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Die Wahrheit · 1902-12-12 · Heft 47 (12.12.1902) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 47 (12.12.1902)
Date
1902-12-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Oie Wahrheit. Nr. 47 N«-apest. In der hauptstädtischen Finanzcommission unterbreitete Repräsentant Dr. Virava den Antrag, die Stadt möge in den Communalschulen „Capellen zur Abhaltung des katholischen Gottesdienstes" einrichten. Bürgermeister Halmos trat dem Anträge entgegen, indem er sagte: „Zur Erhaltung der Communalschulen leisten die Bürger sämmtlicher Confessionen ihre Beitrage. Ein katholischer Gottesdienst kann daher in den Schulgebäuden um so weniger eingerichtet werden, als sodann sämmtliche Confessionen mit vollem Rechte Gottesdienste für die zu ihrer Religionsgenossenschaft gehörigen Schüler fordern könnten." Nach diesen liberalen Worten des Bürgermeisters wurde der Antrag einstimmig abgelehnt. \ Verschiedene Nachrichten. Wie«. Unter großer Betheiligung der vornehmen Kreise Wiens fand Mittwoch den 10. d. M. vormittags am Döblinger Ortsfriedhofe die Bestattung des leider viel zu früh verstorbenen Herrn Josef Thalberg, Chef des Großhaudlungshauses Jos. Kohn & Co., kaiserl. ottomanischer General-Consul, statt. Der Verblichene war in allen Kreisen durch seinen biederen Charakter und seinen ausgeprägten Wohlthät'gkeitssinn hochgeschätzt. Tie Trauersunctionen versahen Oberrabbiner Dr. Güdemann und Obercantor Singer. Wien. Am 10. d. M. fand unter zahlreicher Theilnahme das Leichenbegängnis des Herrn Jakob Goldblatt, Vater des im II. Bezirke bekannten Cafe'iers „Nizza", statt. Der Verblichene hat bei Gründung der Cultusgemeinde Ottakring, .Hernals und Neulerchenfeld eifrig mitgearbeiiet und in den genannten Bezirken verschiedene Ehrcustellen innegehabt, weshalb er auch sich allgemeiner Beliebtheit erfreute. Beim Leichenbegängnis waren auch Vertretungen mehrerer humanitärer Vereine anwesend. Die eantvrale Funktion versah Eantvr Josef Rvthwein in erhebender Weise; den Nachruf hielt Rabbiner Dr. Schmied!. Am Grabe recirirte Herr Brandes, welcher mehrere Jahre als Cantor in größeren Gemeinden fungirte und jetzt Bühnenfänger ist, in ergreifender Weite das „El mole rachamim“. Wien. Am 25. November wurde Herr Oberkautor I. Schlesinger vom Vorstände des jüdischen Schulvereines im X. Bezirke einstimmig zum Ebrengesangslehrer ernannt. An der Stätte, wo unseren Kindern die erhabene Lehre unserer Tora beigebracht wird, sollen nun, um ein harmonisches Ganzes zu erzielen, aus Hunderten von Kehlen unsere poesievollen liturgischen Gesäuge erklingen. Aadeu. 9. Deceinber. Gestern ist hier Doctor Josef Schwarz nach kurzem, schmerzhaftem Krankenlager gestorben. Sein Tod bedeutet für die medicinlscke Welt und speciell für den Curort einen großen Verlust, denn galt als Autorität auf dem Gebiete der Balneologie und hat sich um die Badener Bäder hervorragend verdient gemacht. Dr. Josef Schwarz, welcher ständig die Praxis in Bade» ausübte, war in Kremfier in Mähren geboren, abfolvirte die Gymnasialstudien in Brünn, die medicinischen Studien in Wien, wo er auch das Doctorat erwarb. Als junger Arzt practicirte er durch sieben Jahre im Rudolphspitale und im Rothichildspitale in Wien und nahm vor nahezu dreißig Jahren dauernden Aufenthalt in Baden, wo er. bald eine ausgebrcitete Praxis erlangte. Er wurde zum ordinirenden Arzte im Todesco-Hospiz sowie zum Ordinarius des Spitales für scrophulöse Kinder ernannt. Es gelang ihm, im Vereine mir dem Verwalter Gemeinderath Weißhappel das kleine Spital zu einer Musteranstalt zu erheben, deren Führung und Einrichtungen wiederholt von in- und ausländischen Autoritäten sowie von den Behörden anerkannt wurden. Auch literarisch hat sich Dr. Schwarz iu glänzender Weise bewährt. Seine Monographie „Die Heilquellen von Baden bei Wien", welche bei Braumüller erschien, erlebte in kurzer Aufeinanderfolge vier Auflage», davon zwei im heurigen Jahre. Diese Monographie zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie ebenso sehr dem Arzte Belehrung und Anregung bietet, wie sie, bei strenger Einhaltung der hiefür gezogenen Grenzen, dem Laien mir Aufklärung und gutem Rathe