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Die Wahrheit · 1902-12-12 · Heft 47 (12.12.1902) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 47 (12.12.1902)
Date
1902-12-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Säte4^- Die Wahrheit. Nr. 47 Dervwetzen bann uns als einem Christlich regierenden Herrn Lid Lands-Fürsten, in Krafft unsers tragenden Ambts zustehen, wohl gebühren will, hierinnen gebührliches Einsehen zuhaben, und ui<|t allein den beschwarlichen verderblichen Gesuch, und Wucher betz den Juden, sondern auch so viel immer möglich, die andere lästerliche böse Handlungen und Thmeu, so anß der Jude» Beywohuung, und daß sie vor andern Christen nicht erkennt werden, abzuslellen, und Verordnung zuthun : daß zwischen Denen Christen und Juden au der Kleydung, und' Tracht etwas ein Unterschied gehalten, und die Juden an einem Zeichen, wie an anderen mehr Orthe» beiLiehet, gemercki, und erkent werden. Und demnach so setzen, ordnen und woben Wir mit wohlbedachter Mnth. guten zeitigen Rach, als regierenden Herr und Lands Fürst, anß Lands'ürsll. Macht, hiemit wissentlich' und in Krafft dieses Btieffs. daß alle und jede Juden, so in ernenteu unseru E» blichen Fürstenihumben und Landen gesessen seyn, und darin hin und wider haudlen und wandlen, zu einem Zeichen, daran sie von den Cbristen unterschieben, und erkem werden (unangesehen aller Statuten, Ordnungen, Satzungen. Exemptionen und und Freyheiten. so sie gemeiniglich, oder ihrer etlich von weyl. unseren Vortahren, Kaysern, Königen, und regierenden Lands-Fürsten Löblicher Gedechmuß, oder Uns erlangt haben möchten, welchen allen und jeden so viel die diier unserer Ordnung und Satzung in ernige Weeg abbrüchig oder verhin derlich seyn, verstanden werden möge», Wir hiemit in Krafft diß Brieffs gäntzlicheu äoroAirl haben wollen) nun biusühro. und in Monathsfrist nach kudiioiruug dieses unsers OeneralS anjüfahen, an seinen obern Rock oder Kleyd anff der Lincken Seiten der Brust euren gelben R ng hievey verzeichne er Runde und Breite deß Zirckels, und nicht schmälte, oder kleiner von einem gelben Tuch gemacht, öffentlich und nnverborgen gebrauchen, und tragen sollen; Wo aber einer oder mehr aus denen Juden, nach Verscheiliung angeregter Monathsfrist diese uniere Satzung und Ordnung übertrellen. und sich obbemeltes Zeichen nit gebrauchen wurde, der soll zum ersten und auderlemal die Kieydung, so er mittag, und alles das jenig, was bey ihme befunden wird, verwürckl haben, und der halbe Tberl derselben dem Anzeiger, und der übrige halbe Theil der Obrigkeit, oder dem Gericht, darunter der Jud also ohne Zeichen betreuen worden, zustehen, und erfol gen : im Fall aber daß er zum drittenmal betreuen wurde, soll er nicht allein jetzlgehörier masten, die Kleydung und was bey ihme befunden wird, verwürckt Häven, sondern er sambt seinen Weib und Kindern noch darzn, und alsodald aller unserer Oesterreichlichen Fürstenthumben und Landen ui ewige Zeit vertonen werden: doch wann die Juden ihrem Gcwerb und Nothdmff: nach, über Land ziehen, sollen sie solch Zeichen auff der Straß zutragen nicht schuÜüg seyn, biß sie in ihre Herbergen und Nachtlager, in die Stadt, Klecken, oder Dörffer kommen, alsdan sollen sie das Zeichen wider herfürnehmen und tragen, und sich dadurch für Juden zuerkennen geben, ohngesährde : Und geb eten demnach euch allen, und euer jeden insonderheit mit allem Ernst, und wollen, daß ihr ob dieser unserer Latznng und Ordnung sestiglich handhabet, und haltet, gegen denen Juden, so in angeregten unseren Fürstenthumben und Landen, odne obbemelte Zeichen betretten werde«i, mit angeregter Straff ernstlich verfahret, und darneben alles das jenige süruehmet, handlet, und verrichtet, so zu Vollziehung dieses unserer Ordnung und Satzung furderlich, und zu Adstellmig der Verhandlungen, so durch die Inden darwider zuüben unlerstanden worden, die Nothdurffl erfordern wird, und euch hierin nicht anderst haltet, alles bey Vermeidung unserer schwüren Ungnad und Straff. I. Augusti 1551. Gemeinde- und Vereinsbotr. Me«. Sonntag, 17. December r/,11 Uhr Bormittags, findet eine »Kentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitische» Cultusgemeinde Wka, l, Seitenstettengaffc 4, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Be« ftdbmg von zwei Euratoren für die Freiherrlich von Rothschild'sche Künstlersttftung für die Periode 1002—1905. 2. Bericht des -Vertreter° Collegjums über Ausnahmen in die Versvrgungsanstalt. 