Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 43 (14.11.1902)
- Date
- 1902-11-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit. Nr, 43 des Herr» Dr. Heinz Cohn über «Völkerrecht u»d ewigen Frieden" —! ferner vom Studirenden Herrn Diamant eine psychologische Studie über! „Selbstprüfung", woran sich eine lebhafte Discuffiön anschloß. — Auch j die am Dienstag abgehaltene Auseinandersetzung über- «Frauenberuf" trug wesentlich zur Klärung der Ansichten bei. Namentlich erfreuten sich! die Ansichten des Frl. Friedmann, einer bewahrte» Lehrkraft, allseitiger! Anerkennung. v Wie«. Einen erschütternden, herzzerreißenden Eindruck machte die am 12. d. M. stattgefundene Beerdigung des kurz nach der Verlobung im Alter von 29 Jahren letzten Samstag plötzlich verstorbenen Herrn Geza Schwarz, des langjährigen Beamten der Firma Gebrüder Kaufmann und Straffer. Die große, allgemeine Beliebtheit des Verblichenen bezeugte die ungemein zahlreiche Betheiligung am Leichen» degängniße, bei welchem Herr Cantor Springer vom Bethause des dritten Bezirkes die cantorale Funktion in erhebendster Weise versah. Den großen Verlust, den die FamUie erlitten, schilderte als Vertreter deS Brigittenj auer Tempelvereines, Herr Dr. Schreiber, mit beredten Worten und am j Grabe widmete Cantor Oesterreicher dem Heimgegangenen Freunde! einen längeren Nachruf, namentlich deffen Pflichttreue, Gewissenhaftigkeit! und Anhänglichkeit an die Seinen hervorhebend. Cantor Roman trug : noch das Grabgebet „El piole rachamim“ vor und dann fiel Scholle! um Scholle aus den Sarg des allzufrüh Dahingeschiedenen. Möge die; tiefgebeugte Familie in der allgemeinen Theilnahme Trost und Aufrichtung finden! n'2'»'Z'n Wie«. (Circus Schumann.) Seit dem Tage seiner Eröffnung hat der Circus hervorragende Erfolge erzielt und ist der Besuch seitens des j Publikums ein fortwährend ausgezeichneter. Bor Allem müffen wir auf j die großartigen Leistungen des DirectorS Schumann auf dem Gebiete j der Dressur und Jnscenirung, welche geradezu Sensation erregen, auf- ‘ Merksam machen. Julius Seeth mit seinen 25 männlichen abeffynischen Löwen zeigt uns Leistungen verblüffender Art. Das ganze Programin; ist großartig und sehenswerth. Fiojetei«. Am 9. d. fand hier die Einweihung einer neuen Cere-; monienhalle auf dem hiesigen Friedhofe statt. Den rastlosen Bemühungen! des Vorstandes der Chewra Kadischa, Herrn Moriz Löwenthal, ist es zu i danken, dass unser früher verfallener Friedhof, den ein morscher Wagen- : schoppen, verwitterte Mauern und gestürzte Holzplanken umgaben,^ jetzt; «inen wahren »guten Ort" bildet. Die Leichenhalle ist nach den Plänen! des k. k. Baurathes Wilhelm Stiaßny in Wien erbaut worden. Dieser j stellte die Pläne zu dem zwar sehr bescheidenen, aber stilgerecht j durchgeführten, höchst gefälligen Bau der Gemeinde Kojetein in hochher-! ziger Weise zur Verfügung, um damit das Andenken seines verewigten i Freundes, des seligen Professor David Kaufmann, des berühmten und - tief betrauerten Sohnes dieser Gemeinde pietätsvoll zu ehren. Eine inr z Innern, an einer Frontseite angebrachte Marmortafel verewigt mit dank, j baren Worten diese schöne That und das innige Freundschaftsverhältnis j dieser zwei Männer der Kunst und Wiffenschaft, das ihnen zu Grunde j liegt. Herr Baurath Stiaßny erschien mit seiner Gemalin persönlich zur j feierlichen Einweihung, die nach der Ansprache des Vorstandes der j Chewra Kadischa, Herrn Moriz Löwenthal, und Erwiderung des Archij testen vom Kremsierer Rabbiner Dr. Frankl Grüm in würdiger Weise : vollzogen wurde. Hierauf entrollte Herr Dr. Oppenheim aus Brünn, ein Schwager des Prof. David Kaufmann, das Lebensbild des so früh entrissenen