an die Hand geht. Die Thätigkeit d s Dr. Schwarz beschränkte sich jedoch nicht auf die medicinische Praxis allein; ihn beseelte ein Gemeinsinn seltener Art, und so stellte er sich mit seinem ganzen Können und Wissen in den Dienst der .Humanität, deren Bethätigung er als sociale Pflicht auffasste. So organisirte er,-der Erste, den Sanitätsdienst der freiwilligen Feuerwehr in Baden und Umgebung und schuf im Verein mit dem ihm befreundeten Direktor des Badener All« gemeinen Krankenhauses, Ordinarius Dr. Hansy, die Institution der Krankenpflegerinnen und übernahm den theoretischen Unterricht, während Hansy die praktischen Uebungen leitete. Auch hielt Dr. Schwarz naturwissenschaftliche Vorträge, die großen Anklang fanden. Schwarz erfreute sich einer großen Popularität und Verehrung, die auch darin ihren Ausdruck fand, dass er im vorigen Jahre in die Badener Gemeindevertretung gewählt wurde. Als Mensch stand Schwarz ungemein hoch. Er war von anspruchlosem Wesen, wich allen Ehrenbezeugungen aus und fand seinen Lohn nur in dem Bewusstsein, seinen Mitmenschen »ach Möglichkeit gedient zu haben. Eine kräftige Unterstützung seines Strebens fand Schwarz in der Mitwirkung seiner Frau, welche gleich ihm geräuschlos! für das allgemeine Wohl thätig ist und einen hervorragenden Platz in j der Verwaltung des «Rothen Kreuzes" und der „Schulküchen" einnimmt, j Schwarz hinterlätss auch zwei Töchter, welche sich der Wissenschaft und j er Kunst gewidmet, aber auch, ihrer Eltern würdig, an deren edlen! Werken Mitarbeiten. Das Andenken an Dr. Joseph Schwarz wird seinen Platz in der Geschichte Badens behalten. Friede seiner Asche! I ^rag. Montag den 8. fand im Hotel Bristol in Prag die Trauung! des Herrn Leo Freisinger, Sohn des Obercantors Herrn Armin Freisinger > in Pilsen, mit Frl. Gertrud Breslauer statt. Die Trauung wurde von! Herrn Dr. Poznansky Prediger der israel. Cultusgemeinde Pilsen und! Herr Obercantor Adolf Brod aus Prag vollzogen. Nicht weniger als j 500 Telegramme trafen von nah und fern ein, davon die meisten aus j Pilsen, von welchen besonders hervorzuheben sind, die Glückswünsche des j Vorstandes der Cultusgemeinde, der Chewra Kadischa, der ßnei brith» des Frauen-Weisen-Freitisch- und Zion-Vereines. Es ist dies gewiss ein! beredtes Zeugnis, welcher Achtung und Liebe sich Herr Freisinger bei - einer Gemeinde erfreut. I>rag. Am 2. d. M. starb hier im Alter von 78 Jahren der j Stiftungsrabbiner Hermann Reach, Vater des Rabbiners Dr. Julius ] Reach in Raudnitz, und wurde am 3. d. M. unter großer Betheiligung zu Grabe getragen. Staav. Unter großer Betheiligung fand hier am 2. December das Begräbnis des verdienstvollen Vorstehers unserer Cultusgemeinde, des i Malzsabrikanten Heinrich Salz, statt, der im 51. Lebensjahre starb. Herr ' Rabbiner Posnansky hielt die Trauerrede. Die Beerdigung fand auf dem; Friedhofe in Tuschkau statt.! Z?ostrizin. Unser Rabbiner, Herr Moses Reiiker, hat sich am; 21. November einer Prüfung aus der czechischen Sprache und Literatur! an der czechischen Universität in Prag unterzogen und dieselbe vollj kommen befriedigend abgelegt.! Zljvidek, (Großer Tempelraub.) Der jüdische Tempel ist am 18. w! Nachts aus geraubt worden. Die Einbrecher haben Werthe im Betrage! von 80.000 Kronen mit sich genommen und ist es ihnen gelungen, sich! unbemerkt zu entfernen. Bisher ist von den Thäternsiivch keine Spur. Kundmachung. Es wird hiermit zur Kenntnis gebracht, dass auschliesslich die nachbenannten Verkaufsstellen für Koscherfleisoh! unter der besonderen Aufsicht des Rabbinates der Cultus- | gemeinde stehen:! Im 1. Bez. Ignatz W einstein, Seitenstetten gasse 3. j „ 2. „ J Axelrad, Krumrabaumgasse 2. | „ 2. „ j. Heiss, Leopoldsgassse 31. „ 5. „ Joh. Fleischhacker, Schönbrunnerstr. 15. „ 14. „ Ernst Fuchs, Sechshauserstrasse 35. „ 16. „ Heinrich Kohn, Ottakring, rstrasse 86. „ 16. Anna Willner vormals Weiss, Grundsteingasse 12. „ io. „ Franz Schwad osch, Hofferplatz 10, „20. „ Eli Kalter, Jägerstrasse 22. Kur für die hiergenannten ' erkaufsstellen übernimmt das Rabbinat die Verantwortlichkeit in Betreff des Kaschrus. t)er Vorstand der israel. Cultusgemeinde "Wien.

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