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Die Wahrheit · 1902-12-12 · Heft 47 (12.12.1902) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 47 (12.12.1902)
Date
1902-12-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Är. 47. Meilage zur Zeitschrift „£ie Wahrheit." 22. Iahrg. -Mir eksuchen dringendst um Einsendung der reMchett Avonnementsöeträge " Jur Lerufsorganisatwn. Donnerstag, den 4. Dezember, halb 6 Uhr Abends fand ün „Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereine" eine Sitzung des Wiener Comitös statt, an welcher seitens des Vorstandes des „Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines" die Herren: Singer, Bauer, Blatt, Baßl und seitens des Comiiss die Herren: Fuchs, Guttmann, Löwit und Zellnik theilnahmen. Ihr Fernbleiben hatten schriftlich entschuldigt die Herren: Hirsch, Jurberger und Schorr. Der Vorsitzende, Präses Singer, gab nach Begrüßung der Versammlung eine Uebersicht über die bisherige Organisationsthäligkeit. Der Vereinsvorstand, unterstützt von den Mitgliedern des Comitös, von denen einzelne eine besonders rührige und dankenswerthe Thätigkeit entwickelten, habe alles Mögliche gethan, um die Beschlüsse des Cantorentages zur Ausführung zu bringen. Es wurden Aufrufe erlaffin, Zusammenkünfte und Berathungen mit auswärtigen Collegen gepflogen, zahlreiche Sitzungen im Comit« abgehalten, die Vereinsstatuten geändert — doch der erwartete Erfolg ist ausgeblieben, indem nur circa 100 Cantoren ihren Beitritt aumeldeten. Mit dieser geringen Zahl sind die Beschlüsse des Cantorentages bezüglich der Höhe der Beiträge nicht durchführbar. Allein der Vorstand des Cantorenvereines will trotzdem den Muth nicht sinken lassen und ist auch gerne noch zu weiteren Opfern bereit. Von diesen Intentionen geleitet, hat er beschlossen, der Generalversammlung eine Aende^ung der Statuten vorzuschlagen, die sich fast mit den Beschlüssen des Cantorentages deckt und allen Cantoren den Eintritt in den „Oesterr.-ungar. Cantoren-Verein" ermöglicht. Die Aenderungen sind im Wesentlichen folgende: Aufhebung der Altersgrenze, Eintrittsgebühr von 4 K., Jahresbeitrag von 8 K., und Genuss sämmtlicher Benefizien nach kurzer Carrenzzeit. Auf dieser Basis lade er die Mitglieder des Comitäs zum Eintritte in den Cantoren-Verein, und eine gleiche Aufforderung werde der Vorstand an die gesummte Collegenschafl ergehen lassen, be onders an Jene, welche ihren Beitritt zur Organisation bereits angemeldet und die Eintrittsgebühr von 1 K. geleistet haben. I. Löwit findet es begreiflich, dass der Vereins- Vorstand erst die Anmeldung der Massen abwartete, bevor er in die Aenderung der Statuten im Sinne der Beschlüsse des Cantorentages einwilligte. Nach den geringen, bisher vorliegenden Anmeldungen müsse man allerdings zugeben, dass dies nicht möglich sei. Aber Redner hält es als Pflicht des Comitäs, bevor dieses seine Mission als beendet betrachtet, den Collegen ausführlichen Bericht über die vom Bereinsvorstande und vom Comite geleistete Arbeit zu erstatten und insbesondere auch den Wortlaut der geänderten Statuten zu veröffentlichen. Der Erfolg dieser Enunciation soll nun abgewartet werden. Erfolgt daraufhin eine gewisse Anzahl von Anmeldungen, dann möge man auf der Pafis des Cantorentages bleiben, bleiben aber die Anmeldungen aus. dann könne man die vom Vorstande heute vorgeschlagene neue Basis als einzigen unter solchen VerMtnißen möglichen Mittelweg äcceptiren. I. Bauer und M. Blatt appelliren andie Comitsmitglieder, im