Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 46 (5.12.1902)
- Date
- 1902-12-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3063113-3063159--02223-3068881- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
;eite 8 Die Wahrheit. Nr. 46 bezeichnen wird, allein ich kann nur auf die am 20. October von mir ertheilte Antwort verweisen, dass es bei dem gegenwärtigen Stande der Angelegenheit keinen Zweck haben würde, die Correspondenz zu veröffentlichen." — Are größten jüdischen Gemeinde«. Die größte jüdische Gemeinde der Welt hat Nordamerika: die Stadt New-Iork zählt 400.000 Juden. An zweiter Stelle Rußland.' Warschau mit 250.000 Juden. Dann folgt Oesterreich: Wien mit 140.000 und Budapest mit 80.000 Juden. Mit Wien an gleicher Größe ist wiederum eine Judengemeinde Rußlands : Odessa. Dann erst folgt London mit 120.000 und Berlin mit 106.000 und den Beschluss der größten Judengemeinden der Welt macht wiederum Amerika: Philadelphia mit 100.000 Mitgliedern. Von den zwölf Judengemeinden mit je 50.000 Mitgliedern entfallen über die Hälfte, nämlich sieben, auf Rußland: Berditschew, Kowno, Lodz, Minsk, Shitvmir, Wilna und Witrbsk, während von den übrigen fünf Städten dieser Elaste nur auf die Türkei noch zwei entfallen: Jerusalem und Saloniki; aus Oesterreich Ungarn, Frankreich und Holland je eine - Lemberg, Paris und Amsterdam. Verschiedene Nachrichten. Are«. Dienstag, den 2. d. 4 Uhr Nachmittags fand im israel. Blindeninstitut aus der Hohen Warte ein Trauergottesdienst für den vor Kurzem verstorbenen Präsidenten der Anstalt, Herrn Dr. Hermann Grünbaum, statt, und die erhebende Feier rief bes anders durch den seelenvollcn Gesang der Jnstitutszöglinge unter Leitung des Obercantor Singer bei allen Anwesenden einen tiefgehenden Eindruck hervor. Es war geradezu bewunderungswürdig, wie dieser gemischte Blindenchor, ohne den äußeren Zwang des bei derartigen Anlästen oft allzu aufdringlich sich geberdenden Taktstockes des Dirigenten und durch keinerlei instrumentale Begleitung gestützt, nur seinem seinen musikalischen Empfinden gehorchend, dessen Ausbildung allerdings dem langjährigen Gesanglehrer ,des Institutes, Herrn Obercantor Singer, Ehre bereitet, die an sich ziemlich schwierigen Musikpiecen mit größter Präcision zu Gehör brachte. Nach,dem einleitenden Matowuj gelangte das Sulzer'sche Requiem „Ach Elohim“ (Ps. 116) zur Aufführung, dessen stimmungsvolle Wiedergabe manchem Tempelchore zum Muster dienen könnte. Hieraus hielt Herr Director Heller die Trauerrede, in welcher er mit tiefer Bewegung das Lebensbild des verblichenen edlen Wohlthäters zeichnete und der rührenden Hingebung gedachte, die dieser von hohen Idealen und wahrhafter Menschenliebe beseelte, seltene Mann jederzeit für das Institut und deffen Zöglinge bekundete. Mit der Absingung des „ Schiwissi“ schloß die erhebende Trauerfeier, der unter Anderen beiwohnten: die Familienangehörigen des Verstorbenen, der Präsident der Cultusgemeiude, kais. Rath Heinrich Klinger, vom Curatorium die Damen Fanny Bücher, Rose Freiin von Königswarter, Emma Kallir, Pauline Weißweiller, Stephanie Weiß von Wellenstein und die Herren Theodor R. v. Tauffig, Wilhelm Freiherr v. Königswarter, Karl Mayer und Dr. Ad. Stein; ferner waren anwesend : Frau Profeffor v. Braun-Fernwald, Profeffor Dr. Klein, Stabsarzt Dr. Alois Pick, Dr. Sigmund Wahrmann, Dr. Endletzberger, Director Groag, Gutmann v. Gelse, Wilhelm Kuffner, Ingenieur Deutsch und viele Andere. Wien. Die Emigration der unglücklichen rumänischen Glaubensgenoffen dauert noch immer fort, und so ist denn am letzten Dienstag neuerdings eine große Zahl rumänischer Auswanderer hier eingetroffen, um nach wenigen Stunden der Rast und Stärkung, wel ch letzere ihnen die hiesige .Israel. Allianz" zu Theil werden lässt, mit der Nordwestbahn die Fahrt nach einer neuen Heimat fortzusetzen. Es waren 33 Männer, «2 Frauen und Mädchen, sowie 70 Kinder in verschiedenen Altersstufen. Um dem Grund ihrer Auswanderung befragt, haben sie die stereotype Antwort, dass in Folge des neuen Handwerkergesetzes, das mit großer Schärfe gehandhabt wird, ihnen jeder wie immer geartete Verdienst unmöglich geworden ist, und dass sie, um dem Hungertode zu entgehen, gezwungen sind, nach einem Lande auszuwandern, das schon vielen Tausenden ihrer Schicksalsgenoffen Erwerb gibt. Unter den Frauen sind viele, deren Gatten