9. Anffiillüng weiblicher Lehrkräfte für den israelitischen Religionsunterricht. 4. Bs»ranschläge der Einnahmen und Ausgaben der israelitischen Cultusg niernde sowie fämmtlicher unter ihrer Verwaltung stehenden Fonde und Anstalten für das Jahr 1903. Wie«. (Probepredigten im Leopoldstädter- und Stadttempel.) Herr Rabbiner Dr. Markus Brande aus Skanislau hält Freitag, den 12. December d I. bei dem Abendgottesdienste, der nnt 4 Uhr 15 Minuten beginnt, im Leopoldstädter Tempel, Tempelgasse, die Predigt u»L am Samstag, den 13. d. M., bei dem um 3 Uhr 15 Minuten staitfindenden Jugendgortesdienste im Stadttempel, I., Seitenstettengaffe, die Exhorte vor den Mittelschülern. Für nächst« Woche ist Herr Rabbiner Dr. H. Brody aus Nachod berufen. Wie». Der am 21. November 190t verstorbene Herr Leopold Kann hat in seinem Testamente ääto. 3. April 1901 nachstehenden Humanitätsanstalten und Vereinen Legatsbeträge von je Kronen 4000, beziehungsweise abzüglich der Erbgebühren per je Kronen 3375-50 behufs Errichtung von „Leopold Kann'sche Stiftungen" vermacht, und zwar: 1. Der der Armenanstalt der israelitischen Cultusgemeinde in Wien affiliirten Speiseanstalt; 2. dem Vereine für das israelitische Blindeninstitut auf der Hohen Warte in Wien, XIX. Lexirk; 3. Deut allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummeit-Jnstitute in Wien; 4. dem Waisenhause für Mädchen des Vereines zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Cultusgemeinde in Wien; 5. dem Altersversorgungshause der israelitischen Cultusgemeinde in Wien zum Andenken an die 40jährige Regierung Sr. Majestät Kaiser Franz Joses I.; 6. dem Vereine Bet-Hamidrasch Talmud Thora (Verein zur Pflege des Thorastudiums) in Wien, II.. Malzgaffe 16; 7. dem israelitischen Bet« hausvereine Chewra-Beth-Hatfilah im Bezirke Al'ergrund in Wien; 9. dem Vereine zur Erhaltung einer israelitischen Kinderbewahranstalt in Wien. II., Schiffamtsgaffe 15; 9. dem Vereine für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten in Wien, I, Seitenstetten- - gaffe 4; 10 dem Vereine zur Beförderung der Handwerke unter den nläudschen Israeliten (sammt Lehrlingsheim), Wien, IX-, Grüne Thoraffe 26, und 11. dem Vereine zur Errichtung von Volksküchen (nach israelitischem Ritus) in Wien, II., Krummbaun,gaffe. Wien. (Mädchen- und Frauenverein „Bikar Chaulim".) Am letzten Sonntag, d. 7. December, fano im Sitzungssaal« der Cultusgemeinde ein Vorirag des Herrn Dr. Martin Engländer über „die auffallend häufigen Kranlheitserscheinungen der jüdischen Race" statt. Wenn das Thema auch im allgemeinen durch die bekannte Broschüre des Redners in weiteren Kreisen nicht mehr fremd ist, wusste er doch durch bis dahin unbekannte Details neuerer Forschungen die zahlreiche Zuhörerschaft bis zum Ende des einstündigen Vortrages zu fesseln. Diese neuen Forschungen, die jedoch noch nicht als abgeschlossen zu betrachten sind, beziehen sich auf gewisse Hautkrankheiten, an denen die jüdische Race mit einem sehr hohen Procentsatze betheiligt ist. — Allgemeiner Beifall belohnte die überaus lehrreichen Ausführungen. v. Wie».. Der humanitäre Geselligkeits-Verein .Rudolfsbund" zur Bekleidung armer Schulkinder ohne Unterschied der Confessio» hat in seiner letzten Vorstandssitzung beschloffen, von der bisher üblichen Bekleidung abzugehen und dieselbe nicht öffentlich in seinem Clublokale, II., Praterstraße Nr. 66 (Cafs Orient) am 17. December 1902, nachmittags, 4 Uhr vorzunehmen. Es soll heuer der Versuch gemacht werden, die Bekleidung mit Ausschluß der Oeffemlichkeit durchzuführen; sollte sich dieser Modus, wie voraussichtlich, bewähren, so wird der Verein Mch in Zukunft ohne jedes Gepränge und nur im Stillen die Bekleidung der Kinder vornehmen. Auch bei der diesjährigen Bekleidung werden die Knaben mit einem vollständigen Winteranzug, die Mädchen mik einem Winterkleid, überdies auch noch jedes Kind mit einem Wintermantel rznd Schuhen beschenkt Der Rührigkeit des Vorstandes, insbesondere dtzffen Obmann, . Herrn Joses Pollak, Armenrath des II. Bezirkes, ist es zu danken, dass auch heuer eine große Zahl von Kindern beschenkt wird, und verdient der Verein gewiss die wärmste Unterstützung, seitens dich, Oeffentlichkeit. : Wien. Der Brigittenauer israelitische Frauenverein zmtz der humanitäre Geselligkeitsverein „Die Prüder" deranstalte.ten «ms. 'Anlass'kW Kinderbctheilung am 8. d. M. abends, im Tempel inMückygaffe ei« solennes Fest, und erschien als Delegirtev des Eültüs-V»srstai(des He«

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