Interesse der Sache den Vorschlägen desBorstan.des keine Opposition zu' machen. Letzterer' erklärt weiters. dass er den Ansichten Löwits bezüglich Berichterstattung an die Collegen beipfltchle, was übrigens auch, wie der Vorsitzende constatir' n lässt, vom V-reinsvorstande beschlossen worden sei. Der zw ite Theil des Antrages Löwit, vorläufig noch eine zuwartende Haltung einzunehmen, sei jedoch nicht aceeptabel. Durch die Beschlüff: des Vorstandes sei jedem Collegen der Eintritt in den Cantoren-Verein ermöglicht und es wäre unnütz, die Sache noch weiter hmauszuschieben. B. Guttmann gibt die Erklärung ab, dass er sein Mandat als Comitomitglied niederlege. Auf die Frage des Vorsitzenden nach den Motiven, lehnt Guttmann die Motivirung ab. In längerer Rede weist Vereinssecretär Dr. Löwy nach, dass es keine Divergenz zwischen alter und neuer Basis gebe da — abgesehen von der geringen, kaum nennenswerthen Erhöhung der Beiträge — der Vorstand bei den vorgeschlagenen Aenderungen sich ganz von den Intentionen des Cantorentages habe leiten lassen. Und darum erscheine es ihm widernatürlich, nachdem man früher über zu langsames Tempo geklagt, j tzt für eine Verschleppung der Action einzulreten. Auch die Veröffentlichung der ganzen Statuten wäre gegenwärtig überflüssig, es genüge vollkommen, nur die wesentlichen Punkte der vorgenommenen Aenderungen zur allgemeinen Kenntnis zn bringen. D Fuchs erklärt sich bereit, auf der vom Vorstande vorgeschlagenen Basis dem Vereine beizutreten, und wünscht, dass sämmtliche Collegen seinem Beispiele folgen. I. Löwit accomodirt seinen Antrag den Ausführungen des Bereinssecretärs und hierauf wird de: einstimmige Beschluss gefasst, in Form einer vom VereinsoorUande sowohl als auch sämmtlichen Comitemitgliederu zu fertigenden Erklärung au die Berufsgenossenschaft einen eingehenden Bericht über die bisherige Thätigkeit in der „Oesterr.-ungar. Cantoren- Zeitung" und mitrelit Circulären zu veröffentlichen und die Collegen zum Eintritt in den „Oesterr.-ungar. Cantoren- Verein" aufzu fordern Die vom Vereinssecretär abgefasste Erkärung hat folgenden Wortlaut: Geehrte Collegen! Gemäß den Beschlüssen des im Juli 1901 in Wien abgehaltenen „allgemeinen Cantorentages" ist der Vorstand des »Oest.-ung. Cantoren-Vereines" unter Mitwirkung des aus den der Wiener Cantoren gebildeten Comiläs, in welches vout Cantorentage die Cantoren Don Fuchs, Bela Guttmann, S. Jurberger. Philipp Kläger, Isidor Löwit, Jsak Schiller, Mayer Schorr und die Chordirigeuten Julius Heimanu und Josef Zellnik entsendet wurden, daran gegangen, im Anschlüsse an den „Oesterr.-ungar. Cantoren-Verein" in Wien, eine die gesammte Berufsgenoffenschaft Oesterreich-Ungarns und Deutschlands umfassende Berufsorganisation ins Leben zu rufen, die, wie sie auf oem Cantorentage geplant war, imponirend durch die Zahl der Mitglieder und geeint durch das Bewusstsein gemeinsamer Ziele die Vertretung der beruflichen Interessen in wirksamerer Weise als bisher übernehmen und durchführen sollte. Zunächst wurde ein Aufruf an die gesammte Berufsgenoffenschaft erlassen, in welchem, unter Hinweis auf die Nothwendigkeit und Dringlichkeit einer derartigen Vereinigung, die für die einzelnen Länder vom Cautorenrage eruauuteu Vertrauensmänner aufgefordert wurden, im Kreise der ihnen, nahestehenden Collegen für das Eiuiguugswerk eifrige Propaganda zu machen und dieselben zum Eintritte in die Berufsorganisation zu bestimmen.

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