seit zwei Jahren in Amerika weilen, ihren Angehörige»» mehr als die Hälfte ihres Verdienstes in die Heimat sendeten und jetzt auch die Bahn- und Schiffskarten übermitteln. Eine der durchreisenden Emigranten-Familien wurde hier noch von einer» besonderen Ung ücke betroffen, indein ihr eines ihrer Kinder, ein Säugling von mehreren Monaten, knapp vor der Abfahrt plötzlich starb. Der Vertreter der Allianz, Herr Emil Jellinek, nahm sich der doppelt Hilflosen mit stets bereiter Menschenfreundlichkeit am Wien. Fräulein Mathilde Pasternak und Fräulein Theophile Pasternak, Töchter des Herrn Carl Pasternak, haben sich mit de» Herren Max Geiringer und Edmund Groag verlobt. Ilug.-Arod. Die isr. Gemeinde Ung.-Brod ist von der Vorsehung »nit einer großen Anzahl von Greisen und Greisinen gesegnet worden, die sich mit wenigen Ausnahmen geistiger und körperlicher Frische erersreuen. In Brod allein leben 34 Personen, die das siebzigste, 8, die das achtzigste. 4, die das neunzigste, eine Matrone, die das hundertste Jahr überschritten. Hewitsch. Herr I. Heilpern, Schüler des Obercantor Bauer in Wien wurde als Cantor der hiesigen Cultusgemeinde acceptirt. Deuhaus. Am 22. v. M. feierte der Sohn Leo ■ des hiesigen Fabrikanten, Herrn Sigmund Singer, sein Bar-Mizwah-Fest. aus welchem Anlaffe zahlreiche Freunde und Verwandte des Hauses Singer am Gottesdienste theilnahmen. Der Bar-Mizwah wurde als Maftir zur Thora gerufen und trug die Haftorah »nit lauter Stimme'vor. Herr Rabbiner Horner hielt an den Confirmanden eine Ansprache und Cantor Fürnberg recitirte einen von ihn verfassten Mi-scheberach. Seitens des Herrn Sigmund Singer und seiner Verwandten wurde»» verschiedene Vereine mit Spenden bedacht. Herr Singer spendete überdies noch einen schönen Luster für die im hiesigen Tempel.zu installirende elektrische Beleuchtung. Nicht unerwähnt darf auch bleihei», dass das Fabrikshaus Adler & Singer sich stets mit allen Kräften für die Erhaltung und Förderung der Wohlfahrtseinrichtungen unserer Gemeinde einsetzt. Arzemysk. Sonntag, den 23. November, veranstaltete die ,,Zionistiche Jugend" im hiesigen Teinpel eine Tcauerandacht zum Andenken an das Ableben des Rabbiners Dr. I. Rülf und des Herrn R. A. Braudes s. A., tvobei Herr Cantor M. Singer mit seinem gut geschulten Chore mitwirkte und durch seine allgeinein anerkannte»» Leistu»»gen zur Verherrlichung der durchaus würdigen Feier beiträgt. Mew-dork. „Wann sind die ersten Juden nach Amerika gekomn»en?" Mit dieser Frage beschäftigt sich Maurice Fischberg in der Nelv Aorker „Review» of Reviews" und gelangt zu dein Ergebnis, dass sich bereits u»»ter der Schiffs»nan»»schaft Christoph Columbus Juden befunden haben. Als Neu-England in einen Staatenbund (Vereinigte Staaten) umgetvandelt »vurde, gab es dort etiva tausend Juden, reicht inehr. J»n Jahre 1818 findet man 3000, i. I. 1826 etrva 6000, i. I. 1840 fast 15000 u,»d i. I. 1880 gegen 230 000. Die große Ein»vander»»ng russischer Juden ließ i. I. 1888 die Gesarnmtzahl a»»f 400.000 steigen. Gegenwärtig leben in den Vereinigten Staaten mehr als 1500 000 Juden, in New- . Port allein fasst 600000. Fischberg hat festzustellen versucht, welchen Beschäftigungen sich die Einwanderer mit Vorliebe zuwenden. Die größte Anziehungskraft üben die sogenannten „liberalen Professionen" aus. Drei Fünftel der Schüler der höheren Newyorker Schulen sind Juden. Von den 400 Mitgliedern der Gesellschaft der eingewanderten Aerzte sind 200 Juden und diese 200 haben erst in den letzten zehn Jahren ihr Examen gemacht. Von den 3000 Advokaten, Rechtsanwälten u. s. »v., die New-Pork zählt, sind inehr als die Hälfte Jr»den. Es gibt in Nelv Dork sechs „jiddisch" geschriebene Tageszeitungen, die eine Gesamintauflage von 100000 Exeinplarer» haben. Es wurde fer»»er konstatirt, dass i»» den öffentlichen Bibliotheken der Stadt das jüdische Element am zahlreichsten und am fleißigsten ist. Es repräsendirt mehr als die Hälfte der Leser, während es nur den achten Theil der Bevölkerung New-Aork's bildet. Bemerkenswerth ist ferner, dass unter allen Einwanderergruppen die der Juden (die aus Rußland, Polen und Rumänien gekommen si»»d) während des Krieges mit Spanien die meisten Freiwilligen gestellt hat. Und seit dainals ist auch die Proportion der Juden in der regulären Armee in fortwährender Zunahme begriffen. Römerbad Wien, nächst dem Praterstern