Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 45 (28.11.1902)
- Date
- 1902-11-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Die Wahrheit. Seite 7. Nabbenu Sadja Gaon bis auf Rambam, Ramban, Raschi, Armen und insbesondere der Kinder anzunehmen bemüht ist. (Wollte sie Raschbaz, Bes Josef, Schach und wie sie alle heißen mögen,! doch ihr tiefes Mitempfinden für fremdes Leid auch an denarmen ver. vor den Richterstuhl des Herrn Dr. Jakob citiren, damit sie; folgten rumänischen Judeu bethätigen, dann würden wir gerne der von ihm den Befähigungsnachweis sich ausstellen lassen. Ob; Ansicht des geehrten Berichterstatters beipflichten. Anm. der Redaktion.) sie ihn erlangen würden, ist dabei doch noch sehr die Frages; | Zwei Staatsmänner reihen sich an, der österreichische und der italienische denn Reformjuden waren sie nun einmal nicht. Das allein! Unterrichtsminister, Ritter von Härtel und Guido Baeelli, ersterer mit müsste schon ihre Wissenschaft um allen Kredit bringen.; dem Spruche: Lsnerolentia lux in tenebria, letzterer mit den Worten: Nach alledem jedoch, was wir von Herrn Dr. Jakob; Si deve instruire il popole quanto baata, ma edacarai piu que ai pui. bisher erfahren haben, müsste es jedoch geradezu mit Wundern j 82 Schriftsteller haben Beiträge geliefert, die Reihe schließt Emile Zola, zugehen, wenn er wenigstens in Bezug auf diesen allgemeinen j 26 Schrifstelerinnen, il Maler, 2 Malerinnen, il Musiker, 2 Mufikerinnen, Vorwu f, mit welchem er das ganze überlieferungsmäßige 14 Sänger und Schauspieler, 17 Sängerinnen und Schauspielerinnen Judenthum in den Grund zu bohren glaubt, eines eigenen; 3 Theologen, 4 Professoren, 3 Aerzte und Philosophen, i Architekt haben Gedankens sich bedieilt. Thatsächlich bewegt er sich auch hiermit ihren Gedanken in Bild und Wort und Tönen das Buch geschmückt, bei in jenen Geleisen, in denen er sich schon bisher als gut Aus Italien, Frankreich, Rumänien, England, Russland, Japan kamen eingefahren gezeigt hat. Es gehört nämlich zu den stehenden Beiträge, die das Buch so reich gestalten, wie kein anderes seines Gleiche« Gepflogenheiten der protestantischen Theologen, dass sie nur ihre Weisheit allein der Ehre für würdig erachten, unter dem Titel Wissenschaft einherstolzieren zu dürfen. Dem Judenthum glauben sie dieselbe grundsätzlich versagen zu sollen, ohne sich erst in feinsinnige Unterscheidungen zwischen dem alten und „neumodischen" Judenthume einzulassen. Was ist nun natürlicher, als dass Herr Dr. Jakob den von dorther gegen das Judenthum im allgemeinen geschleuderten Pfeil aufgreift, um ihn einerseits direkt gegen das überlieferungsmäßige auf's neue abzuzielen. Im Uebrigen ist dies ja eine im wissenschaftlichen Lager schon ziemlich verbrauchte Rakete. Die Philosophen gebrauchen sie den Theologen gegenüber, die Naturwissenschaftler wiederum pflegen sie gegen die Philosophen abzuseuern, die Mathematiker endlich gegen fast alle Welt! — „Wissenschaft" bildet eigentlich den Apfel, um welchen das Schulgezänk zu toben noch nie ausgehört hat. Wir jedoch lassen uns an der Thatsache genug sein, dass unser überliefertes Judenthum eine Litteratur von einer Tiefe undMindringlichkeit des Denkens ausweist, wie dies sonst in der ganzen Welt nicht wiederkehrt und denken: „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen lässt." Gemeinde- und Vereinnbote. Zöien. Mit vornehmer, künstlerisch-litterarischer Festschrift feiert * oas „Ferienheim" seinen Eintritt ins elfte Jahr seines Bestandes. Es begnügt sich nicht damit, Rechenschaft zu geben über sein zehnjähriges Wirken, in welches bekanntlich auch die Errichtung des in einem prachtvollen Parke gelegenen, aus einem'ehemaligen Schloss in einen Sommer- , ausenthalt für Kinder umgestalteten „Kaiser Franz Josef-Ferienheim" - fällt, sondern lässt die hervorragendsten litterarischen,musikalischen, künst-; lerischen und humanitären Persönlichkeiten ihre Fürsprache für die Ferienkolonien und für Kinderpflege im Allgemeinen einlegen. Der Einladung der Präsidentin des „Ferienheim", Frau Sofie Grünfeld, nachkommend,! haben Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Maler und Malerinnen, Musiker Aerzte, Philosophen und Theologen, darstellende Künstlerinnen und Künstler > mit Worten, mit Noten oder mit Zeichnungen einen tiefergreisenden Appell an die denkenden und fühlenden Menschen gerichtet, um ihnen die Notwendigkeit der Kinderfürsorge, den Wert der Kolonien, die Pflicht, den Armen beizustehen, ans Herz zu legen. Aussprüche, Gedichte, Erzählungen, Abhandlungen, Musikstudien, welche