Oesterr.-Ungar. Cantoren-Vereines" gemeinschaftlich mit dem Comite der Wiener Cantoren an die Umänderung der Vereinsstatuten im Sinne der Beschlüsse des .Allgemeinen Cantorentages'' schritt. In zahlreichen Sitzungen wurde das Statut für die neue Organisation, die sich auf dem Boden des „Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines" erheben sollte und bereits nur mit beschränkter Wirksamkeit für Oesterreich Ungarn rechnete, fertiggestellt. Die wesentlichen Bestimmungen des neuen Statutes waren: Aufhebung der bisher bestandenen Altersgrenze für den Eintritt in den Verein, Eintr.ttsgebühr von 1 Krone, Jahresbeitrag von 6 Kronen, energische Währung der socialen Interessenvertretung und materielle Fürsorge im Todes- und Jnvaliditätsfalle durch Leistung von Pflichtbeiträgen in der Höhe von je 1 Krone seitens der Mitglieder. Hiebei wurde auch aus die Gründung eines Pensions-, Witwen- und Reservefondes Bedacht genommen, für welchen der Vorstand des „Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines" uuter voraussichtlicher Genehmigung der Generalversammlung einen Theil des bisherigen Vereinsvermögens beizustell u sich bereit erklärte. Selbst dieses Entgegenkommen und die zahlreichen materiellen Opfer, die der „Oesterr.-Ungar. Cantoren-Verein" zur Förderung der neuen Organisation brachte, vermochten nicht die bekannte Lethargie und Indolenz der cantoralen Kreise zu brechen. Trutz der eifrigen Thatigkeit des Wiener Comitss und trotz vielfacher Bemühungen des Vereinsvorftand^s, der mit Herrn Obercantor Lazarus in Budapest, mit Herrn Obereantor Heller in Brünn und dem Vorstande des .Mährischen Cantoren-Vereines, sowie mit den Obercautoren Moor und Brod in Prag mündliche und schriftliche Berathungen zur Organisirung der ungarischen, mähnschen und böhmischen Collegenschaft pflegte, ist der auf dem Cantorentage erwartete Anschluss der vielen Hunderte von Collegen ausgeblieben, indem sämmtliche Neuanmeldungen die Zahl *100 nur wenig überstiegen. Derartige traurige Erfahrungen wären wohl geeignet, auch die glühendste Begeisterung für die allgemeine Sache zu löschen, aber trotzdem wollte der Vorstand des „Oesterr.-ung. Cantoren-Vereines", der aus Grund Jahrzehnte langer Erfahrung von der Notbwendigkeit der beruflichen Organisation überzeugt ist und in seinem Streben in der Arbeitsfreudigkeit des Comites der Wiener Cantoren eine gewiss dankeuSw-rthe Unterstützung findet, die Flügel uicht fallen lasten. Die Gründung eines neuen allgemeinen Cantorenverbaudes musste wohl als gescheitert betrachtet werden, aber es sollte der g esammlen Berussgenossenschaft der Eintritt in den .Oesterr.-ung ar. Cantoren-Verein" ermöglicht werden. Zu diesem Behufe wird nachfolgende Statutenänderung noch in diesem Monate der Generalversammlung und in weiterer kurzer Folge der behördlichen Genehmigung unterbreitet werden. 1. Die bisher bestandene Altersgrenze für die Ausnahme wird aufgehoben nnd kann jeder Cantor, ob jung oder alt, denl Vereine beitreteu. 2. Die bisherige Ausnahmsgebühr von 40 Kronen wird aus 4 Kronen und der Jahresbeittag von 12 Kronen auf 8 Kronen herabgesetzt. 3. Die neueintretenden Mitglieder gelangen, unbeschadet der im jetzigen Statut festgesetzten Ansprüche der alten Mitglieder, nach einer kurzen Carrenzzeit in den Genuss, sämmtlicher materiellen Benefizien und wird bis zum Eintritt dE angestrebten Pcnsions- und Witwenversorgung die Bethilft im Jnvaliditäts- und Todesfälle durch Pflichtbeiträge seitens der Mitglieder geleistet. 4. Auf die Vertretung der sozialen Interessen wird her „Oesterr.-Ungar. Cantoren Verein" nach wie vor mit afler Energie bedacht sein, und dieselbe wird um so wirksamer sein, je größer die Zahl der Collegen ist, die sich um seine Fahne schaaren. , / Die angedeuteten Statutenänderungen decken sich^ mfi Ausnahme der minimalen Erhöhung der Beiträge, die hei einer geringen Mitgliederzahl nolhwendig erscheint, im P.rinzipe vollkommen mit den Beschlüssen des Cantorentages, und darum können auch die gefertigtrn Mitglieder des Wiener Comitss, die nunmehr das ihnen vom Cantorentage üb rttagene Mandat als beendet betrachten und die werteren Actionen dem Vorstande des „Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines" überlassen, der gesammten Berufsgenoffenschait den Eintritt in den„Oesterr.-- ungar. Cantoren-Verein" wärmstens auempfehlen. Wenn auch die stolzen Hoffnungen auf die vielen Hunderte von Mitgliedern sich bisher nicht erfüllt haben, wollm wir, wohl mit bescheideneren Mitteln aber mit nicht weniger Liebe für die heilige Sache, trotzdem ari die Festigung der Berufsorganisation schreiten, deren Nothwendigkeit doch endlich auch den weiteren collegialen Kreisen zum Bewusstsein gelangen wird. Da der „Oesterr.-ungar. Cantoren-Verein" bereits im Jänner 1903 seine Tyängkeit auf Giund der geänderten Statuten entwickeln soll, wird dringendst ersucht, die Beitrittserklärungen umgehend beim Vorstände des „Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines" anzumelden. Der Vorstand des „O e st e r r. - u n g a r. Cantoren- Vereines": M. Mlalt, Eaffier. I. Singer, Präses. S. Kirsch, MH. Wahl. A Mauer- Vicepräses. Das Co mite der Wiener Cantoren: Aau Juchs, I. Keimann, S. Iurverger, I. Lärmt, I. Schiller, M. Schorr, I. Jelluiü. * . * * Um Misverständnißen vorzubeugen, wird bemerkt, dass jene Collegen, die der Organisation bereits beigetreten sind und auch die Eintrittsgebühr von 1 K. schon gezahlt haben, im Falle ihres Eintrittes in den „Oesterr.-ungar. Cantoren- Verein" den Betrag von 3 Kronen bei der Anmeldung nachzuzahlen haben. Die Einzahlung der Jahresbeiträge beginnt mit 1. Jänner 1903, und zwar vierteljährlich 2 Kronen anticipando. Die Eintrittsgebühr von 4. resp. 3 Kronen ist sofort bei der Anmeldung zu leisten. Die alten Vereinsmitglieder zahlen gleichfalls ab 1. Jänner 1903 den erniedrigten Jahresbeitrag. Sämmtliche Beträge sind an den Vereinscaffier, 1. Cantor M. Blatt, Wien II, Tempelgasse 3, einzusenden. Än die Mitglieder des „Oesterr.-ungar.l Cantoren-Vereines". Montag, den 29. December, halb 6 Uhr Abends, findet im Vereinslocale I., Seitenstettengaffe 4, behufs Aenderung der Statuten eine außerordentliche Generalversammlung statt, zu welcher die P. T. Vereinsmitglieder hiermit höflichst eingeladen werden. Wien, ani 4. Dezember 1902. Aer Worstand des „Hesterr. - Ungar. Hautoren - Vereines" Singer, Präses. I. B a u e r,, Vicepräses. c* ■o«

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