Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 46 (5.12.1902)
- Date
- 1902-12-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Die Wahrheit. Seite 7. gesehen werden, haben in diesen Tagen bewiesen, dass ihr im öffentlichen Leben zur Schau getragener Freisinn nur eine große Lüge bedeutet. Den Widersachern unseres Volkes gegenüber geberden sie sich als Hüter und Träger des Aufklärungsgedankens und der consiltutiouellen Rechte. werfen bei jeder Gelegenheit ihren politischen Gegnern reaktionäre Gesinnung vor, haben aber durch ihr Vorgehen gezeigt, dass ihnen das Recht freier Menschen nur solange heilig.ist, als es ihre eigene schützt, dass es aber keinen Pfifferling werth ist, wenn es gilt, durch seine Umgehung unbequeme Opponenten mundtodt zu machen. Sie, die den politischen Terrorismus Anderer patetisch verdammen, wollen die Rothlage freier akademischer Bürger dazu ausnützen, um ihnen für ein Stückchen Brot die Gesinnung abzuschachern. Die jüdische Technikerschaft kann auf diesen Versuch, sie durch Hunger den Plänen der heutigen Gemeindemachthaber gefügig machen zu wollen, nur mit dem Ausdrucke ihres Abscheus vor derartiger Handlungsweise antworten. Nie und nimmer wird sie sich durch solche Manöver in der freien Bethätigung ihrer politischen Ueberzeuguna beirren lassen. An die Juden Brünns aber richtet sie die Mahnung in ein ein Kampfe um das gute Recht der jüdischen Studentenschaft nicht unthätig zu verharren und sich nicht ihre akademische Jugend einigen Strebern zuliebe durch Billigung und Duldung derartiger Gewaltstreiche, zu entfremden. Gemeinde- und Aereinsbole. Wien. (Cultuswahlen.) Bei den am 2. December 1902 stattgefunbencn Wahlen durch die Curie der Höherbesteuerten wurden als Vorstandsmitglieder mit sechsjähriger Maudatsdauer gewählt die Herren: Dr. Joief Breuer, Dr. Felix Katzau, Ober-Baurath ^Sigmund Tauffig, kaiserlicher Rath Jonas Weil. Als Vorstandsmitglied mit vierjähriger Mandatsdauer wurde gewählt Herr Moriz B. Cißler. Wien. (Israelitische Cultusgemeinde.) Eingelausene Spenden: Von den Hinterbliebenen nach Sigmund Ritter von Bauer, im Sinne des Verblichenen für Arme K. 2000.—, von Herrn Rudolf Auspitz, zur Verköstigung armer Israel. Schulkinder in der Brigittenau K. 200.—, von Herrn Benno Rothziegel, für Arme K. 200.—, von E. R. für das Siechenhaus K. 200.—, von Frau Therese Kann, für den Erhaltungsfond der israelitischen Versorzungsanstalt K. 100.—, von H. T. für den Verein für fromme und wohltätige Werke K. 100.—, von Herrn Julius Straschnow für Arme anlässlich des Ablebens des Herrn Moses Straschnow K. 60. Von Herrn kais. Rat Dr. Theodor Lieben für die israel. Armenanstalt der Ueberschuss einer von ihm eingeleiteten Subskription K. 30.—, von demselben, für Arme K. 10.10, von Herrn Emerich Herzog, für Arme K. 20. Von N. R. 33, für Arme K. 2.—. Entnahme den Büchsen in den Gemeindebethäusern Stadt und Leopoldstadt: Für die israel. Armenanstalt K. 251.24, für die Chewra Kadischa K. 150.27, für die Armen der vsterr. ung. Gemeinden im heiligen Lande K. 56.07. Wien. (Probe-Predigten in den Bethäusern der Wiener israel. Cultusgemeinde.) Rücksichtlich der von dem Vorstande beschlossenen Abhaltung von Probe-Predigten wurde' festgesetzt, dass dieselben am 12. d. M. beginnen sollen. Hiebei wurde normiert, dass jeder vom Vorstande berufene Candidat, und zwar in der Regel in alphabetischer Reihenfolge, je an einem Freitag- Abeno eine Probe- Predigt und an dem darauffolgenden Samstag- Nachmittag eine Exhorte für die Schüler der Mittelschulen abzuhalten habe. Zu diesen Predigten werden im Sinne des Statutes § 35 die Herren Vertrauensmänner eine besondere Einladung seitens des Bethausvorstandes empfangen. Wien. Donnerstag, den 4. December halb 7 Uhr Abends, findet in den Saallocalitäten des Cafe Neptun, XX., Mathildenplatz 7, die Generalversammlung des Tempelvereines „Brigittenau" statt, in welcher nach Berichterstattung des Obmannes, Herrn Cultusvorsteher Hermann Eltbogen, die Neuwahl von 12 Vorstandsmitgliedern und 12 Vertrauensmännern vorgenommen wird. Aus dtm uns vorliegenden Jahresberichte ist ersichtlich, dass dieser Bethausverein sich in stetiger Entwicklung befindet, welche Thatsache in her Zunahme der Mitglieder und in der größeren Anzahl der im abgelaufenen Jahre im Vereinstempel vorgenommenen Trauungen zum Ausdruck gelangt. Die Opferwilligkeit der Mitglieder, die Arbeitssreudigkeit des Bereinsvorstandes und die Förde, rung seitens der Cultusgemeinde lasten ein weiteres Gedeihen des Vereines erwarten. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe) Am Samstag den 13. d. 8 Uhr abends findet in Kuhners Restauration, I. Ädlergaffe eine Plenarversammlung statt. Tagesordnung: „Vortrag unseres Mitgliedes, Herrn Frants Djörup, Stadtzimmermeister, „Welcausstelln ng St. Louis 1904." Damen und Gaste willkommen. Für die Vereinsleitung: der Präsident, Brod, der Schriftführer, Alfred Kisch. Wie». (Jüdische Toynbee-Halle.) Der erste der von nun an jeden zweiten Sonntag stattfindenden Kindernachmittage fand am vergangenen Sonntag den 30. November unter Betheiligung von circa 130 Kindern statt, wobei sich die Kleinen an dem ihnen in reicher Fülle Dargebotenen erfreuten. Lobend zu erwähnen ist eine Gabe des bekannten Casfötiers Brammer, Lichtensteinstraße, der nicht nur für diese Jause Milch spendete, sondern sich bereit erklärt hat, all monatlich die nöthige Milch gratis .zu liefern. — Unter anderen Naturalgaben stoßen der Toynbeehalle in der letzten Zeit zu: 2 Kisten Zucker von Herrn Rudolf Auspitz und 15 Pfund Thee von Herrn Wirozky in Moskau. Wien. Im litterar. Geselligkeits-Verein jüd. Mädchen „Moria" findet Sonntag den 7. d. M. ein Bortrag des Herrn Dr. I. Sadger - über „Wahrheit oder Lebenslüge" statt. Beginn 3 Uhr Nachmittag im Religionssaale der israel. Cultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasfe 2. II. Stock. Gäste, Damen, herstlichts willkommen. Wien. (Jüdisches Museum.) Die „Gesellschaft für Sammlung und Conservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" veranstaltet nächsten Dienstag, 9. d. M. im Festsaale des österr. Ingenieur- und Architekten-Vereines ihren zweiten diesjährigen Vortragsabend, an welchem Schriftsteller Adolph Donath eigene Dichtungen vorlesen wird. Die Kartenausgabe erfolgt im ..Jüdischen Museum", I Krugerstraße 8, Mezzanin u. z. nebst am gewöhnlichen Besuchstage, das ist Samstag, jeder Woche von 11—1 Uhr Mittags auch ausnahmsweise Sonntag, 7. und. 8. d. M. von 3 - 6 Uhr Nachmittags und ist während dieser Zeit auch der Besuch d r Sammlungen gestattet. London, 22. November. Am vorigen Sonntag fand unter Vorsitz des neuen Lord Mayors Sir, Marcus Samuel, zu Gunsten einer im Brorrdesbury-Districr zu erbauenden neuen Synagoge nebst Religionsschule ein Festessen statt, an welchem auch die Aldermeu und die beiden Sheriffs : der City theilnahmen. In Erwiderung eines Toastes aus die jüdische I Geistlichkeit feierte Chief Rabbi Dr. Adler den „mannhaften und würdigen Protest des neuen Magistrats-Oberhauptes gegen die grausame Verfolgung der rumänischen Juden" Dieser Protest beweise, dass die Zeit vorüber ist, wo die Juden angstvollen Herzens und mit leiser Stimme ihre Peiniger um Schonung anflehen mussten. In seiner Rede am Schluffe i des Diners führte Sir Marcus Samuel ans: „Ich denke, dass kein Fude, > der es in diesem Lande zu einer hohen Würde gebracht hat. etwas thun! könnte, was England zu schädigen vermöchte, oder worüber ein Ange- ■ höriger des Judenthums errötheu müsste. Was meine Freunde .und j College», die Sheriffs, gemeinsam mit mir geihan haben, ist von dem! gesammten Magistrat gebilligt und gefördert worden. Wir wollen dadurch den Vertragsbruch brandmarken, welcher so viel Roth und Jammer nicht i nur über Tausende unserer jüdischen Brüder, die der schrecklichen Versol-! gung ansgesetzt sind, sondern auch über zahlreiche 'Arme in London selbst! gebracht hat, welche unter der Concurrenz derjenigen leiden müssen, die! nicht durch ein persönliches Verschulden, sondern durch die eigene! elende Regierung in die Fremde getrieben werden. Wenn diese l Regierung durch .unsere Action nur einigermaßen zum Bewusstsein! ihrer Pflicht gebracht werden sollte, so werden sich Alle überj Zeugen, dass wir richtig und gut gehandelt habend Die Ausschließung \ des rumänischen Gesandten von dem Guildhall-Bankett ist also kein Akt j selbstherrlichen Amtsmißbrauchs des Lord Mayors, sondern ist mit Einwilligung der beiden Sheriffs, der Christen Sir G. Wyatt-Truscott und Sir T. Brocke-Hitching, erfolgt. Hierdurch erhält diese in Wahrheit mannhafte That erhöhte Bedeutnng. — Vorigen Mittwoch hat Major Evans Gordon im Unterhause feine Anfrage wiederholt, ob der Unterstaatssecretär des Aeußeren den Zeitpunkt bestimmen könne, wann die Correspondenz über die Behandlung der Juden in Rumänien zur Veröffentlichung gelangen wird. Biscount Cranborne erwiderte: .Ich hoffe, dass mein verehrter Freund meine Antwort nicht als ausweichend