dank der Bemühungen des Vorstandes des „Ferienheim" in diesem bemerkenswerten Buche vereinigt wurden, gestalten sich durch die Uebereinstimmung aller Nationen, die darin ver-! treten sind, zu einem überwältigenden Plebiszit für die Ferienkolonien j und für die den armen Kindern zuzuwendende Sorgfalt derjenigen, die, j sei es mit Glücksgütern oder mit Geistesgaben ausgestattet, dazu beij tragen sollen, dass die Wohltaten in zweckmäßiger Organisation der! Kinderwelt zu Gute kommen. Mit einem stimmungsvollen Spruche eröffnet die Königin- Dichterin Carmen Sylva die Sammlung. Ihr tiefes Mitempfinden für fremdes Leid kommt in den Worten zum Ausdruck: „Lea larmea aont lumineuses oarila reftätent le ciel“. Durch ihren Beitrag hat aber Königin Elisabeth auch zu erkennen gegeben, dass sie mit voller Shmpatie das Werk der Kinderpflege begleitet, wie sie ja nicht blos-in ihren Worten, sondern auch in ihren Werken allezeit sich der bisher erschienen ist. Ein Wunsch beseelt sie Alle, dass auf den Altar der Wohlthätigkeit unermüdlich Opfer dargebracht werden. Diesem Wunsche schließen auch wir uns in dem Sinne an, dass wir das Buch wärmstens anempfehlen, deffen Reinertrag der Förderung der Zwecke des „Ferienheim" gewidmet ist. Mien. Mittwoch den 19. November, halb 8 Uhr Abends, hielt Herr Dr. Ernst Sellin, k. k. Profeffor der evang. Theologie, im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Bereines ein en vom „Jüdischen Museumveranstalteten Vortrag über die Ergebniße seiner „Ausgrabungen in Palästina". Die nahezu 2stündigen Ausführungen des gelehrten Forschers, der bei seinen ^Forschungen im heiligen Lande namentlich vom k. k. Unterrichtsministerium, der k. k. Akademie der Wissenschaften und einigen jüdischen Mäcenen in Wien gefördert wurde, wurden von dem zahlreichen Auditorium mit ^großer Aufmerksamkeit und Spannung verfolgt. Mit der Vorführung der Skioptikonbilder wurde das Publikum etwas;u lang auf die Folter gespannt, und es wäre wohl rathsamer gewesen» die Monotonie des Wortes durch Einstreuung der bildlichen Darstellungen in den Vortrag zu beleben, statt erst am Schluffe desselben die Skioptikon bilder vorzuführen. Aber das hochintereffante Thema und die von wissenschaftlicher Tiefe getragene Behandlung desselben durch den Redner überwand alle Bedenken und am Schluffe wurde dem Vortragenden reicher, wohlverdienter Beifall zu Theil. Wie«. „Die jüd. Volksuniversität mit körperlicher Erfrischung^ wie ich die Tovnbeehalle im XX. Bezirke, Karajangasse, nennen möchte, hat in der zweitletzten Woche den zahlreichen Besuchern derselben ganz, außerordentliche Genüsse geboten. Samstag Abends spielten Zöglinge aus der Musikschule ,,Morini" unter persönlichen Leitung ihres Directors eine, ich möchte sagen, Ouvertüre zu dem am folgenden Tage stattgehabten Vortrage Adolf Gelber's kiiber Emil Zola. Das zahlreiche Auditorium lauschte andachtsvoll den Ausführungen Adolf Gelber's, deffen Rede wie lebendiger Quell floß und ein Bild Frankreichs seit der ersten Revolution bis auf den hentige n Tag entrollte, wahr in der historischen Schilderung und Packend in den einzelnen Situationen. Um eine Variante zu gebrauchen : Adolf Gelber hat durch die Kunst seiner Rede den „Bauch von Paris" aufgeschlitzt und seinen Zuhörern die Eingeweide in der natürlichen Form gezeigt. Rach Adolf Gelber sich an den Borlragstisch der Toynbeehalle zu trauen, ist kein kleines Wagestück, und doch war es ei» ganz junger Mann, der dies mit Erfolg versuchte.^ Herr Drd. med. Max Symonovits hielt Montag, den 17. d. einen Vortrag über ven „Schlaf". Mit Geschick erörterte der jugendliche Mediciner dieses etwas schwierige und sehr selten zur Discuffion gestellte Thema, sowohl vom allgemeinen als auch vom psychologischen Standpunkte. Eingangs seiner Darlegungen meinte der Vortragende, sein Auditorium werde wahrscheinlich bald in einen tiefen Schlaf verfallen; aber trotz des mehr als eine Stunde währenden Vortrages ist alles wach geblieben. „Rur etwas Monotones, und wenn es noch so lärmend sei, führt den Schlaf herbei" — sagte der Vortragende selbst, „ein unterbrochenes Geräusch, d. h. ein solches, welches verschiedene Wirkungen auf unseren Organismus ausübt, erhält uns wach." Herr Symonovits verstand es nun, feine Vorlesung mit launigen Apercus zu würzen und so brachte er angenehme Abwechslung in das etwas monotone Thema. R. Ch. Mie». Der ärztliche Verein im ll. Bezirke veranstaltet aus Anlass deS 25jährigen Doktor-Jubiläums seines Obmann-Stellvertreters, Dr. Ignaz Weiß, einen Festabend, welcher Samstag de» 29. November