großen Sohnes der Gemeinde. In allen diesen Reden drückte sich die tiefe Dankbankert für den hochsinnigen Pietätsact aus, den der erst ' jüngst gefeierte Archftekt der Ehrung eines großen Gelehrten, Forschers : und Lehrers gewidmet. Zum Schluss hielt wieder Herr Vorsteher Moriz; Löwenthal eine überaus eindrucksvolle Rede, die in dem Wunsche aus-! klang, dass der alte Geist der Pietät und der Nächstenliebe, die der j Verstorbene geübt, auch von den Lebenden im neuen Hause ausgenommen und mit ins Leben genommen werde, damit dadurch der Ort des Todes zu einem Ort des Lebens werde. An der Feier nahmen Deputationen ' der Nachbargemeinden Theil und zahlreiche Heimatskinder, die aus der Ferne gekommen waren, um ihre hier begrabenen Lieben pietätvoll zu ehren. Schriftlich und telegraphisch stellten sich mit Glückwünschen Ober- ' rabbiner Zadok Kahn-Paris, die Wiener und Budapester Cultusgemeinde, j Frau Professor Irma Kaufmann-Budapest, Dr. Rosentha--Breslau, Rab- ' Liner Freimann-Holleschau, Rabbiner Tauber-Prerau, Dr. Steinhard i Brünn, Ingenieur Schiller-Görz, Bureauchef Hugo Kornfeld-Prag, L.; Nassauer, Zuckerfabriksdisponent Dolloplaß und andere mehr. Abends l fand ein Bankett statt, bei welchem Herr Löwenthal einen Toast auf; Se. Majestät aussprach und bei welchem Herr Baurath Stiaßny und! Herr Löwenthal Gegenstand großer Ovattonen waren. (Mähren.) Am 31. Oktober verschied hier nach langer i Krankheit im Atter von 55 Jahren Herr Adolf Kleinlangjähriger j Direktor der Leinennnd Jutefabrik der Firma Heinrich Klinger in Wien. j Am 2. d. fand unter zahlreicher Betheiligung aller Schichten der hiesigen Bevölkerung, der Beamten- und Arbeiter der Klinger'schen Fabrik die Ueberführung des Verstorbenen nach Brünn statt, woselbst : er über Wunsch der Hinterbliebenen am 3. d. M. » zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Bei dieser Gelegenheit widmete der hiesige Ortsrabbiner, Herr Dr. F. Kanter, im Fabrikshofe, wo die Leiche aufgebahrt wurde, dem Heimgegan« genen einen ergreifenden Nachruf, indem er die Tugenden des verstorbene» Direktors als Gatte und Vater, als treuer und fleißiger Beamter und als guter und gerechter Vorgesetzter schilderte, welche Worte auf alle Anwesend«» einen tiefen Eindruck übten. Sonach ergriff der öffentliche Gchellfchafter der genannte» Fabrik- Herr Paul Lemberger, Schwiegersohn des Präsidenten der Wiener Cultusgemeinde, Herr kais. Rath Klinger, das Wort, um im Namen des Hauses dem Dahingeschiedenen den Dank für deffen langjährigetreue, unermüdliche und aufopfernde Mitarbeiterschaft auszudrücken.. Kein Auge blieb thrünenleer, als nun der Wiener Mitchef in seinem, vom Herzen, kommenden und zu Herzen gehende» Nachrufe die hohen Verdienste des Directors Klein um diese Firma schilderte. Selbst mächtig ergriffen, dankte als Dritter Her Leopold Schönhäuser dem verstorbenen Direktor, nai»ens der Beamten und Arbeiter, für das Wolwollen, das dieser „väterliche Freund und treue Berater" ihnen entgegengebracht hatte, und schloss mit der Versicherung, im Sinne des teueren Verblichenen auch fernerhin wirken zu wollen. Der schier endlose Leichenzug, worunter man u. A. die katholische Geistlichkeit, Vertreter her städt. und pol. Behörden, die hiesigen Lehr- und Bildungs-Anstalten, Abordnungen der hiesigen Kaufmannschaft, Großindustrielle, Ärzte, Advokaten und den Gesammtvorstand der hiesigen Cultusgemeinde und Chewra Kadischa erblickte, bewegte sich hierauf zum Bahnhofe, woselbst der Leichnam, zwecks Überführung nach Brünn, einwaggonirt wurde. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Sympathie-Kundgebung und gab beredtes Zeugnis von der Verehrung und allgemeinen Beliebtheit, der sich der so früh Heimgegangene in allen Bevölkerungskreisen erfreute. Die cantorale Function versah Schreiber dieser Zeilen. Herr Paul Lemberger widmete aus diesem Anlässe namhafte Beträge der hiesigen Cultusgemeinde, Chewra Kadischa und städt. Armencaffe, wofür ihm allseitig viel Dank gespendet wurde. Bei dieser Gelegenheit sei mir auch gestattet, über die hierselst vor etwa 4 Wochen stattgehabte, selten schöne und erhebende Einweihungsfeier des neuerbauten Tempels Bericht zu erstattet Das neue Gotteshaus, ein architektonisches Meisterwerk des Wiener Architekten Herrn Ernst v. Gotthilf, Schwiegersohn des Gemeinderaths, Herrn Donat Zifferer, gereicht in der That sowol unserer Cultusgemeinde als auch der hiesigen Industriestadt in jeder Beziehung zur Zierde. Um das Zustandekommen dieser Glaubensstätte haben sich besonderer Verdienste erworben: der. allzeit- -das^-Wohl -der- - Gemeinde mit dem Aufgebote aller Kräfte fördernde, rührige Vorsteher, Herr Fabrikant Josef Stein, und der Tempelvorsteher, Herr Max Zifferer, welche Beide im Vereine mit dem Gesammtvorstande dieses fromme und edle Werk thatkrästig unterstützt und das Fertigstellen dieser heiligen Stätte mit sichtlichem Interesse und aufopfernder, großer Umsicht eifrigst verfolgt haben. Dieselben Herren Würdenträger der hiesigen Cultusgemeinde bemühen sich auch weiterhin, durch innere, dem Hause würdige Einrichtungen und auch äußere Dekorationen zur Verherrlichung des Gottehsauses uyd Gottesdienstes beizutragen, wozu ihnen der Allmacht Beistand und reichlicher Segen gnädigst zutheil werden möge. An der Einweihungsseier, die sich geradezu als ein Kidusch Haschem gestaltete, nahmen alle Honorationen der hiesigen Stadt und des politischen Bezirkes, sowie Abordnungen vieler auswär tiger Cultusgemeinden, u. A. auch der Vorsteher der Brünner Cultüs gemeinde theil. Die — im hellbeleuchteten, mit elektrischer Einrichtung und allem Comfort ausgestatteten Mustertempel von Sr. Ehrw. Herrn Dr. Kanter mit gewohnter Meisterschaft geführte Festrede wirkte auf alle Zuhörer entzückend, gleichsam begeisternd und verdient durchaus, sowohl der Form als auch dem Inhalte nach, als eine vollendete anerkannt zu werden. Ebenso executirte in überaus erhebender Weise der zur Einweihungsseier geladene Obercantor, Herr I. Heller aus Brünn, mit seinem vorzüglich geschulten Chorpersonale unter Harmoniebegleitung die festlichen Gesänge; eine vom Obercantor Heller componirte in der Schlusspiece (dem sog. großen Adau.n-A.ulom D-dur von Sulzer) trefflich zu Gehör gebrachte Solo-Einlage wirkte außerordentlich entzückend und wurde beifällig ausgenommen, wonach mit der Absingung der Volks- Hymne, hie vom Chorpersonale aus voller K-Hle und mit gesunden rischen Organen tadellos vorgetragen wurde, die selten schöne Feier ihr Ende fand. Cantor M. Groß. Aeuöidscho«. Der Chef der Firma S. Klein und Söhne, k. k. landesbes. Kunst- und Walzmühle in Smiritz a. E., Herr Simon Klein, spendete zur Anschaffung einer neuen Orgel für den hiesigen Tempel den Betrag von 100 Kronen. - Arag. Seit Kurzem besteht hier eine rituelle Volksküche, wo man für 15—20 Kreuzer ein completes Mittagsmahl bekommt- Das Local hat die hiesige Cultusgemeinde beigestellt. Die Leitung - der Volksküche besorgt das Ehepaar Dresdner. Die Mittel zur Erhaltung derselben stellt ein neugegrünoeter Wohlthätigkeitsverein bei, auch die Cul usgemeinde gibt einen Beitrag. Mit dieser Einrichtung ist einem dringenden Bedürfniße. abgeholfen worden. . >v;c. •- Hrevilsch. Nach beifällig ausgenommenem Probevortrage wurde Herr Moritz Fuchs,, bisher Cantor in Gewitsch, als Gantor und Peli» giouslehrer der israel. Cultusgemeinde Trebitsch augestellt.